Für die Geburt hatten wir nach langem Hin und Her schließlich doch noch eine Doula angeheuert.
Lange war ich davon nicht begeistert, denn das sind relativ große Kosten, die von der Krankenversicherung nicht getragen werden. Hinzu kommt, dass die Doula-Ausbildung extrem kurz und oberflächlich ist, eigentlich ein Witz. Und dass wir ja extra den Bradley-Kurs belegt haben, der die werdenden Väter zu einer ähnlichen Rolle qualifizieren soll. Und dass ich ja eine Hebamme anstatt eines Arztes habe, was einem eine dauerhaftere Betreuung während der Geburt bescheren sollte.
Andererseits ist immer nur eine Hebamme aus meiner Praxis im Krankenhaus und wenn mehrere Frauen gleichzeitig entbinden, ist man trotzdem viel allein. Und so kurz die Ausbildung auch sein mag – eine Doula hat viel mehr Erfahrung mit Geburten als Michael oder ich, und es schien nicht fair, Michael die ganze Last der Unterstützung aufzubürden (vor allem, falls die Hebamme anderweitig beschäftigt ist). Wirklich ausschlaggebend war dann aber, dass die Krankenschwester, die die Führung im Geburtskrankenhaus gemacht hat, dringend geraten hat, eine Doula anzuheuern, wenn man es sich irgendwie leisten kann. Und dass eine Freundin (deren Vorstellungen sich am besten von allen Eltern hier mit meinen decken) mir ebenfalls drigend zugeraten hat, wenn ich eine Geburt ohne Medikamente möchte.
Schließlich haben wir eine Doula gefunden, die schon über 70 Geburten begleitet hat und in der Ausbildung zur Hebamme ist. Zu ihren Leistungen, die im Paket gekauft werden müssen, gehören diverse Vor- und Nachbereitungs-Besuche, davon zwei bei uns zu Hause. Und dann natürlich die Begleitung der kompletten Geburt – A. würde zu uns nach Hause kommen, mit ins Krankenhaus fahren und bis zwei Stunden nach der Geburt die ganze Zeit bei uns sein. Sie arbeitet außerdem für eine Organisation in Columbus, die Hausgeburten macht, was bedeutet, dass sie Backup-Doulas hat, falls sie selber mal krank wird oder so. Außerdem würden uns andere Services der Organisation kostenlos zur Verfügung stehen, zum Beispiel die Leihbücherei mit Eltern- und Schwangerschaftsratgebern, eine Eltern-Mailingliste und ein Umsonst-Laden für gebrauchte Babysachen.
Das klang gut, aber während der Vorbesuche habe ich die Entscheidung für eine Doula im Allgemeinen und A. im Besonderen immer wieder angezweifelt. A. war definitiv eine von denen, die einem alle möglichen alternativen Mittelchen aufschwatzen wollten. Sie hat zwar immer höflich eingelenkt, wenn man etwas nicht wollte, aber es war genug Arbeit, all ihren Vorschlägen wenigstens mal nachzugehen.
Bis zur Geburt war ich also sehr skeptisch, aber dann hat sich meine Meinung von A. schlagartig verbessert und im Nachhinein bin ich superfroh, eine Doula gehabt zu haben. Es fing nämlich damit an, dass meine Hebammen eine sehr volle Woche hatten – eine war auf Fortbildung, die andere hat in der Woche 15 Babies entbunden, plus Vorsorgetermine gemacht. Auch als wir ins Krankenhaus kamen war die Hebamme beschäftigt. Sie war zwar viel bei uns und man hat ihr den ganzen Stress auch gar nicht angemerkt, aber die ganze Zeit da war sie nicht – anfangs alle Stunde mal kurz, ab Nachmittag dann fast die ganze Zeit. Währenddessen hatte A. auch allerlei gute Vorschläge, was man in diversen Situationen tun könnte.
Später hatte sie vor allem die richtigen Worte, als ich aufgeben wollte. Ich bin ganz sicher, dass sie maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich nicht aufgegeben habe und ich bin mir genau so sicher, dass Michael allein das nicht geschafft hätte – nicht aus mangelndem Wissen oder Einführungsvermögen, sondern weil ich ihm bestimmte Sachen nicht geglaubt hätte. Direkt nach der Geburt hat A. sehr viele nette praktische Dinge für uns gemacht, von Fotos bis zum Holen von Essen aus dem Fast Food Laden im Untergeschoss des Krankenhauses (offiziell gab’s nichts mehr und ich hätte mit ein paar Crackern bis zum Morgen ausharren müssen, und das nach 12 Stunden nur mit Saft und Wasser).
Die Nachbesuche waren ebenfalls sehr wertvoll, weil es hier offiziell nur einen Besuch bei der Hebamme (oder dem Arzt) sechs Wochen nach der Geburt für die Mutter gibt, plus einem Kinderarztbesuch nach einer Woche und einem weiteren nach einem Monat. Nach Hause zu einem kommt hier keiner (naja, einen freiwilligen Nurse-Besuch hatten wir). Mit A. aber hatten wir mehrere Besuche und wir konnten sie viele Sachen fragen, auch in puncto Stillen, Schlafen, eigene Erholung usw. – da sammelt sich halt doch einiges an.
Und auch unter den vielen alternativen Tipps waren ein paar gute – z. B. zur Suche nach einer Kinderärztin oder zu sehr umfangreichen Informationen über den Impfkalender der USA. Auch die Leihbücherei und den Umsonst-Laden haben wir genutzt.
Insgesamt also doch eine positive Erfahrung, die wir trotz der Kosten nicht bereuen.