Die Schweinegrippe-Welle hat hier möglicherweise ihren Höhepunkt bereits überschritten, während es in Deutschland offenbar gerade erst richtig losgeht. Da passt es gut, dass Ohio gerade noch mal neuen Impfstoff bekommen hat. Hier gibt es nämlich nur den Impfstoff ohne Impfverstärker, dafür aber nicht immer allzu viel davon.
Je nach State und Stadt wird die Impfstrategie unterschiedlich gehandhabt. In Columbus hat das Gesundheitsamt sinnvollerweise mit den Gruppen mit dem höchsten Risiko begonnen und sich dann vorgearbeitet. Nach Schwangeren, Kleinkindern, Kindern mit Risikofaktoren und Betreuern kleiner Kinder ist man jetzt auch bei den jüngeren und mittelalten Erwachsenen mit Risikofaktoren angelangt. Da gehöre ich zu und deshalb konnte ich mich jetzt noch impfen lassen. Immer, wenn es gerade wieder eine Ladung Impfstoff gibt eröffnet das Gesundheitsamt für ein paar Stunden eine Klinik im Veteran’s Memorial, einer Art Veranstaltungszentrum Downtown. So auch heute von 17 bis 20 Uhr. Und diese Klinik ist absolut perfekt organisiert – ich war wirklich sehr beeindruckt.
Um 16:20 Uhr war ich vorsichtshalber da und hatte mich schon auf lange Schlangen im Regen eingestellt. Stattdessen durften alle in einer Halle warten, im Trockenen und im Sitzen – es waren hunderte Stühle in einer Schlange aufgestellt. Da saßen auch schon gute 150 Leute. Man musste ein kurzes Formular darüber ausfüllen, wer man ist, warum man glaubt dass man geimpft werden darf und ob man irgendwelche Risikofaktoren für die Impfung an sich hat. Es gab auch zahlreiche Krankenschwestern, die man noch ausfragen konnte. Pünktlich um 17 Uhr setzte sich die Schlange in Bewegung und um 17:30 war ich schon fertig. Absolut effiziente Abfertigung! An einer Station wurde geguckt, ob man den Bogen ausgefüllt hat und ob da irgendwelche Risiken draus zu erkennen waren. Dann gab es Dutzende Tische mit Leuten vom Gesundheitsamt, die geschaut haben, ob man per Nasenspray oder Spritze geimpft werden sollte (je nach Risikofaktoren). Dann gab es ca. 30 Leute, die geimpft haben. Alles sehr freundlich trotz Massenabfertigung – und sehr schnell. Die Leute in der Schlange waren übrigens auch alle sehr geduldig, hier drängelt keiner. Nach der Impfung bekam man eine Karte fürs Portemonnaie auf der stand, was man genau bekommen hat (Impfstoff und Dosis), als Information für den Arzt falls man Nebenwirkungen bekommt. Dann noch 15 Minuten in einer Halle unter Aufsicht des Roten Kreuz warten, ob man nicht umfällt und fertig. Und kostenlos, egal ob man krankenversichert ist oder nicht! Getränke und Snacks hätte man auch kaufen können (Wasser gab es wie hier überall umsonst), Wickelplätze für Babies waren ebenfalls vorhanden.
Vorher hatte ich durchaus Bedenken, weil ich von langen Schlangen in Columbus gehört hatte, als die ersten Kliniken für Kinder und Schwangere geöffnet hatten. Außerdem hatte ich im Fernsehen einen Bericht gesehen, in dem ein nahe gelegenes County Drive-through-Impfungen gemacht hat: Autofenster runter, Spritze in den Arm, weiterfahren. Das schien mich nicht so seriös. Aber hier hat das Gesundheitssystem in Columbus wirklich mal ganz ausgezeichnet funktioniert!






