Richtige Trödelmärkte sind hier ausgesprochen selten. Stattdessen gibt es, vor allem im Sommer und meistens an Wochenenden, zahlreiche Garage- oder Yard Sales. Da entrümpelt man sein Haus und verkauft die überschüssigen Sachen direkt in seinem Garten oder seiner Garage. Eigentlich eine sehr nette Einrichtung, und besonders praktisch für die Verkäufer. Solche Sales findet man über Kleinanzeigen (z. B. auf Craigslist) oder einfach durch entsprechende Schilder in der Nachbarschaft. An manchen Tagen schließt sich ein ganzes Viertel zum Yard Sale zusammen, so z. B. heute German Village (der Short North ist demnächst auch noch dran). Da gibt es dann besonders viele Yard Sales in räumlicher Nähe zueinander am selben Tag. So etwas zieht natürlich weit mehr Besucher als ein einzelner Sale und kommt einem Trödelmarkt schon recht nahe. Die Sachen, die die Leute los werden wollen decken sich oft mit dem, was Leute in Deutschland los werden wollen: viele alte Gläser, Vasen, Lampen, alte Elektrogeräte, ausgelatschte Schuhe usw. Bücher und Filme haben hier offenbar einen höheren Durchsatz, da gab es teilweise relativ aktuelle Sachen. Insgesamt aber durchaus empfehlenswert!

Die hiesige Telefonrechnung sieht ganz schön kompliziert aus. Wir sind bei AT&T, dem amerikanischen Marktführer, der eine ähnliche Stellung hier hat wie in Deutschland die Telekom. Im Monat zahlen wir $22.38 für das Telefon, inklusive Ortsgespräche. So weit, so gut. Diese $22.38 setzen sich jedoch aus sieben auf der Rechnung separat aufgeführten Beträgen zusammen. Wohin die einzelnen Beträge gehen habe ich gerade aus einer Art Verbraucherschutzbuch gelernt:

  • Line Charge: $6.70. Das ist die Anschlussgebühr. Die geht an AT&T dafür, dass wir überhaupt einen Telefonanschluss/ eine Telefonnummer haben, unter der wir erreichbar sind.
  • Unlimited Residence Service: $7.55. Das ist die Flatrate für Ortsgespräche. Ich glaube, man muss so eine Flatrate mitkaufen, sonst bekommt man keinen Telefonanschluss - aber sicher bin ich da nicht.
  • Federal Access Charge: $5.41. Hier hatte ich mich immer schon gefragt, was das sein soll - beträgt ja immerhin ca. 25% der Rechnung. Wie sich herausstellt ist das eine Gebühr, die die Telefongesellschaften erheben müssen, weil die Federal Communications Commission das so festgelegt hat. Das Geld geht jedoch erst mal an die Telefongesellschaft. Offenbar dient es der Subventionierung der Long-Distance Companies, die Ferngespräche ermöglichen.
  • 9-1-1 Emergency System billed for Franklin County: $0.12. Gebühr für den Notruf, geht ans Notrufsystem von Franklin County, wo sich Columbus befindet.
  • Federal Universal Service Fee: $0.61. Geht an den Federal Universal Service Fund, der dazu da ist, abgelegene Regionen und Schulen ans Telefonnetz zu bringen.
  • Federal Taxes at 3%: $0.61. Steuern, die vom Federal Government, also auf Ebene der Vereinigten Staaten, erhoben werden.
  • Sales Tax at 6.75%: $1.38. Mehrwertsteuer, die an den State of Ohio geht.

Macht zusammen $22.38. Ganz einfach, oder?

Die lieben Steuerberater haben uns in dem Glauben gelassen, dass es günstig wäre, in den USA “married filing jointly” zu wählen, unter anderem, weil das unsere Chancen auf den Erhalt der $600 pro Person, von der Regierung als “Economic Stimulus Package” in diesem Jahr ausgezahlt, erhöhen würde. Wie sich herausstellt, hindert es unsere Chancen aber sogar. Um das Geld zu bekommen, brauchen bei “married filing jointly” beide Personen eine Social Security Nummer, sonst kann keiner der beiden das Geld erhalten. Hätten wir “married filing separately” gewählt, hätte wenigstens Michael das Geld bekommen. Um ganz genau ausrechnen zu können, ob sich das gelohnt hätte, oder ob wir wegen anderer Pauschbeträge $600 oder mehr zusätzlich hätten zahlen müssen fehlen mir die Möglichkeiten. Es bestärkt jedoch mein Misstrauen in H&R Block. Die meiste Zeit hatte ich den Eindruck, dass der Berater dort sich nicht optimal auskennt. Das Ende der Geschichte schien am Tax Day dann aber doch so gut, dass ich geneigt war, es als Happy End anzunehmen. Jetzt bin ich weniger sicher, aber ganz sicher, dass wir nächstes Jahr unsere Steuern nicht wieder dort machen lassen. Und schade um die $1200 ist es natürlich auch.

Nachtrag: Inzwischen haben wir ausgerechnet, dass wir trotzdem die günstigste Option gewählt hatten (married filing jointly, US citizens for tax purposes). H&R Block hätte uns zwar warnen können/ keine Hoffnung machen sollen, aber am Ergebnis hätte das nichts geändert. Inzwischen richtet sich mein Ärger eher gegen die Diskriminierung von H4-Visum-Haltern und deren Familien durch die Regierung: Wenn ich nicht da wäre, würde Michael $600 bekommen. Wenn wir beide z.B. eine Green Card (oder beide ein H1B Visum) hätten, würden wir $1200 bekommen - bei gleichem Einkommen, gleichen Steuern usw. Die Regel mit den Social Security Nummern wird praktisch nur Familien betreffen, in denen eine Person auf H4 in den USA ist. Mit H4 kann man nämlich nur eine iTIN (Steuer-Identifikationsnummer) bekommen. Die kann man angeblich aber auch als illegaler Einwanderer beschaffen. Statt eine Kopie des Visums zu verlangen, um zu prüfen, ob jemand legal hier ist, wird gar nicht groß gefragt, sondern die Leute mit iTINS werden automatisch ausgeschlossen. Ansonsten sind die Zahlungen 100%ig an die Steuerpflichtigkeit in den USA und nicht an die Staatsbürgerschaft geknüpft (was ich noch hätte verstehen können).

Seit wir hier sind haben uns schon mehrere Leute beläufig zu verstehen gegeben, dass die Amerikaner hauptverantwortlich für den Fall der Berliner Mauer sind. “And he was, like, tear down this wall, and, uh, then it actually happened! This is so fantastic!” So was sagen im Allgemeinen Leute, die wir gerade erst kennen lernen oder mit denen wir Smalltalk auf irgendeiner Party halten, weshalb es mir nicht angebracht scheint, weit auszuholen und das Geschichtsverständnis etwas näher an die Realität zu rücken. Eine passende, aber trotzdem höfliche und kurze Antwort ist mir bisher noch nicht eingefallen.

Nachdem wir die amerikanische Steuererklärung just in time abgegeben hatten, sind wir nun auch mit der deutschen Erklärung fertig. Trotz Heirat und Einkommen im Ausland war das doch wesentlich einfacher. Ob die Erklärung 100%ig stimmt, werden wir erst durch den Steuerbescheid erfahren. Aber wir sind uns relativ sicher und wenigstens ist sie völlig im Einklang mit der amerikanischen Steuererklärung in dem Sinne, dass jeder Cent in einem (und nur in einem!) der beiden Länder versteuert ist und alles Einkommen auf beiden Erklärungen angegeben ist. Demzufolge denke ich, dass größere Probleme ausbleiben sollten. Wir haben das Problem des Auslandseinkommens so gelöst, dass wir uns beide als beschränkt in Deutschland steuerpflichtig bis zum jeweiligen Ausreisedatum erklärt haben und dann das Einkommen außerhalb dieser Zeit in die passende Zeile geschrieben haben. Dazu noch eine Kopie des W2 (einer Art amerikanischen Lohnsteuerkarte) und fertig. Wenn der deutsche Steuerbescheid kommt, müssen wir die amerikanische Erklärung noch mal um das selbständige Einkommen korrigieren. Dann ist aber auch wirklich Schluss!

Und wieder waren wir gerade rechtzeitig mit dem Auto nach Hause gekommen, um Sirenen und Glocken zu hören. Ich kann’s ja nicht glauben, dass die Tornados auch an einem normalen, nicht besonders heißen Tag mit ordentlich Regen kommen können. Können sie aber offenbar. Diesmal war bereits ein richtiger Tornado westlich von Columbus gesichtet worden, der nach Nordosten gezogen ist, zum Glück an uns vorbei. War aber ganz in der Nähe von Michaels Büro! Schlauer oder waghalsiger geworden haben wir diesmal nicht das feuchte Kellerloch aufgesucht, sondern uns ans Wetterradio gehängt um zu schauen, welche Gebiete in Columbus genau betroffen sind. So lange “Downtown Columbus” nicht dabei war (war es zum Glück nicht) würden wir erst mal nicht in den Keller gehen. Auch diesmal wieder sehr dunkel, viele Wolken, viel Wasser - aber weniger als letztes Mal. Sah eigentlich wie ein normales Unwetter aus, diesmal sogar ohne Gewitter (bei uns zumindest).

Diesmal ist Michaels Fahrrad weg (war alt und hatte einen Platten), gestohlen von unter einer wasserdichten Plane bei uns hinterm Haus. Langsam bekomme ich ein bisschen Angst, ob nicht irgendwelche Leute unser Haus beobachten und Sachen klauen. In besonders ängstlichen Momenten frage ich mich, ob es bis zum Einbruch nicht mehr weit ist :-( Fast jeder in der Nachbarschaft hat irgendeinen Kram draußen stehen, Fahrräder, Grills, Gartenmöbel, Kübel, Gartengeräte usw. Aber nur bei uns kommt das Zeug offenbar regelmäßig weg! Diesmal haben wir einen police report ausgefüllt, aber natürlich sind die Chancen verschwindend gering, dass man das Rad zurück bekommt.

Nein, es betrifft uns (zumindest noch) nicht persönlich, aber wer in Erwägung zieht, in den USA ein Kind zu bekommen, dem kann ich schon mal wärmstens den Dokumentarfilm “The Business of Being Born” empfehlen (gibt’s bei Netflix sogar als Instant View) sowie das Buch “Pushed. The painful truth about childbirth and modern maternity care” von Jennifer Block. Besonders das Buch ist sorgfältig recherchiert und mit Statistiken der WHO und ähnlicher Organisationen unterfüttert. Die Message ist beide Male ähnlich und beeindruckend. Es scheint, als seien die USA das einzige gut entwickelte Land, das Geburten normalerweise nicht durch Hebammen durchführen lässt. Die Prozentsätze von Kaiserschnitt-Geburten und künstlich eingeleiteten Geburten sind horrend hoch. Alles ist High-Tech, wobei jede angwandte Prozedur ihre eigenen Risiken hat. Die USA haben für ein entwickeltes Land jedoch eine erstaunlich hohe Mütter- und Neugeborenen-Sterblichkeitsrate. In manchen States machen sich Hebammen sogar strafbar, wenn sie eine Hausgeburt betreuen. Man erfährt, womit das alles zusammenhängt, von der Angst vor Kunstfehler-Klagen über bessere Planbarkeit der benötigten Krankenhausbetten usw. Ohne hier sehr ins Detail gehen zu wollen kann ich nur sagen: Das Lesen lohnt sich auf jeden Fall. Verschiedene medizinische Prozeduren im Zusammenhang mit einer Geburt werden beschrieben, ihre Häufigkeiten genannt, ihre Risiken anhand von Studien beziffert, Alternativen aufgezeigt wo es möglich ist. Es kann nicht schaden, sich darüber mal zu informieren - besonders wenn man aus Deutschland in die USA zieht, wo das System ein ganz anderes ist, eine Betreuung durch Hebammen normal ist und die Risiken für Mutter und Kind wesentlich geringer sind.

arbeitet Michael nun schon hier. Am 7. Mai 2007 hat er seinen Job hier angefangen. Der Arbeitgeber hat eine große Summe Geld in den Umzug gesteckt (One-Way-Flüge, Container, Anteil Luftfracht, Startkapital für erste Anschaffungen). Wir mussten nur die Steuern auf diese Ausgaben zahlen. Dafür sind wir auch die ganze Zeit über extrem dankbar. Es gab jedoch eine Bedingung: Falls Michael die Firma aus anderen Gründen als Pleite der Firma vor Ablauf des ersten Jahres verlässt (freiwillig oder unfreiwillig) müssen wir die gesamten Umzugskosten zurückzahlen. Gegen Ablauf des Jahres haben wir an diese Abmachung wieder häufiger gedacht. Und obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür wohl nie wirklich hoch war und mit der Zeit wohl eher gesunken als gestiegen ist, ist es ein sehr gutes Gefühl, zu wissen, dass das Jahr um ist. Yay!

…warten auf uns. Ich muss sagen, die Präsidentschaftswahl zieht sich ganz schön hin, noch bevor sie so richtig angefangen hat. Gestern war es wieder mal besonders spannend. Was die Wahlabende anstrengend macht ist, dass man so lange auf die Ergebnisse warten muss. Beim Schließen der Wahllokale gibt es für die Vorwahlen in der Regel keine repräsentativen Umfrageergebnisse (oder wenn, dann werden sie jedenfalls gut geheim gehalten). Hochrechnungen haben wir auch selten gesehen. Die Ergebnisse kommen meist in der Form: “X% der Stimmen im State Y sind ausgezählt, dabei haben a% für Obama und b% für Clinton gestimmt”. Der Anteil der ausgezählten Stimmen steigt über die Zeit, aber manchmal fehlt ein wichtiger Wahlkreis bis ganz am Schluss und je nachdem, wie viele Leute dort wohnen, kann sich das ganze Bild bis zur letzten Minute noch ändern. Dann heißt es lange aufbleiben.

Hinzu kommt, dass wir auch nach der x-ten Vorwahl immer noch nicht die optimale Quelle für die Ergebnisse gefunden haben. Anfangs haben wir brav um 18 Uhr das Fernsehen angeschaltet, erfolglos. Dann ein neuer Versuch um 20 Uhr, wieder erfolglos. Man muss allerdings dazu sagen, dass wir Fernsehen nur über Antenne empfangen, es soll wohl einige Kabelkanäle geben, die mehr berichten. Inzwischen schauen wir so ab 21 Uhr immer mal auf die aktuelle Auszählung auf der Website der New York Times. Erst um 23 Uhr (!) kommt dann eine Diskussionsrunde auf PBS (das öffentliche Fernsehen). Die genauen Ergebnisse stehen manchmal auch danach noch nicht fest. Ich bin gespannt, ob es bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl anders aussieht! Und wir müssen NPR, dem Radio, noch mal eine Chance geben - wir mögen NPR grundsätzlich sehr, haben es aber an Wahlabenden noch nicht umfassend getestet.

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