Letztens hatte ich ja schon angedeutet, dass es ganz schön schwierig sein kann, hier rechtliche Dinge zu regeln. Besonders dringend in dem Zusammenhang ist, dass ich immer noch keine vernünftige Auskunft dazu finden konnte, unter welchen Bedingungen ich auf dem H-4 Visum ehrenamtlich arbeiten darf. Um da weiter zu kommen, musste ich erst mal lernen, wie ich die rechtlichen Regelungen dazu überhaupt herausfinden kann. Dazu habe ich das „Legal Research“ Buch von Nolo ausgeliehen.
Das Buch ist der Materie entsprechend ziemlich trocken, scheint aber doch hilfreich. Auch wenn ich noch keine Recherche gemacht habe, habe ich wenigstens einige grundlegende Dinge über das Recht in den USA gelernt. Erfahrung im Forschen und Recherchieren könnte mir hier noch viel nützen! Denn sobald man eine konkrete Frage hat, z. B. „Darf man mit dem H-4 Visum 20h pro Woche unentgeltlich arbeiten?“ empfiehlt das Buch den Besuch einer sogenannten „Law Library“. Zum Beispiel beim County Courthouse.
Erkenntnis No. 1 lautet also: Es gibt überall in den USA öffentlich zugängliche Bibliotheken, die jedermann die Recherche solcher Fragestellungen ermöglichen. In Columbus ist das zum Beispiel die Columbus Law Library Downtown. Und so wie das Buch klingt ist es schwierig bis unmöglich, ohne den Besuch einer solchen Bibliothek rechtliche Fragen zu beantworten, weil es dort eben die Bücher, Datenbanken und Bibliothekare gibt, die man braucht.
Als nächstes ist es nützlich, zu wissen, ob die eigene Fragestellung a) Federal Law (gesamte USA) oder State Law (z. B. Ohio) betrifft, b) Straf- oder Zivilrecht und c) Substantive oder Procedural ist (d. h. ob man etwas über den Inhalt des Gesetzes oder die Prozedur der Durchsetzung des Gesetzes wissen möchte). Meine Frage scheint Federal Law (Immigration) und Substantive zu sein – ob Straf- oder Zivil, tja, da bin ich noch nicht so sicher. Ich schätze mal Strafrecht?
Nun gibt das Buch nützliche Tipps, um Hintergrundinfos zur Fragestellung zu finden bzw. die Fragestellung so zu formulieren, dass man passende Schlagwörter etc. erhält. Wenn man dann ungefähr weiß, womit man es zu tun hat, kann man im nächsten Schritt das Gesetz selbst anschauen. Auch im Common Law gibt es nämlich allerlei Gesetze, sowohl auf Federal als auch auf State oder sogar City Ebene. Diese Gesetze heißen oft Code, Statute, Regulation usw. und sind manchmal sogar im Internet zu finden. Title 8 des Code of Federal Regulations umfasst zum Beispiel die „Immigration Regulations“.
Ab hier wird’s dann kompliziert: Wenn man das passende Gesetz gefunden hat, soll man nämlich die Fälle suchen, die dieses Gesetz interpretieren. Und das ist letztlich der Schritt, den man nicht mal eben so zu Hause erledigen kann. Da gibt es nämlich dicke Bücher und Datenbanken, die für jeden Paragraphen auflisten, welche Fälle sich auf ihn beziehen. Dann kann man sich den Fall anschauen. Und wenn er relevant ist, muss man auch noch schauen, ob es Fälle gibt, die ihn ungültig machen oder sonstwie modifizieren. Dafür gibt es wieder andere dicke Bücher und Datenbanken. Im Idealfall findet man dann Fälle, die der eigenen Fragestellung sehr nah sind – in der Hoffnung, dass das Recht im eigenen Fall ähnlich ausgelegt werden würde. Und hier warnt das Buch: „Defining the „law“ in America involves predicting how the courts would rule if presented with the question. If the statues and case law are subject to conflicing interpretations, as many of them are, even the best legal research may amount to little more than a sophisticated form of fortune-telling.“ Ach ja, und all das bedeutet natürlich das Lesen von Juristen-Englisch.
Ich glaube, ich werde dieser Bibliothek irgendwann mal einen Besuch abstatten – wenn auch vielleicht erst Ende des Jahres, wenn ich mehr Zeit habe. Vielleicht finde ich ja raus, ob schon mal jemand verurteilt wurde, weil er auf H-4 ehrenamtlich gearbeitet hat…