August 2007


  • Wir haben unseren mitgebrachten Teppich gereinigt und ausgelegt. Nun haben wir statt einer eklig riechenden dreckigen Stoffrolle, die immer im Weg lag einen hübschen Wohnzimmerboden.
  • Wir haben ein Umweltpapier gefunden, das man beidseitig bedrucken kann. Juhu für Officemax, buh für Staples (deren jeweilige Eigenmarken wir ausprobiert haben).
  • Der Trafo für die Küche ist angekommen. Nun müssen wir nicht mehr das halbe Büro entkabeln, um den Pürierstab oder das Rührgerät zu betreiben.
  • Michael es geschafft, die klemmende Leertaste an meiner Tastatur zu reparieren. Jetzt kann ich wieder normal tippen! Ich hatte schon Sorge, auf die Suche nach einer neuen Tastatur mit deutscher Belegung und inklusive ä, ö, ü und ß gehen zu müssen.

Es sind immer noch so viele “kleine” Sachen an der Wohnung zu tun, dass ich manchmal das Gefühl habe, es geht gar nicht voran. Tut es aber doch!

  • Wir haben seit gestern ein Schließfach bei einer Bank Downtown.
  • Wir haben endlich eine renter’s insurance abgeschlossen. Das ist so eine Art Kombination aus Hausrat (gegen Diebstahl, Unwetterschäden usw.) und Haftpflicht für Gäste (Haftpflicht gibt’s hier nämlich nicht so richtig, dazu vielleicht ein andermal mehr).
  • Wir haben uns einen Aktenvernichter angeschafft, um durch das Schreddern von Dokumenten mit wichtigen Daten drauf identitiy theft vorzubeugen.
  • Das Wetterradio ist heute angekommen. Es kann uns bei Warnungen automatisch wecken, es lässt sich mit einer Kurbel betreiben (für Stromausfall), es hat eine Lampe und eine Handy-Auflademöglichkeit und eine Sirene. (Zu unserer Verteidigung kann ich vorbringen, dass wir vorher noch gar kein Radio hier hatten und es sich, wasserabweisend wie es ist, gut in der Küche machen wird).

Bei jedem dieser Punkte haben wir viel Zeit und Mühe investiert, eine vernünftige Option herauszufinden. Und noch dazu Geld ausgegeben. Sind wir jetzt auf dem Weg in eine amerikanische Paranoia (siehe einige Michael Moore Filme) - oder nur vernünftig?

Eine unserer Schwierigkeiten beim Einkaufen ist, dass wir kaum Möglichkeiten kennen, vorab Preise zu vergleichen. In Deutschland habe ich alle möglichen Preisvergleichs-Websites genutzt, für englische Bücher, CDs, Elektroartikel usw. Hier kannten wir bisher nur die Google Produktsuche, die ich aber nicht besonders komfortabel finde. Heute habe ich dann über die New York Times eine gute Seite gefunden, um Buchpreise zu vergleichen (eine Buchpreisbindung gibt es hier ja nicht), nämlich Bookfinder. Das sieht sehr komfortabel aus, denn in den Suchergebnissen sind gebrauchte und neue Bücher übersichtlich getrennt nach Preis sortiert und die Versandkosten sind mit einbezogen. Wenn ihr noch andere gute Preisvergleich-Seiten für die USA kennt (egal ob allgemein oder speziell für Bücher, CDs oder sonstwas), hinterlasst doch bitte einen Kommentar.

Bisher waren wir zwei Mal im Kino. Wir haben den Simpsons Film im Arena Grand gesehen und Death at a funeral (empfehlenswert!) im Drexel Gateway. Ich hatte bisher immer angenommen, dass die deutschen Multiplexe sich jede Unsitte von den amerikanischen abgeschaut haben, aber das stimmt nicht: Es gab erstaunlich wenig Werbung (nur ein paar Film-Vorschauen und sehr wenig Lokalwerbung), schätzungsweise 10 Minuten insgesamt. Keine Werbung gegen Raubkopierer, und niemand hat Nachos mit falscher Käsesauce gemampft. Wir mussten nicht länger als eine Minute an der Kasse warten.

Die Kinosäle waren nicht besonders groß, eine richtig große Leinwand ist hier angeblich relativ selten - wenn ein Film sehr beliebt ist, läuft er eben in drei oder vier kleineren Sälen gleichzeitig statt in einem großen. Und es gibt keine Sitzplatzreservierung! Weil beide Filme schlecht besucht waren als wir sie gesehen haben, war das immer in Ordnung. Die Eintrittspreise sind allerdings ebenso astronomisch wie in Deutschland, und ein Kino mit Kinotag habe ich noch nicht gefunden. Stattdessen gibt es aber oft Mehrfachkarten, und Columbus hat auch ein paar Billig-Kinos.

Der einzige Grund, unseren wundervollen Keller aufzusuchen besteht darin, Wäsche zu waschen. Im Keller ist nämlich der Anschluss für die Waschmaschine. Die durchschnittliche Waschmaschine funktioniert in den USA ganz anders als in Deutschland. Zunächst muss man die Wäsche oben einfüllen statt vorne. Dann dreht sich auch die Trommel nicht, sondern in der Mitte ist einfach eine Art Pin zum Umquirlen der Wäsche senkrecht angebracht. Das tut natürlich nicht jeder Wäsche gut. Weil sich die Trommel nicht dreht, muss sie komplett mit Wasser voll laufen, damit die Wäsche auch nass wird. Und zur Krönung des Ganzen hat die Maschine nicht mal eine Heizung, sondern wird mit warmem Leitungswasser betrieben. Die maximale Temperatur für eine solche Wäsche könnt ihr euch vorstellen; zudem verbrauchen diese Maschinen sehr viel mehr Wasser und Strom als die, die wir kennen.

Hier endeten dann auch alle Vorsätze, normale amerikanische Sachen zu kaufen. Wir haben einen europäischen Frontloader mit drehender Trommel und Heizung vorgezogen. Der wäscht zwar nicht so heiß wie es in Deutschland normalerweise möglich wäre und die Trommel ist auch größer, aber wenigstens handelt es sich um eine richtige Waschmaschine! Sonderbarerweise wäscht sie viel schneller als unsere alte gebrauchte Miele in Köln, aber bisher sind wir zufrieden. Ein gutes Waschmittel haben wir aber noch nicht gefunden, denn die meisten sind für Toplader und schäumen wie verrückt. Bleiche ist außerdem ein beliebter Inhaltsstoff. Falls jemand eine Bezugsquelle für amerikanisches Frontloader-geeignetes Waschmittel ohne Parfum, ohne Bleiche und ohne optische Aufheller kennt, hinterlasst bitte einen Kommentar!

So ein Umzug ins Ausland bringt leider immense Mengen Wäsche mit sich, denn alles, was in Pappkisten im Container war, möchte man vielleicht doch lieber erst mal waschen, bevor man es anzieht. Wir sind immer noch dabei, den Berg abzutragen, was aber auch daran liegt, dass wir (noch) keinen Trockner haben. Keinen Trockner zu haben ist hier definitiv nicht normal, aber wir schauen mal, wie weit wir mit dem guten alten Wäscheständer im Bad kommen. Bisher funktioniert es jedenfalls gut so.

Der Mann einer Kollegin von Michael ist gestorben, und heute waren wir zur Trauerfeier eingeladen. Ich habe keine Ahnung, ob es eine typisch amerikanische Trauerfeier war (vermutlich eher nicht), aber es war auf jeden Fall ganz anders als die wenigen deutschen Beerdigungen, die ich bisher erlebt habe.

Die Feier fand nicht morgens, sondern abends nach der Arbeit statt, und zwar in einem “Funeral Home” (nicht in der Kirche oder auf dem Friedhof). Das Funeral Home sah aus wie eine beliebige Veranstaltungsstätte, man hätte dort genau so gut auch jeden anderen Anlass feiern können: schicke Teppiche, Sofas und Lampen usw., einfach ein Festsaal. Im Grunde war die Feier eine Art Empfang mit Sekt und Häppchen - nur dass in einer Ecke des Raumes ein Bild des Verstorbenen und die Urne neben ein paar Blumen standen. Viele Leute kamen im Gegensatz zu uns auch erst später (wir dachten, es würde vielleicht eine Messe oder zumindest einen formellen Teil mit Reden, Musik usw. geben und waren entsprechend überpünktlich). Man hat einfach zusammen gestanden und sich unterhalten, gegessen und getrunken. Fast niemand hat schwarz getragen und obwohl Michaels Chefin uns netterweise diesbezüglich schon vorgewarnt hatte, waren wir tendenziell overdressed: Wir hätten auch einfach irgendein buntes T-Shirt auf eine normale Stoffhose tragen können.

Man konnte etwas spenden für einen von den Angehörigen bestimmten Zweck. Dafür gab es die hier sehr beliebten Spendenumschläge (die Kirchen sind voll davon), in die man einen Scheck oder Schein steckt und dann seine ganzen Adressdaten draufschreibt. Alles in allem war die Atmosphäre überhaupt nicht deprimierend oder düster, allerdings hatte ich auch nicht den Eindruck, dass der Verstorbene sehr stark im Mittelpunkt stand - kann aber auch daran liegen, dass wir ihn nicht kannten und die Leute mit uns sowieso immer erst mal darüber reden, wie lange wir schon hier sind, was wir schon gesehen haben, wie es uns gefällt usw. Die Feier war offenbar als “celebration of life” angekündigt worden, und man wollte keine düstere Atmosphäre, was auch gut gelungen ist.

P.S.: Alles Essen und Trinken wurde auf Plastiktellerchen und in Plastikgläsern ausgeschenkt. In einer Ecke stand dann eine riesige Mülltonne, die auch gut gefüllt war. Für so ein Funeral Home müsste sich die Anschaffung von ein paar Gläsern und Tellern plus Spülmaschine doch sicher lohnen?

Kurz nachdem Michael die Stelle in Ohio angeboten bekommen hat haben wir Ende des letzten Jahres noch schnell an der Diversity Visa Lottery (besser bekannt als Greencard-Lotterie) teilgenommen. Keiner von uns hat gewonnen. Das ist auch kein Wunder, denn laut aktuellem Visa Bulletin haben im letzten Jahr 6,4 Millionen Menschen weltweit mit einer gültigen Anmeldung teilgenommen. Ungefähr 96.000 von ihnen wird erlaubt, mit der Bewerbung um eine Green Card zu beginnen (darunter 1469 Deutsche). Man nimmt an, dass genug absagen oder sich disqualifizieren, um die Quote von 50.000 verlosten Green Cards nicht zu übersteigen.

Von solchen Zahlen werden wir uns natürlich nicht abhalten lassen, uns diesen Herbst erneut zu bewerben: Am 3. Oktober startet die nächste Runde. Wer sein Glück auch mal versuchen möchte, dem sei die Seite greencardgratis.de empfohlen. Dort gibt es viele nützliche Informationen rund um die Bewerbung und ein Forum, in dem man Fragen stellen kann. Der kniffligste Punkt ist meines Erachtens das digitale Passfoto in amerikanischem Format. Gut informiert kann man das mit einer Digitalkamera und ein bisschen Geschick in Bildverarbeitung aber auch selber herstellen (und dabei unter Umständen viel Geld sparen).

Wenn ich mal ein paar Eindrücke aus dem Viertel bekommen wollt, in dem wir wohnen, schaut euch doch dieses Video an. Es ist ein Video darüber, wie cool der Short North ist. Streng genommen wohnen wir zwar in Italian Village, aber die Hauptstraße zwischen den Wohnvierteln Italian Village und Victorian Village bildet (gemeinsam mit ein paar Seitenstraßen) zusätzlich den Short North. Wir wohnen also irgendwie gleichzeitig im Short North oder zumindest extrem nah dran. Manchmal übertreibt das Video ein bisschen, z. B. habe ich erst an einem einzigen Tag so viele Menschen unterwegs gesehen, aber es gibt doch einen guten ersten Eindruck.

Goodale Park ist der einzige Park in Columbus, der in Laufweite unserer Wohnung ist. Besonders groß ist er nicht, aber liebevoll angelegt.

Goodale Park

Es gibt einen Seerosenteich und in dem kleine Pavillon dahinter finden an Sommersonntagen kostenlose Jazzkonzerte statt.

Seerosenteich in Goodale Park

Die meisten Leute kommen offenbar in den Park, um den Hund auszuführen (es ist unglaublich, wie viele Leute hier Hunde haben - und ich dachte immer schon, in Deutschland gäbe es viele). Sonst ist meist nicht viel los, aber es ist nett, ein bisschen Grün in der Nähe zu haben.

Gestern nachmittag haben wir einen sehr langen Spaziergang von uns zur Stadbibliothek unternommen, die mitten in der Innenstadt ist. Downtown ist wirklich sehr leer, kaum jemand ist zu Fuß unterwegs, und es war auch nicht viel Verkehr. Die meisten Gebäude Downtown sind offenbar Büros oder Behörden und daher eher unter der Woche belebt. Geschäfte gibt es praktisch gar keine, nur wenige Cafés, die aber eher als Mittagsverpflegung für die Geschäftsleute fungieren und am Wochenende deshalb geschlossen sind.

Hier ein paar Eindrücke:

Eine typische Straße Downtown
Downtown Columbus

Das Ohio State House (Sitz der Landesregierung)
Ohio State Capitol

Direkt daneben eine Statue von Columbus:
Columbus Statue

Vom State House aus sieht Downtown sogar ein bisschen grün aus…
Downtown Columbus

…und man sieht die Hochhäuser ganz gut.
Downtown Columbus

Next Page »