September 2007


New-in-town gibt es in Amerika nicht, aber wenn man nach “new in town” und “Columbus” sucht, findet man Meetup.com. Das ist eine Plattform mit verschiedenen Untergruppen. Es geht darum, zu bestimmten Themen Leute kennen zu lernen mit dem ausdrücklichen Ziel, sich dann vor Ort zu treffen. Direkt haben wir uns für das New-in-town-Meetup angemeldet, allerdings sind wir noch bei keinem Treffen gewesen - die sind immer Sonntag Abend und bisher waren wir meist zu k.o. vom Herumwerkeln in der Wohnung. Letztens habe ich dann beim Stöbern auf der Seite noch das Young Couples Meetup und das Boardgame Meetup gefunden und mich bei beiden angemeldet. Und heute hatte ich tatsächlich eine Mail im Briefkasten von einem anderen jungen Paar, die auch neu in der Stadt sind und sich gerne mal treffen würden. Langsam geht es voran mit dem Leute kennenlernen!

Der Zufall ist doch immer noch die beste Art, Leute kennen zu lernen. Gestern waren wir mit ein paar Kollegen von Michael essen, darunter ein Deutscher, der seit 12 Jahren in Californien lebt. Wie solche Essen hier so sind ging das Ganze von 18:30 bis 20:00 und um 20:01 standen wir wieder auf der Straße und haben beschlossen, uns noch irgendeine Kneipe in German Village anzuschauen bei der Gelegenheit. Völlig willkürlich haben wir aus unserem Stadtplan den Rathskeller/Männerchor ausgesucht, um mal zu schauen, wie es dort so ist. Vor allem war es sehr leer und sehr altdeutsch - stellt euch einfach die Einrichtung einer typischen alten Eckkneipe vor, die man normalerweise in D wahrscheinlich meiden würde. Naja dachten wir, ein Bier können wir ja trotzdem trinken. Nach einiger Zeit kam dann aber der Chef der Kneipe, ein Deutscher in Michaels Alter, der hier mit seiner amerikanischen Frau lebt und seit vier Jahren hier ist. Wir haben uns sehr nett unerhalten, er kennt noch mehr Auslandsdeutsche und wir haben Telefonnummern ausgetauscht. Vielleicht ergibt sich ja mal ein Treffen. Wir haben auch viele gute Tipps bekommen, sowohl von ihm als auch von seinem Barmann, der bei uns in der Nachbarschaft wohnt. Damit bin ich ja schon zufrieden genug, aber heute hat mich bei Facebook noch dazu eine junge Frau angesprochen, die hier ein Jahr als Assistant Prof an der OSU ist (Kunstgeschichte/ Archäologie) und wie wir in Italian Village wohnt. Vielleicht ergibt sich daraus ja auch noch eine Bekanntschaft. Wieder ein paar Möglichkeiten mehr!

Praktisch jeder, den wir hier kennen gelernt haben, hat ein Netflix-Abo. Manchmal auch mehrere pro Familie. Netflix verleiht Filme auf DVD - Man bezahlt eine monatliche Gebühr und kann dann so viele Filme hintereinander ausleihen, wie man mag. Begrenzt ist diese Menge von der Zeit, die die Post braucht, um die Filme zuzustellen und an Netflix zurück zu senden. Die Höhe der Gebühr bestimmt sich entsprechend danach, wie viele Filme man gleichzeitig ausleihen kann.

Jemand hat uns ein Probe-Abo gegeben und heute sind unsere ersten Filme in der Post gewesen. Mir gefällt besonders an Netflix, dass sie auch europäische Filme haben, Dokumentationen, Fernsehserien-Sets und überhaupt vergleichsweise viel jenseits des Mainstream. Einiges davon dürfte hier ansonsten schwer zu beschaffen sein. Außerdem ist positiv, dass man eine lange Schlange der Filme bilden kann, die man gerne sehen würde und dann wird die automatisch abgearbeitet, so dass man nicht jedes Mal lange überlegen muss. Etwas skeptisch bin ich aber, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis sich auf die Dauer rechnet: Nach dem kostenlosen Probe-Abo würde man $15 pro Monat zahlen (3 Filme gleichzeitig, 2 gleichzeitig sind nur wenig billiger). Ob sich das lohnt, hängt in erster Linie davon ab, wie viele Filme man sich anschaut. Wir testen das Ganze jedenfalls mal - selbst wenn man im Schnitt einen Film pro Woche sieht, könnte es sich lohnen, wenn man das Abo zusätzlich nutzt, um ein paar der vielen guten amerikanischen Fernsehserien werbefrei zu sehen.

In God’s own country gibt es sehr, sehr viele ganz unterschiedliche Kirchen. Die allermeisten sind irgendwelche evangelischen Splittergruppen und eigentlich allen begegnen wir mit einem gewissen Misstrauen, denn hier gibt es bekanntlich viel mehr Radikale an allen Ecken. Natürlich gibt es auch katholische Pfarren. Am nächsten zu uns gelegen sind zwei Kirchen, die von der italienischen Gemeinde geprägt sind. Dort kann es dann schon mal passieren, dass ein alter Missionar aus Italien auf italienisch predigt. Bisher wurde auch immer sehr aufdringlich um Geldspenden gebettelt, ja, die ganze Predigt kann davon handeln. Gut, hier gibt es keine Kirchensteuer und da leuchtet mir auch ein, dass es vernünftig ist, seiner Pfarre etwas Geld zu geben, aber wenn fast nur noch vom Geld gesprochen wird… Seine Spende soll man in einen Briefumschlag in Dollarschein-Größe stecken, der in der Kirche ausliegt, und dann soll man das Ganze mit seinem Namen und Adresse beschriften. Das mag vielleicht nützlich sein für die Steuererklärung, aber irgendwie gefällt mir dieses System nicht. Tatsächlich ermöglicht es den Kirchen, in der Predigt den Prozentsatz derjenigen, die in diesem Jahr noch nichts gespendet haben zu vermelden! Wegen der fehlenden Kirchensteuer ist man auch bei keiner Pfarre automatisch angemeldet. Wenn man mal eine gefunden hat, die einem gefällt, kann man sich dort registrieren lassen, wobei da meist konkrete Forderungen dran geknüpft sind, von der Anzahl der gewünschten Kirchenbesuche pro Woche/ Monat bis zur ungefähren Höhe der gewünschten Spenden oder dem Besuchen irgendwelcher Bibel- oder Sakramente-Vorbereitungskurse. Kurz, auch die katholische Kirche funktioniert hier anders und wir sind noch auf der Suche nach einer Pfarre. Jetzt wo die Wohnung fast fertig ist haben wir etwas mehr Zeit dafür, und demnächst werden wir die einzige andere katholische Pfarre in Laufweite ausprobieren. Hoffentlich passt das dann einigermaßen - so eine Pfarre sollte ja auch die Möglichkeit bieten, Leute in der Nachbarschaft kennen zu lernen und meist werden ja auch irgendwelche sozialen Dinge organisiert, wo man mitmachen könnte. Ich bin gespannt.

Obwohl ich in der Schule gut in Englisch war, sehr viele englische Texte gelesen habe (vom Fachartikel bis zum Roman) und regelmäßig englisch gesprochen oder gemailt habe, stoße ich hier immer wieder an meine Grenzen. Dübel, Brennpaste, aber auch Bretter sind Dinge, nach denen ich im Laden nur fragen kann, wenn ich vorher bei Leo nachgeschlagen habe, was das heißt. Und im Time Magazine gibt es viele zweifelsohne sehr clever geschriebene Artikel, die voll von mir unbekannten Wörtern sind. Natürlich lerne ich jede Woche automatisch neue Wörter hinzu, aber ungeduldig wie ich bin habe ich beschlossen, diesen Prozess etwas zu beschleunigen, und zwar durch altmodisches Vokabeln lernen. Unbekannte Wörter, die mir begegnen, versuche ich so oft wie möglich nachzuschlagen, auch wenn ich sie überlesen oder erraten könnte (so zumindest mein neuester guter Vorsatz). Und dann kommen sie in meine neue elektronische Vokabel-Kartei jVLT. Dieses Programm darf man kostenlos herunterladen. Dann gibt man seine Vokabeln ein und es fragt einen ab. Nach Wörtern, die man gut kann, fragt es mit der Zeit seltener als nach solchen, die man noch nicht so gut kann. Falls ihr es auch mal probieren wollt: Bei mir hat es erst mit der unlogischen Einstellungs-Kombi Sprache:Englisch und Gebietseinstellung:Deutsch alle Optionen so angezeigt, wie es vorgesehen ist.

Columbus hat eine sehr große Universität mit einem ebenfalls großen Psychologie-Department. Die Kurse dort sind selbstverständlich den eingeschriebenen (und zahlenden) Studierenden vorbehalten. Es sollte allerdings auch ein Kolloquium geben, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Nachdem das Fall Quarter letzte Woche angefangen hat und der Kolloquiums-Kalender immer noch leer ist habe ich bei der Uni angerufen, um mich danach zu erkundigen. Ja, es gibt ein Kolloquium und ja, es ist zumindest meistens öffentlich. Aber: Vor November wird es wahrscheinlich keine Gastvorträge geben. Schade, denn ich hatte gehofft, bei dieser Gelegenheit bald mal ein paar Psychologie-Grad-Students kennen zu lernen. Wenigstens weiß ich jetzt, dass die Website bei passendem Anlass durchaus aktualisiert wird und ich mich auf die Ankündigungen dort verlassen kann.

In Laufweite von unserer Wohnung befindet sich das North Star Café. Ganz anders als die Cafés in Köln ist es doch eines der netteren Lokale hier in der Nähe: Man kann auch draußen sitzen und man kann durch eine große Glaswand auf die High Street gucken, so dass man die Leute beobachten kann. Das Café ist ein bisschen zu steril eingerichtet für meinen Geschmack, aber es geht noch. Sie haben sehr viele Zeitschriften, die man vor Ort lesen kann und sie verkaufen die New York Times (gar nicht selbstverständlich). Man kann nicht nur Tee und Kaffee trinken, sondern auch mal abends ein Bier (die meisten Cafés hier sind eher à la Starbucks und verkaufen fast nur Kaffee). Und sie haben nur eine kleine Karte mit Gerichten zum Essen, aber dafür benutzen sie viele Bio-Produkte und Produkte hier aus der Gegend. Und für weniger als $10 pro Person kann man sehr lecker essen. Wir werden auf jeden Fall noch öfters dort hingehen!

Im Internet gibt es verschiedene Möglichkeiten, Deutsche im Ausland in Foren kennen zu lernen. Da ist es zwar unwahrscheinlich, dass jemand so nah wohnt, dass man sich mal treffen kann, aber immerhin kann man sich gut über die 1000 kleinen Dinge austauschen, über die andere schon vor einem gestolpert sind und für die sie Lösungen gefunden haben.

Meine neueste Entdeckung heute ist ein Forum für Deutsche, die in den USA leben, nämlich www.Germanicans.com. Sieht vielversprechend aus. Ansonsten kenne ich noch TalkAboutUSA.com und bei der Brigitte Community gibt es Unterforen “weltweit” und “Arbeiten im Ausland”. Diese Seiten sind auf jeden Fall ein guter Anfang und haben mich schon mit vielen praktischen Tipps versorgt. Falls jemand noch einen guten Link weiß, hinterlasst doch einen Kommentar.

Inzwischen haben wir uns so weit eingelebt, dass wir schon viele Läden kennen, die man so braucht: Den nahegelegenen Supermarkt, den weniger nahegelegenen aber viel besseren Supermarkt, den Mega-Bio-Supermarkt am Stadtrand, sogar einen asiatischen Supermarkt, Trader Joe’s (preiswert aber gute Produkte), einen kleinen guten Baumarkt, einen schrecklichen Drogeriemarkt/Apotheke, eine Ketten-Buchhandlung, eine unabhängige Buchhandlung, eine Art Kaufhalle (Target, gut für Putzkram, Plastikeimer und Kleinkram um die Wohnung, verkauft aber auch alles andere). Dann kennen wir noch die Läden auf der nahegelegenen Hauptstraße, darunter einige kleinere Klamottenläden, Second-Hand-Läden, ein ziemlich guter Plattenladen, zwei Weinhandlungen und was sonst noch so zufällig in der Nähe ist.

Damit kommt man schon ziemlich weit, aber langsam möchte man doch auch mal wissen, wo sich die anderen Geschäfte so verstecken. Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten in hässlichen Strip Malls entlang mehrspuriger Ausfallstraßen hinter riesigen Parkplätzen zu finden sind. Es gibt aber auch Straßen, wo es kleinere normal aussehende Läden gibt, die nicht zu irgendeiner riesigen Kette gehören, und von denen habe ich heute ein paar gesehen. Ein Kollege von Michael ist nämlich vor sechs Jahren mit seiner irischen Familie nach Columbus gezogen, und seine Frau hat mir heute netterweise ein paar Sachen gezeigt: Kleine Läden, öffentliches Schwimmbad (leider sehr weit weg von uns), ein abgelegenes Museum. Es ist gut, Leute zu treffen, die auch aus anderen Ländern hergekommen sind, und es ist gut, jemanden zu haben, der einem die Stadt ein bisschen zeigt. Die Liste der Dinge, die wir uns mal ansehen müssen, wächst ständig, aber mit der Zeit werden wir sie abarbeiten und dann werden wir uns nicht mehr anstrengen müssen, um herauszufinden, wo es was gibt!

Normalerweise bin ich ja die erste, die sich beschwert, wenn sie Anfang September die ersten Weihnachtsmänner bei Plus entdeckt. Hier fängt die Season ja gerade erst an und da kommt erst Halloween, dann Thanksgiving, und dann erst Weihnachten. Sehr sympathisch. Trotzdem hängen wir an einigen vorweihnachtlichen deutschen Dingen wie Adventkranz, Lebkuchen, Feuerzangenbowle, Dominosteinen usw., die hier teilweise doch schwer zu bekommen sein dürften.

Bei meiner großen Shopping-Tour auf der Suche nach profanen Dingen wie Brennpaste fürs Fondue (Erfolg! Gibt’s bei Bed, Bath, & Beyond), normalen Dübeln (sind hier nicht üblich), Feuerzeugbenzin (nirgendwo gefunden) oder Streichhölzern (auch nirgendwo gefunden) usw. habe ich aber Folgendes gefunden:

Adventskram

Beim WorldMarket gibt es Adventkalender, neben verschiedenen Billigvarianten auch mit Schokolade von Hachez, und gar nicht teuer. Juchu! Und bei Michael’s, einem Bastelladen, den ich zufällig entdeckt habe, gab es Strohkränze, Kerzenhalter, Blumendraht und rotes Schleifenband. Na daraus müsste sich doch mit ein paar Tannenzweigen, die sich sicher irgendwo beschaffen lassen, ein typisch deutscher Adventkranz machen lassen!

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