Ob es Zufall ist, dass wir schon viele Leute kennen gelernt haben, die gerne Spiele spielen? Die Auswahl in den Geschäften ist jedenfalls deutlich geringer als in Deutschland, und die “German Games” sind bei Spielern in aller Welt beliebt. Alle hier scheinen besonders “Die Siedler von Catan” zu kennen und zu mögen. Es mag also sein, dass wir mit Michaels Sammlung und den auf anderem Wege gefundenen Bekanntschaften genug Leute für einen Spieleabend zusammen bekommen.
Bevor wir das wussten, hatten wir uns schon für den Grandview Boardgame Meetup eingetragen. Grandview ist eine Mini-Stadt in der Stadt Columbus, mit eigenem Schulbezirk, Verwaltung usw., aber komplett von Columbus umschlossen und näher bei uns als so manches Viertel von Columbus. Dort treffen sich jede Woche ca. 30 Leutchen in einer Art Café (unabhängige Kaffeebude, stellt euch das Ganze trotzdem eher so vor wie Starbucks als wie ein richtiges Café) und spielen. Die TeilnehmerInnen waren sehr gemischt, von anderen jüngeren Paaren bis zum älteren männlichen Spielefan. Spiele sollte man selber mitbringen, das Café hat aber sogar auch einige. Es war ganz nett, aber wir werden noch andere Möglichkeiten ausprobieren, hier zu spielen - Michael war einmal auf einem der alle 14 Tage stattfindenden Treffen der Columbus Board Game Society, die offenbar eine riesige Spielebibliothek haben und deren Mitglieder viel spielefanatischer sind!
Endlich habe ich vollen Zugang zu unserem Bankkonto, das jetzt auch wirklich unser Bankkonto ist und nicht mehr nur Michaels Konto, das er mich mit benutzen lässt. Die Bank hat etliche Wochen gebraucht, um mich mit auf das Konto zu setzen - erst gab es nur eine Kreditkarte, dann einen Online-Zugang und heute dann die Debit-Karte (analog zu unseren EC-Karten). Man kann hier zwar fast überall mit der Kreditkarte zahlen, aber die Debit-Karte braucht man, um Bargeld abzuheben. Und schließlich ist ein gemeinsames Konto ein ganz anderes Gefühl
Ein weiterer Schritt also zurück zum normalen Leben.
Nachdem die ganze Verwandschaft schon längst mit unseren Hochzeitsfotos versorgt ist, sind heute auch endlich die Abzüge angekommen, die wir für uns selber bestellt haben. Den größten Teil des Tages habe ich damit verbracht, sie in zwei pinke Lederalben zu kleben, die wir zufällig bei Borders im Ausverkauf gesehen haben und die perfekt zu den Farben von der Dekoration passen. Das war nun wirklich der allerletzte Punkt auf der Hochzeits-To-Do-Liste. Irgendwann ist eben auch die längste Liste abgearbeitet und nun können wir uns an den Erinnerungen erfreuen!
Das Ergebnis unseres Radontests ist da und mit einer Radon-Konzentration von 1,1 Picocurie liegt unsere Wohnung deutlich unter dem Grenzwert von 4. Man empfiehlt uns zwar, sicherheitshalber zu einer anderen Jahreszeit noch einmal zu testen - aber wir können offenbar in dieser Wohnung wohnen, ohne uns langsam zu verstrahlen. Ich bin wirklich sehr erleichtert!
Dass wir uns bei Meetup angemeldet haben, hatte ich ja schon berichtet. Gestern sind wir zum ersten Mal zu einem der Treffen gegangen, und zwar zum Columbus Young Couples’ Meetup. Vor dem Treffen war ich etwas skeptisch, weil die Leute auf dem Werbebildchen so elegant aussehen, wegen der Craigslist-Erfahrung und weil das Treffen in der Mall in Easton stattfinden sollte. Im Endeffekt war es aber wirklich sehr nett. Es waren nur zwei andere Paare da, beide ungefähr in unserem Alter. Die einen organisieren das Meetup, die anderen haben schon zwei kleine Kinder. Beide Paare machten einen netten, normalen, nicht überkandidelten Eindruck und wir haben uns gut unterhalten. Es wurden Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und neue Pläne geschmiedet. Bald haben wir genug Bekanntschaften für eine ordentliche Wohnungs-Einweihungsparty!
Nach unseren weniger guten Erfahrungen mit der benachbarten italienisch-amerikanischen Pfarre haben wir heute die katholische Pfarre St. Francis of Assisi getestet. Dort haben wir uns mit einem jungen Paar getroffen, die regelmäßig in diese Kirche hingehen und die wir über ein paar Ecken kennen gelernt hatten. Und tatsächlich macht diese Pfarre einen wesentlich besseren Eindruck. Neben uns hatte direkt jemand geparkt, der seinem Unmut über die angeblich christlichen republikanischen Kriesgsführer mit einem Aufkleber “Who would Jesus bomb?” Ausdruck verlieh. Die Predigt ging nicht darüber, wie viel Geld wir doch alle spenden sollten sondern gegen den religiösen Fundamentalismus und das klingt doch schon viel eher wie etwas, was man gerne am Sonntag hören möchte. Es wurde sogar ein Lied gesungen, was ich kannte und man hat uns sehr nett begrüßt. Wir bekamen ein Buch mit den englischen Messtexten sogar ausgeliehen, damit wir uns damit vertraut machen können (ich hatte nach den Texten gefragt). Familien mit kleinen Kindern (wie unsere Bekannten) werden nicht in einen Nachbarraum gesperrt, sondern dürfen ganz normal in den Bänken sitzen. Mir schien die Pfarre wesentlich liberaler als die andere. Auch wenn einige Sachen immer noch gewöhnungsbedürftig sind, denke ich, St. Francis wird unsere neue Pfarre!
Zu Halloween gibt es so viele Aktionen, dass wir sie unmöglich alle in diesem Jahr bestaunen können. Es gibt etliche “Haunted Houses” und viele verschiedene Spezial-Führungen in Zoo, State House usw. Gestern haben wir an der Spooky South Walking Tour der Columbus Landmarks Foundation im südlichen Downtown teilgenommen. In Deutschland kann ich für wirklich interessante Stadtrundgänge in Köln und Bremen Stattreisen wärmstens empfehlen, die Columbus Landmarks Foundation ist meines Wissens die einzige Organisation in Columbus, die etwas Ähnliches anbietet. Die gestrige Tour stand ganz im Zeichen von Halloween und hat uns in verschiedene stattliche Viktorianische Häuser und ein Bestattungsunternehmen geführt. Alles war finster dekoriert und die sehr gut erzählten Gruselgeschichten spielten jeweils vor Ort. Die meiste Zeit waren wir in einigen Häusern, häufig sitzend, gelaufen sind wir vielleicht 500 Meter in drei Stunden - unter einer Walking Tour stelle ich mir eigentlich etwas anderes vor, aber die Häuser und Geschichten waren sehr interessant, also hat es sich gelohnt.
Nun ist es aber offenbar so, dass es in Columbus einige Leute gibt, die tatsächlich an Geister glauben! Erwachsene Menschen, allen Ernstes. Ich bin erschüttert - einige Leute wollten die Häuser allen Ernstes besuchen, weil sie daran glauben, dass es dort “wirklich” spukt! Die Toleranz gegenüber solchen Einstellungen scheint hier wesentlich größer zu sein als in Deutschland, denn wir haben schon öfters entsprechende Meinungen gehört - und die Umstehenden sind nie in lautes Gelächter ausgebrochen oder haben den Leuten einen Vogel gezeigt. Im Land of the free kann man offenbar problemlos öffentlich seine Marotten pflegen. In Köln habe ich jedenfalls noch nie jemanden getroffen, der die lokalen Spukgeschichten ernst nimmt und etwa in einer Neumondnacht die brennende Kutsche in der Altstadt sucht. Ich vermute, die umherlaufenden Betrunkenen würden einen herzlich auslachen!
Inzwischen sind auch wir gut gerüstet für Halloween. Für $7 haben wir eine riesige Tüte Mini-Süßigkeiten gekauft (vorsichtshalber die besseren, die wir zur Not auch gerne selber essen würden) und den auf der Farm gekauften Kürbis habe ich ausgehölt und ein Muster reingeschnitzt:

Nun kann er im Dunkeln vor der Haustür stehen und leuchten - das zeigt den Kindern angeblich an, dass sie hier “Trick or Treat” machen dürfen:

Obwohl Halloween streng genommen ja erst am 31. Oktober ist, wird wohl dieses Wochenende schon viel gefeiert. In diesem Sinne: Happy Halloween!
Wie sich herausstellt, hat unser Badezimmer keine Heizung! Gar keine Heizung! Was haben sich die Leute da bloß bei gedacht? Die Wohnung ist zwar nicht gerade top-modern, aber so etwas hätte ich dann doch nicht erwartet, schließlich gibt es auch Klimaanlage, Lüftung, Spülmaschine und anderen Kram. Inzwischen ist es kalt genug, dass man dringend heizen muss; wie bereits erwartet zieht es überall, weil die Fenster so schrecklich sind (und die Türen, so weit vorhanden, übrigens auch). Und im Bad ist es am allerkältesten. Der Rest der Wohnung hat Löcher im Boden, über denen schwere Metallgitter angebracht sind, und aus diesen Löchern kommt die im Keller wahlweise kalt (Klimaanlage) oder warm (Heizung) gemachte Luft. Im Esszimmer kann man genau eine Temperatur für die gesamte Wohnung einstellen. Im Obergeschoss gibt es auch Schlitze an den Wänden, dort wird frische Luft in das System hineingezogen. Im Bad gibt es keine Schlitze im Boden, aber zweierlei Schlitze an der Wand. Bloß dass diese keine Heizung darstellen: Die einen sind nur zum Ansaugen der Luft, die anderen für die elektrische Lüftung (obwohl es auch ein großes Fenster gibt). Und da es zweifellos noch deutlich kälter werden wird, müssen wir dringend etwas unternehmen, sprich: eine Heizung anschaffen. Tatsächlich gibt es auch allerlei space heater im Internet zu bestellen und also vermutlich auch in einem Baumarkt in unserer Nähe zu kaufen. Falls jemand Tipps hat, was beim Kauf von so etwas zu beachten ist (außer Preis, Heiz-Leistung und Energieverbrauch), hinterlasst doch bitte einen Kommentar!
Heute Nacht gegen vier wurden wir von einer Serie lautem, feuerwerksartigem Knallen geweckt. Merkwürdigerweise war jedes Knallen von einem hellen, blitzenden Licht begleitet. Pause. Neues Knallen. Also ran ans Fenster und auf die Straße geschaut. Nichts. Keine Menschenseele unterwegs, keine Feuerwerksreste (ist in Ohio eh verboten), keine Spuren von Feuer oder Explosion. Gut, also wieder zurück ins Bett. Neues Knallen, neue Blitze. Mein schläfriges Hirn denkt sich schon alle möglichen Dinge aus - vielleicht ein neues unbekanntes Wetterphänomen (man weiß hier ja nie)? Vielleicht irgendein Unfug von irgendwelchen Banden, die ganz bestimmt im nahegelegenen “schlechten” Viertel wohnen? Eine neue Produktionsmethode der nahegelegenen Pappiges-Brot-Fabrik? Nach der vierten oder fünften Knallserie stehen wir länger am Fenster.
Und siehe da: Knallen und Blitze kommen von einer kaputten Straßenlaterne, die eine Art Wackelkontakt zu haben scheint. Sie geht wechselnd an und aus und dabei gibt es irgendwelche Entladungen an dem Pfahl, an dem sie angebracht ist. Mit Knallen, fliegenden Funken und grellem Lichtblitz, der nicht von der Lampe kommt. Dazu muss man wissen, dass die Stromleitungen hier alle oberirdisch über den Straßen entlang gespannt sind. Ampeln baumeln wie Lampions direkt an den Leitungen (ohne Pfahl oder dergleichen) und die Straßenlaterne hängt auch direkt über zwei Stromleitungen, die offensichtlich für das ganze Spektakel mit verantwortlich waren. Wie gut, dass es die letzten zwei Tage ordentlich geschüttet hat, so dass jetzt alles nass ist und nicht brennen wird.
Der Krach ist zu laut zum Schlafen und ganz geheuer sind mir diese Funken trotz Nässe nicht, irgendjemand wird Abhilfe schaffen müssen. Ob die Feuerwehr mich wohl auslachen würde, wenn ich deshalb anrufe? Ich versuche die non-emergency-Nummer, aber die ist nicht besetzt. Siehe da, auf dem Zettel mit den städtischen Telefonnummern gibt es auch eine für “broken street lights”. Halb aus Spaß rufe ich an, und es geht tatsächlich jemand ran! Da unterhält die Stadt Columbus offenbar eine 24-Stunden Straßenlaternen-Notfall-Hotline! Und 10 Minuten später kommen auch ein paar Typen mit schwerem Gerät und Helmen. Sie scheinen die Blitze sehr witzig zu finden, aber sie reparieren die Laterne umgehend, Blitze und Knallen hören auf und wir können noch ein Weilchen schlafen.