Januar 2008


Das amerikanische Fernsehen bietet gute Serien, keine Frage. Da gibt es nichts zum Hinterhertrauern. Falls man mal Lust auf Reality-TV, Spielshows usw. hat (haben wir sehr selten), gibt es die hier fast alle in exakt gleichem Format, nur halt auf englisch.

Hin und wieder fehlt einem aber trotzdem mal was: Sei es, dass man mal ein paar vernünftige Nachrichten sehen möchte oder eine Reportage oder mal gucken, wie es in Köln zu Weiberfastnacht so aussieht. Hier kommt uns zugute, dass vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender immer mehr Sendungen online stellen. Die Tagesthemen versorgen uns deshalb auch hier mit Nachrichten (wenn auch die Sportberichterstattung aus rechtlichen Gründen fast immer rausgeschnitten wird). Hier gibt’s eine ganze Liste mit ARD-Sendungen, die mindestens teilweise übers Internet zu sehen sind. Der WDR hat ebenfalls eine lange Liste, z. B. kann man Quarks & Co. runterladen. Das ZDF hat eine ganz neue Mediathek mit großem Angebot.

Das alles ist natürlich nicht so, als hätte man hier das gleiche Fernsehprogramm wie in Deutschland. Aber es ermöglicht einem wenigstens, kostenlos (vom Internetzugang abgesehen, natürlich) über die wichtigsten Themen auf dem Laufenden zu bleiben.

Einmal im Jahr haben wir Anrecht auf eine gründliche Untersuchung der Augen, das gehört zu den Benefits dazu, die Michaels Arbeitgeber uns bietet. Diese Untersuchung haben wir jetzt zum ersten Mal in Anspruch genommen. Man geht dazu nicht in eine Arztpraxis, sondern zu einem Optiker, in dessen Hinterzimmern die Augenärzte hier häufig arbeiten. Wir haben Glück, dass gleich zwei Optiker in unserer Nähe sind - ich habe das Gefühl, dass Kontaktlinsen und Laser-Operationen an den Augen hier beliebter sind als Brillen und dass es viel weniger Optiker gibt als in Deutschland.

Wir mussten jeder $10 zu der Untersuchung dazu zahlen und einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen bzgl. Vorgeschichte, anderen Krankheiten usw. Die Untersuchung hat superlange gedauert (ich schätze, pro Person etwa eine Dreiviertelstunde) und war sehr gründlich. Hier tun sie einem auch noch diese Tropfen ins Auge, die die Pupillen erweitern, und sie prüfen alles mögliche andere. Naja, lieber zu gründlich als zu oberflächlich, schätze ich. Mit einem kleinen Vokabelzettel ausgestattet (weitsichtig, kurzsichtig, grüner Star, grauer Star und andere Ausdrücke, die man eventuell bei einem Augenarzt hören könnte) war die Sprache auch kein großes Problem.

Meine Augen haben sich verschlechtert, so dass ich eine neue Brille brauche. Erst war ich skeptisch, ob sie einem hier nicht schneller etwas aufschwatzen wollen, wo sie doch so eng mit den Optikern verbandelt scheinen. Aber Michael wurde von einer Brille trotz leicht ungünstiger Ergebnisse abgeraten und als ich die Zahlen im Vergleich zu meiner derzeitigen Brille gesehen hatte, war ich auch überzeugt.

Mit den Brillen ist es hier ganz ähnlich wie in Deutschland: Sauteuer. Hätten wir diese Zusatzversicherung abgeschlossen, gäbe es eine kleine Zuzahlung, aber die schien uns so gering, dass sich das kaum lohnt und so müssen wir jetzt alles aus eigener Tasche zahlen. Zu meiner letzten Brille in Deutschland hat die Kasse aber auch nur einen Witzbetrag von <10 EUR pro Glas zugezahlt, wenn ich mich recht erinnere. Bei den Gestellen habe ich hier wie in Deutschland das Gefühl, dass es zwischen superbillig/ plöddelig und Designer-Gestell immer weniger gibt. Das durchschnittliche Designer-Gestell hat bei dem einen Optiker hier $300 gekostet, und merkwürdigerweise waren die fast alle exakt gleich teuer.

Ich muss mich erst mal besser informieren, wo ich hier ein gutes Gestell herbekommen kann. Im Moment hab ich keine große Lust, weil ich das alte Gestell noch gerne mag. Leider sind die Bügel nicht mehr sehr gut intakt, so dass wohl auf die Dauer kein Weg an einem neuen Gestell vorbei führen wird. Wenn’s so weit ist, gibt es auch ein Foto.

Unter dem Titel State of the Union hält der amerikansiche Präsident einmal pro Jahr eine Rede vor dem Congress. Die diesjährige Rede wurde gestern gehalten und wurde auf allen (!) Fernsehkanälen, die Michael und ich empfangen können, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, übertragen. Eine ganze Stunde lang, plus vor- und nachträgliche Berichterstattung. Diese Gleichschaltung sämtlicher Kanäle hat mich schon etwas gewundert.

Ich habe manchen Teilen der Rede nicht gut folgen können, wenn es z. B. um irgendwelche Maßnahmepakete ging, von denen ich noch nie gehört hatte. Trotzdem fand ich ein paar Sachen auffällig:

  • Obwohl es ja ein Wahljahr ist, wurden noch sehr viele Maßnahmen vorgeschlagen, darunter auch eher kontroverse. (Ob die dann auch alle umgesetzt werden, kann ich natürlich nicht beurteilen.)
  • Die Abgeordneten von Repräsentantenhaus und Senat haben ständig großzügig applaudiert und sind dazu auch öfter mal aufgestanden. Standing Ovations gab es dabei nicht nur von der eigenen Partei, sondern immer wieder vom gesamten Publikum inklusive der Democrats (meiner Meinung nach meist bei gut klingenden Allgemeinplätzen à la wir wollen mehr Weltfrieden/ Gerechtigkeit/ usw.). Das muss irgendeine Tradition bei diesen State-of-the-Union-Reden haben, denn manche sahen schon sehr verkniffen aus und sind trotzdem aufgestanden.
  • Einige Abgeordnete wollten nach der Rede ein Autogramm von Bush auf ihr Programmheft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundestagsabgeordneten Angela Merkel nach einem Autogramm hinterherrennen.
  • Öfters wurde mit einem Veto gedroht, nach dem Motto: Wenn ihr mir diesen und jenen Vorschlag auf den Tisch legt, unterschreibe ich nicht. Ich fand, dass das immer sehr harsch klang - und ist es denn der Sinn einer Demokratie, dass der Präsident Maßnahmen ablehnt, die die Volksvertreter mehrheitlich befürworten? Trotzdem wurden auch solche Sätze durchaus bejubelt.
  • Es wurden viele Themen abgehandelt, von der Außen- über die Umweltpolitik bis zum Gesundheitssystem, darunter auch viele, die im Wahlkampf heiß diskutiert sind. Manche Themen wurden allerdings auch ausgespart, z. B. Guantánamo.

Insgesamt war es schon interessant, diese Rede mal zu sehen. Wen es interessiert, der kann sie auf der Website des Weißen Hauses auch selber nachlesen. Dort ist auch verzeichnet, wofür es Applaus gab.

Wir sind zufrieden mit unserer Karnevalsparty. In letzter Minute haben wir noch zwei Deutsche hier kennen gelernt, die auch dabei waren. Die meisten Gäste hatten sich Mühe gegeben, irgendwas in Richtung Kostümierung zu unternehmen. Das amerikanische Karnevalsbier ist supergut angekommen, die Leute sind lange geblieben und wir hatten Spaß. Wir hatten allerlei deutsches Essen gemacht (Erbsensuppe, Frikadellen, Halve Hahn und so), was bei manchen gut angekomen ist, bei anderen nicht so, den Überbleibseln nach zu urteilen. Alles in allem war es aber sehr nett. Hier ein paar Fotos von vor der Party, den Partygästen möchte ich einen unfreiwilligen Auftritt im Internet dann doch nicht zumuten:

Luftballon Deko

Der Dom aus Bonbons

Karnevalsdeko

Ganz am Anfang hatte ich ja mal geschrieben, dass ich die Sache mit den Coupons nicht richtig durchblicke. Hier sind Coupons für alles und jedes im Umlauf, von der Dose Tomaten über den Ölwechsel bis zur Grippeschutzimpfung. Mit dem Coupon gibt es einen Rabatt, der sehr unterschiedlich hoch sein kann: Von 30 cent auf die Tomaten bis zu 20% des Einkaufswertes in einem bestimmten Laden habe ich schon vieles gesehen.

Wie kommt man nun an diese Coupons? Selten liegen welche im Laden aus, zwei Mal pro Woche kommt eine Anzeigensammlung in den Briefkasten geflattert, in der immer auch Coupons sind, in der Sonntagszeitung ist eine couponreiche Beilage und es gibt unzählige Internetseiten, die Links zu Coupons verschiedener Läden und Hersteller bieten. Den Coupon muss man dann schön ausschneiden oder -drucken, zum Laden tragen, dran denken, dass man für Produkt X überhaupt einen Coupon hat, ihn zwischen den ganzen anderen Coupons suchen und dann wird er an der Kasse eingescannt und man bekommt den Rabatt.

Im Grunde reichlich umständlich, vor allem, wenn es um kleinere Beträge geht. Deswegen bemühe ich mich auch immer noch nicht aktiv um Coupons, sondern schaue nur die Werbung durch, die eh in unserem Briefkasten landet. Meistens sind es Fast-Food-Coupons, die ins Auto kommen, für den Fall dass wir mal länger unterwegs sind. Dann sind es immer sehr viele Coupons, bei denen ich die beworbenen Produkte nie kaufen würde, und manchmal noch der ein oder andere nützliche Coupon, z. B. für Shampoo oder so. Es gibt aber auch Leute, die das Couponsammeln eifrig betreiben und die versuchen, Coupons vor allem auf Sonderangebote einzusetzen. Angeblich kann man dann manche Produkte für ein paar cent erstehen.

Was wir jetzt allerdings haben, ist ein ganzes Couponbuch für Columbus. Da sind in erster Linie Coupons für Restaurants in der Art 2=1 drin, wie man das auch aus diesen Büchern in Deutschland kennt. Nur dass das Buch hier bestimmt fünf Mal so dick ist und nicht nur Coupons für Restaurants abgedruckt sind, sondern auch für diverse Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, Kinos, Reinigungen usw. Jedenfalls ist viel dabei, was wir noch ausprobieren wollen, wofür wir jetzt bis November Zeit haben.

Karneval wird hier nicht gefeiert. So selbstverständlich wie das klingt, ist das gar nicht, gibt es doch in den Südstaaten Mardi Gras, was im Prinzip ganz ähnlich ist. Hier in Ohio kommt davon bestenfalls das Mardi Gras Bier an - und die Pfarre veranstaltet ein kleines Fest zu Mardi Gras, das aber wie ein ganz normales Pfarrfest klingt, also nix mit Kostümen und so.

Paradoxerweise habe ich dem Karneval am wenigsten abgewinnen können, als ich noch richtig im Rheinland gewohnt habe. Je weiter ich weggehe (erst Bremen, dann Ohio), umso mehr fallen mir die Vorteile des Karneval auf. Zunächst mal bekommt man ja häufig einen Tag frei. Selbst an den Tagen, an denen man zur Arbeit geht, ist doch häufig alles etwas ruhiger: Manchmal kann früher Schluss gemacht werden, viele Kollegen oder Kunden sind vielleicht Karneval feiern, Wunderdinge werden nicht unbedingt erwartet. Zugegeben, dies ist sicher je nach Job sehr unterschiedlich - ich weiß, dass es auch Leute gibt, die 100% durcharbeiten, Rosenmontag inklusive, aber für viele Leute im Rheinland ist der Karneval doch eine weniger arbeitsintensive Zeit.

Dann kommt der Karneval auch genau zu einer Zeit im Jahr, in der der Winter besonders trostlos erscheint. Weihnachten ist längst vorbei, bis Ostern ist es noch ewig hin, die Tage sind kurz, der Himmel grau, die Leute übel gelaunt. Da kommen die farbenfrohen Dekos, die Musik und die vielen gutgelaunten Jecken doch sehr gelegen. Weiterhin bin ich sehr für allerlei Karnevalsgebäck zu haben, besonders für die Muzen und Muzemandeln. Das alles sind schon mal Vorteile, die man genießt, selbst wenn man gar nicht feiern geht.

Wenn man doch geht und das Glück hat, einen Ort zu finden, an dem keine betrunkenen Kids und nur moderat betrunkene Erwachsene (wenigstens überwiegend) sind, an dem es voll, aber nicht zu voll ist, an dem wenig Schlager und mehr kölsche Karnevalsmusik gespielt wird, dann kann doch auch das Feiern ganz nett sein. Manchmal treffen dann die ganzen Klischees tatsächlich zu: Dass die Leute Abstand von ihren Alltagsproblemen bekommen, mit wildfremden Leuten schunkeln, und das alles altersübergreifend. Ob sich ein bisschen davon auch nach Columbus transportieren lässt, werden wir am Samstag feststellen, denn dann kommen ein paar Leute zu einer kleinen Karnevalsparty vorbei. Neben Michael und mir kommen noch drei Deutsche, eine davon ein Ex-Funkemariechen aus Mainz, eine aus Süddeutschland und eine aus Aachen. Ich bin gespannt!

Auch der zweite Schmuckkurs macht Spaß. Bisher habe ich gelernt, das Metall so zu behandeln und zu erhitzen, dass es seine Farbe ändert, es zu polieren und es an ein anderes Stück Metall zu nieten. Herausgekommen ist dabei dieser Anhänger:

Ketten-Anhänger

Als nächstes ist dann ein Ring dran.

Die Liste der Dinge, die wir nicht haben ist dank Claus, einem Leser dieses Blogs, nun um einen Punkt kürzer. Wir haben uns auf eBay preactivated prepaid Karten von T-Mobile für unsere Handies gekauft und sind jetzt auch mobil erreichbar. Und wir können unsere alten Handies mit Schnickschnack wie Kamera und MP3-Funktion weiter nutzen - wenn wir hier ein neues Handy mit Prepaid-Karte gekauft hätten, wäre das ein ziemlich billiges Schrotthandy gewesen und die besseren hätten ungenutzt in der Schublade gelegen.

Hier gibt es keine spezielle Vorwahl für die einzelnen Mobilfunkanbieter, sondern man bekommt auch fürs Handy immer eine Ortsvorwahl, in unserem Fall natürlich die 614 von Columbus. Das heißt, wenn ihr uns auf dem Handy anruft, kostet es genau so viel wie wenn ihr uns auf dem Festnetz anruft. Für die meisten Leute in Columbus bedeutet das, dass sie uns kostenlos auf dem Handy anrufen können - sehr praktisch. Obwohl wir uns in den letzten Monaten daran gewöhnt haben, keine Handies zu haben, freue ich mich doch sehr, dass sich das jetzt ändert. Angerufen werden zu können, SMS empfangen zu können, eine Notrufmöglichkeit in den einsamen Straßen und im Auto zu haben und sich nicht immer punktgenau verabreden zu müssen ist schon sehr hilfreich. Danke, Claus!

Als drittes kulturelles Event sind wir am Sonntag mit Freunden im Columbus Museum of Art gewesen (Sonntags Eintritt frei). Eigentlich hatten wir vor, die Monet-Ausstellung anzuschauen, deren letzter Tag es war, doch diese kostete ordentlich Eintritt pro Person und war zudem total überlaufen - die Warteschlange war mindestens 45 Minuten. Da wir die Seerosenbilder teilweise schon in London oder sonstwo gesehen hatten, beschlossen wir, nur die normalen Ausstellungen anzusehen.

Dafür, dass Columbus so viele Einwohner hat ist das Museum relativ klein, aber sehr nett. In der oberen Etage gibt es Werke berühmter Künstler, meist aus der Moderne, sortiert nach Stilen (Impressionismus, Expressionismus usw.) und Herkunft (Europa, Amerika). In einem Raum gibt es wechselnde zeitgenössische Kunst, in einem weiteren aktuelle Kunst aus Columbus. Die Räume sind gut erläutert und im Grunde ist alles da, was ein Kunstmuseum braucht, nur eben in kleinen Mengen.

Die untere Etage ist für die Kinder bestimmt, es gibt vieles zum Mitmachen (Verkleiden, Zeichnen, Malen), alles sehr bunt und auf Augenhöhe der Kinder und mit Sicherheit total toll für diese. So was habe ich noch nie in einem Kunstmuseum gesehen, aber es sah sehr gut gemacht aus und ist bestimmt super geeignet, Kindern das Museum schmackhaft zu machen. Alles in allem ein sehr nettes Museum!

Dieses Wochenende genießen wir die geballte Kultur in Columbus! Samstag Abend gab es in Skully’s Music Diner, einer Art Club hier in der Nähe, ein Konzert von fünf lokalen Bands, die von einer Veranstaltungszeitschrift als vielversprechend fürs nächste Jahr betrachtet werden. Eintritt frei. Obwohl der Club nur ca. 15 Fußminuten entfernt ist, mussten wir mit dem Auto fahren, weil es z. Z. tags -8°C ist, letzte Nacht waren es -17°C, plus Windchill - gefühlte Temperatur also noch drunter. Wir haben nicht selber nachgemessen, aber selbst in dickem Wollmantel mit Stiefeln und Mütze ist die Kälte auf den max. 40 Metern vom Parkplatz zum Eingang komplett bis auf die Haut gekrochen. Von dem Konzert haben wir nur die ersten zwei Bands gesehen, denn es ging um 22 Uhr los, jede Band durfte lange spielen und natürlich braucht es lange Pausen zum Umbauen. Die Musik-Stile waren wild gemixt, die erste Gruppe, Rosehips, waren eher so Indie-Rockerinnen. Die nächsten waren Rapper mit Sonnenbrillen, Hosen in den Knien und so weiter. Die Konzertbesucher waren entsprechend wild gemischt, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die meisten wirklich an allen Bands interessiert waren. Trotzdem war es sehr lustig, die Rosehips haben mir gut gefallen und die Rapper waren ein echtes Erlebnis.

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