Karneval wird hier nicht gefeiert. So selbstverständlich wie das klingt, ist das gar nicht, gibt es doch in den Südstaaten Mardi Gras, was im Prinzip ganz ähnlich ist. Hier in Ohio kommt davon bestenfalls das Mardi Gras Bier an - und die Pfarre veranstaltet ein kleines Fest zu Mardi Gras, das aber wie ein ganz normales Pfarrfest klingt, also nix mit Kostümen und so.
Paradoxerweise habe ich dem Karneval am wenigsten abgewinnen können, als ich noch richtig im Rheinland gewohnt habe. Je weiter ich weggehe (erst Bremen, dann Ohio), umso mehr fallen mir die Vorteile des Karneval auf. Zunächst mal bekommt man ja häufig einen Tag frei. Selbst an den Tagen, an denen man zur Arbeit geht, ist doch häufig alles etwas ruhiger: Manchmal kann früher Schluss gemacht werden, viele Kollegen oder Kunden sind vielleicht Karneval feiern, Wunderdinge werden nicht unbedingt erwartet. Zugegeben, dies ist sicher je nach Job sehr unterschiedlich - ich weiß, dass es auch Leute gibt, die 100% durcharbeiten, Rosenmontag inklusive, aber für viele Leute im Rheinland ist der Karneval doch eine weniger arbeitsintensive Zeit.
Dann kommt der Karneval auch genau zu einer Zeit im Jahr, in der der Winter besonders trostlos erscheint. Weihnachten ist längst vorbei, bis Ostern ist es noch ewig hin, die Tage sind kurz, der Himmel grau, die Leute übel gelaunt. Da kommen die farbenfrohen Dekos, die Musik und die vielen gutgelaunten Jecken doch sehr gelegen. Weiterhin bin ich sehr für allerlei Karnevalsgebäck zu haben, besonders für die Muzen und Muzemandeln. Das alles sind schon mal Vorteile, die man genießt, selbst wenn man gar nicht feiern geht.
Wenn man doch geht und das Glück hat, einen Ort zu finden, an dem keine betrunkenen Kids und nur moderat betrunkene Erwachsene (wenigstens überwiegend) sind, an dem es voll, aber nicht zu voll ist, an dem wenig Schlager und mehr kölsche Karnevalsmusik gespielt wird, dann kann doch auch das Feiern ganz nett sein. Manchmal treffen dann die ganzen Klischees tatsächlich zu: Dass die Leute Abstand von ihren Alltagsproblemen bekommen, mit wildfremden Leuten schunkeln, und das alles altersübergreifend. Ob sich ein bisschen davon auch nach Columbus transportieren lässt, werden wir am Samstag feststellen, denn dann kommen ein paar Leute zu einer kleinen Karnevalsparty vorbei. Neben Michael und mir kommen noch drei Deutsche, eine davon ein Ex-Funkemariechen aus Mainz, eine aus Süddeutschland und eine aus Aachen. Ich bin gespannt!