Februar 2008


Wie bereits geschrieben gibt es hier nicht so viele Möglichkeiten, mal ins Theater zu gehen. Im Endeffekt könnte das aber gerade dazu führen, dass hier wir mehr ins Theater gehen als in Köln. Wenn wir eine Ankündigung für eine interessante Aufführung sehen, wo die Tickets kein Vermögen kosten, denken wir sofort, dass so eine Gelegenheit nicht alle Tage ist und dass wir Karten kaufen sollten. Das Uni-Theater spielt in dieser Spielzeit zum Beispiel vier Stücke, meist in Blöcken von z. B. vier Abenden pro Woche über drei Wochen oder so. Diesmal gibt es ein Mal Shakespeare, Labyrinth of Desire, ein Musical und ein Mal Comedy. Nach Shakespeare in the Park und einem Besuch im Madlab-Theater haben wir also gestern Labyrinth of Desire im Uni-Theater gesehen. Schauspiel studiert man hier an der ganz normalen Universität, und der Studiengang hier verfügt entsprechend über ein eigenes Gebäude mit mindestens zwei technisch sehr gut ausgestatteten Bühnen. Die Schauspieler/innen waren sehr unterschiedlich gut, bei einigen würde ich vermuten, dass sie vielleicht noch nicht so lange Schauspiel studieren. Insgesamt hat es aber Spaß gemacht und wir haben wieder einen neuen Ort in der Stadt kennen gelernt.

Heute habe ich Tom, einen befreundeten Lehrer, in die katholische Privatschule begleitet, um zwei Klassen (etwa 10-13 Jahre alt) etwas über das ganz normale Leben in Deutschland zu erzählen. Ich hatte drei Themen ausgewählt: Feiertage (z. B. : Kein Thanksgiving! Adventkalender! Nikolaus! Feuerwerk selber abschießen zu Silvester!), Schul- und Ausbildungssystem (z. B.: Schule ist mittags aus! Schule ist kostenlos! Kein Footballteam, keine Cheerleader!), und Alltag (z. B.: Fußgängerzone statt Mall! Mülltrennung! Mietshäuser!). Alles reich bebildert mit Fotos von mir und anderen.

Die Kinder hatten alle Schuluniformen an (für die Mädchen offensichtlich Faltenröcke und Kniestrümpfe – und das bei den eisigen Temperaturen!) und waren extrem brav. Sie durften jederzeit Fragen stellen und haben das auch ausgiebig genutzt: Wann darf man in Deutschland Alkohol trinken? Was machen die Kinder nachmittags, wenn die Schule so früh aus ist? Gibt es in Deutschland McDonald’s? Ist der Dom eine katholische Kirche? Kannst Du deutsch sprechen? Hast Du geholfen, die Berliner Mauer einzureißen? Wird in der Innenstadt viel geklaut? Warst Du schon mal auf dem Oktoberfest? Undundund… Hat superviel Spaß gemacht!

Bisher gibt es hier zwei Möglichkeiten zum Recycling: Man fährt den ganzen Kram zu einem Ort, an dem es Recyclingcontainer gibt, zum Beispiel zum Parkplatz eines Supermarkts, der bei diesem Programm mitmacht. Oder man zahlt fünf Dollar pro Monat an eine Firma, die einem eine Plastikkiste zur Verfügung stellt, in die man seinen recycelbaren Müll füllt und die ein Mal pro Woche geleert wird. Man kann sich leicht vorstellen, dass es Leute gibt, denen das zu mühselig oder zu teuer ist und die deshalb gar nicht recyceln. Altpapier, Altglas, Dosen usw. wandern dann eben alle in die Riesen-Mülltonne.

Der Stadtrat von Columbus hat nun beschlossen, die Zuschüsse zu den Recyclingkisten zu streichen. Das bedeutet, dass ab Mitte des Jahres statt fünf Dollar pro Monat $8.25 anfallen. Eine beachtliche Preissteigerung, die noch stärker ausfallen könnte, falls sich viele Leute aus dem Programm abmelden und die Kosten für die Abholung auf die verbleibenden Teilnehmer umgelegt werden.

Im Programm bleiben oder auf Fahrten zum Recyclingcontainer umstellen? Zwar ist der Preis noch zu verkraften und die Abholung ist bequem. Andererseits kommen wir sowieso auf unseren Einkaufsfahrten an den Containern vorbei, und vor ein paar Wochen haben wir auch eine verschließbare Plastikkiste fürs Recycling angeschafft (um nicht immer die schneebematschte offene Kiste in der Küche zu haben), mit der sich alles gut transportieren ließe, ohne das Auto zu besudeln. Hinzu kommt, dass die Recyclingfirma sehr unpünktlich abholt, so dass der ganze Müll oft schon von Regen oder Schnee durchweicht wurde. Wir werden das Recycling auf keinen Fall aufgeben, aber ich kann mir vorstellen, dass einige auf die kostengünstige UND bequeme Lösung „alles in die Tonne“ umstellen werden. Als ob hier nicht vieles sowieso schon wenig umweltfrendlich wäre…

Gestern war die Debatte zwischen Clinton und Obama in Ohio. Wir haben uns das Ganze im Fernsehen angeschaut, es wurde aus einem Hörsaal in Cleveland übertragen. Überwiegend fand ich die Debatte gar nicht so spannend. Die inhaltlichen Positionen sind teilweise sehr nah und es ist m. E. schwer, zu sagen, wer der geeignetere Kandidat wäre. Ich bin froh, dass ich an dieser Entscheidung nicht beteiligt sein werde! Wen es interessiert, der kann sich das ellenlange Transrkipt bei der New York Times durchlesen.

Alle möglichen Formen von Kredit sind hier ungeheuer beliebt. Der durchschnittliche amerikanische Haushalt hat nicht etwas gespart, sondern schuldet jemandem etwas, oft per Kreditkarte. An Kreditkarten ist hier kein Mangel: Viele Läden geben eigene Kreditkarten heraus (von Ikea bis zum Klamottenladen), mit denen man u. U. dort einen Rabatt bekommt. Dazu kommen die herkömmlichen Kreditkarten, von denen man hier große Mengen ansammeln kann, wenn man möchte. Ich habe den Eindruck, dass sich hier selbst Geringverdiener in kurzer Zeit einen wahnsinnig hohen Kreditrahmen zusammen sammeln können, dessen Abzahlung auf Raten natürlich extrem teuer ist.

Ein Zeichen, dass es mit unserer Kreditvergangenheit aufwärts geht sind die vielen Kreditkartenangebote, die hier einflattern. Jede Woche sind in der Post zwei bis drei Kreditkartenwerbungen. Die werden nicht an jeden geschickt, sondern eben an Leute, die hier finanziell aktiv sind und dabei nicht zu negativ auffallen. Ich bekomme zum Beispiel nie solche Angebote, die sind immer für Michael. Meist ist schon ein bunter Vordruck der Kreditkarte dabei, mit Namen und allem, so dass wir diese Post immer sorgfältig aussortieren und schreddern.

Von der einen Kreditkarte, die bei unserem Bankkonto dabei war, haben wir diese Woche aber auch Post bekommen: Das 2007 Year-End Account Summary. Das ist ein ungefähr Din A5 großes 16-seitiges Heft mit einer statistischen Auswertung darüber, wie wir unsere Kreditkarte im letzten Jahr eingesetzt haben. Da kann man dann sehen, wie viel Umsatz man mit der Karte gemacht hat pro Jahr und Monat. Außerdem ist der Umsatz direkt nach Kategorien ausgewertet, z. B. Automiete, Reisen, Restaurants, Einkäufe, Benzin, Gesundheit, Services, Unterhaltung, Unterkunft, Finanzen und Andere. Es gibt auch eine lange Liste aller einzelnen Posten, so dass man sehen kann, welche Posten zu welcher Kategorie gehören. Das gibt einem einen schönen Eindruck von der Art der Daten, die die Kreditkartenfirmen ansammeln können, aber wenigstens lassen sie einen daran teilhaben.

In und um Columbus gibt es nicht nur die kleinen, oft ziemlich sterilen Parks wie Goodale Park oder Schiller Park, sondern auch noch 15 sogenannte Metroparks. Diese Metroparks sind auf städtischer Ebene das, was die Nationalparks auf Bundes- und die State Parks auf Landesebene sind, nämlich keine künstlich angelegten Parks, sondern eher die Bewahrung eines Stücks Land und der dazugehörenden Pflanzen und Tiere. Bisher hatten wir noch keinen Metropark besucht: Im Sommer wussten wir noch nichts von diesen Parks, dann war es oft zu kalt (bei Temperaturen unter -10°C gehe ich nirgendwo hin) oder zu regnerisch und außerdem muss man auch genug Zeit mitbringen, denn die allermeisten Metroparks sind im Umland.

Heute haben wir den kleinsten und am zentralsten gelegenen Metropark besucht, nämlich Scioto Audubon. Der Park besteht bisher im wesentlichen aus einem asphaltierten Weg entlang des Scioto Rivers, aber weitere Pfade und Attraktionen sind geplant (der Park ist noch im Bau). Im Sommer gibt es dort Moorgebiet und Präriegräser zu sehen, aber im Moment ist alles zugefroren und die kleineren Wege sind gesperrt. Der Park ist wohl gut zum Beobachten von Vögeln, und sogar an einem kalten Wintertag waren viele Vögel da. Jedenfalls hat es uns gut getan, mal raus zu kommen und spazieren zu gehen. Wir werden diesen Park im Sommer noch mal besuchen und die größeren Metroparks nach und nach ebenfalls besichtigen.

Hier erst mal ein Eindruck von heute:

Scioto Audubon Metropark in Columbus, Oh

Schrittchen für Schrittchen geht es voran mit den Steuern. Heute habe ich zum Beispiel gelernt, dass wir gar keine Steuererklärung für die City Taxes machen müssen. Von Michaels Gehalt wurden automatisch City Steuern nach Dublin (so heißt die Stadt, in der er arbeitet) abgeführt. Weil wir in Columbus wohnen, müssten wir aber dort die Erklärung einreichen. Die Behörden beider Städte haben mir versichert, dass das aber nicht Pflicht ist. Weil die City Steuern nicht sehr hoch sind und man außerdem meist nichts absetzen kann, werden wir das also dieses Jahr lassen. Eine Sorge weniger! Bleiben noch drei Steuererklärungen übrig (Deutschland, USA Federal, USA Ohio).

Außerdem habe ich noch zwei Entdeckungen gemacht, die für andere Deutsche in den USA interessant sein könnten:

  • Viele Formulare gibt es grundsätzlich in zwei Fassungen: [Nummer] und [Nummer]-EZ. Lange habe ich mich gefragt, wofür dieses EZ wohl stehen mag – nun, es steht für easy (ee-zee, get it?). Das sind dann also Kurzformen der normalen Formulare, meist gibt es Auflagen, unter denen man die Kurzform benutzen darf.
  • Was die an Amerikaner gerichteten Bücher verschweigen ist, dass es für die Federal Taxes ein eigenes Formular für non-residents gibt. Man braucht also gar nicht überlegen, ob Form 1040, 1040A, oder 1040EZ, man sollte nämlich sowieso Form 1040NR (non-residents) nehmen.

Schritt, Atemzug, Besenstrich, wie bei Beppo Straßenkehrer…

Ansonsten hat sich das Taxes 2008 für Dummies schon mal als nützlich herausgestellt. Es ist einfach zu lesen, sogar für mich, und erklärt wirklich jedes Feld auf den Formularen (leider nicht speziell für NR). Wenn wir das ganze Jahr hier gewesen wären, könnten wir mit Hilfe dieses Buches und vielleicht noch einer Software die Steuererklärung bestimmt auch alleine schaffen.

Wir sind immer noch weit davon entfernt, die verschiedenen Steuererklärungen für dieses Jahr zu durchblicken, aber wenigstens haben wir nun ein paar Quellen aufgetan und eine vorläufige Strategie entwickelt.

Die Quellen:

  • Die offizielle Seite für die federal Taxes in den USA: Internal Revenue Service erschlägt einen geradezu mit Informationen. Theoretisch kann man dort angeblich alles finden, was man brauchen könnte, praktisch ist es schwierig, sich da durchzufinden. Das IRS gibt aber z. B. einen Tax Guide für Aliens als PDF heraus, der vielleicht ein guter Anfang sein könnte.
  • Viele Amerikaner nutzen die Dienste der Firma H&R Block, die einem bei der Steuererklärung hilft. Die Kosten sind angeblich moderat, wie hoch sie in unserem etwas komplexeren Fall sein würden, wissen wir aber nicht.
  • Andere Leute machen ihre Steuererklärung selbst, meist mit Hilfe einer Software. Hier wurden uns die Programme TurboTax und TaxCut, letzteres von H&R Block, empfohlen.
  • In der Bücherei gibt es natürlich etliche Wälzer zum Thema Steuererklärung, wir haben uns derzeit die kiloschweren Bände Taxes 2008 for Dummies und J. K. Lasser’s Your Income Tax 2008 ausgeliehen.
  • Ebenfalls in der Bücherei kann man einen Blick auf die diversen Formulare werfen und Printausgaben der gängigsten IRS-Guides kostenlos mitnehmen. Nach einem flüchtigen Blick auf die Formulare scheinen mir die deutschen Formulare ein Muster an Klarheit und Knappheit: Für jede Gruppe absetzbarer Posten gibt es hier ein eigenes Formular, also z. B. ein eigenes Formular für Spenden, ein eigenes Formular um die State Taxes von den Federal Taxes abzusetzen usw. Man muss jeweils extrem ins Detail gehen.

Der Plan:

  • Beim Finanzamt in Deutschland anrufen und fragen, was im letzten Jahr von der deutschen und was von der amerikanischen Steuer abgesetzt werden muss.
  • Mit dem Elster-Formular online die Steuererklärung für Deutschland selber machen.
  • Für die amerikanischen Federal (u. evtl. auch State) Taxes H&R Block in Anspruch nehmen.
  • Die City Taxes selber machen mit dem Papierformular aus der Bücherei, hier gibt es offenbar nicht viel abzusetzen.
  • Parallel in die dicken Wälzer und die IRS Website hereinschauen, um ein Gefühl für das ganze System hier zu bekommen und im nächsten Jahr in der Lage zu sein, die Steuererklärung mit Hilfe einer Software selber zu machen.

Hilfreiche Tipps oder Bedenken bezüglich unserer Pläne werden sehr gerne entgegen genommen!

Ohio ist als nächstes dran mit den Vorwahlen, nämlich am vierten März, gemeinsam mit Texas, Rhode Island und Vermont. Im Fernsehen kommen bereits häufig Werbespots für Hillary Clinton oder Barack Obama – die Republikaner scheinen die Vorwahl in Ohio nicht so wichtig zu finden. Ohio hat ein offenes Vorwahlsystem, d. h. wenn man möchte, kann man an den Vorwahlen der gegnerischen Partei anstatt der eigenen teilnehmen. Wenn man also z. B. Republikaner ist und davon ausgeht, dass Kandidat X der Demokraten die besseren Chancen auf die Präsidentschaft hätte, kann man hingehen und bei der demokratischen Vorwahl für Kandidat Y stimmen, um Kandidat X und damit die Chancen der Demokraten allgemein zu schwächen.

Wer etwas vom Wahlkampf sehen möchte, kann sich die Seite YouChoose auf YouTube anschauen. Dort stellen die Kandidaten beider Parteien regelmäßig neue Videos ein, in denen sie ihre Siege feiern, ihre Niederlagen rechtfertigen, ihre Meinung zu verschiedenen Themen kundtun, die Positionen der anderen kommentieren und sich von ihren Anhängern bejubeln lassen. Es ist teilweise ganz interessant, sich das mal anzusehen, zum Beispiel für Barack Obama oder Hillary Clinton (um mal die beiden rauszugreifen, bei denen die Vorwahlen noch am spannendsten sind).

Vor der Vorwahl wird es auch eine Fernsehdebatte zwischen Clinton und Obama geben, die in Cleveland aufgezeichnet wird. Beide haben trotzem ihr Wahlkampfcamp für Ohio in Columbus aufgeschlagen und das lässt hoffen, dass es vielleicht die ein oder andere öffentliche Veranstaltung geben wird, bei der wir einen Blick auf die Kandidaten werfen können.

So sah eines unserer Wohnungsfenster heute morgen aus:

Eisblumen

Im Detail:

Eisblumen 2

Es scheint als hätten sich Eisblumen auf der Innenseite der äußeren Fensterscheibe gebildet. Das ist nicht das erste Mal in diesem Winter, aber immer nur an diesem einen Fenster. Durch das Fenster sieht man übrigens auf das Nachbarhaus, immer noch eine Baustelle, das extrem nah an unser Haus gebaut wird (zum Glück sind nur unsere Flurfenster betroffen).

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