März 2008


Die ZEIT mahnt diese Woche mal wieder, wie wichtig es ist, eine Haftpflichtversicherung zu haben - und dass das Fehlen einer solchen Versicherung schnell zum Ruin führen kann, wenn man Pech hat. Solche Artikel bereiten mir Unbehagen. Ich kann die Argumentation gut nachvollziehen und war in Deutschland auch immer haftpflichtversichert. Hier allerdings scheint das Konzept der Privathaftpflicht ziemlich unbekannt. Es gibt nicht mal einen passenden Wikipedia-Eintrag, und auf den Websites der Versicherung wird eine private liability insurance ebenfalls nicht beworben. Dementsprechend haben wir hier auch keine solche Versicherung, abgesehen davon, dass unsere Renter’s Insurance auch Privathaftpflicht für Fälle enthält, in denen Besuchern in unserer Wohnung versehentlich etwas passiert.

Warum gibt es hier keine Haftpflichtversicherung wie in Deutschland? Wären die Prämien höher, weil man hier auf extrem hohe Summen verklagt werden kann? Oder haftet man hier sowieso “nur” maximal mit der Summe seines Vermögens, so dass kein Szenario denkbar ist, in dem man den Rest seines Lebens für den Geschädigten arbeiten muss? Richtig verstanden habe ich das noch nicht - falls jemand es weiß, hinterlasst bitte einen Kommentar!

Nach und nach macht es wieder Spaß, neue Ecken in Columbus zu entdecken: Die wichtigsten Orte kennt man, das Wetter wird besser. Gestern haben wir zum Beispiel Weiland’s, eine Art Feinkostgeschäft in Clintonville, entdeckt. Dort gibt es auch einen Liquor Store, der mehr Auswahl als Europia und etwas bessere Preise hat. Außerdem haben sie große Wein- und Bierabteilungen - hey, sie verkaufen sogar 5l-Kölsch-Fässchen - wenn wir das vor der Karnevalsparty gewusst hätten! Sie haben auch viele Sorten Lindt-Schokolade, vielleicht sogar mehr als World Market. Und der Laden ist wirklich sehr nett.

Direkt daneben ist ein ziemlich großer Thrift Store der Volunteers for America. Auf der anderen Seite ist ein sehr nettes Antiquariat. Überhaupt ist Clintonville eine gute Adresse für Antiquariate, direkt auf High Street haben wir noch zwei oder drei gesehen. Ein Problem bei den Neuentdeckungen ist, dass man einen Ausgangs-Tipp braucht, wo man suchen sollte. Die Stadt erstreckt sich auf einer so großen Fläche, die Straßen sehen oft aus, als ob da nichts mehr kommt, und die Läden machen oft einen gleichförmigen, unscheinbaren Eindruck von außen - so ist es schwierig, herauszufinden, wo sich das Suchen lohnt.

Eine der netten Einrichtungen hier sind die Thrift Stores. Das sind Läden mit gebrauchten Sachen, die häufig für einen guten Zweck betrieben werden. In Columbus gibt es zum Beispiel Thrift Stores von Goodwill und der Salvation Army. Wenn man Möbel, Kleidung, Bücher, Küchenkram oder Ähnliches loswerden möchte, kann man das alles dort vorbei bringen. Man bekommt dann eine Spendenquittung über den Gegenwert der Sachen, die man von der Steuer absetzen kann. Sehr bequem, wenn ich bedenke, wie wir uns in Köln auf den Kopf gestellt haben, um verschiedene Dinge loszuwerden ohne bergeweise Müll zu produzieren.

Umgekehrt kann man in diesen Läden natürlich auch einkaufen. Ich nehme mal an, dass die günstige Kleidung dort ein Segen für die ärmeren Leute hier ist (ob es hier außerdem noch Kleiderkammern gibt, weiß ich nicht - ich vermute bisher, dass die Thrift Stores deren Funktion mit übernehmen). Immer wieder hört man aber auch von Leuten, die irgendein Designer-Schnäppchen in solchen Läden gemacht haben, wobei ich mal denke, dass man dafür ziemlich oft in den Thrift Stores in den besseren Gegenden unterwegs sein und obendrein noch viel Glück haben muss. Es wäre auch leicht, sich zum Beginn des Studiums dort mit Geschirr einzudecken. Auch wenn die Thrift Stores nicht immer super ansprechend aussehen gehe ich dort ganz gerne hin zum Gucken, und in der Hoffnung auf einen tollen Fund. Ein bisschen wie Trödelmarkt…

Endlich wird es hier etwas frühlingshafter, und Ende März darf man wohl davon ausgehen, dass der richtig kalte Teil des Winters tatsächlich vorbei ist. Es blüht immer noch nichts, aber es wird etwas wärmer (allerdings immer noch kalt genug für die Wintermäntel) und die Sonne scheint häufiger. Ich freu mich schon darauf, das Fahrrad rauszuholen (es muss allerdings erst repariert werden) und ein paar Kästen zu pflanzen (Kräuter, Tomaten). Und natürlich auf das Verschwinden der trockenen Heizungsluft. Und darauf, die übrigen Metroparks zu erkunden.

Ich mag italienisches Essen sehr gerne. Michael und ich waren ja auch schon mehrere Male in Italien und haben das Essen dort immer sehr genossen. Auch in Deutschland besteht ja kein Mangel an italienischen Restaurants, und während das Essen dort natürlich nicht immer genau so toll schmeckt wie in Italien selber kann man doch ohne Schwierigkeiten relativ authentische Gerichte finden, vor allem im Pizza- und Nudelbereich.

Hier ist italienisches Essen ebenfalls ziemlich beliebt - bloß ist es nicht immer besonders italienisch. Die Pizza ist hier z. B. auch in italienischen Restaurants in der Regel mit dickem Boden und sehr viel Belag. Eine italienische Köchen in Neuss meinte, die Italiener in den USA würden die Pizza aus Focaccia-Teig statt aus Pizzateig machen. Das kommt hin.

Ein weiteres beliebtes “italienisches” Essen ist Pasta mit Meatball-Sauce. Mit Spaghetti Bolognese hat das eigentlich nichts mehr zu tun, vielmehr liegen perfekt gerundete Fleischbällchen auf den Nudeln drauf - und wie wir letzte Woche beim Essengehen in der Gruppe erfahren mussten gibt es auch Restaurants, in denen diese Fleischbällchen die Größe von Tennisbällen erreichen (dafür gibt es dann nur wenige).

Hinzu kommt, dass italienisches Essen in Deutschland ja oft die günstigste Option zum Ausessen ist; hier kann es hingegen schnell teuer werden. Bestimmt gibt es auch bessere, authentischere italienische Restaurants - aber bevor wir danach suchen, kochen wir lieber selber italienisch (die dünne Pizza klappt schon ganz gut) und probieren stattdessen Essen aus anderen Ländern im Restaurant.

Ab und zu werden wir gefragt, wie es mit verschiedenen Geschichten weitergegangen ist. Hier ein kunterbunter Zwischenstand:

  • Autoreifen: Im platten Reifen steckte ein Nagel, der Reifen konnte für nur ca. $10 repariert werden, und wir werden uns Mittel beschaffen, das nächste Mal selber Hand anlegen zu können.
  • Brille: Seit Karsamstag sind wir nun Mitglieder bei Costco, wo ich ein Gestell ausgesucht und Gläser bestellt habe. In die Sonnenbrille wollen sie dort aber keine Gläser machen, weil das Gestell angeblich nicht für Gläser mit Stärke gedacht ist, sie deshalb nicht wissen, ob ihr Labor das kann, und sie wegen des günstigen Preises da auch nicht groß hin und herprobieren. Vermutlich werden die Gläser für die Sonnenbrille also teurer als die richtige Brille mit Gestell und allem.
  • Greencard: Es geht schleichend voran. Eine Einwanderungs-Anwältin wurde mit unserem Fall beauftragt, der Arbeitgeber von Michael hat die ersten Schritte erledigt und nun ist es an uns, alle möglichen und unmöglichen Unterlagen zu beschaffen (z. B. Arbeitszeugnis-Übersetzungen, Anschriften aller Arbeitgeber aus den letzten 10 Jahren und derlei Dinge mehr).
  • Steuern: Leider immer noch ein Grund zur Sorge. H&R Block scheint mit unserem speziellen Fall doch leicht überfordert, gibt das aber nicht zu. Wenn wir uns nicht selber parallel informiert hätten, wären wir da schon auf die Nase gefallen. Das deutsche Finanzamt hüllt sich ebenfalls in Schweigen, die Zeit verstreicht… Falls H&R Block diese Woche keine annehmbare Steuererklärung liefert, müssen wir uns noch jemand Qualifizierteres suchen. In Deutschland geben wir dann alles an, was wir hier nicht angeben plus eine Kopie der amerikanischen Erklärung, in der Hoffnung, dass das Finanzamt dann vollständig informiert und somit in der Lage ist, die Steuererklärung vernünftig zu prüfen.

Michael und ich wünschen allen Leser/innen dieses Blogs frohe Ostern! Die freien Tage haben uns gefehlt, aber wir haben trotzdem ein wunderbares Osterfest gehabt. Nach der Osternachtsmesse gab es einen Empfang im Pfarrzentrum, den ich komplett unterschätzt hatte: Es gab ein riesiges kaltes und warmes Büffet und Getränke aller Art, sogar auch Wein. Am Ostersonntag hatten wir dann ein spätes Frühstück mit selbstgefärbten Eiern, deutschen Schokoeiern und selbstgemachtem Brot. Das Wetter war gut, trocken, ein bisschen sonnig und nicht allzu kalt, so dass wir in den Battelle Darby Creek Metropark gefahren sind zum spazieren gehen. Es war so schön, dass wir gute zweieinhalb Stunden dort herumgewandert sind, und dabei haben wir nur einen kleinen Bruchteil von Columbus’ größtem Metropark gesehen.

Michael in Battelle Darby Creek Metropark

Friedhofshügel bei Battelle Darby Creek Metropark

Am Abend haben wir uns dann an einem Lammgulasch versucht, was auch gut geklappt und zu einem leckeren Ostermenü beigetragen hat - kurz, wir hatten ein rundum schönes Osterfest - und ich hoffe, das hattet ihr auch.

Seltsamerweise ist Ostern im Vergleich mit anderen Feiertagen (einschließlich Halloween, Valentinstag und natürlich Weihnachten) hier gar nicht so eine große Sache in den Läden. Es gibt zwar auch ein paar Deko-Artikel, aber nicht in solch riesigen Mengen wie sonst. Und während man kurz vor Weihnachten bei World Market eine riesige Auswahl an deutschen Weihnachtsspezialitäten bekommen konnte, fällt das Ostersortiment sehr viel spärlicher aus. Immerhin konnte man Lindt-Hasen und genau eine Sorte Schokoeier von Lindt kaufen. Bei einem Besuch in England haben wir außerdem Cadbury’s Cream Eggs kennen und schätzen gelernt, das sind Schokoeier mit einer zuckerigen Füllung, die einem Ei nachempfunden ist (mit Eigelb und Eiweiß). Die gab’s hier sogar bei ALDI im Angebot.

Tja, und dann haben wir auch schnell herausgefunden, was hier der Oster-Verkaufsschlager ist: Marshmallow Peeps. Leider hab ich kein eigenes Foto, aber hier sieht man ganz gut, worum es geht, nämlich um kleine Küken (manchmal auch Häschen) aus intensiv gefärbtem Marshmallow-Material in knallgelb, knallpink, knallblau oder knallgrün. Das müssen wir natürlich auch ausprobieren, allerdings vorsichtshalber in kleinen Mengen, denn ein bisschen skeptisch bin ich ja schon.

Komischerweise sieht man hier nirgendwo diese hartgekochten bereits gefärbten Eier, die in Deutschland ja von der Pfarre bis zur Kneipe eigentlich überall zu finden sind (und natürlich auch im Laden). Gekauft hätte ich die sowieso nicht, ich färbe meine Eier lieber selbst - und genau das mach ich jetzt mal, damit am Sonntag auch alles fertig ist für Ostern.

Seit einiger Zeit haben wir im Schlafzimmer einen kunststoffartigen Geruch bemerkt, der nur ab und zu auftrat und von den Fenstern zu kommen schien. Besonders wenn die Tür einige Stunden geschlossen war konnte die Luft sehr giftig riechen. Zuerst hatten wir die Ikea-Vorhänge im Verdacht (lichtdicht, schwer und aus irgendwelchen Kunstfasern). Also abhängen und waschen. Während die Vorhänge noch im Bad trockneten trat der Geruch aber wieder auf - die Vorhänge waren es also nicht. Dann hatte ich die Heizung hinter dem Geruch vermutet. Die Schlitze sind direkt vor den Fenstern und wir haben einen Filter dahinter gesteckt. Hinter dem Filter geht es direkt in die Heizungsrohre und wer weiß, was da alles schon reingefallen sein mag, bevor wir hier eingezogen sind!

Letztens wurde der Gestank aber schlimmer, als wir die Fenster öffneten und dadurch haben wir den Übeltäter identifiziert: Es sind die Fliegengitter, die im Sommer vor die Fenster geschoben werden und die im Winter zwischen normalem Fenster und zweiter Glasscheibe stecken. Diese Gitter sind aus irgendwas kunststoff-artigem und wenn man die Nase da ran hält, fällt man fast um. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es schlimmer, deshalb trat das Problem auch nur zeitweise auf. Glücklicherweise kann man die Gitter ganz einfach rausnehmen, was wir jetzt auch getan haben. Offenbar empfiehlt sich das für den Winter. Im Sommer müssen wir dann noch mal beobachten, ob die ständige Lüftung durch den Wegfall der zweiten Glasscheibe das Problem löst (das Gitter ist dann immer an der frischen Luft) oder ob wir beim Vermieter neue Gitter erbitten sollen.

Ohio mag vielleicht nicht der Nabel der Welt sein, aber das lässt sich leicht kompensieren, indem man niedliche kleine Varianten mehr oder weniger berühmter Orte kreiert.

Teilweise finden sich ganze Länder in Ohio wieder: Holland, Malta, Palestine, Poland und sogar Russia leben als Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern in Ohio auf. Lebanon hat es mit knapp 17000 Einwohnern sogar zum Status der Stadt gebracht.

Andere Orte sind nach Städten aus aller Welt benannt. Europa ist dabei besonders prominent vertreten. Allein aus Deutschland gibt es Berlin (sogar gleich zwei Mal in Ohio vertreten), Potsdam, Dresden, Hanover, Frankfort und Leipsic (die Schreibweise hat wohl unter der Entfernung etwas gelitten). Aus den Niederlanden sind Amsterdam, Antwerp und Dunkirk vertreten, aus der Schweiz Geneva-on-the-Lake, aus Frankreich Lyons, Marseilles, Montpelier, Strasburg und Versailles. Dublin liegt ganz in der Nähe von Columbus, und Großbritannien ist mit Dover, Cambridge, East Liverpool, London, Aberdeen, Camden, Greenwich, Manchester, Lancaster, Portsmouth, Reading und Sheffield besonders stark repräsentiert.

Auch der Mittelmeerraum darf nicht fehlen: Von Cadiz über Parma, Genoa, Milan und Verona, von Athens und Sparta über Madeira und Lisbon, von Alexandria und Cairo bis Jerusalem ist alles dabei. Der Osten ist mit Moscow und Warsaw weniger stark vertreten. Weiter von Europa entfernte Städte sind deutlich seltener (oder mir nur weniger aufgefallen), aber sie reichen von Lima über Sidney bis zu Ottawa und Toronto wirklich um die ganze Welt - und all das im ländlichen Ohio… Möchte man aber nach Köln, muss man bis Minnesota fahren :-)

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