Wie der Zufall es will haben wir - wieder übers Internet - ein Paar kennen gelernt, die ebenfalls Michael und Martina heißen, etwa in unserem Alter sind, und Martina kommt aus Berlin (oder hat zumindest dort gelebt bevor sie hergezogen ist). Wir hatten ein sehr nettes Treffen, vorerst nur mit Martina, und ich bin sicher, wir werden in Kontakt bleiben.

Bevor wir hergezogen sind, hatte ich mich immer gefragt, warum so viele Leute im Ausland unter ihren Landsleuten bleiben. Inzwischen fände ich es immer noch schlimm, hier zu leben, ohne sich mit Amerikaner/innen anzufreunden - aber ich kann besser nachvollziehen, warum es attraktiv ist, Leute aus dem eigenen Land zu finden. An ein Treffen mit anderen Deutschen gehen meist alle Beteiligten mit einer extrem positiven Einstellung heran; die Möglichkeit, dass man sich nicht verstehen könnte, scheint erst mal völlig ausgeblendet. Manchmal findet man diffuse Ähnlichkeiten in Dingen wie Kleidung, Frisur usw., die schwer auf den Punkt zu bringen sind, aber irgendwie anders als bei vielen Amerikanerinnen. Die Sprache spielt natürlich auch eine große Rolle: Man kann direkt drauflos schwatzen ohne sich groß Gedanken zu machen, ob die Themen dem Gegenüber auch für ein erstes Treffen passend genug erscheinen, und man kann sogar ironisch sein oder witzig. Man weiß, was die Leute höchstwahrscheinlich vermissen (Bus & Bahn! Innenstadt!), welche Orte in Columbus sie dementsprechend wahrscheinlich mögen und nicht mögen. Wenn man etwas Unpassendes sagen würde, würde man es an der Reaktion des Gegenübers merken, und wenn man nach Hause gehen muss/ will oder ein Treffen verschieben muss, kann man besser einschätzen, wie das beim Anderen ankommt. Kurz, die Unterhaltung ist von Anfang an ungezwungen und entspannt, was sich natürlich wiederum positiv auf den Verlauf des Abends auswirkt. Und so freue ich mich auch immer besonders, andere Deutsche kennen zu lernen.