August 2008


Das kulturelle Angebot in Columbus habe ich ja schon öfters bemängelt. Andererseits hat das verglichen mit Köln winzige Angebot den Vorteil, dass wir die meisten interessanten Veranstaltungen auch wirklich besuchen. So waren wir zum Beispiel schon ganze sieben Mal im Theater seit wir hier sind… fünf Mal davon bei Shakespeare im Park. Seufz. Letzte Woche hat die lokale Wochenzeitung das kulturelle Angebot für den kommenden Herbst auf fünf übersichtlichen Seiten (teilweise noch mit Werbung und kleinen Artikeln versehen) vorgestellt. Wie nicht anders zu erwarten ist es wieder dünner als mir lieb wäre, aber einiges könnte ja doch interessant sein:

  • Konzerte: Viele Bands, die ich in Deutschland gerne gehört habe, sind nun mal europäisch und kommen daher in Columbus nicht vorbei. In diesem Herbst kommen drei Gruppen, die in Frage kämen: The Fratellis, The Kooks, und Fleet Foxes. Die Tickets kosten jeweils unter $20 pro Person. Abseits der Pop-Musik gibt es noch ein Konzert der OSU Marching Band, die beim Football absolut spektakulär ist, und eine Aufführung des Messias von Händel, bei der jeder bei den Chören mitsingen darf. Das könnte bestimmt ganz lustig sein.
  • Literatur: Hier sieht es wirklich ganz düster aus.
  • Ausstellungen: Das klare Highlight ist eine Warhol-Ausstellung im Wexner-Center. Das Kunstmuseum zeigt eine Sammlung von Schätzen aus den Museen und Sammlungen der Uni.
  • Theater: Vermutlich werden wir wieder ins Uni-Theater gehen, von OSU und/ oder Otterbein College (z. B. Julius Caesar). Vermutlich auch ins MadLab Theater, das am experimentellsten scheint.

Es gibt keine Oper in Columbus (letztes Jahr gab es an zwei (!) Abenden eine Gastaufführung von La Bohème, die ich leider verpasst habe). Das Symphonieorchester ist kürzlich den Bach runter gegangen. Es gibt kein großes Ensemble-Theater. Es gibt nicht mal sehr viel Programmkino. Fairerweise muss man sagen, dass es Ballett gibt (Nussknacker und so), dass ab und an teure Broadway-Spektakel vorbei kommen (eher in der Richtung Musical usw.), und dass es allerlei Comedy gibt. Und natürlich viel mehr als ich aufgelistet habe. Und natürlich ist es auch eine Frage dessen, was man mag und wie pingelig man ist. Aber könnte ich bitte die Museumsnacht haben? Und die Lit.Cologne? Und ein Kino mit aktuellen abseitigen Filmen aus aller Welt? Und einen Abend in der Oper? Und eine professionelle Theater-Aufführung eines modernen Stücks, die nicht auf lustig gemacht ist? Und kann nicht mal eine deutsche Indie-Band nach Ohio kommen? Okay, das wäre vielleicht wirklich zu viel verlangt. Seufz.

Okay, es war ja sowieso schon klar. Aber jetzt ist Schluss mit dem politisch korrekten Gerede vom „presumptive nominee“ Barack Obama, jetzt ist er’s, Nominee also. Der Wahlkampf fängt an zu kochen, und lange ist es ja auch nicht mehr hin. Ohio insgesamt zeigt sich leider unschlüssig – je nach Umfrage mal eine Stimme mehr für Obama, mal eine mehr für McCain. Ach je.

Die Convention, der Parteitag also, ist durchaus einen Blick wert. Das Prime Time Fernsehen ist voll mit Berichten, und das nicht nur auf PBS, sondern auch auf privaten Sendern wie NBC. Jeden Abend kann man sich mehr oder minder bekannte Redner vor ihren begeisterten Anhängern anhören, in einer Atmosphäre, von der die deutschen Parteien wohl nur träumen können. Falls ihr auch mal einen Blick reinwerfen wollt, kann ich euch diese Quellen empfehlen:

Hoffentlich, hoffentlich…

Ja, ich lebe noch und ich habe das Blog auch nicht vergessen, aber im Moment ist es hier eher ruhig. Ich arbeite vor mich hin, Michael auch, alles okay. Wir werden dieses Jahr wahrscheinlich noch einen kurzen Urlaub in der Finger Lakes Region in Upstate New York machen. Ich muss überlegen, ob/ wie ich meinen Geburtstag feiern will. Wir kämpfen weiterhin mit den Steuern. Wir schauen die Democratic Convention im Fernsehen an (natürlich nur in sehr groben Auszügen). Nicht viel Berichtenswertes – demnächst hoffentlich wieder mehr.

So richtige Apotheken, spezialisiert auf den Verkauf von Medikamenten, gibt es hier eigentlich gar nicht. Manche Medikamente sind frei verkäuflich, diese kann man vom Supermarkt oder von Target mitbringen. Dazu zählen z. B. riesige bunte Flaschen mit Mitteln gegen Magen-Übersäuerung oder die berühmten 300er-Dosen Aspirin zum Spottpreis. Viele Medikamente sind aber auch hier „over the counter“, also verschreibungspflichtig. Diese muss man am Apotheken-Schalter kaufen, den es häufig im Supermarkt, bei Target, oder bei Drugstore-Ketten wie CVS oder Walgreens gibt.

Dort bekommt man die Medikamente schön in Papiertüten verpackt, an denen ellenlange Anweisungen hängen. Wenn es sich um selbstgemischte Medizin handelt, kann man offenbar auch schon mal den Geschmack wählen. Jedenfalls habe ich heute am Schalter einen Wunschzettel für Medikamente gesehen, auf dem man zwischen gut 15 verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen kann: Apfel, Banane, Kirsche usw. Nach dem Erhalt von Medikamenten muss man unterschreiben, dass man keine weiteren Fragen hat – vermutlich, damit man die Apotheke nicht später verklagen kann. Für Medikamente, die man laufend nehmen muss, kann man sich ein Rezept mit „Refills“ ausstellen lassen. Die Apotheke gibt dann im Computer die Anzahl der Refills ein und dann muss man nicht mehr zum Arzt, sondern kann direkt in der Apotheke Nachschub holen. Das System verhindert aber, dass man einen Halbjahresvorrat mit nach Hause bekommt, mit dem man dann je nach Medikament Unsinn anstellen könnte.

Ein Notapotheken-System wie in Deutschland gibt es hier offenbar nicht. Die frei verkäuflichen Medikamente kann man sowieso 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche in den Supermärkten mit entsprechenden Öffnungszeiten bekommen. Wie das mit verschreibungspflichtigen Medikamenten funktioniert, weiß ich nicht. Die Apotheken-Schalter haben jedenfalls wesentlich normalere Öffnungszeiten, sind also nachts z. B. geschlossen. Vermutlich bekommt man solche Medikamente außerhalb der Öffnungszeiten dort, wo man sie verschrieben bekommen würde, also im Emergency Room oder in der Akut-Klinik. Sicher bin ich da aber nicht.

Alles in allem mag ich die Apotheken hier nicht. Die Supermärkte bei uns in der Nähe haben leider keinen Apotheken-Schalter, so dass ich bei Bedarf zu CVS gehen muss. Dort muss man sich dann erst mal den Weg durch enge Gänge chaotisch aufeinander gehäufter Waren vom Shampoo über Batterien, Sonnenbrillen, Grußkarten und Motoröl bis zu Sonnenschirmen oder Weihnachtsbaumbeleuchtung bahnen. Dann muss man am Schalter anstehen, denn es wird immer nur eine Person zur gleichen Zeit bedient, obwohl bestimmt fünf Apotheken-Leute herumstehen. Währenddessen hat man Zeit, die tristen Neonleuchten an der Decke und den versifften Teppich auf dem Boden genauer zu studieren. Irgendwie sieht dieser Laden für mich immer so aus wie in einem Hollywood-Gangsterfilm, wo jeden Moment zwei Leute reinstürmen und einen Überfall veranstalten. Alternativen gibt es im näheren Umkreis jedoch keine, und ich weigere mich, mehr als fünf Kilometer pro Strecke zur nächst-näheren Apotheke zu fahren.

  • Olympia: Die Berichterstattung ist etwas besser geworden. Die halbe Nacht laufen jetzt Wettbewerbe, und im Online-Angebot von NBC kann man viel finden.
  • Wetter: Es wird schwüler und schwüler, heute z. B. bei 33°C, aber immer noch keine Gewitter. Ich glaube, die Serie mit den vielen Gewittern kam letztes Jahr zum Sommerende – danach wurde es dann nicht mehr so heiß. Vielleicht steuern wir ja jetzt darauf zu?
  • Wahlkampf: Nach einer längeren Phase mit relativ wenig Berichterstattung scheint der Präsidentschaftswahlkampf wieder an Fahrt zu gewinnen. Die Conventions rücken näher, Entscheidungen über Vizepräsidentschaftskandidaten stehen an, etc.
  • Feiertage: Hurra, ein weiterer Feiertag rückt in Sichtweite – Labor Day, am ersten September.

In den letzten Monaten habe ich selten über das Kennenlernen neuer Leute gebloggt, weil wir weniger Anstrengungen unternommen haben, neue Leute kennen zu lernen. Wir kennen ja jetzt eine ganze Reihe, einige besser, andere weniger gut. Ab und zu haben wir immer noch mal jemand kennen gelernt, aber meist weniger gezwungen, z. B. Freunde von Freunden usw.

Heute habe ich mich aber dann zum ersten Mal richtig mit A. getroffen, die ich auf dem Farmer’s Market kennen gelernt habe. Der Farmer’s Market ist nämlich nicht nur die beste Quelle für leckeres Obst und Gemüse „local and in season“, sondern auch ein Ort, an dem jeder mit jedem schwatzen kann. A. hat dort für einen Bio-Bauernhof gearbeitet. Schnell stellte sich heraus, dass sie ein bisschen deutsch kann und so sind wir ins Gespräch gekommen. Seither sind unsere Besuche an ihrem Stand jede Woche länger geworden und nun haben wir beschlossen, dass wir uns aber wirklich mal außerhalb des Marktes treffen müssen. Und so kam es, dass ich heute das erste Mal hier mit jemandem zusammen gekocht habe – die anderen Leute wollen immer auswärts essen gehen oder bekocht werden. Aber hier war ja schon davon auszugehen, dass wir beide gerne unsere Markt-Mitbringsel verwerten und einigermaßen Wert auf Kochen und Essen legen. Tatsächlich ist A. sehr nett, gar kein bisschen oberflächlich und wir haben superlecker gekocht! Über Auberginencreme mit Fladenbrot, Tomaten mit Schafkäsefüllung und Melonen-Himbeereis-Smoothie fanden sich viele Gemeinsamkeiten und Ideen für zukünftige kulinarische Treffen. Vielleicht schließen wir uns sogar doch noch Slow Food Columbus an, wer weiß.

Wir wollten in diesem Sommer unbedingt noch The Wilds besuchen, und das haben wir gestern auch gemacht. The Wilds bietet eine Kombination aus riesigem Naturschutzgebiet und Safaripark. Es liegt eher abgeschieden ca. eineinviertel Stunden Fahrzeit (Auto, versteht sich) von Columbus entfernt, und es lohnt einen Besuch. Die ganze Landschaft dort ist schon sehr schön und viele Leute kommen dorthin, um Vögel oder Schmetterlinge zu beobachten. Die Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die in Ohio vorkommen und dort gut zu sehen sind, ist beachtlich. Wir haben zum Beispiel Geier gesehen. Im Park selbst muss man eine Bustour buchen. Mit dem Bus wird man dann durch das Gelände gefahren, auf dem sich die Tiere frei bewegen können: allerlei Wild, Zebras, Giraffen, Nashörner, Büffel usw.

Nashorn in The Wilds

Giraffen in The Wilds

Außerdem hat man an verschiedenen Punkten die Möglichkeit, auszusteigen und sich umzusehen. Einer dieser Punkte ist eine Aussichtsplattform auf das soeben beschriebene Gelände, einer ist an einem der zahlreichen Seen.

See in The Wilds

An einem Punkt kann man einen Spaziergang durch die „Wetlands“ machen, eine Art Sumpfgebiet mit besonders vielen einheimischen Tieren und Pflanzen.

Wiesenblumen bei den Wetlands

The Wilds Wetlands

An einem anderen gibt es Aussicht auf das Raubtier-Gelände, das im Aufbau ist (derzeit zwei Arten Raubtiere). Das Geländer der Wilds ist riesig und sehr beeindruckend – vor allem die Mischung aus einheimischer Natur in allen Varianten plus der großen Tiere. Falls man nur wegen der afrikanischen Tiere kommt, könnte ich mir vorstellen, dass man den Park insgesamt vielleicht gar nicht so toll findet, weil diese Tiere eben nur ein Aspekt des Konzeptes sind. Wir hatten jedenfalls einen sehr schönen Sonntag in den Wilds!

The Wilds

Ein absolut niemals enden wollender Albtraum geht leider unbarmherzig weiter. Wir dachten ja, wir hätten die amerikanischen Steuererklärungen mit größeren und die deutsche mit kleineren Schwierigkeiten hinter uns gebracht und müssten „nur noch“ die amerikanische Erklärung nachträglich abändern (amended return), so dass Michaels selbständiges Einkommen dort als bereits in Deutschland versteuert auftauchen kann. Diese Idee haben wir uns nicht etwa selber ausgedacht, nein, unser Sachbearbeiter bei H&R Block hat uns das erzählt. Nun hatten wir einen Termin für diesen amended return, und der ganze Ärger geht wieder von vorne los. Es fing damit an, dass wir vor verschlossener Tür standen, denn im Moment ist Nebensaison und das Office, bei dem wir immer waren, ist geschlossen. Hätten wir das durch außersinnliche Fähigkeiten herausfinden müssen? Offenbar schon, denn man hat uns nicht darauf hingewiesen. Beim richtigen Office ging keiner ans Telefon, die Adresse des richtigen Offices was erstens falsch und zweitens gar nicht auf dem Stadtplan. Also wurde ein neuer Termin vereinbart, zu dem aus organisatorischen Gründen nur Michael hingegangen ist. Und siehe, nach den üblichen etlichen Stunden, die H&R Block einen immer festhält, wurde beschieden, dass wir noch $1300 (!!!) nachzahlen sollen. Bei mir ist an diesem Punkt jeglicher Rest Geduld, den ich mit H&R Block noch hatte, verpufft. Uns hatte man erzählt, der amended return sei günstiger als die Lösung mit den $800. Und nun wäre er $500 teurer. Leider haben wir die Variante mit den $800 nie ausgedruckt bekommen und insofern keine schriftlichen Unterlagen darüber, aber natürlich werden wir trotzdem versuchen, uns zu beschweren/ zu handeln usw. An dieser Stelle kann ich schon mal einen weisen Rat an alle erteilen, die nach einem Umzug in die USA mit der Steuererklärung kämpfen: Überlegt euch gut, ob ihr zu H&R Block gehen wollt. Ich weiß nicht, ob jeder Sachbearbeiter so ist wie unserer, aber nach unseren Erfahrungen kann es passieren, dass man mit jemandem konfrontiert wird der (a) nicht sicher scheint, welche Lösungen rechtlich in Ordnung sind, (b) offenbar nicht sicher ist, welche unter den rechtlich möglichen die für den Klienten günstigste ist, und (c) seine Schwächen nicht zu bemerken scheint (man hätte uns ja noch rechtzeitig woanders hin verweisen können). Und diese Möglichkeit kann einen viel Zeit, Geld und Nerven kosten. Fortsetzung folgt.

In den letzten Tagen habe ich unzählige Male gelesen, dass ja jetzt die letzten Sommertage wären. Das mag daran liegen, dass die Amerikaner das Sommerende für Labour Day Weekend (das letzte Augustwochenende) festlegen – und daran, dass die „Back to school“ sales stattfinden. Nach ca. drei Monaten Sommerferien gehen die Kinder, vermutlich perfekt ausgestattet mit neuen Klamotten, Rucksäcken und Schreibmaterialien, wieder zur Schule. Für andere fängt die Collegezeit an, und auch da wird kräftig die Werbetrommel gerührt, in erster Linie für alle möglichen Sachen, mit denen man seinen Dorm Room verschönern oder besser organisieren kann.

Ansonsten sieht es noch gar nicht nach Sommerende aus: Der Farmer’s Market quillt über vor lauter Waren. Es gibt dutzende Sorten Tomaten, lila, weiße und weiß-lila gestreifte Auberginen, gelbe und grüne Zucchini, lila, blaue und verschiedene normaler aussehende Kartoffelsorten, Pfirsiche, Himbeeren, Wassermelonen und Cantaloupe-Melonen, tonnenweise Mais, Kräuter und was weiß ich was alles noch – alles aus Ohio, Melonen inklusive. Es ist jeden Tag warm und fast immer schön. Keine Stürme, nicht mal normale Gewitter, höchstens ab und zu eine kleine Schauer. Nachts kühlt es ein bisschen ab, sehr angenehm. Sommerveranstaltungen wie Kultur-Festivals und Shakespeare in the Park laufen noch. Wir schlafen jeden Abend beim Zirpen der Grillen ein. Und ich denke nicht gerne an das Sommerende.

In Deutschland haben mir die Jahreszeiten (wie auch das Wetter) abgesehen von Extremfällen (gar kein Sommer, zwei Monate lang nur Regentage) eigentlich nie viel ausgemacht, und ich habe kaum einen Gedanken daran verschwendet. Hier ist man irgendwie näher dran. Ein Grund ist sicher der Farmer’s Market, wo es immer nur das gibt, was gerade in Ohio wächst. Jetzt ist Hauptsaison, aber bald gibt es hauptsächlich Kürbis, Äpfel und Süßkartoffeln; die Händler werden weniger, einen Tag wird man seinen Atem sehen und in der nächsten Woche ist der Markt dann zu. Ein weiterer Grund ist, dass man die Natur viel stärker sieht, sogar in der Stadt. Erst gibt es die Glühwürmchen, dann die Grillen – wenn die verstummen, geht der Sommer zu Ende. Es kommen dann auch andere Vogelarten, die von Kanada aus herfliegen und hier überwintern. Im Moment ist alles grün, aber im Herbst sehen die Farben der Bäume absolut spektakulär aus. Ohio ist wohl einer der Staaten mit den meisten unterschiedlichen Baumsorten, und die scheinen sich alle fast gleichzeitig zu verfärben. Im Winter ist es demgegenüber ziemlich trostlos. Der Hauptgrund liegt aber sicher in den extremeren Wetterverhältnissen. Den Herbst mag ich noch ganz gerne, da die Hitze dann nicht mehr so groß ist. Er ist allerdings sehr kurz, und dann kommt der Winter, den ich nicht gerne mag. Es wird einfach so kalt, dass man sich kaum vor die Tür wagt – ohne Auto ist dann nichts mehr zu machen. Es wird auch so kalt, dass man es nicht vermeiden kann, die Heizung den ganzen Tag lospusten zu lassen – manchmal sogar die ganze Nacht. Das kulturelle Angebot in Columbus lässt viel zu wünschen übrig, was im Winter viel mehr auffällt. Länger Schnee hatten wir letztes Jahr trotzdem nicht.

So, jetzt komme ich mir aber vor wie bei „Prairie Home Companion„, höre ganz schnell auf mit Schreiben, genieße die letzten Sommerwochenenden und nehme mir vor, mich erst mal am Herbst zu erfreuen bevor ich den Winter fürchte.

Die Olympiade ist international. Es nehmen mehr Teams als nur die USA und China teil, oder? Na ganz so schlimm ist es mit der TV-Berichterstattung nicht, aber fast. Es ist nämlich so: NBC hat die exklusiven Fernsehrechte an der Olympia-Berichterstattung in den USA. Jeden Abend von 20 bis ca. 24 Uhr läuft auf NBC nun die Olympiade. Endlose Live-Berichterstattung mitten in der Nacht gibt es nicht (nicht, dass ich nachts aufbleiben möchte, aber aufnehmen könnte man ja das ein oder andere). In die 20-24 Uhr Berichterstattung ist massenweise Werbung eingearbeitet. Hier kommt sowieso sehr, sehr viel Werbung, aber im Moment ist es besonders schlimm.

Im Verhältnis zur Anzahl und Dauer der vielen Wettbewerbe sind die vier Stunden am Abend natürlich relativ wenig, es muss also stark ausgewählt werden. Hier zeigt sich dann, dass die USA teilweise an anderen Sportarten interessiert sind, und zwar vor allem an denen, worin sie gut sind. Das mag in Deutschland ähnlich sein, ist mir verständlicherweise aber noch nie so extrem aufgefallen. Potentielle deutsche Siege in „unwichtigen“ Sportarten wie Reiten, Handball (haben hier viele noch nie gehört) oder Fußball wird man definitiv nicht im Fernsehen sehen. Potentielle amerikanische Siege in Baseball und Softball, die wegen der geringen Internationalität dieses Jahr das letzte Mal olympisch sind, natürlich schon. Manchmal überschneidet sich die Vorstellung davon, was interessant sein könnte auch: Im Moment kommt viel Schwimmen und Turnen, beides sehe ich gerne. Das Turnen wird mir hier allerdings dadurch verleidet, dass es zwischen das Schwimmen geschnitten wird und zwar so, dass man fast ausschließlich die amerikanische oder die chinesische Mannschaft turnen sieht. Fürs Turmspringen gilt Ähnliches. Ich nehme an, dass über die Sprünge der anderen immer die Turnleistungen der Amerikaner und Chinesen oder aber Werbung drübergelegt wird. Und so sieht man ständig die Amerikaner! Das nervt! Das einzige, was bisher richtig vollständig war, sind Schwimmwettbewerbe in der Art „100m Lagen“ – da kommen sie nicht umhin, einem mal das gesamte Becken mit SchwimmerInnen aus allen möglichen Nationen zu zeigen.

NBC hat auch einen Online-Service, wo man angeblich mehr sehen kann als im Fernsehen kommt. Wir haben auch das entsprechende Plugin fürs Mediacenter brav installiert und zur Probe gut acht verschiedene Sportarten abonniert, aber bisher haben mich die Ergebnisse eher noch mehr frustriert: Die Clips werden immer erst nach der jeweiligen TV-Berichterstattung heruntergeladen (die ja auch schon eine erhebliche Zeitverzögerung hat). Manchmal sind sie genau so lückenhaft wie das Fernsehen, manchmal gehen sie minimal darüber hinaus. Beim Turnen konnte ich z. B. auch noch die Japaner sehen… Ich kann ja verstehen, dass es sehr aufwändig wäre, alle Sportarten zur Verfügung zu stellen, womöglich noch mit Kommentar. Aber die Kombination aus geblockten ausländischen Streams, tonnenweise Werbung, amerikanischen Sportarten und amerikanischen SportlerInnen sorgt für eine ganz neue Olympia-Erfahrung – und keine gute!

Nach all dem Jammern noch ein kleiner positiver Abschluss: Die Werbung ist oft olympia-spezifisch und etwas interessanter als sonst. Und um jeden Wettbewerb werden kleine Geschichten gestrickt (nicht immer über die Amerikaner), so dass man die Sportler/innen ein bisschen kennen lernt. Es wird auch immer viel Wert darauf gelegt, diese möglichst freundlich, bescheiden und menschlich darzustellen. In diesem Sinne hört man sie dann deklarieren, dass Sport nun wirklich nicht ihr Leben wäre und dass sie sich auch gerne mit Freunden treffen und kochen. Dann sieht man sie z. B. auf dem Farmer’s Market rumlaufen und lächeln… Diese Filmchen sind teilweise ganz lustig.

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