In den letzten Tagen habe ich unzählige Male gelesen, dass ja jetzt die letzten Sommertage wären. Das mag daran liegen, dass die Amerikaner das Sommerende für Labour Day Weekend (das letzte Augustwochenende) festlegen – und daran, dass die “Back to school” sales stattfinden. Nach ca. drei Monaten Sommerferien gehen die Kinder, vermutlich perfekt ausgestattet mit neuen Klamotten, Rucksäcken und Schreibmaterialien, wieder zur Schule. Für andere fängt die Collegezeit an, und auch da wird kräftig die Werbetrommel gerührt, in erster Linie für alle möglichen Sachen, mit denen man seinen Dorm Room verschönern oder besser organisieren kann.

Ansonsten sieht es noch gar nicht nach Sommerende aus: Der Farmer’s Market quillt über vor lauter Waren. Es gibt dutzende Sorten Tomaten, lila, weiße und weiß-lila gestreifte Auberginen, gelbe und grüne Zucchini, lila, blaue und verschiedene normaler aussehende Kartoffelsorten, Pfirsiche, Himbeeren, Wassermelonen und Cantaloupe-Melonen, tonnenweise Mais, Kräuter und was weiß ich was alles noch – alles aus Ohio, Melonen inklusive. Es ist jeden Tag warm und fast immer schön. Keine Stürme, nicht mal normale Gewitter, höchstens ab und zu eine kleine Schauer. Nachts kühlt es ein bisschen ab, sehr angenehm. Sommerveranstaltungen wie Kultur-Festivals und Shakespeare in the Park laufen noch. Wir schlafen jeden Abend beim Zirpen der Grillen ein. Und ich denke nicht gerne an das Sommerende.

In Deutschland haben mir die Jahreszeiten (wie auch das Wetter) abgesehen von Extremfällen (gar kein Sommer, zwei Monate lang nur Regentage) eigentlich nie viel ausgemacht, und ich habe kaum einen Gedanken daran verschwendet. Hier ist man irgendwie näher dran. Ein Grund ist sicher der Farmer’s Market, wo es immer nur das gibt, was gerade in Ohio wächst. Jetzt ist Hauptsaison, aber bald gibt es hauptsächlich Kürbis, Äpfel und Süßkartoffeln; die Händler werden weniger, einen Tag wird man seinen Atem sehen und in der nächsten Woche ist der Markt dann zu. Ein weiterer Grund ist, dass man die Natur viel stärker sieht, sogar in der Stadt. Erst gibt es die Glühwürmchen, dann die Grillen – wenn die verstummen, geht der Sommer zu Ende. Es kommen dann auch andere Vogelarten, die von Kanada aus herfliegen und hier überwintern. Im Moment ist alles grün, aber im Herbst sehen die Farben der Bäume absolut spektakulär aus. Ohio ist wohl einer der Staaten mit den meisten unterschiedlichen Baumsorten, und die scheinen sich alle fast gleichzeitig zu verfärben. Im Winter ist es demgegenüber ziemlich trostlos. Der Hauptgrund liegt aber sicher in den extremeren Wetterverhältnissen. Den Herbst mag ich noch ganz gerne, da die Hitze dann nicht mehr so groß ist. Er ist allerdings sehr kurz, und dann kommt der Winter, den ich nicht gerne mag. Es wird einfach so kalt, dass man sich kaum vor die Tür wagt – ohne Auto ist dann nichts mehr zu machen. Es wird auch so kalt, dass man es nicht vermeiden kann, die Heizung den ganzen Tag lospusten zu lassen – manchmal sogar die ganze Nacht. Das kulturelle Angebot in Columbus lässt viel zu wünschen übrig, was im Winter viel mehr auffällt. Länger Schnee hatten wir letztes Jahr trotzdem nicht.

So, jetzt komme ich mir aber vor wie bei “Prairie Home Companion“, höre ganz schnell auf mit Schreiben, genieße die letzten Sommerwochenenden und nehme mir vor, mich erst mal am Herbst zu erfreuen bevor ich den Winter fürchte.