2008 ist das Jahr, in dem wir uns hier wirklich eingelebt haben. Um diese Zeit im letzten Jahr hatten wir zwar das Gröbste geschafft, kannten aber Columbus und Ohio noch gar nicht so gut. Erst in diesem Jahr haben wir wirklich herausgefunden, was es hier so alles gibt (oder auch nicht). Zu den Highlights von Columbus zählen für mich die Bücherei, die Metroparks und der North Market. Und während Columbus manchmal weniger Stadtleben bietet als ich gehofft hatte bietet Ohio insgesamt eher mehr als erwartet. An interessanten Tages- oder Wochenend-Ausflugszielen ist hier kein Mangel, sofern man bereit ist, ordentlich lange zu fahren.
Trotzdem schön in diesem Jahr: Die vielen Gelegenheiten, aus Ohio rauszukommen. Im Februar nach Deutschland, im Januar anlässlich einer Dienstreise nach Philadelphia, ein langes Wochenende nach Chicago und über Thanksgiving zu den Finger Lakes und den Niagarafällen. Gar kein schlechter Schnitt für so wenige Urlaubstage.
Ich bilde mir ein, langsam ein besseres Gefühl für die Kultur hier zu bekommen – dazu haben der Wahlkampf und die Berichterstattung beigetragen, aber auch der Alltag hier und die amerikanischen Medien und Bücher. Ende letzten Jahres war ich noch sehr bedacht, öfters mal deutschsprachiges Lesematerial aufzutreiben; dieses Jahr verblassen die paar deutschsprachigen Sachen, die ich gelesen habe vor einem Berg englischsprachiger Literatur. Obwohl wir immer noch die wichtigsten Nachrichten aus Deutschland verfolgen, driften wir doch ein bisschen mehr weg von dort. Man kann eben nicht alles gleich aufmerksam verfolgen.
Wir leben hier gerne und gut – und trotzdem bin ich fast ganz sicher, dass wir irgendwie immer ein bisschen fremd bleiben werden. Was nicht schlecht sein muss, aber etwas ist, von dem man vor dem Umzug schlecht wissen konnte, wie es sich anfühlen würde. Auf jeden Fall ist das Leben hier auch nach anderthalb Jahren noch neuer und abenteuerlicher als in Deutschland und eine Erfahrung wert – bis wir dann irgendwann zurück kommen.
Guten Rutsch!
Am Sonntag war endlich mal ideales Wetter, um raus zu gehen: Strahlende Sonne, Temperaturen nicht unter Null, trocken. Das haben wir genutzt, um uns die Wildlights im Zoo anzusehen. Es war sogar warm genug, um ein paar Fotos zu machen!


Auch andere Bereiche des Zoos waren geschmückt (eigentlich alle, teilweise auch einfallsreicher als auf den Bildern, nämlich mit Figuren usw.), aber nur am See gab’s ein paar Zäune, auf denen ich die Kamera notdürftig fixieren konnte.
Wann immer das Thema Finanzkrise aufkommt sagt irgendjemand, dass das ja auch alles schwer zu verstehen ist. Ist es ja auch. Gestern habe ich im NPR-Jahresrückblick eine Ausgabe der Sendung „This American Life“ vom September gehört, die eine erstklassige, gut verständliche Erklärung zu der Frage gibt, wie es zu der Krise überhaupt kommen konnte. Die Sendung gibt’s auch online (kostenlos zum online hören, ca. $1 für den Download). Hab ich schon mal erwähnt, dass das öffentliche Radio hier extrem gut ist?
Schon öfters habe ich Kommentare darüber gehört, wie wenig Geschichte Amerika doch habe. Meist von Amerikanern, die denken, in Europa stolpert man an jeder Ecke über „Geschichte“. Eigentlich finde ich, dass es gar nicht viel Grund für diese Zurückhaltung gibt, denn zumindest ist hier allerlei in so guter Form erhalten, dass es allein deshalb schon interessant anzuschauen ist. Aber das trifft wohl eher auf große Städte der Ostküste wie Philadelphia oder Washington zu. In Ohio und speziell in Columbus gibt es natürlich weniger zu sehen.
Die Ohio Historical Society unterhält jedoch zahlreiche Historische Stätten, die einem die Geschichte Ohios etwas anschaulicher machen sollen. Bisher hatten wir noch keine einzige dieser Stätten besichtigt, aber heute waren wir zumindest mal im Ohio Historical Center. Das ist das allgemeine Geschichtsmuseum und liegt bequemerweise in Columbus. Das Museum ist eher so eins von der älteren Sorte mit großen, dunklen, relativ menschenleeren Hallen mit Teppichboden und niedriger Decke. Das Gebäude ist aus den 70ern und laut Website der Society im Stil des „Brutalism“ gebaut. Klingt sehr passend. Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte Ohios, die irgendwie aber auch die Geschichte der USA im Kleinen ist: Besiedelung (kurz und relativ unkritisch gefasst), vom Land zur Stadt, wo war die Eisenbahn, welche Maschinen gab es auf den frühen Bauernhöfen, wie sahen die ersten Autos/ Fernseher/ Telefone aus und so weiter. Dazu einige alte Speerspitzen und Topfscherben. Dann gibt’s noch eine Ausstellung zu den Gärten Ohios (mehr auf den Stil der Gärten, englisch vs. französisch usw. als auf tatsächliche Gärten oder Pflanzen gerichtet) und eine Ausstellung zur Natur Ohios, mit Klimatabellen und kleinen Filmchen über die Tornados und Blizzards in der Geschichte Ohios. Alles mal ganz nett zum Anschauen, aber nichts Besonderes. Wenn man sowieso in Columbus ist, kann man mal hingehen (und natürlich auch etwas lernen, denn das kann man ja schließlich immer).
Aber es gab ja auch noch die Sonderausstellung Rockwell’s America – mit den Bildern, die Norman Rockwell über Jahrzehnte für das Cover der Saturday Evening Post gemalt hat. Für diese Ausstellung hatte man sich richtig ins Zeug gelegt: Sämtliche Zeitschriftencover waren ausgestellt, dazu Gemälde, eine lebensgroße Main Street USA, auf der einige der dargestellten Szenen nachgestellt waren – mit alter Eiscreme-Bar, Telegrafenamt, weihnachtlichem Wohnhaus, einem Nachbau von Rockwell’s Studio und vielem mehr. Auf den Covern konnte man verschiedene typisch amerikanische Themen im Wandel der Zeit verfolgen. Diese Ausstellung ist wirklich einen Besuch wert.
Am Ohio Historical Center gibt es auch noch Ohio Village, eine Art Museums-Dorf, das aber nur an ausgewählten Tagen im Jahr geöffnet ist. Darauf und auf einen Besuch in einigen der anderen Historischen Stätten hat das Museum durchaus Lust gemacht!
Weihnachten war schön, das Essen war lecker und ist alles in allem gut gelungen, der Wein aus den Finger Lakes hat gut geschmeckt, wir haben lange nach Deutschland telefoniert und die Mitternachtsmesse war schön feierlich und enthielt das Minimum an bekannten Melodien, das für eine schöne Weihnachtsstimmung unbedingt nötig ist (Stille Nacht, Heilige Nacht und Adeste Fideles).
Jetzt sin die Feiertage schon wieder vorbei. Der 26. Dezember ist hier bereits ein ganz normaler Arbeitstag, allerdings glücklicherweise nicht für uns, denn Michael hat bis Silvester frei. Das gibt uns die Gelegenheit, ein paar ruhige Tage in Columbus zu verbringen – angesichts der wenigen Urlaubs- und Feiertage eine Situation, die sehr selten ist. Einfach ausschlafen, kochen, spazieren, vielleicht ein bisschen einkaufen oder etwas besichtigen gehen… zum Beispiel die Wildlights im Zoo (ja, es war letztes Wochenende zu kalt) oder die Warhol-Ausstellung oder das Ohio History Museum. Wir freuen uns schon – und hoffen, dass ihr die Zeit bis zum neuen Jahr ebenfalls noch ein bisschen genießen könnt.
Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs frohe Weihnachten.

… ist nicht nur Heilig Abend, sondern wir stehen auch wieder in Neuss in der Zeitung (Grüße aus aller Welt).
Bis morgen aber gibt’s noch viel zu tun:
- Baum schmücken,
- Sauce kochen, Kartoffeln für Klöße kochen, Fleisch kochen, Salat und Gemüse vorbereiten,
- ab in die Kälte und versuchen, ein gescheites Baguette zu finden,
- aufräumen, inkl. Waschen der Tischdecke (jaja, hätten wir schon längst machen können).
Ach ja, und ein bisschen arbeiten wollte ich heute auch noch.
Weiße Weihnachten werden wir übrigens genau so wenig haben wie wahrscheinlich die meisten von euch. Es ist nämlich zwar immer noch eisig kalt, aber geschneit hat es nicht und wird es wohl auch nicht mehr. Heute Nachmittag soll es wärmer werden (um den Gefrierpunkt, hurra), abends dann ein schöner Eisregen und morgen 10°C über Tag, nachts kalt und windig. Mal sehen, ob wir es Heilig Abend um Mitternacht zu Fuß in die Messe schaffen (ca. 20 Minuten Fußweg pro Strecke) oder ob das Auto bemüht werden muss.
Das Baby von der Baby-Shower ist da. Weil es ein Kaiserschnitt war (weil es mit den Füßen nach unten gelegen hat) müssen Mutter und Kind noch ein bisschen im Krankenhaus bleiben und da haben wir sie nach ein paar Tagen besucht. Das war nicht nur eine gute Gelegenheit, das (natürlich sehr süße) Baby anzuschauen und Mutter und Vater Gesellschaft zu leisten, sondern auch das erste Mal, dass wir ein amerikanisches Krankenhaus von innen gesehen haben.
Das Krankenhaus, das wir besucht haben, ist das Riverside Methodist Hospital, wo auch schon andere Bekannte mal gelegen haben, bevor wir hergezogen sind. Dran vorbei gefahren sind wir schon oft, weil das Krankenhaus ein riesiges Gebäude direkt an der Autobahn ist. Zur medizinischen Qualität kann ich natürlich nichts sagen und das ist ja wohl das Wichtigste an einem Krankenhaus – aber oberflächlich war ich beeindruckt. Schon in der Lobby sah es viel eher nach Hotel als nach Krankenhaus aus: Teppich, großer Weihnachtsbaum, Sessel in Sitzgruppen, dezente Beleuchtung, rezeptionsartige Info-Theke. Auch die Flure hatten nicht gleich diese deprimierende Krankenhausatmosphäre und vor allem auch nicht diesen komischen Geruch. Am meisten hat mich aber das Zimmer beeindruckt, in dem K. untergebracht ist: Einzelzimmer (und das liegt nicht an ihrer guten Versicherung, sondern scheint zumindest auf der Mutter-Kind-Station dort Standard zu sein), das ebenfalls mehr nach Hotel aussieht: Holzschränke, unklinisch aussehende Waschecke, ebenfalls dezente Beleuchtung, Fernseher und DVD-Player, total viel Platz und es gibt eine Art gepolsterte Sitzbank für Besucher, die in ein Bett für einen Angehörigen ausgeklappt werden kann (Herr K. hat die erste Nacht dort verbracht). Als wir kamen hatte K. gerade Abend gegessen, und auch das Essen sah nicht so schrecklich aus. Das alles hat bestimmt seinen Preis für die Versicherung, wirkte aber zumindest oberflächlich sehr viel netter als alles, was ich in Deutschland bisher an Krankenhauszimmern gesehen habe.
Was in Deutschland „Dinner for one“ zu Silvester ist in den USA „It’s a wonderful life“ kurz vor Weihnachten. Es handelt sich um einen schwarz-weiß Film aus dem Jahr 1946, in dem ein Engel einem Geschäftsmann zeigt, wie die Welt wäre, wenn es ihn nicht geben würde. Normalerweise bin ich kein Fan von Filmen mit Engeln oder Weihnachtsfilmen überhaupt (Ausnahmen sind die Muppet-Version von A Christmas Carol und Nightmare before Christmas), aber It’s a wonderful life ist nicht so kitschig wie es klingt und hier eben ein echter Klassiker. Letztes Jahr zum ersten Mal gesehen würde ich mir den Film auch noch mal angucken. Und ihr könnt ihn selbst dann sehen, falls ihr die DVD nirgendwo auftreiben könnt – es gibt den Film nämlich in voller Länge bei Google Video.
Um davon fest ausgehen zu können ist es noch etwas zu früh. Fest steht, dass das Wetter hier extrem schwankt. Letzte Woche gab es zum Beispiel einen Tag, an dem ich um ca. 11 Uhr bei etwa 8°C aus dem Haus gegangen bin. Als ich vier Stunden später zurückkam waren es -2°C. Heute sind es 10°C und es schüttet. Sonntag Nacht sollen es aber -13°C werden. Zwischendurch kann Schnee fallen, vielleicht aber auch nicht.
Falls wir also irgendwo noch die „Holiday Lights“ (= Weihnachtsbeleuchtung, gerne bunt und üppig) sehen wollen: Sonntag Abend/ Spätnachmittag ist schlecht. Die Holiday Lights kann man vielerorts besichtigen: Entweder einfach mit dem Auto durch die Wohngebiete fahren, vor allem in den Suburbs, und die private Dekoration anschauen. Oder irgendwo hingehen, wo es besonders schöne Lichter gibt, z. B. in den Zoo, dessen alljährliche Wildlights eine ziemliche Attraktion sind (zu recht, letztes Jahr waren wir beeindruckt). Oder in den Alum Creek State Park, wo die Lichter so aufgebaut sind, dass man das Auto nicht verlassen muss (das ginge dann vielleicht sogar bei -13°C). Da gibt’s aber auch noch Santas Hütte und ob ich die und den ganzen Rummel darum herum sehen möchte, weiß ich noch nicht. Jedenfalls haben wir dieses Jahr noch gar keine Lichter besichtigt, obwohl das doch so eine große Sache hier ist. Vielleicht am Wochenende.