Februar 2009


Hier ein paar Fotos aus der Stadt. Als Quasi-Kölnerin weiß man wenigstens, dass es keinen Sinn macht, den ganzen Dom ohne Weitwinkel fotografieren zu wollen.

Kölner Dom

Dieses Schild wandert seit geraumer Zeit in Köln herum, und man sieht auch deutlich, warum es da steht, wo es eben steht. (Nicht, dass die kölnvernarrten Kölner eine Aufforderung brauchen würden). Wegen der optischen Schönheit der Stadt braucht man jedenfalls nicht nach Köln ziehen.

Liebe Deine Stadt

Die Sachen, die ich wirklich an Köln mag, sind aber schwer fotografisch einzufangen. Die Mischung aus Läden, Cafés, Veranstaltungen, die Veedel-Struktur mit jeweils eigenen Einkaufsmöglichkeiten und so weiter.

Und dann der Karneval. Hier hängt der Nubbel über der Tür vom Heller’s – die Geschichte vom Nubbel mögen die Amerikaner gerne.

Nubbel

Ich war Weiberfastnacht seit Jahren nicht mehr innerhalb der Ringe und in diesem Jahr wurde ich auch daran erinnert, warum: Der ganze Bahnhof voller Leute, viele davon aus dem Umland („Ey, Voreifel, nicht Eifel!“ „Wo ist denn hier die U-Bahn?“), viele davon schon morgens mit Schnapsflaschen ausgestattet, überall Scherben und diverse Flüssigkeiten auf dem Boden (nicht nur aus den Flaschen), wenig Kostüme und gebrüllte unpassende Schlager („Wo ist unser Altbier…“ – da darf man sich in Köln nicht wundern, wenn man eins auf die Nase bekommt). Leider lässt sich der Bahnhof nicht völlig vermeiden, wenn man zurück nach Neuss will. Jedenfalls haben wir von dort die Flucht ins Belgische Viertel ergriffen, wo unsere Zielkneipe allerdings nicht nur krachevoll war (wie zu erwarten), sondern auch fast nur Schlager statt kölscher Musik gespielt hat. Nebenan gab’s die kölsche Musik in einer netten, aber eher szenigen Kneipe, in der wohl niemand Karneval vermutete, denn sie war gähnend leer. Da es schon Donnerstag war und wir seit Samstag jeden Abend woanders aus waren war ich zu müde, um bis zum Abend in Köln zu bleiben oder noch andere Veedel auszuprobieren und so musste mit nur wenig Karneval zurück gefahren werden, dafür aber mit einem ausgewogeneren Bild von der Feierei.

Und so hat sich der Karneval für uns in diesem Jahr in erster Linie auf den sehr schönen Pfarrkarneval in St. Stephan nach der „Mess met kölsche Wööt un Tön“ beschränkt. Dort wird alles auf kölsch gesagt und die Lieder sind eine Mischung aus modernen Kirchenliedern op kölsch (Taizé Halleluja etc.), klassischer Musik op Kölsch (kölsches Halleluja von Händel, haha) und Karnevalsmusik auf Kirche umgetextet (Ich bin ene Räuber, leeve Herrjott…). Danach geht’s in den Pfarrsaal, wo bei Kölsch und Würstchen zu Vorführungen von Tanzgarde über Jugendchor St. Stephan geschunkelt wird. Das alles gab’s dieses Jahr vielleicht zum letzten Mal (zumindest die Messe), denn der Pfarrer geht in den Ruhestand. Wir schätzen uns deshalb besonders glücklich, in diesem Jahr dabei gewesen zu sein.

Auch diesmal war unser Besuch in Deutschland schön. Wir haben jede Menge Familienangehörige und Freunde gesehen, diverse Städte im Rheinland besucht, deutsche Leckereien genossen, eingekauft und sogar ein bisschen Karneval gefeiert. Aber während ich beim letzten Besuch vor einem Jahr noch das Gefühl hatte, kaum weg gewesen zu sein, spürte ich dieses Jahr die Entfernung doch stärker. Zwar konnten wir uns genau so gut wie früher mit den Leuten unterhalten und auch die Gegend ist natürlich weiterhin sehr vertraut. Aber erst mal war es komisch, so viel deutsch zu hören und dann fielen auch andere Kleinigkeiten auf, von der Unfreundlichkeit diverser Servicekräfte bis zum anderen Straßenbild (enger, mehr Graffiti, weniger Bäume etc.).

Letztes Jahr hatte ich eine lange Einkaufsliste mit nach Deutschland gebracht (Bücher, CDs, bestimmte Klamotten-Marken), dieses Jahr fand ich das weniger wichtig. Man weiß jetzt besser, was es hier gibt, hat sich besser damit eingerichtet, und vermisst den anderen Kram nur selten. Die ZEIT? Super Zeitung, aber die New York Times tut’s auch. Deutschsprachige Bücher? Was es bei OhioLink nicht gibt wird eben nicht gelesen, die Liste der englischsprachigen Bücher, die ich noch lesen möchte, ist ohnehin schon zu lang. Deutsche Bands? Kann man auch im Internet hören und manchmal sogar die Alben bei Amazon MP3 kaufen. Kleidung? Ist hier eh viel billiger. Lebensmittel? Na schön, mal ein Gerolsteiner, eine Bionade, ein Kölsch, ein Brötchen, eine Currywurst ist schon ganz nett. Aber wir ernähren uns auch so von leckeren Dingen und die phantastischen Pfirsiche, Beeren, Maiskolben, Tomaten usw. die es hier zumindest im Sommer gibt, gleichen das locker aus.

Bei der Ankunft in Columbus habe ich mich dieses Jahr nicht nur auf mein eigenes Bett gefreut, sondern auf die Wohnung, unsere Freunde hier und sogar auf einen Blick in die Bücherei und die Parks, in denen der Frühling sich zwar langsamer als in Deutschland, aber doch immerhin einschleicht. In diesem Jahr habe ich auch zum ersten Mal ein paar Fotos von Köln unter touristischem Blickwinkel gemacht – für die amerikanischen Freunde. Das ist dann aber auch wieder komisch, wenn man vor dem Dom oder der Karnevals-Kneipe steht mit einer Kamera in der Hand.

Nun hängen wir vorerst dazwischen und auf die ab und zu an uns gestellte Frage, wo es besser ist, gibt es keine Antwort. Wir sind nicht aus Deutschland fortgezogen, weil wir es dort so schrecklich fanden. Wir sind nicht in die USA gezogen, weil wir dieses Land für besser als andere halten. Aber umgekehrt ist es auch hier nicht schrecklich und das Leben in Deutschland dem in den USA auch nicht in allen Punkten überlegen.* Wir werden uns weiterhin auf jeden Besuch in Deutschland freuen und auf jeden, der uns von dort besucht. Ich kann mir weiterhin nicht vorstellen, dauerhaft hier zu bleiben, aber im Moment sind wir hier sehr zufrieden.

*Wobei das soziale Nezt, das man in Deutschland im Rücken hat, einen schon beruhigen sollte, auch wenn man es im Alltag nicht immer spürt. Das ist aufs gesamte Leben gesehen m. E. ein wichtiger Punkt.

Auch dieses Jahr haben wir wieder die jährliche Ansprache des Präsidenten vor dem Kongress angeschaut. Wie im letzten Jahr wäre es auch schwierig gewesen, der Rede zu entkommen, denn auch diesmal kam die Rede auf allen Sendern – plus Internetübertragung auf diversen Websites. Wer’s verpasst hat, kann sich das Ganze zum Beispiel noch bei der New York Times anschauen.

Alles in allem fand ich die Veranstaltung wegen Obama dieses Jahr wesentlich erträglicher als letztes Jahr. Das fanden wohl auch viele Abgeordnete, denn der Applaus war noch frenetischer und häufiger, ständig wurde zum Applaudieren aufgesprungen, und die Sprecherin Nancy Pelosi hat fast die ganze Zeit glücklich gegrinst (im Video hinter Obama auf dem Podium sitzend). Buh-Rufe gab’s gar keine. Etwas befremdlich wirkt die Veranstaltung trotzdem, macht sie doch große Unterschiede zwischen Deutschland und den USA deutlich – wenn man sich die Beteiligten als die entsprechenden deutschen Politiker vorstellt merkt man schnell, dass das so in Deutschland nichts gäbe.

Alaaf! Gestern sind wir von einer Woche in Deutschland zurück gekehrt. Dank vieler Familiengeburtstage im Februar fiel ein Teil unseres Besuchs wieder mit dem Karneval zusammen. Jetzt aber gilt es erst mal den Jetlag zu bekämpfen und was könnte einen besser am Schlafen mitten am Tag hindern als Karnevalsmusik? Gerade ist einer mit Cowboyhut vor unserem Haus langgegangen und es hat ein paar Minuten gedauert bis mir aufgefallen ist, dass der sicher nicht zum Karneval geht. In diesem Zustand sollte man am besten auch gar nicht so viel schreiben, deshalb hier nur: Alaaf & Helau für alle, die in Deutschland Karneval feiern. Wenn ihr nicht feiert, aber in Karnevalsnähe wohnt, genießt wenigstens die zusätzliche freie Zeit, die der Karneval liefert!

Wir haben im Moment viel zu tun, aber es gibt wenig Berichtenswertes. In ca. einer Woche sieht das wieder anders aus, bis dahin wird’s vermutlich nicht viel Neues geben.

Auch in diesem Jahr haben wir wieder eine kleine Karnevalsparty veranstaltet. Und wie jedes Mal habe ich vor lauter Feiern und Unterhalten vergessen, vernünftige Fotos zu machen. Macht aber vielleicht auch nicht so viel, weil ich die nichtsahnenden Freunde und Bekannten ja hier sowieso nicht veröffentlichen möchte. Deshalb hier nur ein paar unzureichende Eindrück – die Wohnung vor der Party…

Wohnung vor der Party

… und Michael in Kostüm.

Michael als Cowboy

Hier kann man schauen, inwieweit der eigene Nachname in den USA verbreitet ist. Unser sehr deutsch klingender Nachname ist in Ohio sehr selten. Man kann auch einen Blick auf die Verteilung in Deutschland werfen und dabei feststellen, dass der Name dort am häufigsten in der eigenen Heimatstadt ist (ach nee). Keine Ahnung wie zuverlässig diese Daten sind, aber als Spielerei ganz nett. (Zum Vergrößern der Bilder einfach draufklicken.)

  • Schnee schippen: Die Lokalzeitung bestätigt, dass es $100 kosten kann, wenn man nicht schippt und gibt zu, dass die Stadt solche Fälle praktisch nie verfolgt.
  • Weihnachtsbaum: Der Baum ist weg. Geschätzte Abholzeit: 20 Uhr. Entweder hat die Recycling-Firma sehr schnell auf unsere letzte Beschwerde reagiert oder irgendjemand hatte den Anblick des wochenlang vor sich hin gammelnden Baumes satt und hat den Baum weggenommen. Ich hoffe, ersteres, denn sonst würde ich mich wenigstens bedanken wollen. Wir sind auch nicht die einzigen, deren Baum immer noch da war.
  • Super Bowl: Ich fand die Hulu-Werbung während des Super Bowls am besten von allen und jetzt kann man sie auf YouTube anschauen.
  • Luftbefeuchter: Wir hatten uns für einen Warm Mist Humidifier von Honeywell entschieden und der tut’s auch ganz gut. Er blubbert, aber eher leise, unser Wasser ist auch nicht so kalkhaltig dass er ständig verstopft und alles in allem sind wir nach mehreren Wochen Gebrauch ganz zufrieden damit.
  • Krankenkasse: Das Bundesministerium für Gesundheit hat uns sehr nett und ausführlich geantwortet – und wir behalten die Anwartschaft bei der AOK, weil es doch immer noch Situationen geben kann, in denen man ohne Versicherung da steht.

Gestern war Super Bowl. Super Bowl ist das Finale der USA-weiten Football-Liga NFL. Der Super Bowl ist das Fernsehereignis überhaupt in den USA, letztes Jahr haben knapp 100 Millionen Leute den Super Bowl gesehen. In den Läden kann man allerlei Kram für Super Bowl Parties kaufen (Football-förmige Dip-Schalen, Tischläufer die wie ein Football-Feld aussehen etc.). Es werden spezielle Werbespots für den Super Bowl gedreht, oft viel aufwändiger, animiert, mit Star-Besetzung, mit Football-Thema und so weiter. Ein Footballspiel lässt in der Tat viel Raum für Werbung… Nach all dem Hype hatte ich angenommen, dass der Super Bowl hier eine riesige Sache wäre und dass alle Leute ausgehen und das Spiel in der Kneipe schauen würden oder Freunde einladen. Die meisten, die wir kennen, haben das Spiel aber ganz normal allein zu Haus vor dem Fernseher verfolgt, so wie wir auch. Viele schienen auch gar nicht besonders interessiert: Columbus hat kein Team in der NFL, vielleicht liegt es daran. Die Leute hier verfolgen eher College Football mit ihren geliebten Buckeyes.

Abgesehen davon, dass mein erster Super Bowl folglich kein sehr geselliges Ereignis war, war er doch interessant. Das Spiel selbst blieb bis zur letzten Sekunde spannend und viele Manöver waren weit spektakulärer als das meiste, was ich bisher im College Football gesehen hatte (sorry, Buckeyes). Ich hätte im Endeffekt den Arizona Cardinals den Sieg etwas mehr gegönnt als den Pittsburgh Steelers, aber was soll’s. In der Halbzeit-Show gab’s ein Konzert von Bruce Springsteen und die vielen Werbespots waren teilweise wirklich originell und unterhaltsam. Das Anschauen hat sich also gelohnt, und ich bin wieder um eine amerikanische Erfahrung reicher.