März 2009


Deutschland hat seine Nationalhymne, Neuss das Neusser Heimatlied, und für Köln will ich erst gar nicht anfangen, die lokalpatriotischen Karnevals- und sonstigen Lieder aufzuzählen – so viele sind es.

Hier gibt es natürlich das ein oder andere Pendant. Auf nationaler Ebene hat man hier viel weniger Hemmungen mit dem Patriotismus, und deshalb hört man die Nationalhymne auch immer mal wieder, zum Beispiel bei jeder x-beliebigen Sportveranstaltung. Neben der Melodie kannte ich davon eigentlich nur die erste und die letzten beiden Zeilen (Land of the free und so). Erst beim Blick in ein Liederbuch habe ich gelernt, dass der Text des Star-Spangled Banners auch so etwas enthält: „And the rockets’ red glare, the bombs bursting in air, gave proof through the night that our flag was still there.“ Hmm.

Im Zuge des Wahlkampfes und Obamas Amtsantritts wurde auch öfters mal „America the Beautiful“ gesungen, das etwas weniger kampflustig daherkommt (Text hier), manchmal auch „This land is your land“ (Text hier), das hier offenbar sehr viele Leute auswendig können.

Auf lokaler Ebene gibt es den offiziellen State Song von Ohio „Beautiful Ohio„. Den hab ich hier aber noch nie gehört (jedenfalls nicht wissentlich). Ganz anders das Schlachtlied der Buckeyes, den Buckeye Battle Cry, dessen Melodie uns inzwischen ganz gut vertraut ist. Da geht’s weniger darum, wie toll Ohio ist und mehr darum, wie toll das Football-Team ist (Text hier). In Columbus wurde dieses Lied zum Beispiel auch zum 4th of July gespielt.

Und obwohl es noch nicht so weit ist, dass ich die ganzen Lieder hier voller Überzeugung mitschmettern würde ist es doch interessant, sie kennen zu lernen.

Wonder Bread

Fast direkt nebenan von uns ist die lokale Wonderbread-Fabrik. Wonderbread macht viele Varianten pappiges Brot: Toastbrot, Sandwichbrot, Hamburgerbrötchen und ähnliche amerikanische Produkte. Im Supermarkt mache ich einen großen Bogen darum, aber die Fabrik nebenan stört mich nicht. Ab und zu duftet es lecker nach frisch gebackenem Brot (meist nur etwa einmal in der Woche) und das Brot riecht besser als es schmeckt. Die Fabrik ist klein und verschönert das Viertel vor allem durch ein bereits von der Autobahn gut sichtbares Schild, das unseren Gästen den Weg finden hilft:

Wonder Bread Sign

An der Seite der Fabrik ist ein Fenster, durch das man abends die Brotproduktion betrachten kann. Jetzt soll die Fabrik schließen. Wonderbread wird es weiterhin geben, aber der Standort in unserem Viertel wird dicht gemacht. Schade, und nicht nur wegen der vielen Entlassungen!

Wonder Fresh Guy

Dass man hier selber für die Rente sparen muss hatte ich ja schon erwähnt. Obwohl es fein ist, dass Michaels Arbeitgeber in begrenztem Rahmen zum 401(k) zuzahlt gibt es gute Gründe, nicht alle Ersparnisse für die Rente in diesem Konto anzulegen:

  1. Man ist auf die Fonds usw. beschränkt, die innerhalb dieses speziellen 401(k)s bei diesem Arbeitgeber angeboten werden. Viele der Fonds haben relativ hohe Gebühren und es gibt z. B. auch nichts, was auf den deutschen oder europäischen Markt ausgelegt ist.
  2. Der 401(k) ist logischerweise für Michael. Für mich kann kein 401(k) angelegt werden, nur ein IRA (Individual Retirement Account).

Beim IRA gibt es genau wie beim 401(k) allerlei Bedingungen – wie viel man jährlich einzahlen darf, ab welchem Alter man abheben darf usw. Ein guter Startpunkt ist hier die Seite der Finanzbehörde IRS zu den IRAs. Weil sich die Rentensparpläne von normalen Geldanlagen in erster Linie durch die Steuervorteile unterscheiden sind die Informationen der IRS hier wirklich wichtig (und sie werden auch jedes Jahr aktualisiert, wobei sich maximale Einzahlungen usw. ständig ändern können – man muss also auf dem Laufenden bleiben).

Eine der wichtigsten Entscheidungen bei den IRAs ist, ob man einen Traditional IRA oder einen Roth IRA haben möchte. Grob gesagt ist der Hauptunterschied, dass man in den Traditional IRA unversteuertes Geld einzahlt, das versteuert wird wenn man es abhebt, während man in den Roth IRA bereits versteuertes Geld einzahlt, das man später steuerfrei abheben kann. Auf die Zinsen, die man auf das Geld bekommt, muss man so oder so erst mal keine Steuern zahlen. In unserem Fall wird die Situation erheblich verkompliziert dadurch, dass wir davon ausgehen, das Geld später in Deutschland abzuheben. Und wie das deutsche Finanzamt das zu dem Zeitpunkt versteuern wollen wird, bleibt abzuwarten. Hier greift wieder das uns bereits vom Steuerdrama bekannte Doppelbesteuerungsabkommen, das sich aber bis zur Rente noch mehrfach ändern kann.

Angesichts dieser Unsicherheiten schien es uns praktischer, Traditional IRAs anzulegen – so wird das Geld erst versteuert, wenn wir es abheben und wir halten die Chance für gering, dass das Doppelbesteuerungsabkommen erlauben wird, in einem Jahr an beide Länder Steuern auf das selbe Geld zu zahlen (um so etwas zu verhindern ist das Abkommen ja schließlich da). Wenn wir hingegen Roth IRAs abschließen würden, würden wir jetzt in den USA Steuern zahlen und darauf hoffen müssen, dass die deutschen Behörden das später irgendwie als bereits versteuert anerkennen bzw. dass das Doppelbesteuerungsabkommen da über einen so langen Zeitraum greift. Das schien uns unübersichtlicher, riskanter und mit mehr Papierkram verbunden. Zu hoffen bleibt außerdem, dass Deutschland bei Rückzug unsererseits keine Steuern auf die Zinsen aus dem IRA haben will, denn sonst haben wir alle Nachteile (z. B. dass man das Geld erst ab einem bestimmten Alter abheben darf) ohne die Vorteile. Aber solange wir in den USA sind, wird das Geld erst mal steuerfrei wachsen und wer weiß, wie lange das noch sein wird. Wir versuchen es also trotzdem.

An dieser Stelle muss mal gesagt werden, dass das alles total kompliziert ist und sich auch bei den Banken und Behörden kein Mensch damit auskennt, wie das international alles geregelt ist. Manchmal haben wir das Gefühl, dass man ohne ein Studium in internationalem Steuerrecht gar nicht wegziehen sollte, weil es sonst fast unmöglich ist, wirklich fundierte Entscheidungen zu treffen.

Die IRAs kann man eröffnen, wo man will. Praktisch jede amerikanische Bank und jeder Broker bieten IRAs an. Dann gilt es, zu schauen, wie es mit den Gebühren aussieht. Der Hauptknackpunkt bei den Gebühren ist, dass man idealerweise monatlich automatische Einzahlungen in den IRA macht, d. h. jeden Monat eine Transaktion vornimmt. Die meisten Banken und Broker bieten im Rahmen ihrer IRAs deshalb eine gewisse Menge an Fonds usw. ohne extra Transaktionsgebühren an. Hier gilt es, eine Bank zu finden, die das gewünschte Produkt so anbietet. Ebenfalls zu beachten ist, dass man häufig am Anfang eine Mindestmenge Geld pro Fond etc. anlegen muss, z. B. $3000. Selbst wenn man genug Geld hat, kann das schwierig sein, weil es andererseits eine Grenze gibt, wie viel man pro Jahr in den IRA einzahlen kann (z. B. $5000). Je nachdem, was man möchte, z. B. X% Aktien und Y% sicherere Anlagen, kann das zu Problemen führen.

Unsere Bank, bei der wir uns zuerst erkundigt hatten, hat sich hier ziemlich blöd angestellt und die nötigen Informationen nur sehr langsam und unvollständig rausgerückt. Deshalb haben wir nach langem Hin und Her Traditional IRAs bei Vanguard eröffnet. Uff. Einerseits habe ich das Gefühl, dass wir jetzt bzgl. Rente unser Bestes getan haben und alles so gut geregelt ist, wie wir es regeln konnten. Andererseits bleibt eine gewisse Unsicherheit wegen der Internationalität.

Wie immer sind Kommentare bzgl. eigener Erfahrungen, Tipps, Hinweise auf Denkfehler unsererseits usw. herzlich willkommen! Und wie immer ist dieser Text zwar nach meinem besten Wissen & Gewissen geschrieben, aber ohne Gewähr.

Ich mag Chicago auch nach dem zweiten Besuch noch genau so gerne wie nach dem ersten. Diesmal haben wir auch noch eine europäische Buchhandlung gefunden, mit einer großen Auswahl an europäischen Zeitungen, Zeitschriften, Kinder- und anderen Büchern. Chicago hat wirklich alles. Inzwischen denke ich mir schon Sachen aus, die ich gerne hätte und schaue dann, ob sie in Chicago vorhanden sind. Feuerwerk zu Silvester zum Beispiel? Gibt es in Chicago! Unglaublich. Chicago ist außerdem auch viel internationaler als Columbus, an jeder Ecke hört man andere Sprachen und in der Innenstadt auch öfters mal deutsch.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten hatten wir ja beim letzten Besuch schon angeschaut, so dass wir diesmal in erster Linie einfach herumgelaufen sind und ein bisschen eingekauft haben. Ansonsten haben wir uns Navy Pier angeschaut, von wo man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und Lake Michigan hat, wo es ansonsten aber arg touristisch ist.

Chicago Skyline vom Navy Pier aus

Wir sind auch noch mal in die Bar im 96. Stock des Hancock Centers gefahren und haben uns den Sonnenuntergang über der Stadt angeschaut:

Chicago bei Sonnenuntergang

Sonnenuntergang über Chicago

Im Frühjahr kann man noch keinerlei Bootsausflüge auf Lake Michigan oder dem Chicago River unternehmen, auch die Architecture Cruise wird um diese Jahreszeit noch nicht angeboten. Wir haben aber einen Stadtrundgang der Chicago Architecture Foundation zum Thema „Modern Skyscraper“ gemacht. Da gab es Gebäude von Mies van der Rohe zu sehen…

Mies van der Rohe Gebäude in Chicago

… eine Skulptur von Picasso…

Picasso Skulptur in Chicago

… und ein Mosaik von Chagall. Chicago hat so viele Kunstwerke!

Chagall Mosaik in Chicago

Ach, und diese Fensterputzer, die an das Hochhaus angeseilt arbeiten:

Fensterputzer am Hochhaus

Die neueren Hochhäuser haben teilweise automatische Fensterputz-Systeme, aber bei diesen beiden Leuten schwappte das Wasser vor lauter Schlingern nur so aus den Eimern!

Amerikanische Bekannte finden Chicago total nah, nur sechs Stunden Fahrt, das macht man doch mal eben abends noch, Chicago ist ja quasi nebenan. Wir finden sechs Stunden Autofahrt lang und die Aussicht darauf nicht unbedingt aufmunternd. Aber vielleicht gewöhnen wir uns ganz langsam ein bisschen an die größeren Entfernungen hier, denn diesmal war die Fahrt gar nicht so schrecklich und hat sich auch nicht so lang angefühlt. Auf der Hinfahrt haben wir in Ruhe allerlei neue Musik gehört. Außerdem schien die Sonne und wenn man mal genauer hinguckt, kann man auf dem platten Land auch doch einiges sehen: Etliche Greifvögel, Geier, Scharen von Blackbirds, einen Kranich… Felder mit Winterweizen, kahle Felder, Agrarindustrie-Felder mit hundert Meter langen Düngemaschinen, neben denen man die Lüftung abriegeln muss vor lauter Gestank. Insgesamt war die Fahrt ganz okay.

Auf der Rückfahrt haben wir „Little House on the Prairie“ als Hörbuch gehört (noch nicht ganz zu Ende). Das ist ein amerikanischer Kinderbuchklassiker, in dem es um die Besiedelung des Westens geht: Familie bricht mit Planwagen auf, zieht in die Prärie, baut dort ein Blockhaus und lebt darin. Eine relativ einfache Geschichte, die hier wirklich jeder kennt und die wir deshalb jetzt auch mal kennen lernen wollten. Das Buch gilt als fiktional, hat aber wohl viele autobiographische Elemente. Es ist nicht uninteressant, wie die Besiedelung dargestellt wird, die Indianer usw. Das hat uns die Fahrt über unterhalten.

Auf halber Strecke haben wir im Norden von Indianapolis gehalten, um essen und ein bisschen spazieren zu gehen. Dazu haben wir den Eagle Creek Park besucht, der direkt an der Autobahn anfängt. Und da ist mir erst mal aufgefallen, wie gut wir es hier mit den Parks haben. Der Park in Indiana hat nämlich erst mal $5 Eintritt genommen (in Ohio sind die State Parks umsonst, die Columbus Metroparks auch). Eine vernünftige Karte der Wanderwege gab’s auch nicht, nur eine schlechte Kopie der Straßen im Park und die Beschilderung im Park war auch eher für Autofahrer ausgelegt. Auch das ist in Ohio ganz anders: Jeder Park hat hier eine bunte Karte, auf der man die Wanderwege gut erkennen kann, dazu kleine Beschreibungen der Wege (Länge, Zustand, was man dort sehen kann usw.). Schließlich haben wir irgendwo geparkt, sind um einen kleinen See gelaufen und von dort weiter zum Nature Center. Das Nature Center lag über dem Eagle Creek und hätte eine wunderbare Aussicht geboten, wenn es denn geöffnet gewesen wäre. In Columbus gibt es an solchen Stellen in den Parks meist ein Fernrohr, das man kostenlos benutzen kann und in den Nature Centers große Scheiben, Bestimmungsbücher für Vögel und andere Tiere, Ferngläser zur kostenlosen Benutzung im Center und Futterstellen für verschiedene Vogelarten direkt vor den Scheiben. Welch ein Luxus. Ich schätze, der Park in Indiana ist eher unterfinanziert, denn die Zäune und Schilder sahen teilweise ziemlich heruntergekommen aus. Da zu halten lohnt sich für einen kurzen Spaziergang eher nicht, obwohl es natürlich angenehm war, mal aus dem Auto heraus zu kommen.

Chicago selber war genau so toll wie ich es in Erinnerung hatte – dazu ein andermal mehr.

Heute also Besuch beim Generalkonsulat in Chicago. Das Konsulat befindet sich im 32. Stock desjenigen Hochhauses an der Einkaufsmeile, in dem sich das Hotel Omni befindet. Das ist gut zu wissen, denn sonst findet man das Konsulat schlecht – keine Plakette an der Tür, keine Flagge, nichts. In allerletzter Sekunde hat das Konsulat ab heute nun doch auf Terminvergabe umgestellt, was ich am Donnerstag zum Glück noch gesehen hatte. Wer in Zukunft wegen Visum oder Reisepass dorthin möchte, braucht also einen Termin, den man sich online geben lassen kann. Besonders voll war es heute nicht. Man kommt auch nicht früher rein, und bei der Öffnung um neun waren vielleicht 4-5 Parteien Leute da. Man muss durch einen Metalldetektor und darf kein Handy mitnehmen, aber man kann das Handy kostenlos in Verwahrung geben. Hinter dem Metalldetektor gibt’s ein kleines Wartezimmer mit grandioser Aussicht über die Stadt, schwarzen, roten und goldenen Stühlen (kein Witz!) und deutschen Fahndungspostern und Veranstaltungskalendern diverser Berliner Bühnen an der Wand. Dazu drei mit Panzerglas abgesicherte Schalter. Ich kam direkt dran, die Schalterbeamtin war Deutsche und konnte dementsprechend auch deutsch. Ich musste mich mit ihr per Telefonhörer unterhalten, denn durch das Panzerglas dringt kaum Schall und ein einfacheres System hatten sie dort nicht. Innerhalb von 15 Minuten war ich aber schon fertig: Unterlagen abgegeben (die Originale wurden eingescannt, die Kopien hätte ich gar nicht gebraucht), Fotos abgegeben, $112 in bar bezahlt (das Konsulat nimmt weder Schecks noch irgendwelche Karten), Abdrücke der beiden Zeigefinger nehmen lassen, fertig. Wenn der Pass fertig ist, bekomme ich eine Postkarte. Dann schicke ich den alten Pass ein und bekomme den neuen Pass und den entwerteten alten Pass zurück (den brauche ich noch wegen des Visums). Das heißt man muss nicht noch mal dort aufschlagen, ist aber einige Tage ohne Pass und Visum, während der alte Pass nach Chicago und zurück geschickt wird. Alles in allem hatte ich mir die ganze Prozedur viel aufwändiger vorgestellt, das Konsulat zum Beispiel viel voller usw. War aber ganz unproblematisch. Ach ja, Fotos darf man im Konsulat keine machen, sonst hätte ich Euch weder die Aussicht noch die schwarz-rot-goldenen Stühle vorenthalten ;-) .

Ab und zu werden wir gefragt, was wir denn von der Wirtschaftskrise so mitkriegen. Hier eine kleine Liste:

  • Arbeitslosigkeit: Wir haben einige wenige entfernte Bekannte in den USA, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.
  • Gehalt: Michaels Arbeitgeber erlaubt keinerlei Gehaltserhöhungen in diesem Jahr, steht aber trotz der Krise insgesamt wohl ganz gut da (hoffen wir, dass das stimmt).
  • Finanzmärkte: Wie bereits erwähnt muss man hier selber für die Rente sparen und das tun wir auch. Der Kontoauszug mit dem Stand der jeweiligen Anlagen liest sich im Moment nicht schön, macht uns aber trotzdem wenig Sorgen, weil es bis zur Rente ja noch lange hin ist (und unser Konto sowieso noch nicht so voll ist).
  • Läden: Die Malls sind voller Super-Sonderangebote und im Short North bei uns in der Nähe haben einige Läden dicht gemacht. Ich glaube, die Mieten im Short North sind astronomisch, weil das hier das In-Viertel ist. Dafür ist hier aber immer noch wenig und es gibt kaum Leute, die hier bummeln gehen.
  • Städtische Einsparungen: Die Gartenabfälle werden nicht mehr abgeholt, die soll man nun selber zur Deponie bringen. Einige Freizeitcenter sind geschlossen worden. Demnächst soll die Müllabholung kräftig Gebühren kosten.
  • Spenden: Vieles hier beruht auf Spenden und die gehen im Moment zurück. Der lokale NPR-Sender hat WCBE veranstaltet z. B. regelmäßig einen Fund Drive. Der letzte ist gestern zu Ende gegangen und hat nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht. Und heute hat der Dispatch geschrieben, dass die Metroparks Probleme haben, Geld für eine Werbekampagne für die bevorstehende Wahl zusammen zu bekommen – wo es darum gehen wird, ob die Grundsteuern erhöht werden, um die Parks aufrecht zu erhalten und zu erweitern. Ich wette, wenn man ein bisschen sucht, kann man etliche solcher Geschichten finden.

Vergangene Woche war in Columbus Restaurant Week. Restaurant Week ist ein Konzept, das in vielen amerikanischen Großstädten umgesetzt wird. In einer ausgewählten Woche pro Jahr gibt es in den teilnehmenden Restaurants besondere Menüs, die häufig deutlich günstiger sind als Menüs außerhalb der Restaurant Week. Die Veranstaltung scheint umso attraktiver, je besser die Restaurants sind die mitmachen und je größer die Ersparnis gegenüber den üblichen Preisen dort. In Columbus nahmen ausschließlich unabhängige Restaurants teil, die dem Dine Originals Verbund angehören (d. h. keine Ketten, die es hier auch jenseits von Fast Food massenhaft gibt). Der Verband umfasst vom einfachen Frühstück-und-Lunch-Café über Kneipenrestaurants bis zu teuren feineren Restaurants so ziemlich alles. Entsprechend gab es zwei Preis-Möglichkeiten für die Restaurant-Week: $15 oder $30 für ein ganzes Menü, je nachdem. Ich glaube, normalerweise essen wir seltener in Restaurants als die meisten hier, aber die Restaurant Week mussten wir natürlich ausprobieren.

Am Dienstag waren wir im Burgundy Room, einem nahegelegenen Lokal, das auf Wein und kleine, aber feine Gerichte spezialisiert ist, die vom Restaurant als Tapas bezeichnet werden, m. E. aber keine sind. Jedes Gericht kostet normalerweise um die $10 und unter 2-3 pro Person wird man nicht satt, wie wir herausfinden mussten als wir dieses Restaurant ganz am Anfang auf der Suche nach richtigen Tapas entdeckt hatten. Damit ist das Restaurant für hiesige Verhältnisse preislich schon eher gehoben und wir haben seither nicht noch mal dort gegessen, sondern und uns auf das Weintrinken vor dem dortigen Kaminfeuer verlegt. Zur Restaurant Week gab es aber drei Gerichte für $15, die alle erstklassig und von der Menge her insgesamt genau richtig waren. Ich schätze, dass der Burgundy Room eines der besten $15-Angebote hatte.

Am Freitag waren wir dann mit Freunden im Barcelona, einem gehobeneren spanischen Restaurant, über das wir schon viel Gutes gehört hatten, in dem wir aber noch nie waren. Die Hauptgerichte liegen dort normalerweise zwischen $20 und $30 und damit ist das Restaurant eher in der Besondere-Anlässe-Kategorie. Zur Restaurant-Week gab es ein siebengängies Tapas-Menü mit Sangria, das absolut fantastisch war. Von allen Restaurants in Columbus, in denen wir bisher waren, hatte dieses vielleicht die beste Mischung aus angenehmer Atmosphäre und extrem gutem Essen. Wir werden es auf jeden Fall für Geburtstage usw. im Kopf behalten. Sehr empfehlenswert!

Endlich.

Krokus

Als ich gestern auf der Website der Deutschen Vertretungen in den USA geschaut habe, ob ich für die Beantragung des Reisepasses jetzt alle Unterlagen beisammen habe, bin ich mal wieder über etwas Neues gestolpert: Die Krisenvorsorgeliste. Im Wesentlichen läuft es darauf hinaus, dass sich Deutsche im Ausland freiwillig beim zuständigen Konsulat anmelden können, damit man für die deutschen Behörden erreichbar ist, falls aufgrund von Natur- oder anderen Katastrophen zum Beispiel die Deutschen in der Gegend evakuiert werden. Eintragen kann man sich auf einer Seite des Auswärtigen Amtes zur „elektronischen Erfassung Auslandsdeutscher„. Ich schätze, die Liste ist wichtiger für Leute, die sich in Krisengebieten anstatt im Mittleren Westen der USA aufhalten. Andererseits weiß man ja nie.

Wenn man sich einträgt, hat man die Möglichkeit, Daten zum Auslandsaufenthalt einzugeben: Wohnung, Telefonnummer, Arbeitgeber und Telefonnummer dort usw, wie lange man hier ist. Zusätzlich kann man Kontaktpersonen in Deutschland eintragen, die benachrichtigt werden sollen, wenn einem hier etwas passiert. Man kann auch aussuchen, ob man Informationen für Auslandsdeutsche geschickt haben möchte, z. B. zur Teilnahme an den Bundestagswahlen. Insgesamt sieht das m. E. ganz gut aus und die Daten gehen auch nicht wesentlich über das heraus, was man zur Teilnahme an der Wahl, bei der Abmeldung in Deutschland oder bei der Beantragung eines neuen Reisepasses bekannt geben muss. Wir sind jetzt jedenfalls eingetragen – man kann sich übrigens jederzeit auch einfach wieder austragen.

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