Dass man hier selber für die Rente sparen muss hatte ich ja schon erwähnt. Obwohl es fein ist, dass Michaels Arbeitgeber in begrenztem Rahmen zum 401(k) zuzahlt gibt es gute Gründe, nicht alle Ersparnisse für die Rente in diesem Konto anzulegen:
- Man ist auf die Fonds usw. beschränkt, die innerhalb dieses speziellen 401(k)s bei diesem Arbeitgeber angeboten werden. Viele der Fonds haben relativ hohe Gebühren und es gibt z. B. auch nichts, was auf den deutschen oder europäischen Markt ausgelegt ist.
- Der 401(k) ist logischerweise für Michael. Für mich kann kein 401(k) angelegt werden, nur ein IRA (Individual Retirement Account).
Beim IRA gibt es genau wie beim 401(k) allerlei Bedingungen – wie viel man jährlich einzahlen darf, ab welchem Alter man abheben darf usw. Ein guter Startpunkt ist hier die Seite der Finanzbehörde IRS zu den IRAs. Weil sich die Rentensparpläne von normalen Geldanlagen in erster Linie durch die Steuervorteile unterscheiden sind die Informationen der IRS hier wirklich wichtig (und sie werden auch jedes Jahr aktualisiert, wobei sich maximale Einzahlungen usw. ständig ändern können – man muss also auf dem Laufenden bleiben).
Eine der wichtigsten Entscheidungen bei den IRAs ist, ob man einen Traditional IRA oder einen Roth IRA haben möchte. Grob gesagt ist der Hauptunterschied, dass man in den Traditional IRA unversteuertes Geld einzahlt, das versteuert wird wenn man es abhebt, während man in den Roth IRA bereits versteuertes Geld einzahlt, das man später steuerfrei abheben kann. Auf die Zinsen, die man auf das Geld bekommt, muss man so oder so erst mal keine Steuern zahlen. In unserem Fall wird die Situation erheblich verkompliziert dadurch, dass wir davon ausgehen, das Geld später in Deutschland abzuheben. Und wie das deutsche Finanzamt das zu dem Zeitpunkt versteuern wollen wird, bleibt abzuwarten. Hier greift wieder das uns bereits vom Steuerdrama bekannte Doppelbesteuerungsabkommen, das sich aber bis zur Rente noch mehrfach ändern kann.
Angesichts dieser Unsicherheiten schien es uns praktischer, Traditional IRAs anzulegen – so wird das Geld erst versteuert, wenn wir es abheben und wir halten die Chance für gering, dass das Doppelbesteuerungsabkommen erlauben wird, in einem Jahr an beide Länder Steuern auf das selbe Geld zu zahlen (um so etwas zu verhindern ist das Abkommen ja schließlich da). Wenn wir hingegen Roth IRAs abschließen würden, würden wir jetzt in den USA Steuern zahlen und darauf hoffen müssen, dass die deutschen Behörden das später irgendwie als bereits versteuert anerkennen bzw. dass das Doppelbesteuerungsabkommen da über einen so langen Zeitraum greift. Das schien uns unübersichtlicher, riskanter und mit mehr Papierkram verbunden. Zu hoffen bleibt außerdem, dass Deutschland bei Rückzug unsererseits keine Steuern auf die Zinsen aus dem IRA haben will, denn sonst haben wir alle Nachteile (z. B. dass man das Geld erst ab einem bestimmten Alter abheben darf) ohne die Vorteile. Aber solange wir in den USA sind, wird das Geld erst mal steuerfrei wachsen und wer weiß, wie lange das noch sein wird. Wir versuchen es also trotzdem.
An dieser Stelle muss mal gesagt werden, dass das alles total kompliziert ist und sich auch bei den Banken und Behörden kein Mensch damit auskennt, wie das international alles geregelt ist. Manchmal haben wir das Gefühl, dass man ohne ein Studium in internationalem Steuerrecht gar nicht wegziehen sollte, weil es sonst fast unmöglich ist, wirklich fundierte Entscheidungen zu treffen.
Die IRAs kann man eröffnen, wo man will. Praktisch jede amerikanische Bank und jeder Broker bieten IRAs an. Dann gilt es, zu schauen, wie es mit den Gebühren aussieht. Der Hauptknackpunkt bei den Gebühren ist, dass man idealerweise monatlich automatische Einzahlungen in den IRA macht, d. h. jeden Monat eine Transaktion vornimmt. Die meisten Banken und Broker bieten im Rahmen ihrer IRAs deshalb eine gewisse Menge an Fonds usw. ohne extra Transaktionsgebühren an. Hier gilt es, eine Bank zu finden, die das gewünschte Produkt so anbietet. Ebenfalls zu beachten ist, dass man häufig am Anfang eine Mindestmenge Geld pro Fond etc. anlegen muss, z. B. $3000. Selbst wenn man genug Geld hat, kann das schwierig sein, weil es andererseits eine Grenze gibt, wie viel man pro Jahr in den IRA einzahlen kann (z. B. $5000). Je nachdem, was man möchte, z. B. X% Aktien und Y% sicherere Anlagen, kann das zu Problemen führen.
Unsere Bank, bei der wir uns zuerst erkundigt hatten, hat sich hier ziemlich blöd angestellt und die nötigen Informationen nur sehr langsam und unvollständig rausgerückt. Deshalb haben wir nach langem Hin und Her Traditional IRAs bei Vanguard eröffnet. Uff. Einerseits habe ich das Gefühl, dass wir jetzt bzgl. Rente unser Bestes getan haben und alles so gut geregelt ist, wie wir es regeln konnten. Andererseits bleibt eine gewisse Unsicherheit wegen der Internationalität.
Wie immer sind Kommentare bzgl. eigener Erfahrungen, Tipps, Hinweise auf Denkfehler unsererseits usw. herzlich willkommen! Und wie immer ist dieser Text zwar nach meinem besten Wissen & Gewissen geschrieben, aber ohne Gewähr.