Juli 2009


So, jetzt wird es langsam mal Zeit, zu revidieren, was ich über die Sommer hier gesagt habe. Die letzten beiden waren lang, heiß, sonnig, von Stürmen durchsetzt, aber abgesehen von Gewittern weitgehend trocken. Ganz anders dieser hier. Gut, gemessen an vielen deutschen Sommern ist der Sommer immer noch lang, warm (25°C+) und dass es nicht mehr ganz so oft ganz so heiß wird ist auch nicht so schlimm. Aber wir haben viel zu viele wolkige, regnerische Tage. Dafür kaum Stürme – entweder oder. Die meisten Sommeraktivitäten kann man immer noch zwischen die Regentage quetschen und ein bisschen braun geworden bin ich auch. Von den letzten zwei Sommern à la Mittelmeer verwöhnt ist es dieses Jahr ungewohnt, manchmal abends eine Jacke zu brauchen – es gab auch schon Tage, an denen Jeans angebracht waren – und man kann nicht damit rechnen, an jedem beliebigen Abend grillen zu können. Die Grillen in den Bäumen sind auch verhältnismäßig stumm.

Ich kann nur hoffen, dass wir zum Ausgleich einen wärmeren Winter bekommen, denn durch den stärkeren Kontrast zwischen Sommer und Winter braucht man Sonne, Wärme und damit einhergehende Bewegungsfreiheit viel mehr!

Am Wochenende haben wir eines der wenigen Sommer-Festivals in Columbus ausprobiert, das wir bisher noch nicht kannten. Im Gegensatz zu vielen anderen Festivals kostet das Jazz & Rib Fest keinen Eintritt. Und es ist sogar in Laufweite. Jedenfalls gibt es da 3 Bühnen mit jazziger Musik…

Jazz & Ribs: Jazz

… und natürlich haufenweise Buden mit Grillgut. Und zwar mit richtigem BBQ à la Südstaaten, wo in schweren Öfen drei Tage lang ein ganzes Schwein gegrillt wird und es dazu dann hausgemachte Barbecue-Sauce gibt. Die meisten Buden boten neben den Rippchen noch pulled pork Sandwiches und Hühnchen. Welche der vielen Buden die beste ist ist nicht leicht zu erkennen: Jede Bude ist mit Preisen und Trophäen behängt, die anzeigen, auf welchen BBQ-Festivals sie bisher Preise gewonnen hat – von der besten Sauce zum Publikumspreis im Vorjahr bis zum „Kid’s Favorite“. Mein Sandwich war jedenfalls sehr lecker!

Jazz & Ribs: Ribs

P.S.: Fotos diesmal nur vom Handy, deshalb in fragwürdiger Qualität. Besser als gar keine…

Anfangs hatte ich ja noch ein Online-Abo für die ZEIT. Da durfte ich jede Woche eine riesengroße PDF-Datei herunterladen (Downloadzeit ca. 10 Minuten trotz High-Speed-Internet), in der man längs und quer scrollen musste, um einzelne Artikel zu lesen. Sonderhefte wie die Literaturbeilagen zur Buchmesse fehlten im Abo, und schließlich habe ich dieses Abo ganz aufgegeben.

Anfangs zusätzlich, nun aber stattdessen habe ich angefangen, die New York Times zu lesen, von der ich jede Woche wieder begeistert bin. Gegen kostenlose Registrierung kann man alle Artikel jeder Ausgabe umsonst auf der Website lesen. Das habe ich unter der Woche gemacht und Sonntags dann die dicke Ausgabe im Laden gekauft. Jetzt bin ich auf den Times Reader umgestiegen. Der ist kostenpflichtig (ca. $3.50 pro Woche), aber ganz wunderbar. Daran können sich die deutschen Zeitungen mal ein Beispiel nehmen: Ein kleines Programm, das auf bis zu fünf Rechnern installiert werden kann. Das Programm lädt die aktuelle Zeitung herunter und hält sie fünf Tage lang offline bereit. Die Artikel sind perfekt für den Reader aufgearbeitet und beinhalten Bilder, kleine Vorschauen, Text in gut lesbaren Spalten und so weiter und so fort. Ob sich das alles finanziell für die New York Times lohnt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Sehr leserfreundlich ist es aber.

Wir mussten unsere alte Green Card Bewerbung ja bei Michaels Jobwechsel zurückziehen. Nun sind wir mit der neuen Bewerbung hoffentlich sehr bald da, wo wir mit der alten auch schon waren: Der Arbeitgeber hat die Stelle ausgeschrieben und einen Nachweis erarbeitet, dass sich kein geeigneter Amerikaner für die Stelle findet. Das Ganze ist jetzt auf dem Weg zum Department of Labor, wo es geprüft wird. Wenn das abgeschlossen ist, kann die eigentliche Bewerbung beginnen.

Nun heißt es Daumen drücken, dass das Department of Labor die Bewerbung nicht nur anerkennt, sondern auch in der Kategorie lässt. Mit der alten Bewerbung waren wir in Kategorie EB3, in der man sich schon seit Monaten trotz abgeschlossener Labor Certification nicht um eine Green Card bewerben darf, weil die Kategorie voll ist. Die neue Stelle hat gute Chancen auf EB2 und diese Kategorie ist seit langem „current“, was wenig Verzögerungen verspricht.

Wie lange das alles dauern wird ist ungewiss. Ich hoffe aber auf ein neues Priority Date in diesem Jahr und einen guten Fortschritt der Bewerbung im nächsten.

Buckingham Fountain in Grant Park ist sehenswert sowohl nachts…

Buckingham Fountain nachts

… als auch tagsüber. Scheint auch ein beliebter Foto-Spot für Brautpaare zu sein, denn am Samstag habe ich mindestens sechs dort gesehen.

Buckingham Fountain bei Tag

Fast alle Parks enthalten im Sommer bunte Blumen und Kunst, teilweise direkt gemischt.

Grant Park Blumen und Skulptur

An einem Tag bin ich mit zum Convention Center gefahren, wo die Konferenz stattfand. Das Convention Center ist direkt am See, und wenn man sich durch die vielen langen Gänge dorthin aufmacht wird man mit neuen Aussichten auf Stadt und See belohnt.

Skyline Chicago

Lake Michigan

Wir müssen unbedingt noch mal nach Chicago, wegen der Theater, um ins Field Museum zu gehen, man kann die Geldschein-Druckerei besichtigen, und dann ist da natürlich noch der deutsche Weihnachtsmarkt…

Am vergangenen Wochenende stand unser dritter Besuch in Chicago an. Anlass war eine Konferenz, die Michael übers Wochenende besuchen musste und zu der ich mitgefahren war, um parallel einen kleinen Urlaub in meiner neuen Lieblingsstadt einzulegen. Chicago hat eine Website, auf der man kostenlos Audio-Tours als MP3 herunterladen kann (nicht vergessen, den passenden Stadtplan auszudrucken!). Ich habe die Millenium-Park Tour gemacht und Teile der Theater- und Landmark-Touren. Insgesamt sehr empfehlenswert! Dank des schönen Sommerwetters habe ich außerdem viel Zeit in den Parks verbracht und Grant Park, Lincoln Park inklusive kostenlosem Zoo und den Strand besucht. Außdem habe ich die Zeit genutzt, abseits der Mall einkaufen zu gehen. Zu diesem Zweck bin ich sogar noch mal nach Bucktown gefahren…

Chicago ist im Sommer voller kostenloser Aktivitäten. Es gibt ständig Konzerte in Millenium Park (oft mittags und abends), es gibt kostenlose Tanzstunden mit anschließendem Konzert in Grant Park, Filme in Grant Park, kostenlose Abende im Kunstmuseum und zahlreiche ähnliche Aktionen. Hier zum Beispiel kostenlose Sportstunden im Park:

Sport in Millenium Park

Das Kunstmuseum hat seit unserem letzten Besuch einen neuen Flügel bekommen, der über eine Brücke mit Millenium Park verbunden ist.

Kunstmuseum Chicago, neuer Flügel vom Park aus gesehen

Von außen finde ich den neuen Flügel noch ganz ansprechend, aber vom Inneren des Gebäudes war ich nicht überzeugt. Zwar gibt es einen schönen, hellen Mittelgang, aber die Galerie-Räume sind sehr durchschnittlich und nicht besonders besucherfreundlich (unübersichtlich, wenig Ein- und Ausgänge, keine Sitzgelegenheiten…).

Beim nächsten Besuch in Chicago müssen wir unbedingt in eines der vielen Theater gehen. Das Improvisationstheater Second City steht ganz oben auf der Liste, aber auch Downtown gibt es viele Theater, an denen teilweise Stücke getestet werden, bevor sie auf den Broadway kommen.

Chicago Theater

Lincoln Park wird gerade umgebaut (zumindest der Teich, der einen großen Teil des südlichen Endes des Parks einnimmt). Der Zoo war aber offen und ist immer kostenlos, wenn man von den hohen Parkgebühren absieht, die man aber leicht vermeiden kann, wenn man mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist.

Lincoln Park Zoo, Pond

Bär in Lincoln Park Zoo

Besonders toll an Chicago finde ich, dass man am See am Strand liegen kann und gleichzeitig die Großstadt anschauen.

Chicago vom Strand aus

Wenn man von der Stadt wegschaut könnte man auch am Meer sein, so groß ist der See.

Lake Michigan Strand bei Lincoln Park

Mehr Fotos folgen morgen!

Letztes Jahr hatten wir bereits einen Ausflug in den Safari-/ Naturpark „The Wilds“ gemacht. Wenn man eine Jahreskarte für den Zoo in Columbus hat kommt man da billiger rein. Unsere Karte läuft jetzt aus (hat sich dank der vielen Besucher im letzten Jahr durchaus gelohnt) und so wollten wir den Rabatt noch mal nutzen, denn sonst sind die Wilds recht teuer. Hier ein paar Bilder:

Wilds Gelände von Birding Station aus

Wilds Blumen

Cheetah in the Wilds

Zebras

Biberdamm in the Wilds

Als Gegenpol zu den 100%ig ernst gemeinten militärisch-politischen Paraden zum 4th of July hat Columbus die Doo Dah Parade. Wie beim Fackelzug oder beim Rosenmontagszug gibt es hier Gelegenheit, das alles mal ein bisschen aufs Korn zu nehmen – wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab. Letztes Jahr war die Parade etwas verregnet, dieses Jahr war es dafür um so voller. Wie das Red, White, & Boom! findet auch dieses Event nah genug statt als dass wir bequem zu Fuß hingehen können.

Wer hier eine Parade anschaut bringt oft diese Stühle mit, die außer uns wahrscheinlich wirklich jeder hier hat (allerdings meist weniger patriotisch bedruckt). Man kann sie zusammengefaltet bequem tragen und auch ein Getränkehalter darf nicht fehlen…

Leute warten auf die Doo Dah Parade

Die Themen der Parade reichten von Michael Jackson über Sarah Palins Rücktritt als Gouverneurin von Alaska bis zu Madoff…

Madoff bei der Doo Dah Parade

… oder der Schweinegrippe.

Schwein mit Grippe bei Doo Dah Parade

Prominente Paradeteilnehmer waren Uncle Sam…

Uncle Sam bei Doo Dah Parade

…und Batman (natürlich mit Batmobil).

Batman mit Batmobil bei Doo Dah Parade

Im Grunde darf aber jeder mitmachen…

Doo Dah Parade

… wie auch diese beiden, die Werbung für Gothic Weddings machen.

Gothic Wedding Werbung bei Doo Dah Parade

Heute ist es wieder so weit, einer der seltenen Feiertage findet statt. Der 4th of July wird mit Feuerwerk und Grillparties begangen (Burger, Hot Dogs, wie man sich das so vorstellt). Weil heute Samstag ist hatten viele gestern schon frei, Michael auch. In Columbus ist das große Feuerwerk „Red, White, & Boom“ sowieso am 3. Juli, damit am vierten jeder in seinem Viertel feiern kann. Vor dem Feuerwerk gibt es eine patriotische Parade, die mit Überflug diverser Kampf-Jets eingeleitet wird.

Kampfjets beginnen Independence Day Parade

Von der Parade selbst haben wir aber fast nichts gesehen, denn Downtown war viel voller als ich erwartet hätte und die besten, zweitbesten und drittbesten Plätze bereits vergeben. Ich habe aber Flaggen, Panzer, und Veteranen-Gruppen gesehen, die alle frenetisch bejubelt wurden. Ich sag ja, das Verhältnis zum Militär hier ist irgendwie speziell, und das quer durch die politischen Lager.

Statt uns lange bei der Parade aufzuhalten haben wir lieber frühzeitig den absolut besten Platz aufgesucht, an dem man das Feuerwerk gucken kann. Der Vater von C. arbeitet nämlich als Anwalt Downtown im 30. Stock eines Hochhauses direkt am Fluss, und C. hatte einige Freunde eingeladen, dort Feuerwerk zu gucken. Dort bot sich zunächst diese Aussicht…

Columbus

… und später diese:

Columbus im Dunkeln

Die Aussicht auf das Feuerwerk war wirklich gut! Das Feuerwerk wird zu Musik abgehalten, beginnend mit der Nationalhymne. Tatsächlich wird viel rotes, weißes, und blaues Feuerwerk verwendet und auch die Zuschauer haben sich häufig in den Nationalfarben gekleidet. Das war also Red, White, & Boom! für dieses Jahr – heute Nachmittag gibt’s Burger und Hot Dogs am Swimmingpool von anderen Freunden und heute Abend Feuerwerk in einem Park. Der 4th of July sorgt für ein richtig schönes Sommerwochenende!

Red, White, & Boom!

Seufz. Wieder keine Green Card per Lotterie. Dieses Jahr konnte man erstmals im Internet nachgucken und unsere beiden Nummern sind „not selected for further processing“. Drückt die Daumen fürs nächste Jahr…