September 2009


Seit wir hier leben, fahren wir kaum noch mit dem Fahrrad. Hauptsächlich liegt das an den großen Entfernungen zu Arbeit, Freunden oder bevorzugten Läden – aber nicht nur. Sicherlich könnten wir mehr fahren als im Moment, aber ein paar mehr oder weniger objektive Hindernisse gibt es durchaus:

  • Die Straßen sind nicht auf Fahrradverkehr ausgelegt. Fahrradwege am Rande der Straße oder des Gehwegs gibt es meines Wissens in Columbus gar nicht. Es gibt zwar ein paar Bike Paths, aber die sind eher Spazierwege mit gemischter Nutzung am Fluss entlang und liegen praktischer für den Sonntagsausflug als fürs Erledigen von Besorgungen. Folglich muss man häufiger als in Deutschland im Verkehr fahren, was zu Problem Nummer 2 führt…
  • Die Leute sind Fahrradfahrer nicht gewöhnt. Den Führerschein bekommt man hier hinterher geworfen und mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Fahrer niemals gelernt haben, mal nach links und rechts zu gucken. Zu blinken, wenn man abbiegt ist keineswegs selbstverständlich. Nach Fußgängern oder Fahrradfahrern zu schauen erst recht nicht. Ich mag mich irren, aber mir kommt der Verkehr hier riskanter vor.
  • Die Straßen sind teilweise in einem desolaten Zustand: Uneben, viele Schlaglöcher, tiefgelegte Gullydeckel in Schlagloch-Art – und bei Regen steht zum Beispiel auf unserer Straße das Waser oft ziemlich hoch.
  • Das Wetter ist häufig auch nicht gerade fahrradfreundlich, weil im Winter zu kalt und manchmal anderweitig zu extrem (starker Wind, sehr starker Regen). Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn man einfach losfahren und dann den Rückweg ggf. mit Bus & Bahn zurücklegen könnte, aber:
  • Die Busse hier sind nur selten als Backup zu gebrauchen. Viele Orte sind nur umständlich zu erreichen, d. h. mit mehrmaligem Umsteigen auf Linien, wo die Busse bestenfalls 3x pro Stunde verkehren. Es gibt auch Ausnahmen (High Street z. B.), aber nicht so viele. Zum Ausgehen eignen sich die Busse überhaupt nicht, weil sie viel zu früh zu fahren aufhören. Positiv ist, dass an jedem Bus vorne außen zwei Fahrradständer angebracht sind, in denen Fahrräder kostenlos (!) transportiert werden können. Aber mehr als zwei Fahrräder nimmt der Bus nicht mit – wenn schon zwei Räder drauf sind, muss man auf den nächsten Bus warten, und das kann je nach Linie und Tageszeit dauern (der Bus zu Michaels Arbeitsplatz fährt z. B. morgens 2x hin und abends 1x zurück, das war’s). Einfach in den Bus steigen, falls das Wetter schlecht wird oder man einen Platten hat ist jedenfalls nicht immer möglich.

Insgesamt scheint das Fahrradfahren hier eher als Sport denn als Fortbewegungsmittel angesehen zu werden. Die Fahrradfahrer, die man sieht, tragen nicht nur Helm, sondern erstaunlich häufig auch noch Fahrradhosen und dergleichen. Die Fahrräder selber haben dafür oft weder Gepäckträger noch Licht – Lampen kann man zwar separat kaufen, aber sie scheinen nicht immer als notwendig betrachtet zu werden, denn ich habe schon mehrmals nachts komplett unbeleuchtete Fahrräder vor mir gehabt. Die Motorradfahrer hingegen sind häufig in Flip-Flops und T-Shirts und ohne Helm unterwegs…

Im Moment gibt’s mal wieder nicht so viel zu berichten, teilweise auch, weil ich gerade wieder mehr arbeite (was auch noch eine Weile so bleiben wird). Aber:

  • Wir konnten die Bundestagswahl ganz gut von hier aus verfolgen. ARD und ZDF haben inzwischen so gute Online-Angebote, dass man von der Prognose über die Hochrechnungen bis hin zu Berliner Runde, „Hart, aber fair“ und „Anne Will“ praktisch alles gucken kann, was einen interessiert.
  • Schade nach wie vor (aber nach der Wahl besonders), dass man hier in Columbus praktisch keine deutsche Zeitung bekommen kann.
  • Das Auto war mal wieder zur Inspektion – es hat jetzt 30.000 Meilen auf dem Zähler (für hiesige Verhältnisse völlig im Rahmen für ein 2-jähriges Auto). Bei dieser Gelegenheit haben wir gelernt, dass die 30.000-Meilen-Inspektion eine große ist und viel, viel teurer als die normalen (die extrem günstig sind). Achtung also.
  • Am Wochenende war Oktoberfest in Columbus. Genau genommen gibt es drei Oktoberfeste: Das größte von der German Village Society und zwei kleinere von Männerchor und Germania. Das große ist sehr amerikanisch. In Cincinnati gibt es ein riesiges Oktoberfest, das ganz gut klingt (und wo es auch eine Kirmes und bayerisches Bier gibt), aber das haben wir in diesem Jahr mal wieder verpennt.

Auch wenn Labor Day hier inoffiziell den Sommer beendet ist doch heute erst offiziell der erste Herbsttag. Und es regnet auch gleich und ist grau (soll aber noch 26°C werden). Auf dem Markt haben wir am Samstag schon die ersten Kürbisse gesehen. Und die Sommer-Festivals gehen zu Ende. Und weil der Sommer nicht so heiß war wie die anderen beiden finde ich, dass wir unbedingt einen besonders milden Winter zum Ausgleich bekommen müssen. Wenigstens ist diesen Sommer nicht wieder das ganze Weatherstripping abgefallen, das ich letztes Jahr auf Fenster und Türen geklebt hatte – eine Arbeit weniger.

Baumstumpf mit Pilzen

Weil uns der Mohican Pow-wow letztes Jahr so gut gefallen hatte, sind wir dieses Jahr noch mal hingefahren. Leider war das Wetter dieses Mal weit schlechter, aber es ging so gerade noch.

Hauptsächliche Sehenswürdigkeit sind die verschiedenen Tänze, aber es gab auch wieder Buden mit Essen und mehr oder weniger indianischem Kram. Außerdem hat eine ältere Dame demonstriert, wie man den Tomahawk wirft und der Geschichtenerzähler war auch wieder da. Diese Geschichten und Legenden gefallen mir am Besten! Hier ein paar Fotos der Veranstaltung:

Native American Dancer

Hoop Dancer

Federschmuck

Aztec Drum Player

Schädel

Steuererklärung machen, für die Rente sparen, Versicherungen abschließen, vorsorgen für den Fall dass einem was passiert – das alles sind Situationen, denen Gesetze das eigene Leben unmittelbar betreffen. Meist sind diese Dinge im eigenen Land schon kompliziert genug. Als Wanderer zwischen den Ländern hat man es in diesen und ähnlichen Situationen aber doppelt schwer: Erstens sind die Gesetze des neuen Landes weniger bekannt als die des Heimatlandes. (Im Fall der USA kommt noch hinzu, dass das ganze Rechtssystem anders funktioniert als in Deutschland – Common law verhindert, dass man im passenden Gesetzbuch nachschlagen kann. Und dass viele Dinge Sache der States sind). Und zweitens ist nicht immer unmittelbar erkennbar, welche Gesetze denn jetzt auf die eigene Situation zutreffen – D oder USA?

Das erste Mal gemerkt haben wir das bei der Steuererklärung. Das nächste Mal, als wir entscheiden mussten, ob wir Vor- oder Nachsteuergeld in die Rentensparkonten stecken wollen. Und dann fehlen uns noch ein paar Versicherungen. Und falls einem von uns hier mal was passiert, wird das rechtliche Chaos ebenfalls groß sein. Und als ich nachschauen wollte, was genau in puncto Visum unter „Arbeit“ verstanden wird und inwiefern die Definition ehrenamtliche Tätigkeiten mit nichtmonetärer Vergütung oder Praktika betrifft (Gerüchten zufolge tut sie das), hat sich das auch nicht als leicht herausgestellt.

Zum Glück gibt es hier zu fast allem ein Buch (oder auch mehrere). So auch zu verschiedenen rechtlichen Themen, zum Beispiel vom Verlag Nolo. Da gibt es für den Laien geschriebene Bücher zu Themen wie Nachlass, Steuern und Rente, Einwanderung und Visa, Schulden, Familienrecht und so weiter. Die meisten sind so geschrieben, dass man nach dem Lesen in der Lage ist, selber was zu tun – zum Beispiel ein Dokument für den Nachlass anzufertigen. Außerdem gibt es Bücher über Themen wie „wie man jemanden beim small claims court verklagt“. Es gibt sogar ein Buch „How to find the law“ oder so ähnlich, das einem hilft, die jeweils passenden Urteile und Statuten im Common-Law-Dschungel zu finden.

Es lohnt sich, sich zu merken, dass es diese Bücher gibt – hier in Columbus meist in aktueller Fassung in der Stadtbibliothek. Nicht immer findet man das passende Buch (z. B. nicht für mein Visum), aber oft. Zu bedenken ist, dass diese Bücher einen nur ein Stück weit bringen, weil sie den internationalen Aspekt der eigenen Lebenslage nicht berücksichtigen – falls man z. B. eine Versicherung mit langer Laufzeit haben möchte, die greift während man hier ist, aber auch wenn man zurückzieht wird es kompliziert. Da muss man zumindest noch mal im Internet für die spezielle Situation suchen. Falls jemand hier einen Tipp hat, wie man das macht – nur her damit. Bisher habe ich nur Google bemüht, mit wechselndem Erfolg.

Für die Themen, zu denen ich schlüssige Informationen aus soliden Quellen finde, werde ich noch mal spezifische Posts machen, damit es der Nächste wenigstens etwas leichter hat. Aber ohne Gewähr!

Hier sind die Steuern niedrig und die öffentlichen Mittel für diverse Organisationen häufig entsprechend schmal. Deshalb wird man ständig von allen Seiten um Spenden gebeten. Keine Kirchensteuer: Die Kirche muss sich aus Spenden ihrer Mitglieder finanzieren. Keine GEZ: National Public Radio macht mehrmals im Jahr einen Fund Drive, bei dem man um Spenden gebeten wird, wann immer man das Radio einschaltet. Die Liste der unterstützenswerten Organisationen in Columbus ist lang.

Fundraiser sind deshalb sehr beliebt. Viele von denen locken mit leckerem Essen und Getränken – für meist $100 Eintritt pro Person. Mir fallen gleich drei dieser Veranstaltungen ein: Erstens „Taste of the Independents“, dessen Erlös den lokalen Restaurants im Dine Originals Verbund zukommt. Zweitens die North Market Apron Gala, deren Erlös dem North Market zugute kommt. Und drittens Taste the Future, dessen Erlös dem Columbus Community College zugute kommt. Wegen des Essens haben mich diese Veranstaltungen durchaus interessiert, aber aufgrund des stolzen Eintrittspreises sind wir noch nie zu so einem Fundraiser gegangen. Mir scheint, dass man die lokalen Restaurants am besten unterstütz, indem man dort statt bei den Ketten essen geht, wenn man essen geht – und den Markt, indem man dort regelmäßig einkauft. Dieses Jahr habe ich aber zwei Eintrittskarten zu „Taste the Future“ gewonnen und so waren wir gestern zum ersten Mal beim Community College.

Das Community College ist eine Mischung aus Low-cost-Universität und Volkshochschule. Die akademischen und finanziellen Voraussetzungen, um dort Kurse belegen zu können, sind niedriger als an „normalen“ Unis. Das ganze Campus-Leben mit Wohnheimen etc. gibt es nicht, dafür finden die Kurse teilweise zu Zeiten statt, die es Berufstätigen ermöglichen, nebenher Kurse zu belegen. Und im Gegensatz zur Volkshochschule kann man richtige Abschlüsse machen – oder Credits sammeln, die einem eine andere Uni später anerkennt. Der Fundraiser fand auf dem Campus des Colleges Downtown statt. Man hatte draußen Tische, Stühle, Bühnen für Musik und Buden für Essen und Getränke aufgebaut. Da konnte man dann herumlaufen und überall probieren. Das Essen wurde von Köchen zubereitet, die einem bestimmten Berufsverband angehören. Dabei war von den Sponsoren wie Giant Eagle, Kroger oder Bob Evans über verschiedene Catering- und Hotelköche bis zu den Köchen einiger der besten Restaurants in der Stadt (Refectory, Barcelona, Burgundy Room etc.) alles vertreten. Man konnte sich rundum satt essen an den vielen Häppchen, wobei wir uns vor allem auf die Restaurant-Köche konzentriert haben. Es gab auch Jeni’s Eiscreme und Stauf’s Kaffee – und bis zu fünf alkoholische Getränke pro Person, wenn man wollte. Die Kamera hatte ich leider mal wieder vergessen, aber hier hat jemand Fotos gemacht.

Alles in allem ein sehr schöner Abend. Ich glaube, man sollte die Veranstaltung aber eher als Spende denn als feines Essen bewerten. Wenn man dem Community College sowieso etwas spenden möchte, ist das gute Essen einfach ein zusätzlicher Anreiz. Man sollte Essen & Getränke aber nicht mit dem vergleichen, das man für $100 pro Person im Restaurant bekommen würde. Uns betrafen diese Überlegungen ja sowieso nicht – denn wir hatten die Karten schließlich gewonnen, worüber wir uns auch sehr gefreut haben. Meine Favoriten waren das Refectory, das Barcelona, G. Michael’s und der Burgundy Room. Bis auf G. Michael’s haben wir diese Restaurants auch alle schon mal besucht – G. Michael’s ist als nächstes dran.

Die Football-Saison ist zwar gerade mal zwei Wochen alt, aber in vollem Schwung. Am Samstag habe die Ohio State Buckeyes gegen die University of Southern California Trojans gespielt – und knapp verloren. Aber jetzt sieht man wieder jeden Samstag Leute mit Kastanienketten und roten, grauen oder rot-grauen Outfits. Auf den Bussen steht „Go Buckeyes“ und auf den Straßen rufen die Fans „O-H“ in der Hoffnung, dass andere Fans mit „I-O“ antworten. Das Football-Fieber ist dieser Kirchengemeinde offensichtlich ein bisschen zu Kopf gestiegen… (Danke an C. für das Foto):

Am Labor Day, also am Montag, sind wir in die Hocking Hills gefahren. Bei zwei früheren Besuchen hatten wir von den vielen Stellen im Hocking Hills State Park bereits die Hauptsehenswürdigkeit Old Man’s Cave sowie Ash Cave und Cedar Falls gesehen. Diese drei Orte sind auch durch einen Fernwanderweg verbunden – sie sind Teil des Buckeye Trails.

Zum Hocking Hills State Park gehören aber auch Cantwell Cliffs, Rock House und irgendwie auch die State Nature Preserve Conkle’s Hollow. Diese Orte sind meines Wissens nicht durch Wanderwege verbunden. Man muss also mit dem Auto von Ort zu Ort fahren und kann dann jeweils eine Wanderung vor Ort unternehmen.

Cantwell Cliffs ist der nördlichste der Orte und in einer guten Stunde von Columbus aus zu erreichen. Hier gibt es Wanderwege in und oberhalb einer Schlucht. Besonders riesig ist Cantwell Cliffs nicht – wir sind den halben Weg in der Schlucht gegangen und dann oberhalb der Schlucht wieder zurück (s. diese Karte) und haben nicht lange gebraucht. Insgesamt waren wir keine Stunde bei Cantwell Cliffs, und davon haben wir einen guten Teil im Regen unter einem der Felsvorsprünge gestanden. An einigen Stellen sah es so aus, als ob es dort einen Wasserfall gibt, aber am Sommerende war der offenbar trocken. Insgesamt fand ich Cantwell Cliffs ganz schön, aber typisch Hocking Hills – also auch nicht sehr unterschiedlich von den Wanderwegen um Old Man’s Cave oder Cedar Falls.

Blumen auf Fels bei Cantwell Cliffs

Der Regen war zum Glück nur ein starker Schauer – danach hatten wir den ganzen Tag Sonne. Nächster Halt war Rock House. Hier ist der Wanderweg wirklich sehr kurz und eher ein Spaziergang (wenn auch über Felsen). Hauptattraktion dieses Ortes ist das Rock House selbst, also diese Höhlen:

Rock House in Hocking Hills, Ohio

Rock House

Hauptattraktion unseres Besuchs in den Hocking Hills war aber eindeutig Conkle’s Hollow. Conkle’s Hollow ist eine tiefe, bewaldete Schlucht, an der es mehrere Wasserfälle gibt (um diese Jahreszeit leider alle trocken). Es gibt einen breiten Spazierweg auf dem Boden der Schlucht zum Wasserfall am Schlucht-Ende (ca. 800 Meter), der „accessible“ ist, also auch von Familien mit Kinderwagen oder Rollstuhl genutzt werden kann, zumindest laut Schild am Einfang der Schlucht. Diesen Weg haben wir nicht weiter beachtet, sondern stattdessen den Rim Trail gewählt (ca. 3.2 km). Der Rim Trail führt am oberen Rand der Schlucht um die ganze Schlucht herum. Vom Auf- und Abstieg abgesehen gibt es dabei wenig Steigung. Der Weg geht häufig direkt auf dem Fels am Rand der Schlucht entlang. Der Weg ist breit genug, als dass man sich immer sicher fühlt, aber ein Geländer oder andere Absperrung gibt es zur Schlucht hin nicht. Wenn es nass oder eisig ist, sollte man sich das vielleicht lieber noch mal überlegen. Insgesamt abschrecken lassen sollte man sich aber keinesfalls, denn der Weg hat atemberaubende Aussichten auf die Schlucht und die Hügel und hier muss ich einfach noch mal wiederkommen, wenn die Blätter bunt sind, denn in Conkle’s Hollow hat man bestimmt die allerbeste Aussicht darauf.

Solche Stellen gibt es auf dem Trail häufiger…

Michael in Conkle's Hollow

… und hier ein Blick auf den Trail selbst:

Rim Trail an Conkle's Hollow

Manchmal geht es nur durch den Wald, aber immer wieder kann man auf die andere Seite der Schlucht oder auch nach unten direkt in die Schlucht sehen.

Conkle's Hollow

Conkle's Hollow

Conkle's Hollow

Wald in Conkle's Hollow

Conkle’s Hollow ist vielleicht der schönste Ort in den Hocking Hills. Wir waren beide sehr beeindruckt. Am Abend waren wir dann noch im Inn & Spa at Cedar Falls essen. Dort gibt es ein Restaurant in einer alten Blockhütte mit einer wunderschönen Terrasse am Garten. Die Karte wechselt nach Saison und man muss ein Menü essen (Hauptgericht mit Suppe, Salat und Brotteller). Das Essen war wirklich sehr gut, die Atmosphäre dort ist auch ganz wunderbar und insgesamt lohnt das Restaurant genau wie die Hocking Hills selbst.

Gegen Ende unserer Mahlzeit hörte man dann das erste Donnergrollen und auf dem Rückweg nach Columbus sind wir in ein heftiges Gewitter geraten, inklusive seltsamer schwarzer Wölkchen, die scheinbar vom Boden zum Gewitter hochwirbelten (zum Glück nicht ganz nah und von uns weg ziehend). Da hatten wir wirklich Glück gehabt mit dem Wetter, denn in Conkle’s Hollow hätte ich von so etwas nicht überrascht werden mögen.

Am Sonntag sind wir zum Dawes Arboretum gefahren, einem forstbotanischen Garten westlich von Columbus (ca. 45 Minuten Fahrzeit, meist auf dem Interstate und deshalb sehr unproblematisch zu erreichen). Eintritt frei!

Das Gelände ist groß genug, um einen Auto-Rundweg anzubieten, auf dem auch allerlei Leute in Pickups und SUVs im Schritt-Tempo durch den Park gefahren sind um sich die Bäume aus dem Autofenster heraus anzuschauen. Typisch europäisch haben wir das Auto am Visitors Center geparkt und sind stattdessen lieber gute zweieinhalb Stunden lang durch den Park gewandert. Der große Wanderweg durch den Park ist lang, aber nicht anstrengend. Meist geht man über Wiesen, auf und ab geht es kaum, und die Autofahrer sieht man nur selten vom Weg aus.

Am Visitors Center gibt es einen Garten mit Pflanzen, die Schmetterlinge und Vögel anlocken sollen (und Futterstellen für die Vögel).

Schmetterling im Dawes Arboretum

Vögel im Dawes Arboretum

Teile des Arboretums sind natürlich gewachsener Wald und deshalb schön schattig. Manche Bäume waren mit Pilzen bewachsen. Im Wald gibt es auch einen alten Friedhof und eine alte Hütte.

Pilze auf Baumstumpf

Friedhof im Dawes Arboretum

Hütte im Dawes Arboretum

Ein großer Teil des Parks ist aber bewusst angelegt und besteht meist aus Wiese, auf der Bäume und Sträucher einzeln oder in Gruppen so angepflanzt sind, dass man sie auch gut sehen kann. An diesen Bäumen sind dann auch Schilder, so dass man die Namen der Bäume lernen kann. Einige Bäume haben sich sogar schon teilweise verfärbt.

Baum im Dawes Arboretum

Halb verfärbter Baum im Dawes Arboretum

Über die Wiesen mit den Bäumen gelangt man zum Beispiel zu einem See, einem Aussichtsturm, einem japanischen Garten, einem Wetland oder einem Azaleen-Garten. So ist die Wanderung ziemlich abwechslungsreich und es gibt immer etwas Neues zu sehen.

See im Dawes Arboretum

Hier der Blick vom Aussichtsturm auf den gepflanzten Schriftzug „Dawes Arboretum“:

Dawes Arboretum

Hier der japanische Garten (der m. E. der schwächste Teil des Parks ist – da hab ich nämlich schon viel schönere gesehen):

Japanischer Garten im Dawes Arboretum

Insgesamt hat mir das Dawes Arboretum extrem gut gefallen. Im Herbst ist es dort sicher besonders schön, aber selbst im Winter müsste man dort gut spazieren gehen können. Die Lage in der Nähe des Interstate und die relativ flachen, breiten Wege müssten für den Winter besonders günstig sein. Wir kommen bestimmt noch mal dorthin zurück.

Es folgt: Hocking Hills, insbesondere Conkle’s Hollow.

Wie schon angekündigt sind wir dieses Jahr am Labor Day Wochenende nicht verreist, sondern haben stattdessen Tagesausflüge zu Zielen gemacht, die wir bisher noch nicht gesehen hatten. Am Samstag ging es nach Athens, Ohio, einer kleinen Universitätsstadt etwa anderthalb Stunden südöstlich von Columbus.

Die halbe Stadt besteht aus dem Campus der Ohio University, die die älteste Uni in Ohio und eine der ältesten in den USA überhaupt ist. Der Campus ist sehr grün, überall Bäume und Wiesen mit kleinen Backsteinhäusern dazwischen. Sieht hübsch aus.

Ohio University Campus in Athens, Ohio

Am Samstag war der erste Tag der College-Football-Saison. Das Team der Ohio University sind die Bobcats, deren Band sich in Gruppen verteilt auf dem Campus schon mal warmgespielt hat. Karten für das Spiel am selben Abend hätte man auch noch kaufen können. Ganz anders als in Columbus, wo die Spiele der Buckeyes in der Regel ausverkauft sind und die Karten auf dem Schwarzmarkt für hunderte Dollar gehandelt werden (und das, obwohl das Stadion über 100.000 Leute fasst). Die Buckeyes haben übrigens am Samstag gegen das Team der Navy gewonnen.

Ohio University Bobcat Mascot

In der Nähe des Campus hat Athens noch ein kleines Stadtzentrum, das im Wesentlichen aus zwei Straßen mit kleinen Läden und Cafés (viele davon auf studentisches Publikum ausgerichtet) besteht. In Athens oder zumindest ganz in der Nähe sind wohl früher viele Ziegelsteine produziert worden, die im Pflaster der Stadt verbaut sind.

Athens Ziegelsteine in Athens, Ohio

Zwischen den Uni-Buchhandlungen gibt es in Athens auch einen beinahe authentischen Diner (der allerdings nicht wirklich alt ist).

Diner in Athens, Ohio

Athens liegt ganz in der Nähe der Hocking Hills und entsprechend ist die Gegend dort auch hügelig. Nah an der Stadt liegt der Strouds Run State Park, den wir am Nachmittag noch besucht haben. Mittelpunkt des Parks ist dieser See:

See im Strouds Run State Park

Irgendwo gibt es einen Strand, aber angenehmerweise hat man keine Motorboote, Jet-Skis oder dergleichen auf dem See gesehen (wie es sonst hier häufig der Fall ist). Um den See herum gibt es Wanderwege, Mountainbike-Trails, Reitwege etc. Wir sind nur den Indian Mound Trail gegangen, ein Mini-Rundweg für den das Wort „wandern“ übertrieben scheint. Dabei kommt man an einer der vielen indianischen Erd-Aufschüttungen vorbei, die vielleicht Gräber oder zeremonielle Stätten sind (so genau weiß man das offenbar nicht) und die schon arg zerrüttet aussah. Deshalb hier lieber noch mal ein Foto vom See:

Strouds Run State Park bei Athens, Ohio

Es folgt: Ein Bericht über den Besuch im Dawes Arboretum am Sonntag.

Nächste Seite »