Seit wir hier leben, fahren wir kaum noch mit dem Fahrrad. Hauptsächlich liegt das an den großen Entfernungen zu Arbeit, Freunden oder bevorzugten Läden – aber nicht nur. Sicherlich könnten wir mehr fahren als im Moment, aber ein paar mehr oder weniger objektive Hindernisse gibt es durchaus:
- Die Straßen sind nicht auf Fahrradverkehr ausgelegt. Fahrradwege am Rande der Straße oder des Gehwegs gibt es meines Wissens in Columbus gar nicht. Es gibt zwar ein paar Bike Paths, aber die sind eher Spazierwege mit gemischter Nutzung am Fluss entlang und liegen praktischer für den Sonntagsausflug als fürs Erledigen von Besorgungen. Folglich muss man häufiger als in Deutschland im Verkehr fahren, was zu Problem Nummer 2 führt…
- Die Leute sind Fahrradfahrer nicht gewöhnt. Den Führerschein bekommt man hier hinterher geworfen und mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Fahrer niemals gelernt haben, mal nach links und rechts zu gucken. Zu blinken, wenn man abbiegt ist keineswegs selbstverständlich. Nach Fußgängern oder Fahrradfahrern zu schauen erst recht nicht. Ich mag mich irren, aber mir kommt der Verkehr hier riskanter vor.
- Die Straßen sind teilweise in einem desolaten Zustand: Uneben, viele Schlaglöcher, tiefgelegte Gullydeckel in Schlagloch-Art – und bei Regen steht zum Beispiel auf unserer Straße das Waser oft ziemlich hoch.
- Das Wetter ist häufig auch nicht gerade fahrradfreundlich, weil im Winter zu kalt und manchmal anderweitig zu extrem (starker Wind, sehr starker Regen). Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn man einfach losfahren und dann den Rückweg ggf. mit Bus & Bahn zurücklegen könnte, aber:
- Die Busse hier sind nur selten als Backup zu gebrauchen. Viele Orte sind nur umständlich zu erreichen, d. h. mit mehrmaligem Umsteigen auf Linien, wo die Busse bestenfalls 3x pro Stunde verkehren. Es gibt auch Ausnahmen (High Street z. B.), aber nicht so viele. Zum Ausgehen eignen sich die Busse überhaupt nicht, weil sie viel zu früh zu fahren aufhören. Positiv ist, dass an jedem Bus vorne außen zwei Fahrradständer angebracht sind, in denen Fahrräder kostenlos (!) transportiert werden können. Aber mehr als zwei Fahrräder nimmt der Bus nicht mit – wenn schon zwei Räder drauf sind, muss man auf den nächsten Bus warten, und das kann je nach Linie und Tageszeit dauern (der Bus zu Michaels Arbeitsplatz fährt z. B. morgens 2x hin und abends 1x zurück, das war’s). Einfach in den Bus steigen, falls das Wetter schlecht wird oder man einen Platten hat ist jedenfalls nicht immer möglich.
Insgesamt scheint das Fahrradfahren hier eher als Sport denn als Fortbewegungsmittel angesehen zu werden. Die Fahrradfahrer, die man sieht, tragen nicht nur Helm, sondern erstaunlich häufig auch noch Fahrradhosen und dergleichen. Die Fahrräder selber haben dafür oft weder Gepäckträger noch Licht – Lampen kann man zwar separat kaufen, aber sie scheinen nicht immer als notwendig betrachtet zu werden, denn ich habe schon mehrmals nachts komplett unbeleuchtete Fahrräder vor mir gehabt. Die Motorradfahrer hingegen sind häufig in Flip-Flops und T-Shirts und ohne Helm unterwegs…





























