Mit den Lebensmitteln ist es hier kompliziert. Einerseits gibt es viel Fragwürdiges, von Milch mit hormonbehandelten Kühen über Hamburger aus ominösen Quellen bis hin zu gefrorenen Fertiggerichten in tausend Varianten. Viel Obst und Gemüse kommt aus Kalifornien und hat damit fast 4.000km zurückgelegt. Andererseits gibt es durchaus eine Gegenbewegung: Auf dem Wochenmarkt gibt es nur saisonales, lokales Obst und Gemüse, großteils ungespritzt. Läden wie Trader Joe’s haben hormonfreie Milchprodukte. Es gibt vernünftig behandeltes Fleisch aus der Nähe (zum Beispiel beim North Market) und inzwischen sogar in den großen Supermärkten lokale Milch und Sahne von glücklichen Kühen. Hat alles seinen Preis, ist es uns aber meistens wert.

Im Rahmen dieser Gegenbewegung gibt es außerdem etwas, das sich CSA nennt. CSA steht für Community Supported Agriculture. Das ist quasi die amerikanische Form von Gemüsekiste & Co., nur etwas konsequenter. Konkret kauft man ein Mal pro Saison einen Anteil an der Farm, die einen interessiert. Zum Beispiel im März an einem Bauernhof, der viel Gemüse anbaut. Das Geld zahlt man im Vorhinein. Als Gegenwert bekommt man die ganze Saison über einen Teil dessen, was die Farm abwirft. Diesen Teil holt man meist ein Mal pro Woche beim Marktstand der jeweiligen Farm ab. Je nach Wetter kann es mehr oder weniger geben. Wenn die Ernte eines bestimmten Gemüses verhagelt, gibt es dieses Gemüse eben nicht. Und natürlich weiß man nie, was man in der nächsten Woche bekommt. Von diesen CSAs gibt es etliche Varianten hier, mit und ohne Eier, von Bio-Bauernhöfen oder konventionellen und so weiter und so fort. Die Idee ist, dass das Risiko, das der Kleinbauer trägt, auf die Käuferschaft umgelegt wird – was manchen Kleinbauern hier erst die Existenz sichert und so wieder dazu beiträgt, dass lokales saisonales Obst und Gemüse überhaupt erst vorrätig sind und nicht nur das Zeug aus Kalifornien.

Bisher haben wir uns nie zu so einer CSA durchringen können – teilweise, weil ich mehrere der Bauernhöfe auf dem Wochenmarkt unterstützenswert finde und mich nicht auf einen festlegen will; teilweise, weil ich nicht Samstags erst erfahren möchte, was es diese Woche gibt – das würde heißen, Samstag morgens auf den Markt, dann gucken, dann für die Woche planen, dann noch zu den Supermärkten um die restlichen Zutaten zu kaufen – zu kompliziert bzw. zu aufwändig fürs Wochenende.

Jetzt aber hat 2silos, der Bauernhof, von dem wir schon immer unsere Eier beziehen, eine Winter-Fleisch-CSA angefangen. Und da machen wir nun mit. Im Winter gibt es nicht gerade viel lokales Essen, weil das meiste Obst und Gemüse ja wegfällt und der Wochenmarkt entsprechend schließt. Die Fleisch-CSA wird uns ein Mal pro Monat mit einem Batzen lokalen Fleischs plus zwei Dutzend Eiern versorgen. Das Fleisch wird meistenteils eingefroren sein und kann Rind, Schwein, Lamm, Ziege, Kaninchen und Huhn sein (letztere frisch). Manchmal auch Wild, je nachdem. Zusätzlich zu Fleisch und Eiern wird es „Extras“ wie Schweineschmalz, Suppenknochen und Innereien geben.

Ich bin sehr gespannt. Diese CSA wird auf jeden Fall dafür sorgen, dass wir haufenweise neue Rezepte ausprobieren. Das Fleisch sollte für 2 Fleischgerichte pro Woche reichen und mehr Fleisch essen wir sowieso meistens nicht. Im November geht’s los und nach einer Weile gibt’s dann noch mal einen Bericht.