Wir wollen das Baby gerne taufen lassen. Wo und wie das passieren soll, ist keine leichte Entscheidung.
In Deutschland könnten unsere Familien dabei sein. Das wäre natürlich schön. Andererseits sind weder wir noch unsere Familien dort an irgendeine Gemeinde besonders angebunden. Pfarrer, die wir aus unserer Kindheit kannten und auch der, der uns getraut hat, sind alle nicht mehr da. Kirchensteuer zahlen wir in Deutschland natürlich auch nicht mehr. Die meisten Pfarren scheinen gelegentlich Sammeltermine für Taufen anzubieten, nach denen man dann seine Reisepläne richten müsste. Der organisatorische Aufwand wäre so aus der Ferne wahrscheinlich recht groß, das Ergebnis fast ganz sicher ziemlich anonym.
In Columbus haben wir mit St. Francis eine sehr nette Pfarre, wo es uns gefällt, wo man uns einigermaßen kennt und wo auch einige Freunde hingehen. Die Taufen dort machen sie sehr liebevoll und in den normalen Sonntagsmessen, damit die Gemeinde das neue Mitglied gleich kennen lernt. Der organisatorische Aufwand wäre gering, das Ergebnis sicher sehr nett. Größter Nachteil ist, dass unsere Familien nicht teilnehmen könnten.
Zwischen zwei Ländern kann man eben nicht alles haben. Nach langem Hin und Her und Rücksprache mit den Familien haben wir uns entschieden, das Baby hier taufen zu lassen. Vielleicht schaffen wir es ja, ein Video von der Taufe zu machen, das man dann in Deutschland bei einer kleinen Familienfeier zeigen kann.
St. Francis tauft Babies, deren Eltern “active members” sind. Was das genau heißt, waeiß ich nicht, aber ich schätze, es bedeutet, dass man sich bei der Pfarre als Mitglied angemeldet hat, dass man halbwegs regelmäßig hingeht und dass man an die Pfarre spendet, wobei letzteres für die Pfarre nicht unbedingt leicht nachvollziehbar ist. Dann muss man an einem ca. zweistündigen Tauf-Vorbereitungs-Workshop teilnehmen, der gegen Ende jedes Monats veranstaltet wird. Da waren wir gestern schon mal (in den nächsten 2 Monaten wäre es wohl zu knapp, dann haben wir mal Besuch und bis nach der Adventszeit, in der sie nicht taufen, wollen wir auch nicht warten). Sehr viel Neues gab es dort nicht, aber der Workshop war trotzdem ganz okay.
Fazit: Man füllt ein kleines Formular bzgl. persönlichen Angaben, Paten und Wunschtermin aus. Das war’s dann schon an Bürokratie, weder von uns noch von den Paten wollen sie irgendwelchen Papierkram wie Taufurkunden oder Ausweise sehen. Man wählt zwei Paten aus. In Amerika ist das wohl fast immer ein Ehepaar (Godparents), wohingegen uns das deutsche Modell mit zwei unterschiedlichen Leuten besser gefällt. Fall man jemanden als Paten haben möchte, der nicht zur Taufe kommen kann, kann man einen Stellvertreter bestimmen – das könnte für uns evtl. interessant sein. Zum Tauftermin kommt man dann schön pünktlich mit dem in weiß gekleideten Baby. Uns ist aufgefallen, dass Mädchen hier häufig in die kitschigsten Kleider mit tausend Rüschen und Schleifen und Puffärmelchen gehüllt werden, während Jungen oft überhaupt kein richtiges Taufkleid haben, sondern nur eine Art weißen Anzug. In jedem Fall trägt das Baby die ganze Messe über weiß, Kleid oder nicht. Eine Taufkerze braucht man nicht zu beschaffen, die bekommt man von der Pfarre (normalgroße verzierte Kerze, nicht so ein Riesending wie in Deutschland). Dann wurde noch erwähnt, dass es üblich ist, dem Pfarrer eine Geldspende zu geben. Schön, hier gibt’s ja auch keine Kirchensteuer, aber wie viel ist da wohl üblich? Das müssen wir noch herausfinden. Und schließlich haben Freunde von uns häufig nach der Messe zu einem kleinen Empfang im Pfarrhaus eingeladen, der in erster Linie für Familie und Freunde, aber auch für die Gemeinde offen war. Das sollten wir uns also auch überlegen – Zeit genug haben wir ja.