Mit den Lebensmitteln ist es hier kompliziert. Einerseits gibt es viel Fragwürdiges, von Milch mit hormonbehandelten Kühen über Hamburger aus ominösen Quellen bis hin zu gefrorenen Fertiggerichten in tausend Varianten. Viel Obst und Gemüse kommt aus Kalifornien und hat damit fast 4.000km zurückgelegt. Andererseits gibt es durchaus eine Gegenbewegung: Auf dem Wochenmarkt gibt es nur saisonales, lokales Obst und Gemüse, großteils ungespritzt. Läden wie Trader Joe’s haben hormonfreie Milchprodukte. Es gibt vernünftig behandeltes Fleisch aus der Nähe (zum Beispiel beim North Market) und inzwischen sogar in den großen Supermärkten lokale Milch und Sahne von glücklichen Kühen. Hat alles seinen Preis, ist es uns aber meistens wert.

Im Rahmen dieser Gegenbewegung gibt es außerdem etwas, das sich CSA nennt. CSA steht für Community Supported Agriculture. Das ist quasi die amerikanische Form von Gemüsekiste & Co., nur etwas konsequenter. Konkret kauft man ein Mal pro Saison einen Anteil an der Farm, die einen interessiert. Zum Beispiel im März an einem Bauernhof, der viel Gemüse anbaut. Das Geld zahlt man im Vorhinein. Als Gegenwert bekommt man die ganze Saison über einen Teil dessen, was die Farm abwirft. Diesen Teil holt man meist ein Mal pro Woche beim Marktstand der jeweiligen Farm ab. Je nach Wetter kann es mehr oder weniger geben. Wenn die Ernte eines bestimmten Gemüses verhagelt, gibt es dieses Gemüse eben nicht. Und natürlich weiß man nie, was man in der nächsten Woche bekommt. Von diesen CSAs gibt es etliche Varianten hier, mit und ohne Eier, von Bio-Bauernhöfen oder konventionellen und so weiter und so fort. Die Idee ist, dass das Risiko, das der Kleinbauer trägt, auf die Käuferschaft umgelegt wird – was manchen Kleinbauern hier erst die Existenz sichert und so wieder dazu beiträgt, dass lokales saisonales Obst und Gemüse überhaupt erst vorrätig sind und nicht nur das Zeug aus Kalifornien.

Bisher haben wir uns nie zu so einer CSA durchringen können – teilweise, weil ich mehrere der Bauernhöfe auf dem Wochenmarkt unterstützenswert finde und mich nicht auf einen festlegen will; teilweise, weil ich nicht Samstags erst erfahren möchte, was es diese Woche gibt – das würde heißen, Samstag morgens auf den Markt, dann gucken, dann für die Woche planen, dann noch zu den Supermärkten um die restlichen Zutaten zu kaufen – zu kompliziert bzw. zu aufwändig fürs Wochenende.

Jetzt aber hat 2silos, der Bauernhof, von dem wir schon immer unsere Eier beziehen, eine Winter-Fleisch-CSA angefangen. Und da machen wir nun mit. Im Winter gibt es nicht gerade viel lokales Essen, weil das meiste Obst und Gemüse ja wegfällt und der Wochenmarkt entsprechend schließt. Die Fleisch-CSA wird uns ein Mal pro Monat mit einem Batzen lokalen Fleischs plus zwei Dutzend Eiern versorgen. Das Fleisch wird meistenteils eingefroren sein und kann Rind, Schwein, Lamm, Ziege, Kaninchen und Huhn sein (letztere frisch). Manchmal auch Wild, je nachdem. Zusätzlich zu Fleisch und Eiern wird es „Extras“ wie Schweineschmalz, Suppenknochen und Innereien geben.

Ich bin sehr gespannt. Diese CSA wird auf jeden Fall dafür sorgen, dass wir haufenweise neue Rezepte ausprobieren. Das Fleisch sollte für 2 Fleischgerichte pro Woche reichen und mehr Fleisch essen wir sowieso meistens nicht. Im November geht’s los und nach einer Weile gibt’s dann noch mal einen Bericht.

Kaum wird es kälter habe ich mir prompt eine nicht allzu schlimme, dafür aber sehr hartnäckige Erkältung eingefangen. Dazu ist zu sagen:

  • Gewöhnliche Papiertaschentücher sind hier selten zu bekommen. Die Leute nehmen diese dünnen Kleenex, die man aus einer unhandlichen Pappschachtel zieht. Bei Trader Joe’s (und angeblich auch bei manchen Targets) gibt es zwar Papiertaschentücher, aber die Qualität ist sehr schlecht. Da bleibt nur selber aus Deutschland mitbringen – oder per Internet bestellen. Bei ebay und Amazon gibt es nämlich zum Tempo-Tücher.
  • Das Nasenspray ist hier mit Oxymetazolin anstatt mit Xylometazolin. Ich glaube, die Konzentration ist auch geringer. Keine Ahnung ob es daran liegt, aber irgendwie funktioniert für mich das aus Deutschland mitgebrachte, leider aber jetzt leere Kinder-Nasenspray besser.
  • Umckaloabo-Tropfen gibt’s hier auch – bei Whole Foods. Zählt aber nicht als Medikament und kann deshalb nicht aus dem steuerbefreiten Medikamenten-Konto bezahlt werden.
  • Die Anzahl bunter Erkältungsmittelchen in der Apotheke hier ist beachtlich, aber ich bin da grundsätzlich misstrauisch und habe noch nichts dergleichen gekauft. Der Apotheker hat sogar eine lange Liste mit Geschmacksrichtungen von Kirsch bis Zitrone, die man für seinen Hustensirup wählen kann. Ist wohl eher für Kinder gedacht und bestimmt ganz künstlich.

Gesundheit!

Seit wir hier leben, fahren wir kaum noch mit dem Fahrrad. Hauptsächlich liegt das an den großen Entfernungen zu Arbeit, Freunden oder bevorzugten Läden – aber nicht nur. Sicherlich könnten wir mehr fahren als im Moment, aber ein paar mehr oder weniger objektive Hindernisse gibt es durchaus:

  • Die Straßen sind nicht auf Fahrradverkehr ausgelegt. Fahrradwege am Rande der Straße oder des Gehwegs gibt es meines Wissens in Columbus gar nicht. Es gibt zwar ein paar Bike Paths, aber die sind eher Spazierwege mit gemischter Nutzung am Fluss entlang und liegen praktischer für den Sonntagsausflug als fürs Erledigen von Besorgungen. Folglich muss man häufiger als in Deutschland im Verkehr fahren, was zu Problem Nummer 2 führt…
  • Die Leute sind Fahrradfahrer nicht gewöhnt. Den Führerschein bekommt man hier hinterher geworfen und mein persönlicher Eindruck ist, dass manche Fahrer niemals gelernt haben, mal nach links und rechts zu gucken. Zu blinken, wenn man abbiegt ist keineswegs selbstverständlich. Nach Fußgängern oder Fahrradfahrern zu schauen erst recht nicht. Ich mag mich irren, aber mir kommt der Verkehr hier riskanter vor.
  • Die Straßen sind teilweise in einem desolaten Zustand: Uneben, viele Schlaglöcher, tiefgelegte Gullydeckel in Schlagloch-Art – und bei Regen steht zum Beispiel auf unserer Straße das Waser oft ziemlich hoch.
  • Das Wetter ist häufig auch nicht gerade fahrradfreundlich, weil im Winter zu kalt und manchmal anderweitig zu extrem (starker Wind, sehr starker Regen). Das wäre vielleicht nicht so schlimm, wenn man einfach losfahren und dann den Rückweg ggf. mit Bus & Bahn zurücklegen könnte, aber:
  • Die Busse hier sind nur selten als Backup zu gebrauchen. Viele Orte sind nur umständlich zu erreichen, d. h. mit mehrmaligem Umsteigen auf Linien, wo die Busse bestenfalls 3x pro Stunde verkehren. Es gibt auch Ausnahmen (High Street z. B.), aber nicht so viele. Zum Ausgehen eignen sich die Busse überhaupt nicht, weil sie viel zu früh zu fahren aufhören. Positiv ist, dass an jedem Bus vorne außen zwei Fahrradständer angebracht sind, in denen Fahrräder kostenlos (!) transportiert werden können. Aber mehr als zwei Fahrräder nimmt der Bus nicht mit – wenn schon zwei Räder drauf sind, muss man auf den nächsten Bus warten, und das kann je nach Linie und Tageszeit dauern (der Bus zu Michaels Arbeitsplatz fährt z. B. morgens 2x hin und abends 1x zurück, das war’s). Einfach in den Bus steigen, falls das Wetter schlecht wird oder man einen Platten hat ist jedenfalls nicht immer möglich.

Insgesamt scheint das Fahrradfahren hier eher als Sport denn als Fortbewegungsmittel angesehen zu werden. Die Fahrradfahrer, die man sieht, tragen nicht nur Helm, sondern erstaunlich häufig auch noch Fahrradhosen und dergleichen. Die Fahrräder selber haben dafür oft weder Gepäckträger noch Licht – Lampen kann man zwar separat kaufen, aber sie scheinen nicht immer als notwendig betrachtet zu werden, denn ich habe schon mehrmals nachts komplett unbeleuchtete Fahrräder vor mir gehabt. Die Motorradfahrer hingegen sind häufig in Flip-Flops und T-Shirts und ohne Helm unterwegs…

Im Moment gibt’s mal wieder nicht so viel zu berichten, teilweise auch, weil ich gerade wieder mehr arbeite (was auch noch eine Weile so bleiben wird). Aber:

  • Wir konnten die Bundestagswahl ganz gut von hier aus verfolgen. ARD und ZDF haben inzwischen so gute Online-Angebote, dass man von der Prognose über die Hochrechnungen bis hin zu Berliner Runde, „Hart, aber fair“ und „Anne Will“ praktisch alles gucken kann, was einen interessiert.
  • Schade nach wie vor (aber nach der Wahl besonders), dass man hier in Columbus praktisch keine deutsche Zeitung bekommen kann.
  • Das Auto war mal wieder zur Inspektion – es hat jetzt 30.000 Meilen auf dem Zähler (für hiesige Verhältnisse völlig im Rahmen für ein 2-jähriges Auto). Bei dieser Gelegenheit haben wir gelernt, dass die 30.000-Meilen-Inspektion eine große ist und viel, viel teurer als die normalen (die extrem günstig sind). Achtung also.
  • Am Wochenende war Oktoberfest in Columbus. Genau genommen gibt es drei Oktoberfeste: Das größte von der German Village Society und zwei kleinere von Männerchor und Germania. Das große ist sehr amerikanisch. In Cincinnati gibt es ein riesiges Oktoberfest, das ganz gut klingt (und wo es auch eine Kirmes und bayerisches Bier gibt), aber das haben wir in diesem Jahr mal wieder verpennt.

Auch wenn Labor Day hier inoffiziell den Sommer beendet ist doch heute erst offiziell der erste Herbsttag. Und es regnet auch gleich und ist grau (soll aber noch 26°C werden). Auf dem Markt haben wir am Samstag schon die ersten Kürbisse gesehen. Und die Sommer-Festivals gehen zu Ende. Und weil der Sommer nicht so heiß war wie die anderen beiden finde ich, dass wir unbedingt einen besonders milden Winter zum Ausgleich bekommen müssen. Wenigstens ist diesen Sommer nicht wieder das ganze Weatherstripping abgefallen, das ich letztes Jahr auf Fenster und Türen geklebt hatte – eine Arbeit weniger.

Baumstumpf mit Pilzen

Weil uns der Mohican Pow-wow letztes Jahr so gut gefallen hatte, sind wir dieses Jahr noch mal hingefahren. Leider war das Wetter dieses Mal weit schlechter, aber es ging so gerade noch.

Hauptsächliche Sehenswürdigkeit sind die verschiedenen Tänze, aber es gab auch wieder Buden mit Essen und mehr oder weniger indianischem Kram. Außerdem hat eine ältere Dame demonstriert, wie man den Tomahawk wirft und der Geschichtenerzähler war auch wieder da. Diese Geschichten und Legenden gefallen mir am Besten! Hier ein paar Fotos der Veranstaltung:

Native American Dancer

Hoop Dancer

Federschmuck

Aztec Drum Player

Schädel

Steuererklärung machen, für die Rente sparen, Versicherungen abschließen, vorsorgen für den Fall dass einem was passiert – das alles sind Situationen, denen Gesetze das eigene Leben unmittelbar betreffen. Meist sind diese Dinge im eigenen Land schon kompliziert genug. Als Wanderer zwischen den Ländern hat man es in diesen und ähnlichen Situationen aber doppelt schwer: Erstens sind die Gesetze des neuen Landes weniger bekannt als die des Heimatlandes. (Im Fall der USA kommt noch hinzu, dass das ganze Rechtssystem anders funktioniert als in Deutschland – Common law verhindert, dass man im passenden Gesetzbuch nachschlagen kann. Und dass viele Dinge Sache der States sind). Und zweitens ist nicht immer unmittelbar erkennbar, welche Gesetze denn jetzt auf die eigene Situation zutreffen – D oder USA?

Das erste Mal gemerkt haben wir das bei der Steuererklärung. Das nächste Mal, als wir entscheiden mussten, ob wir Vor- oder Nachsteuergeld in die Rentensparkonten stecken wollen. Und dann fehlen uns noch ein paar Versicherungen. Und falls einem von uns hier mal was passiert, wird das rechtliche Chaos ebenfalls groß sein. Und als ich nachschauen wollte, was genau in puncto Visum unter „Arbeit“ verstanden wird und inwiefern die Definition ehrenamtliche Tätigkeiten mit nichtmonetärer Vergütung oder Praktika betrifft (Gerüchten zufolge tut sie das), hat sich das auch nicht als leicht herausgestellt.

Zum Glück gibt es hier zu fast allem ein Buch (oder auch mehrere). So auch zu verschiedenen rechtlichen Themen, zum Beispiel vom Verlag Nolo. Da gibt es für den Laien geschriebene Bücher zu Themen wie Nachlass, Steuern und Rente, Einwanderung und Visa, Schulden, Familienrecht und so weiter. Die meisten sind so geschrieben, dass man nach dem Lesen in der Lage ist, selber was zu tun – zum Beispiel ein Dokument für den Nachlass anzufertigen. Außerdem gibt es Bücher über Themen wie „wie man jemanden beim small claims court verklagt“. Es gibt sogar ein Buch „How to find the law“ oder so ähnlich, das einem hilft, die jeweils passenden Urteile und Statuten im Common-Law-Dschungel zu finden.

Es lohnt sich, sich zu merken, dass es diese Bücher gibt – hier in Columbus meist in aktueller Fassung in der Stadtbibliothek. Nicht immer findet man das passende Buch (z. B. nicht für mein Visum), aber oft. Zu bedenken ist, dass diese Bücher einen nur ein Stück weit bringen, weil sie den internationalen Aspekt der eigenen Lebenslage nicht berücksichtigen – falls man z. B. eine Versicherung mit langer Laufzeit haben möchte, die greift während man hier ist, aber auch wenn man zurückzieht wird es kompliziert. Da muss man zumindest noch mal im Internet für die spezielle Situation suchen. Falls jemand hier einen Tipp hat, wie man das macht – nur her damit. Bisher habe ich nur Google bemüht, mit wechselndem Erfolg.

Für die Themen, zu denen ich schlüssige Informationen aus soliden Quellen finde, werde ich noch mal spezifische Posts machen, damit es der Nächste wenigstens etwas leichter hat. Aber ohne Gewähr!

Hier sind die Steuern niedrig und die öffentlichen Mittel für diverse Organisationen häufig entsprechend schmal. Deshalb wird man ständig von allen Seiten um Spenden gebeten. Keine Kirchensteuer: Die Kirche muss sich aus Spenden ihrer Mitglieder finanzieren. Keine GEZ: National Public Radio macht mehrmals im Jahr einen Fund Drive, bei dem man um Spenden gebeten wird, wann immer man das Radio einschaltet. Die Liste der unterstützenswerten Organisationen in Columbus ist lang.

Fundraiser sind deshalb sehr beliebt. Viele von denen locken mit leckerem Essen und Getränken – für meist $100 Eintritt pro Person. Mir fallen gleich drei dieser Veranstaltungen ein: Erstens „Taste of the Independents“, dessen Erlös den lokalen Restaurants im Dine Originals Verbund zukommt. Zweitens die North Market Apron Gala, deren Erlös dem North Market zugute kommt. Und drittens Taste the Future, dessen Erlös dem Columbus Community College zugute kommt. Wegen des Essens haben mich diese Veranstaltungen durchaus interessiert, aber aufgrund des stolzen Eintrittspreises sind wir noch nie zu so einem Fundraiser gegangen. Mir scheint, dass man die lokalen Restaurants am besten unterstütz, indem man dort statt bei den Ketten essen geht, wenn man essen geht – und den Markt, indem man dort regelmäßig einkauft. Dieses Jahr habe ich aber zwei Eintrittskarten zu „Taste the Future“ gewonnen und so waren wir gestern zum ersten Mal beim Community College.

Das Community College ist eine Mischung aus Low-cost-Universität und Volkshochschule. Die akademischen und finanziellen Voraussetzungen, um dort Kurse belegen zu können, sind niedriger als an „normalen“ Unis. Das ganze Campus-Leben mit Wohnheimen etc. gibt es nicht, dafür finden die Kurse teilweise zu Zeiten statt, die es Berufstätigen ermöglichen, nebenher Kurse zu belegen. Und im Gegensatz zur Volkshochschule kann man richtige Abschlüsse machen – oder Credits sammeln, die einem eine andere Uni später anerkennt. Der Fundraiser fand auf dem Campus des Colleges Downtown statt. Man hatte draußen Tische, Stühle, Bühnen für Musik und Buden für Essen und Getränke aufgebaut. Da konnte man dann herumlaufen und überall probieren. Das Essen wurde von Köchen zubereitet, die einem bestimmten Berufsverband angehören. Dabei war von den Sponsoren wie Giant Eagle, Kroger oder Bob Evans über verschiedene Catering- und Hotelköche bis zu den Köchen einiger der besten Restaurants in der Stadt (Refectory, Barcelona, Burgundy Room etc.) alles vertreten. Man konnte sich rundum satt essen an den vielen Häppchen, wobei wir uns vor allem auf die Restaurant-Köche konzentriert haben. Es gab auch Jeni’s Eiscreme und Stauf’s Kaffee – und bis zu fünf alkoholische Getränke pro Person, wenn man wollte. Die Kamera hatte ich leider mal wieder vergessen, aber hier hat jemand Fotos gemacht.

Alles in allem ein sehr schöner Abend. Ich glaube, man sollte die Veranstaltung aber eher als Spende denn als feines Essen bewerten. Wenn man dem Community College sowieso etwas spenden möchte, ist das gute Essen einfach ein zusätzlicher Anreiz. Man sollte Essen & Getränke aber nicht mit dem vergleichen, das man für $100 pro Person im Restaurant bekommen würde. Uns betrafen diese Überlegungen ja sowieso nicht – denn wir hatten die Karten schließlich gewonnen, worüber wir uns auch sehr gefreut haben. Meine Favoriten waren das Refectory, das Barcelona, G. Michael’s und der Burgundy Room. Bis auf G. Michael’s haben wir diese Restaurants auch alle schon mal besucht – G. Michael’s ist als nächstes dran.

Die Football-Saison ist zwar gerade mal zwei Wochen alt, aber in vollem Schwung. Am Samstag habe die Ohio State Buckeyes gegen die University of Southern California Trojans gespielt – und knapp verloren. Aber jetzt sieht man wieder jeden Samstag Leute mit Kastanienketten und roten, grauen oder rot-grauen Outfits. Auf den Bussen steht „Go Buckeyes“ und auf den Straßen rufen die Fans „O-H“ in der Hoffnung, dass andere Fans mit „I-O“ antworten. Das Football-Fieber ist dieser Kirchengemeinde offensichtlich ein bisschen zu Kopf gestiegen… (Danke an C. für das Foto):

Am Labor Day, also am Montag, sind wir in die Hocking Hills gefahren. Bei zwei früheren Besuchen hatten wir von den vielen Stellen im Hocking Hills State Park bereits die Hauptsehenswürdigkeit Old Man’s Cave sowie Ash Cave und Cedar Falls gesehen. Diese drei Orte sind auch durch einen Fernwanderweg verbunden – sie sind Teil des Buckeye Trails.

Zum Hocking Hills State Park gehören aber auch Cantwell Cliffs, Rock House und irgendwie auch die State Nature Preserve Conkle’s Hollow. Diese Orte sind meines Wissens nicht durch Wanderwege verbunden. Man muss also mit dem Auto von Ort zu Ort fahren und kann dann jeweils eine Wanderung vor Ort unternehmen.

Cantwell Cliffs ist der nördlichste der Orte und in einer guten Stunde von Columbus aus zu erreichen. Hier gibt es Wanderwege in und oberhalb einer Schlucht. Besonders riesig ist Cantwell Cliffs nicht – wir sind den halben Weg in der Schlucht gegangen und dann oberhalb der Schlucht wieder zurück (s. diese Karte) und haben nicht lange gebraucht. Insgesamt waren wir keine Stunde bei Cantwell Cliffs, und davon haben wir einen guten Teil im Regen unter einem der Felsvorsprünge gestanden. An einigen Stellen sah es so aus, als ob es dort einen Wasserfall gibt, aber am Sommerende war der offenbar trocken. Insgesamt fand ich Cantwell Cliffs ganz schön, aber typisch Hocking Hills – also auch nicht sehr unterschiedlich von den Wanderwegen um Old Man’s Cave oder Cedar Falls.

Blumen auf Fels bei Cantwell Cliffs

Der Regen war zum Glück nur ein starker Schauer – danach hatten wir den ganzen Tag Sonne. Nächster Halt war Rock House. Hier ist der Wanderweg wirklich sehr kurz und eher ein Spaziergang (wenn auch über Felsen). Hauptattraktion dieses Ortes ist das Rock House selbst, also diese Höhlen:

Rock House in Hocking Hills, Ohio

Rock House

Hauptattraktion unseres Besuchs in den Hocking Hills war aber eindeutig Conkle’s Hollow. Conkle’s Hollow ist eine tiefe, bewaldete Schlucht, an der es mehrere Wasserfälle gibt (um diese Jahreszeit leider alle trocken). Es gibt einen breiten Spazierweg auf dem Boden der Schlucht zum Wasserfall am Schlucht-Ende (ca. 800 Meter), der „accessible“ ist, also auch von Familien mit Kinderwagen oder Rollstuhl genutzt werden kann, zumindest laut Schild am Einfang der Schlucht. Diesen Weg haben wir nicht weiter beachtet, sondern stattdessen den Rim Trail gewählt (ca. 3.2 km). Der Rim Trail führt am oberen Rand der Schlucht um die ganze Schlucht herum. Vom Auf- und Abstieg abgesehen gibt es dabei wenig Steigung. Der Weg geht häufig direkt auf dem Fels am Rand der Schlucht entlang. Der Weg ist breit genug, als dass man sich immer sicher fühlt, aber ein Geländer oder andere Absperrung gibt es zur Schlucht hin nicht. Wenn es nass oder eisig ist, sollte man sich das vielleicht lieber noch mal überlegen. Insgesamt abschrecken lassen sollte man sich aber keinesfalls, denn der Weg hat atemberaubende Aussichten auf die Schlucht und die Hügel und hier muss ich einfach noch mal wiederkommen, wenn die Blätter bunt sind, denn in Conkle’s Hollow hat man bestimmt die allerbeste Aussicht darauf.

Solche Stellen gibt es auf dem Trail häufiger…

Michael in Conkle's Hollow

… und hier ein Blick auf den Trail selbst:

Rim Trail an Conkle's Hollow

Manchmal geht es nur durch den Wald, aber immer wieder kann man auf die andere Seite der Schlucht oder auch nach unten direkt in die Schlucht sehen.

Conkle's Hollow

Conkle's Hollow

Conkle's Hollow

Wald in Conkle's Hollow

Conkle’s Hollow ist vielleicht der schönste Ort in den Hocking Hills. Wir waren beide sehr beeindruckt. Am Abend waren wir dann noch im Inn & Spa at Cedar Falls essen. Dort gibt es ein Restaurant in einer alten Blockhütte mit einer wunderschönen Terrasse am Garten. Die Karte wechselt nach Saison und man muss ein Menü essen (Hauptgericht mit Suppe, Salat und Brotteller). Das Essen war wirklich sehr gut, die Atmosphäre dort ist auch ganz wunderbar und insgesamt lohnt das Restaurant genau wie die Hocking Hills selbst.

Gegen Ende unserer Mahlzeit hörte man dann das erste Donnergrollen und auf dem Rückweg nach Columbus sind wir in ein heftiges Gewitter geraten, inklusive seltsamer schwarzer Wölkchen, die scheinbar vom Boden zum Gewitter hochwirbelten (zum Glück nicht ganz nah und von uns weg ziehend). Da hatten wir wirklich Glück gehabt mit dem Wetter, denn in Conkle’s Hollow hätte ich von so etwas nicht überrascht werden mögen.

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