Am Freitag Abend waren wir beim “German Oktoberfest”, das jährlich hier in Columbus von der German Village Society veranstaltet wird. Der Teil mit dem Bier trinken und zu schlechter Musik im Zelt herumzappeln war so, wie man das aus Neuss kennt und also irgendwie doch typisch deutsch:

Bierzelt

Die schlechte Musik war aber abgesehen von ein paar Uralt-Polkas und dem Entchentanz (seht ihr, sie war wirklich sehr schlecht, die Musik!) sehr amerikanisch. Es gab deutsches, aber nicht bayerisches Bier in Form von Warsteiner Pils und Dunkel aus großen Plastikbechern. Wegwerfgeschirr ist hier sehr beliebt.

Ansonsten gab’s noch Fressbuden mit Bratwurst und Sauerkraut neben solchen mit amerikanischem Kirmes-Food wie “elephant ears” (eine Art dickeres fettgebackenes Crepe mit Zimtzucker). Und gebrannte Mandeln! Und allerlei Stände mit Deutschland-Flaggen, Deutschland-T-Shirts, allem möglichen kuriosen Krempel und haufenweise Blütenkränzen fürs Haar:

Kränze

Trägt man so was irgendwo in Deutschland? Hab ich noch nie gesehen. Wir haben auf jeden Fall genug Gelegenheiten zum Lachen gehabt, und nicht nur über die Veranstaltung, sondern auch in ihrem Sinne.

In Laufweite von unserer Wohnung befindet sich das North Star Café. Ganz anders als die Cafés in Köln ist es doch eines der netteren Lokale hier in der Nähe: Man kann auch draußen sitzen und man kann durch eine große Glaswand auf die High Street gucken, so dass man die Leute beobachten kann. Das Café ist ein bisschen zu steril eingerichtet für meinen Geschmack, aber es geht noch. Sie haben sehr viele Zeitschriften, die man vor Ort lesen kann und sie verkaufen die New York Times (gar nicht selbstverständlich). Man kann nicht nur Tee und Kaffee trinken, sondern auch mal abends ein Bier (die meisten Cafés hier sind eher à la Starbucks und verkaufen fast nur Kaffee). Und sie haben nur eine kleine Karte mit Gerichten zum Essen, aber dafür benutzen sie viele Bio-Produkte und Produkte hier aus der Gegend. Und für weniger als $10 pro Person kann man sehr lecker essen. Wir werden auf jeden Fall noch öfters dort hingehen!

Bisher waren wir zwei Mal im Kino. Wir haben den Simpsons Film im Arena Grand gesehen und Death at a funeral (empfehlenswert!) im Drexel Gateway. Ich hatte bisher immer angenommen, dass die deutschen Multiplexe sich jede Unsitte von den amerikanischen abgeschaut haben, aber das stimmt nicht: Es gab erstaunlich wenig Werbung (nur ein paar Film-Vorschauen und sehr wenig Lokalwerbung), schätzungsweise 10 Minuten insgesamt. Keine Werbung gegen Raubkopierer, und niemand hat Nachos mit falscher Käsesauce gemampft. Wir mussten nicht länger als eine Minute an der Kasse warten.

Die Kinosäle waren nicht besonders groß, eine richtig große Leinwand ist hier angeblich relativ selten - wenn ein Film sehr beliebt ist, läuft er eben in drei oder vier kleineren Sälen gleichzeitig statt in einem großen. Und es gibt keine Sitzplatzreservierung! Weil beide Filme schlecht besucht waren als wir sie gesehen haben, war das immer in Ordnung. Die Eintrittspreise sind allerdings ebenso astronomisch wie in Deutschland, und ein Kino mit Kinotag habe ich noch nicht gefunden. Stattdessen gibt es aber oft Mehrfachkarten, und Columbus hat auch ein paar Billig-Kinos.

Durch den Umzug haben wir die meisten “umsonst und draußen” Sommerveranstaltungen verpasst, sowohl in Deutschland als auch in den USA. Bei einer der letzten in diesem Jahr waren wir aber gestern: Bei Shakespeare in the park. Die Actor’s Theatre Company führt im Sommer regelmäßig im Schiller Park in German Village Theaterstücke auf, in erster Linie von Shakespeare. Gestern gab es “The taming of the shrew”. Eintritt frei, um Spenden wird gebeten.

Die ganze Veranstaltung war wirklich nett:Viele hatten ein Picknick und Getränke mitgebracht und von einigen wurde das Theater auch eher als Vorwand benutzt, um in einer schönen Sommernacht im Park zu sitzen. (Das geht hier nämlich nicht so einfach wie in Köln, nachts sind die Parks leer und finster und es geht höchstens mal jemand mit dem Hund spazieren.) Die Aufführung an sich war ziemlich solide, eine eher klassische Inszenierung mit Kostümen und wenig Bühnenbild und ohne große Wagnisse. Aber solche Aufführungen von Shakespeare-Stücken mag ich eigentlich ganz gerne und eine mit amerikanischem Akzent ist auch mal ganz lustig. Im nächsten Jahr werden wir sicher die Gelegenheit wahrnehmen, uns weitere Stücke im Park anzusehen!

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