Juni 28, 2008
Columbus feiert
Posted by marzipan under Uncategorized | Schlagworte: Columbus, Freizeit |No Comments
Dieses Wochenende ist Comfest (”Community Festival”) in Columbus, und zwar in Goodale Park ganz bei mir in der Nähe. Ich hatte angenommen, dass das halt wieder so ein Festival sein würde wie es hier Dutzende im Sommer gibt (Arts Fest, Jazz & Rib Fest, Irish Festival, Italian Festival, Oktoberfest, Festival Latino…), aber das Comfest ist eine ganz andere Liga. Neuss hat das Schützenfest, Köln hat den Karneval, Columbus hat das Comfest! Diesen Stellenwert nimmt das Festival hier etwa ein, wenn der Vergleich auch sonst ein bisschen hinkt.
Das Comfest geht von Freitag bis Sonntag, jeweils den ganzen Tag. Im Park sind mehrere Bühnen aufgebaut, auf denen es kostenlose Konzerte von Jazz bis Pop gibt. Dazu etliche Fressbuden, wo man vom Hamburger bis zum veganen Kuchen alles Mögliche kaufen kann. Dazu Bierbuden (Schock! Bier in der Öffentlichkeit! Und dabei sind doch auch viele Kinder auf dem Comfest!). Das Ganze hat einen liberal-alternativen Hauch, wie ein kleines Möchtegern-Woodstock. Die letzten Hippies kommen aus den Löchern, in Batik-Shirts und dem Geruch nach zu Urteilen mit Joints, die Leute liegen auf Decken im Park, manche übernachten dort sogar. Man sieht viel mehr interessante Leute als sonst (bei der Gelegenheit ist mir erst klar geworden, dass man hier sonst nie einen Punker oder eine Frau in Gothic-Klamotten sieht).
Dazu fällt das Comfest mit dem Christopher Street Day zusammen. Columbus ist angeblich eine der gay-friendliest cities in den USA, und heute gab es eine Parade. Entsprechend sind auch viel mehr schwule oder lesbische Paare auf den Straßen als sonst. Alle sind gut gelaunt - alle, bis auf die religiösen Rechten, die es sich nicht nehmen lassen, gegen die Parade zu demonstrieren. Das widerum bewegt die gemäßigten Kirchen dazu, ihrerseits an der Parade teilzunehmen: Gut 30% der Wagen waren von irgendeiner Gemeinde (St. Stephan, die katholische Gemeinde bei uns, war auch dabei). Die Parade ist sehr, sehr viel gemäßigter als in Köln - fast alle hatten irgendein schlabberiges Motto-T-Shirt an, fast ein bisschen schade.
Ein bisschen politisch ist das Comfest auch: Man kann Buttons für Obama kaufen, sich in das Wählerregister eintragen lassen, und für allerlei gute Zwecke unterschreiben. Zum Beispiel wird in Ohio im November vermutlich ein Gesetz zur Volksabstimmung kommen, das Unternehmen ab einer gewissen Größe verpflichten wird, bezahlte “sick days” für ihre Angestellten zur Verfügung zu stellen. Oder es gibt Appelle an die Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus (sowohl auf Federal- als auch auf State-Ebene), sich mehr um die Umwelt zu kümmern. Und es gibt einen Aufruf, die Krankenhäuser per Gesetz zu verpflichten, Vergewaltigungsopfer über sexuell übertragbare Krankheiten und die Pille danach zu informieren. Die meisten Aufrufe klingen sehr vernünftig, und oft lerne ich erst dadurch, was es hier alles nicht gibt.
Alles in allem ist das Comfest eine super Sache und prima geeignet, Columbus besser kennen und lieben zu lernen!





