Einen Tag der Zeit in Denver habe ich für einen Ausflug nach Boulder genutzt. Boulder liegt näher an den Rockies als Denver, es ist eine sehr junge Stadt mit unter 100.000 Einwohnern und einer großen Uni, und es hat mich ein klein bisschen deprimiert gestimmt, dass auch Boulder sich städtischer und cooler anfühlt als Columbus. Man kann problemlos mit dem Bus von Denver nach Boulder fahren, man kann innerhalb von Boulder mit dem Bus herumfahren und man kann sogar von Boulder aus mit dem Bus zum Wandern fahren. Es gibt eine Fußgängerzone mit interessanten Geschäften (fast keine Ketten), eine große unabhängige Buchhandlung, einen Plattenladen, etliche Cafés in denen man sogar einen guten Tee bekommen kann, vegetarische Restaurants, Eine-Welt-Läden, anderen Hippiekram, einen Drachenladen, einen Spieleladen und vieles mehr. Klein, aber ideal zum Stöbern. Und das alles am Fuß der Berge:

Boulder

Den Vormittag habe ich in den Läden verbracht. Am Nachmittag wäre ich bei gutem Wetter gerne wandern gegangen, habe mich allein im Schnee ohne Handschuhe (am Vortag war es sehr warm gewesen) und ohne geringste Kenntnis der Region dann aber doch nicht getraut. Stattdessen habe ich die Celestial Seasonings Teefabrik besichtigt. Die Fabrik ist „out in the sticks“, aber man kann mit dem Bus hinfahren, wenn man nur will und genügend Zeit hat. Die Fabrikbesichtigung ist kostenlos und interessant. Man kann allerlei Tee probieren, man sieht die Zutaten für den Tee, man wird in einen Raum voller Pfefferminztee geführt, in dem einem sofort die Augen tränen, man kann die Fließbänder und die Packmaschinen aus nächste Nähe anschauen. Celestial Seasonings macht überwiegend mehr oder weniger exotische Kräutertee-Mischungen, aber auch andere Tees (leider allerdings nur Beutel). Und es gibt auch hier wieder einen Laden – in dem man aus der gesamten Produktpalette zu Preisen unter denen im Supermarkt auswählen kann. Während man auf den Beginn der Führung wartet, kann man sich Dinge wie dieses Teebeutelkleid anschauen:

Teebeutelkleid

Ganz nett, wenn man mal in der Nähe ist. Alles in allem hat sich die Reise nach Denver und Boulder natürlich gelohnt. Es ist immer spannend, wieder eine andere Seite der USA kennen zu lernen. Jetzt war ich immerhin auch mal im „richtigen“ Westen.

Abseits der eigentlichen Sehenswürdigkeiten laufe ich auch immer gerne einfach so durch die Stadt. Dabei gab es in Denver unter anderem Folgendes zu sehen.

Zutrauliche Eichhörnchen vor dem Capitol:
Eichhörnchen

Strichmännchen vor irgendeinem Gebäude:
Strichmännchen-Skulptur

Schmiedeeiserne Café-Tür am Writer’s Square:
Welcome

Wandgemälde mit Western-Motiv:
Mural

Einen Bären, der gleich die Konferenzteilnehmer frisst:
Bär vor Convention Center

Einen Schiffsmast an der Brücke zum Fluss:
Schiffsmast

Gräser im Park am Fluss:
Gräser

Aus touristischer Sicht wäre Denver eindeutig interessanter gewesen, wenn man ein Auto gemietet hätte und in die Berge gefahren wäre – wenn das Wetter dafür geeignet gewesen wäre. Ich wusste bereits vorher, dass ich mich auf die Innenstadt und per Bus erreichbare Orte beschränken würde, und insofern war klar, dass ich die wirklichen Attraktionen der Region (Rocky Mountains National Park usw.) nicht sehen würde.

Ansonsten klangen die Sehenswürdigkeiten in Denver erst mal so wie in vielen Städten: State Capitol, Kunstmuseum, Zoo, Naturwissenschaftsmuseum, Botanischer Garten, Geschichtsmuseum usw. Das Capitol war am Wochenende für Besucher geschlossen, aber dafür kann ich das Denver Art Museum wärmstens empfehlen.

Denver Art Museum

Das ganze Gebäude ist bereits sehenswert, vor allem der Neubau-Teil, der von Daniel Libeskind gestaltet wurde. Das Museum hat eine beeindruckende Sammlung moderner, teilweise zeitgenössischer Kunst, darunter eine ganze Reihe Kunstwerke, die ich wirklich faszinierend fand. Weiterhin gibt es Kunstwerke aus und über den amerikanischen Westen und ein paar indianische Dinge. Vor allem hat das Museum aber eine Atmosphäre, wie ich sie noch nie in einem Museum erlebt habe. Statt der so oft vorhandenen unbequemen flachen Bänke in der Saalmitte stehen überall gemütliche kleine Leder- oder Polstersessel oder Sofas, ansprechend beleutet. Daneben häufig ein Tisch mit Kunstbüchern, die zum Thema des jeweiligen Raumes passen. Im Western-Raum sind an den Tischen I-Pods angebracht, auf denen man sich Western-Soundtracks und dergleichen anhören kann, während man die Bilder von Prärie und Rockies betrachtet. Immer wieder kann man selber etwas machen. Überall liegen Bücher, in die man seine Gedanken zu der Kunst, dem Raum usw. eintragen kann – und manche Leute haben wirklich Interessantes geschrieben. Kurz, das Kunstmuseum ist sein Eintrittsgeld mehr als wert.

Das Museum ist Teil eines Kultur-Viertels in der Nähe des Capitols, wo sich bereits draußen allerlei Kunstwerke finden.

Kunstmuseum

In dem gleichen Komplex habe ich noch ein Terrorismus-Museum namens The Cell besucht, das ich eher nicht empfehlen würde. Die Ausstellung ist modern und aufwändig gestaltet und voller Multimedia-Inhalte – aber sie ist sehr klein und ich fand sie auch ziemlich oberflächlich. Laut Museum geht es eigentlich um die Gründe für Terrorismus, aber dazu habe ich genau nichts gelernt. Ich war die einzige Besucherin und habe mich extrem unwohl in den engen Räumen gefühlt – häufig öffnet sich erst nach Ende eines Films o.ä. die automatische Tür zum nächsten Raum. Das hätte man auch anders lösen können. Man sieht, wo es auf der Welt überall Terrorismus gibt und gab, wie viele Tote, welche Waffen usw., aber das meiste war mir bereits bekannt. Vielleicht ist man als Europäerin bereits überdurchschnittlich informiert?

Pferd auf dem Stuhl

Eine weitere Attraktion Denvers hat mir da wieder besser gefallen: Eine Tour durch die US Mint (die Münzprägerei). Man muss den kostenlosen Platz in einer Tour bereits vorab reservieren, man darf absolut nichts mitbringen, nicht mal eine Handtasche, jede Tour wird von einem Polizisten begleitet und das Gebäude sieht aus wie Fort Knox, so gut ist es umzäunt und bewacht. Das liegt allerdings vielleicht daran, dass es eine ähnliche Funktion erfüllt: In der US Mint in Denver lagert ein Viertel der Goldreserven der USA (in Fort Knox die Hälfte). Ein sehr freundlicher Tourguide hat die einschüchternden Umstände jedoch schnell vergessen lassen. An zwei Stellen kann man durch Panzerglasscheiben die Münzproduktion aus der Ferne betrachten. Dass man diese nicht besser sehen kann macht aber nichts, denn die Tour ist auch ansonsten sehr interessant und informativ. Es gibt viele, teils kuriose Ausstellungsstücke zu bewundern und einen Shop, der der Traum jedes Münzsammlers sein muss.

Skulptur vor dem Sheraton Downtown

Denver ist weit, weit entfernt von Columbus, so weit, dass wir einen bezahlbaren Flug nur über Dallas (Texas) bekommen hatten. Deshalb lagen zwischen Abflug in Columbus und Landung in Denver nicht nur zwei Zeitzonen, sondern auch über sechs Stunden. Ohne Verpflegung von seiten der Fluggesellschaft, dafür mit Extra-Gebühr für den Koffer – so ist das hier bei Inlandsflügen oft. Unter dem Flugzeug Felder, Felder und noch mehr Felder in spannenden Gegenden wie Central Arkansas. (Man kann übrigens auch mit dem Auto von Columbus nach Denver fahren, ohne die Autobahn zu wechseln – der I-70 geht durch. Google Maps schätzt die Fahrtzeit auf etwa 19 Stunden, ohne Pause).

Denver nennt sich die Mile High City, weil es genau eine Meile (1609m) über dem Meeresspiegel liegt – zumindest an diesem Punkt…

Mile High City

… der sich auf den Stufen zum Colorado State Capitol befindet.

Colorado State Capitol

Diverse Tourismus-Websites warnen vor der Höhenlage Denvers: Die Luft ist sehr trocken, man hat ständig Durst und aufgesprungene Lippen (kann ich bestätigen), dazu ist die Sonne stärker (war für uns wetterbedingt leider kein großes Problem) und der Alkohol haut angeblich mehr rein (keine Ahnung). Denver liegt an den Rocky Mountains. Ob’s am Wetter lag oder daran, dass Denver bereits so hoch liegt: Die Berge fand ich von der Stadt aus wenig beeindruckend. Am schönsten Tag sah die Sicht darauf nämlich nur so aus (Blick aus dem Hotelzimmer im 12. Stock):

Blick auf die Rockies hinter Denver

Zwei Tage später sah man von der selben Stelle aus nur noch dies:

Blick auf das Schneegestöber vom Hotel aus

Insgesamt hat mir Denver aber ganz gut gefallen. Denver hat etwa halb so viele Einwohner wie Columbus, fühlt sich aber viel städtischer an. Es gibt Busse und Bahnen, darunter einen kostenlosen Shuttle in der Innenstadt. Es gibt einen Bahnhof.

Union Station Denver

Es gibt eine Innenstadt mit Geschäften. Es gibt das Tattered Cover, einen wunderschönen großen unabhängigen Buchladen, der überall mit gemütlichen Sitzmöglichkeiten versehen ist, die mit Kaffee trinkenden Lesern gefüllt waren. Es gibt einen REI Flagship Store – und Outdoor-Läden sind in Colorado nicht mit Waffen und Tarnanzügen gefüllt, sondern mit Skiern, Wanderschuhen und Rucksäcken. Es gibt zusätzlich zur Hauptstraße eine Straße mit schicken Boutiquen, Cafés und Restaurants:

Larimer Street

Darüber hinaus gibt es Lower Downtown, wo in alten Lagerhäusern unabhängige Brauereien, Restaurants, Wohnungen und Läden untergebracht sind.

Warehouse in LoDo

Es gibt auch noch andere städtische Viertel mit Läden und Cafés, in denen ich nicht war. Denver scheint zwar auch eine große Fläche einzunehmen und vom Bus aus habe ich ganz ähnliche Malls gesehen wie in Columbus mit den immergleichen Ketten – aber die Stadt fühlt sich belebter, jünger, fitter und überhaupt cooler an. Bestimmt lebt es sich dort nicht schlecht. Was man als Tourist in Denver so machen kann, dazu demnächst mehr.