Ich bin erstaunt, wie viele deutsche Lebensmittel man hier kaufen kann - im Grunde teurer als in Deutschland, aber beim derzeitigen Dollar-Kurs für uns vielleicht doch nicht. Man kann zum Beispiel allerlei Süßigkeiten bekommen: Lindt, Hachez, Niederegger, Haribo, Katjes, Milka, RitterSport usw. sind alle zu haben (wenn auch nur in einer Auswahl aus dem Sortiment), zum Beispiel bei World Market. Dort studieren wir immer die Angebote. Manche Filialen der großen Supermarktketten haben auch eine kleine deutsche Abteilung, da gibt’s dann so Dinge wie Sahnesteif, Dr. Oetker Backmischungen, Gewürzgurken und Kräutertee. Dort kaufen wir fast nie etwas. In den normalen Supermärkten gibt es immer auch deutsches Bier, vor allem Beck’s, Warsteiner und dergleichen, aber oft auch eine Sorte Weizen. Manche Läden wie die Weinhandlung im North Market und Anderson’s haben größere Abteilungen ausländischer Biere und dort gibt es sogar Reissdorff (zum stolzen Preis von $9 pro vier 0,33 Flaschen, ein Sixpack amerikanisches Bier kostet meist um die $6-7 im Laden, Bud & Co. sind etwas billiger). Deutschen Wein gibt es auch, meist Riesling von obskur klingenden Orten an der Mosel. Manche Metzger machen auch Bratwürste. Alles in allem ist das viel mehr, als ich erwartet hätte. Und was man im Laden nicht findet, aber für unverzichtbar hält, kann man häufig bei Germandeli bestellen. Das hat seinen Preis und wir haben dort noch nie bestellt, aber es ist gut zu wissen, dass man könnte wenn man wollte. Meist kommen wir aber sehr gut mit den amerikanischen Lebensmitteln aus.

Neben den “echten” deutschen Lebensmitteln, die wir in der hier verkauften Form auch aus Deutschland kennen, gibt es noch allerlei Lebensmittel, die zwar aus Deutschland kommen mögen, aber dort meines Wissens gar nicht zu kaufen sind. Dazu zählt z. B. das Bier “St. Pauli Girl” (mit einem typisch hamburgerischen blonden Dirndl-Mädel im Logo ;-) - sucht mal bei Google…), von dem ich vermute, dass es Beck’s in anderen Flaschen ist. Oder ein Riesling namens “Pölkadot” … Und wenn man hier auf dem Oktoberfest eine Bratwurst kauft, kriegt man die in einem pappigen Hotdog-Brötchen mit Sauerkraut drin. Nicht alles, wo “German” drauf steht, ist also auch deutsches Essen!

Mitunter gibt es die absurdesten Dinge im Supermarkt zu kaufen. Letztens hat uns zum Beispiel jemand ein Popcorn-Pfännchen geschenkt. Das ist eine kleine Einweg-Pfanne mit Griff, mit Alufolie verschlossen und mit Popcornmais und zahlreichen Zusatzstoffen, Fett, Salz usw. drin:

Popcorn-Pfännchen

Das Pfännchen macht man auf dem Herd warm, wobei man es immer wieder schüttelt. Das Popcorn breitet sich dann zwischen Pfannenboden und Alufolie aus:

Popcorn-Pfännchen 2

Irgendwann ist es dann ausgepoppt und man kann ein Loch in die Alufolie reißen und das Popcorn rausschütten:

Popcorn-Pfännchen 3

Schmeckt okay, aber wir werden unser Popcorn weiterhin ohne die ganzen Zusätze in einem stinknormalen wiederverwendbaren Topf machen!

Zu Weihnachten wollen wir etwas Leckeres kochen und dazu haben wir keine Mühen gescheut, alle möglichen “exotischen” Zutaten wir Quark und Crème fraîche aufzutreiben (wen’s interessiert: beides von der Vermont Butter & Cheese Company, Crème fraîche gab’s bei Anderson’s, Quark bei einem Käsehändler im North Market, beides sauteuer). Seltenere Gemüse wie Knollensellerie oder Peterisilienwurzeln gibt’s bei Whole Foods. Gescheitert sind wir an Liebstöckel (okay, das hätte in Deutschland auch schwierig werden können), roter Gelatine (hier nur weiß und in Pulverform), Kürbiskernöl (und das im Land des Kürbis!), Holunderbeersaft und frischen Feigen. Abgesehen davon haben wir jetzt aber alles, um Kürbis-Kartoffel-Suppe, Karpfenfilet auf Gemüse und Granatapfel-Creme für Heilig Abend und ein Rindfleischfondue am ersten Weihnachtstag zu machen.

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