Gestern haben wir uns auf den Weg in Richtung Cincinnati gemacht. Auf halber Strecke, also nur etwa eine dreiviertel Stunde von Columbus entfernt, sind die Jeffersonville Outlets, die ab und zu einen Besuch lohnen - wenn man sowieso zur Mall fährt, kann man ebensogut dorthin fahren. Die meisten Läden dort haben auch das ganz normale Sortiment; nicht immer sind die Angebote supergünstig, aber die Chance, dort etwas Preiswertes zu finden, ist doch größer als in der normalen Mall. Mit adidas, Puma, Gap, Banana Republic, Old Navy, Ann Taylor und dergleichen Geschäften ist die Auswahl an Kleidung groß.

Diesmal sind wir jedoch noch weiter gefahren, bis kurz vor Cincinnati, wo sich das neue Ikea befindet. Da hab ich mich gleich geärgert, dass es keine Gartenabteilung dort gab und die extra Regalbretter, die wir für unsere Regale kaufen wollten, aus waren. Nächstes Mal schau ich jedes Teil beim online availability check nach… Trotzdem haben wir ein paar Sachen gefunden - wie könnte es auch anders sein? - so dass die Fahrt nicht vergebens war.

Unser zweites Ziel war Jungle Jim’s International Market ganz in der Nähe von Ikea. Und hier wurde dann klar, dass wir diese Fahrt künftig mehrmals im Jahr machen werden. Jungle Jim’s ist ein sehr eigenwilliger Supermarkt. Sehr groß, mit allerlei Dschungel-Kitsch, sprechenden Figuren usw. dekoriert, und mit Schwerpunkt auf Lebensmittel aus anderen Ländern. Neben riesigen asiatischen und lateinamerikanischen Abteilungen (sortiert nach Ländern) gibt es dort für sehr viele europäische Länder eigene Abteilungen, so auch ganze Regale deutscher Lebensmittel. Und siehe da, dort gibt es Zuckerhüte für die Feuerzangenbowle, Oblaten zum Backen, Quark zu verbotenen Preisen, Hanuta mit EM-Sammelbildchen, alle möglichen anderen Süßigkeiten, Gelatineblätter, Fertigkram und vieles mehr. Es gibt sogar eine kleine deutsche Drogerie-Abteilung. So eine große Auswahl habe ich hier noch nirgendwo gesehen, und World Market ist ein müder Abklatsch dagegen. Der ganze Laden ist nicht billig, aber ab und zu kann man gut dorthin fahren. Es gibt auch eine riesige Bier- und Weinauswahl und einen Liquor-Store im Laden.

Fazit: Wenn man sich gut organisiert, kann man an einem sehr langen Samstag eine ausführliche Einkaufstour von Columbus aus nach Süden machen, die einen zu mehreren attraktiven Zielen führt, die es hier nicht gibt. Jungle Jim müsste für jeden, der aus einem anderen Land nach Ohio gezogen ist, ab und zu eine Reise wert sein!

Woodruff ist die Übersetzung für Waldmeister, und Waldmeister gehört zu den Dingen, die hier kaum einer kennt. Zugegeben, frischer Waldmeister war in Köln auch nicht leicht zu finden (das Edeka auf der Dürener Straße hat ihn Ende April). Aber hier sind auch Waldmeistersirup und fertige Maibowle weitgehend unbekannt. Heute habe ich aber “German May Wine flavored with Woodruff” bei Grapes of Mirth, einem Weinladen im North Market, gefunden. Aus Deutschland, also quasi fertige Maibowle. Wir haben direkt die Chance genutzt und etwas mehr gekauft, um unseren amerikanischen Freunden demnächst Maibowle servieren zu können! Der Verkäufer meinte außerdem, bei Jürgens Bäckerei in German Village würde es vielleicht Waldmeistersirup geben. Dann könnten wir die Leute demnächst mit Berliner Weisse locken. Bananenweizen müssen wir auch mal testen - hier werfen sie einem immer eine Scheibe Orange oder Zitrone ins Weizen, wenn man nicht aufpasst, aber die Kombination mit Bananensaft habe ich noch auf keiner Karte gesehen. Ebensowenig übrigens wie Apfelschorle, was vielleicht aber auch an der mangelnden Beliebtheit von Mineralwasser liegt.

Diese Woche wollten wir einen Anzünder für den neuen Grill und eine kleine Harke für das Laub kaufen. Erst im dritten Laden gab es so etwas noch - die Gartenabteilungen sind überall schon sehr leer. Dabei ist noch nicht mal Mai. Ich finde April schon extrem früh, um an so etwas zu denken. Das Wetter ist zwar schon schön, aber es kommen wahrscheinlich noch fast sechs Monate Grill- und Gartensaison!

Das ist auch nicht das erste Mal, dass uns so etwas passiert. Als wir im Oktober das erste Streusalz in den Regalen gesehen haben, waren wir noch unsicher, ob wir so etwas brauchen würden. Wir brauchten, und es gab keins mehr. Irgendwann kam dann doch noch mal eine kleine Lieferung in den Drogeriemarkt, aber spät. Und nicht jeder Laden hat noch mal neues Salz bekommen.

Ein weiteres Beispiel ist, dass mein Wintermantel kaputt ist. Schon Ende Januar, also ungefähr zur Zeit des Schneesturms, gab es aber bereits nur Shorts und Bikinis in den Läden. Also musste ich bis Ende März mit dem kaputten Mantel herumlaufen.

Irgendwie sind wir langsamer als die Amerikaner. Zumindest, wenn es um saisonal passende Einkäufe geht. Nach und nach lernen wir, dass man z. B. in der Saison-Abteilung bei Target direkt zugreifen muss, wenn man etwas sieht, das man in drei Monaten brauchen wird. Aber das widerstrebt mir schon ein bisschen.

… oder vielleicht doch nur spießiger? - Und das erste Zeichen dafür ist, dass wir einen ordentlichen Grill gekauft haben. In Köln sind wir jahrelang mit dem 5-EUR Klappergrill aus dem Supermarkt prima ausgekommen, den am Aachener Weiher fast jeder hat. Auf dem Weg zum Park, wohin der Grill zu Fuß getragen wurde, konnte man noch eine kleine Tüte Kohlen und kalte Getränke kaufen. Dazu die Tasche mit dem Grillgut und eine Picknickdecke aufs Fahrrad und schon hatte man einen schönen Sommerabend. Hier sieht es nicht so aus, als ob man im Park grillen dürfte. Wenn man dürfte, würden wir bestimmt gerne, denn mit der Baustelle ist hinterm Haus nicht mehr sehr viel Platz. Für einen Grill und einen Tisch reicht es aber, und ich nehme an, wir werden uns schnell daran gewöhnen, die ganze Küche in der Nähe des Grills zu haben. Billige klapprige Grills gibt es hier übrigens auch, allerdings meistens mit winzig kurzen Beinchen, also eher als Tischgrill - unpraktisch für hinter unserem Haus.

Wenn man die saisonale Abteilung im Baumarkt sieht denkt man, die Amerikaner haben alle einen riesigen Gasgrill. Und mit riesig meine ich eine Grillfläche von mindestens einem Meter Breite, vorne vier oder fünf Knöpfe für die Brenner, auf dem hochklappbaren Deckel zum Räuchern manchmal noch eine Lampe, die das Grillgut anstrahlt, links und rechts vom Grill noch mindestens je eine Ablagefläche, die manchmal auch durch eine Kochplatte ersetzt wird… Abgesehen davon, dass so ein Grill leicht mehrere hundert Dollar kosten kann und sicher bald von hinterm Haus geklaut würde brauchen wir so etwas nicht. Zum Glück gibt es eine Kompromisslösung in Form eines Kugel-Holzkohlegrills - wie alles hier auch etwas größer als vielleicht in Deutschland üblich, preislich deutlich näher am Klapper- als am Gasgrill und vom vermutlich prominentesten Grillhersteller in den USA: Weber. Für so ein Ding haben wir jetzt anlässlich des ersten Hochzeitstags direkt mal den Amazon-Gutschein eingelöst, den uns die Panzerfreunde netterweise zur Hochzeit geschenkt hatten. Herzlichen Dank an dieser Stelle - der Sommer kann kommen!

Der allmonatliche Gallery Hop im April war extrem gut besucht. Man könnte fast meinen, dass alle Leute in Columbus beschlossen haben, dass der Winter jetzt vorbei ist und es an der Zeit ist, mal wieder rauszukommen. Die Schlange an der Eisdiele ging um 22 Uhr um den halben Block. Ausnahmslos jedes Geschäft und jede Kneipe waren voll. So viele Leute habe ich seit Oktober nicht mehr auf der Straße gesehen. Gut ein Drittel der Frauen hatten Flip-Flops an, ein weiteres Drittel Ballerinas. Man sah kurze Röcke und T-Shirts. Bei Cup O’Joes, dem Northstar Café und dem Union Café waren die Terrassen gut gefüllt. Und während ich auch glaube, dass der Frühling kommt, und obwohl endlich die ersten Narzissen und Knospen blühen, sind die Temperaturen keinesfalls sommerlich (gestern Nacht bestimmt deutlich unter 15°C). Wäre ja auch verwunderlich Anfang April.

Im Short North, wo wir wohnen, haben in letzter Zeit mehrere Läden geschlossen. Umso begeisterter war ich, am Samstag einen sehr europäisch wirkenden Laden zu finden, den man in genau dieser Form auch im Belgischen Viertel finden könnte. Die Paradise Garage - so der Name des Ladens - verkauft Fahrräder und Kleidung. Die Fahrräder sind großteils Hollandräder, Cruiser usw., also Räder für die Stadt, die man in Deutschland an jeder Ecke bekommt, hier aber nicht. Hier haben viele Räder keine Lampe mit Dynamo, keinen Gepäckträger, kein Schutzblech, kein Kettenblech, keine Möglichkeit, einen Korb anzubringen, keine Klingel. Von der Klamotten-Auswahl in dem Laden bin ich auch ganz begeistert, ich hab direkt ein tolles Sommerkleid von Skunkfunk gefunden! Überhaupt gibt es die (großteils europäischen) Marken, die der Laden führt, hier nirgendwo sonst. Ich hoffe, dass die Amerikaner Gefallen an den Sachen finden, so dass der Laden sich gut halten kann!

Die neue Brille ist da, und so mussten wir wieder auf die grüne Wiese zu Costco, um sie abzuholen. Alles in Ordnung damit, so weit man das beurteilen kann - Foto folgt, sobald meine Haut etwas weniger wintergeschädigt ist. Wo wir nun schon mal da waren, haben wir die Gelegenheit genutzt, die $50 Mitgliedschaftsgebühr für weitere Einkäufe einzusetzen. Tatsächlich gibt es aber bei Costco gar nicht so viel, was für uns interessant ist: Teilweise sind die Mengen einfach zu groß und teilweise gibt es dort andere Sachen als die, die wir normalerweise kaufen. Wasserfilter für das Pur-System, das wir am Wasserhahn in der Küche angebracht haben, um das Chlor rauszufiltern, sind bei Costco deutlich günstiger als in anderen Läden, aber nicht günstiger als im Internet. Da haben wir nun einen Sechserpack gekauft. Nutella (Michaels Frühstückswunsch) ist bei Costco ebenfalls deutlich billiger als anderswo. Dann gibt es noch viele Produkte, die nur ein kleines bisschen günstiger sind als andernorts, so haben wir jetzt noch ein großes Stück richtigen Parmesan, richtigen Fetakäse, Bio-Raisin-Bran (Frühstücksflocken) und einen Swiffer-Nachfüllpack zum Bücher abstauben gekauft. Costco hat außerdem eine Tankstelle, an der das Benzin ein paar Cent günstiger pro gallon ist als anderswo. Alles in allem lohnt sich eine Mitgliedschaft m. E. aber eher für Großanschaffungen wie die Brille - oder vielleicht für Familien, die mehr Produkte dort interessant finden und auch noch näher dran wohnen.

Nach und nach macht es wieder Spaß, neue Ecken in Columbus zu entdecken: Die wichtigsten Orte kennt man, das Wetter wird besser. Gestern haben wir zum Beispiel Weiland’s, eine Art Feinkostgeschäft in Clintonville, entdeckt. Dort gibt es auch einen Liquor Store, der mehr Auswahl als Europia und etwas bessere Preise hat. Außerdem haben sie große Wein- und Bierabteilungen - hey, sie verkaufen sogar 5l-Kölsch-Fässchen - wenn wir das vor der Karnevalsparty gewusst hätten! Sie haben auch viele Sorten Lindt-Schokolade, vielleicht sogar mehr als World Market. Und der Laden ist wirklich sehr nett.

Direkt daneben ist ein ziemlich großer Thrift Store der Volunteers for America. Auf der anderen Seite ist ein sehr nettes Antiquariat. Überhaupt ist Clintonville eine gute Adresse für Antiquariate, direkt auf High Street haben wir noch zwei oder drei gesehen. Ein Problem bei den Neuentdeckungen ist, dass man einen Ausgangs-Tipp braucht, wo man suchen sollte. Die Stadt erstreckt sich auf einer so großen Fläche, die Straßen sehen oft aus, als ob da nichts mehr kommt, und die Läden machen oft einen gleichförmigen, unscheinbaren Eindruck von außen - so ist es schwierig, herauszufinden, wo sich das Suchen lohnt.

Eine der netten Einrichtungen hier sind die Thrift Stores. Das sind Läden mit gebrauchten Sachen, die häufig für einen guten Zweck betrieben werden. In Columbus gibt es zum Beispiel Thrift Stores von Goodwill und der Salvation Army. Wenn man Möbel, Kleidung, Bücher, Küchenkram oder Ähnliches loswerden möchte, kann man das alles dort vorbei bringen. Man bekommt dann eine Spendenquittung über den Gegenwert der Sachen, die man von der Steuer absetzen kann. Sehr bequem, wenn ich bedenke, wie wir uns in Köln auf den Kopf gestellt haben, um verschiedene Dinge loszuwerden ohne bergeweise Müll zu produzieren.

Umgekehrt kann man in diesen Läden natürlich auch einkaufen. Ich nehme mal an, dass die günstige Kleidung dort ein Segen für die ärmeren Leute hier ist (ob es hier außerdem noch Kleiderkammern gibt, weiß ich nicht - ich vermute bisher, dass die Thrift Stores deren Funktion mit übernehmen). Immer wieder hört man aber auch von Leuten, die irgendein Designer-Schnäppchen in solchen Läden gemacht haben, wobei ich mal denke, dass man dafür ziemlich oft in den Thrift Stores in den besseren Gegenden unterwegs sein und obendrein noch viel Glück haben muss. Es wäre auch leicht, sich zum Beginn des Studiums dort mit Geschirr einzudecken. Auch wenn die Thrift Stores nicht immer super ansprechend aussehen gehe ich dort ganz gerne hin zum Gucken, und in der Hoffnung auf einen tollen Fund. Ein bisschen wie Trödelmarkt…

Seltsamerweise ist Ostern im Vergleich mit anderen Feiertagen (einschließlich Halloween, Valentinstag und natürlich Weihnachten) hier gar nicht so eine große Sache in den Läden. Es gibt zwar auch ein paar Deko-Artikel, aber nicht in solch riesigen Mengen wie sonst. Und während man kurz vor Weihnachten bei World Market eine riesige Auswahl an deutschen Weihnachtsspezialitäten bekommen konnte, fällt das Ostersortiment sehr viel spärlicher aus. Immerhin konnte man Lindt-Hasen und genau eine Sorte Schokoeier von Lindt kaufen. Bei einem Besuch in England haben wir außerdem Cadbury’s Cream Eggs kennen und schätzen gelernt, das sind Schokoeier mit einer zuckerigen Füllung, die einem Ei nachempfunden ist (mit Eigelb und Eiweiß). Die gab’s hier sogar bei ALDI im Angebot.

Tja, und dann haben wir auch schnell herausgefunden, was hier der Oster-Verkaufsschlager ist: Marshmallow Peeps. Leider hab ich kein eigenes Foto, aber hier sieht man ganz gut, worum es geht, nämlich um kleine Küken (manchmal auch Häschen) aus intensiv gefärbtem Marshmallow-Material in knallgelb, knallpink, knallblau oder knallgrün. Das müssen wir natürlich auch ausprobieren, allerdings vorsichtshalber in kleinen Mengen, denn ein bisschen skeptisch bin ich ja schon.

Komischerweise sieht man hier nirgendwo diese hartgekochten bereits gefärbten Eier, die in Deutschland ja von der Pfarre bis zur Kneipe eigentlich überall zu finden sind (und natürlich auch im Laden). Gekauft hätte ich die sowieso nicht, ich färbe meine Eier lieber selbst - und genau das mach ich jetzt mal, damit am Sonntag auch alles fertig ist für Ostern.

Die Ikea-Dichte ist hier sehr viel geringer als man es in Deutschland gewohnt ist. Bis heute war das nächste Ikea von Columbus aus in Pittsburgh, Pennsylvania - gute drei Stunden Autofahrt entfernt, pro Strecke selbstverständlich. Das hat uns zwar nicht abgehalten, dort einen Möbel-Großeinkauf zu machen. Und auch die meisten unserer Bekannten haben schon Ausflüge dorthin unternommen. Aber das lohnt sich nur, wenn man viele Sachen braucht, die anderswo nicht so leicht zu bekommen sind.

Nun, ab heute hat Ohio ein eigenes Ikea, nämlich in West Chester bei Cincinnati. Das sollte die Fahrtzeit auf etwas mehr als anderthalb Stunden pro Strecke halbieren. Damit ist das Ikea in Reichweite für einen Sonntagsausflug gerückt. Alle Leute, die wir hier kennen, reden schon seit Wochen davon und schmieden Pläne, hinzufahren. Auch wir werden uns mit Sicherheit auf den Weg machen. In der Gegend von Cincinnati waren wir noch gar nicht, und neben der Stadt und dem Ikea gibt es dort noch einige vielversprechende Ziele!

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