März 14, 2008
Die Schulkinder in den USA haben den ganzen Sommer über Ferien, ungefähr drei Monate lang. Da die Eltern häufig beide arbeiten und manchmal überhaupt keinen bezahlten Urlaub, manchmal nur eine oder zwei Wochen haben stellt sich die Frage, wer die ganze Zeit über auf die Kinder aufpassen soll. Selbst zu den wohlmeinendsten Verwandten (z. B. Großeltern in Rente) können die Kinder meist nicht drei volle Monate geschickt werden. An dieser Stelle kommen die sogenannten Summer Camps ins Spiel. Diese können zwar mit Übernachtung an einem entfernten Ort sein, die Regel sind aber Tagscamps in der eigenen Stadt, wo man die Kinder vor der Arbeit hinbringt und nachher wieder abholt. Das Columbus Parent Magazine bietet eine Übersicht über die zahlreichen Camps in Columbus, die sich nach Auskunft befreundeter Eltern sehr schnell ausverkaufen. Die Kosten für so ein Camp sind unterschiedlich - je nach Dauer der Betreuung (halbtags, ganztags, flexible Bring- und Abholzeiten), Alter der Kinder und konkretem Angebot können aber laut Camp Guide schnell ein paar hundert Dollar pro Woche zusammen kommen.
Wir selber werden im Sommer drei Wochen lang eine Dreizehnjährige zu Besuch haben, und ich hatte gehofft, sie ein paar Tage lang in ein Halbtagscamp schicken zu können, wo sie amerikanische Kinder treffen und nebenbei ein bisschen Englisch lernen könnte. Abgesehen von den teilweise horrenden Preisen war aber auch inhaltlich nichts Geeignetes zu finden. In Frage wäre etwas mit Sport, Natur oder Kunst gekommen, wo man nicht supergut Englisch können muss. Solche Angebote richten sich aber häufig an jüngere Kinder. Ab 13 scheint es dann deutlich anspruchsvoller zu werden: Es gibt Camps zur Vorbereitung auf die nächsten Schritte in der Schulkarriere, die Sport-Camps werden sehr leistungsorientiert (sieben Stunden Cheerleading am Tag sind vielleicht doch etwas viel), die Kunst-Camps konzentrieren sich stärker auf Theater und Medienproduktion. Ich rechne nicht damit, dass wir doch noch etwas Passendes finden. In unserem Fall ist das ja auch nicht schlimm, aber ich frage mich schon, was die Kinder von Leuten mit durchschnittlichem Gehalt oder weniger die drei Sommermonate über machen. Besonders wenn man mehrere Kinder hat scheinen diese Camps nur erschwinglich, wenn zwei überdurchschnittliche Einkommen da sind.