Diese Woche kam ein Brief von der Krankenversicherung: Der Hausarzt, zu dem ich bisher gegangen war, wird von unserer Versicherung nicht mehr gedeckt. Dass man krankenversichert ist, heißt hier nämlich nicht, dass man einfach zu irgendeinem Arzt gehen kann. Nein, jede Versicherung hat ein eigenes Netzwerk von Ärzten, Krankenhäusern usw. und nur aus diesem darf man wählen. Wir konnten uns dabei zumindest bisher glücklich schätzen, denn das Netzwerk unserer Versicherung war in Columbus sehr groß. Laut einem Schreiben von Michaels Arbeitgeber droht die Versicherung jedoch (durch Briefe wie den an mich) das Netzwerk substantiell zu verringern. Verhandlungen sind im Gange, und der Arbeitgeber ist optimistisch, dass es nicht so weit kommen wird. Sollte das Netzwerk doch schrumpfen, wird der Arbeitgeber eine neue Versicherung suchen - dann müssen wir wechseln. Das alles bereitet mir Unbehagen und zeigt, wie riesig die Unterschiede im System sind.

Dabei können wir froh sein, dass wir (a) überhaupt eine Krankenversicherung haben, insbesondere dass ich auch versichert bin und (b) dass die Zuzahlungen relativ gering sind und das Netzwerk relativ groß. Es sieht hier nämlich so aus, dass man über die Arbeit krankenversichert ist - sofern der Arbeitgeber diesen “Benefit” anbietet. Falls er das tut, handelt die Firma mit einer Krankenversicherung bestimmte Konditionen für all ihre Mitarbeiter aus, die von Firma zu Firma sehr unterschiedlich ausfallen können. In unserem Fall bietet der Arbeitgeber die Wahl zwischen zwei Plänen. Der Plan, in dem wir sind, ist ein Netzwerk-Plan, bei dem man das Netzwerk nicht verlassen kann. Der Vorteil sind Zuzahlungen in fester Höhe pro Arztbesuch, Medikament, Krankenhausaufenthalt usw. sowie ein Deckel auf die Zuzahlungen, die man pro Jahr maximal leisten muss. Die Alternative wäre ein Plan, mit dem man (fast) überall hingehen kann. Man muss dann jedoch prozentual zuzahlen (also z. B. X% der Krankenhauskosten statt $Y). Außerdem zahlt die Versicherung erst, wenn man einen gewissen Betrag ausgegeben hat. Diese Alternative scheint uns zu unberechenbar und der sichere Weg in den finanziellen Ruin, falls wirklich mal etwas Schlimmes sein sollte. Wir werden also bei unserem Plan bleiben - falls der Arbeitgeber ihn weiterhin anbietet. Falls nicht, können wir nur hoffen, dass ein neuer, ebenso guter Plan kommen wird…

Einmal im Jahr haben wir Anrecht auf eine gründliche Untersuchung der Augen, das gehört zu den Benefits dazu, die Michaels Arbeitgeber uns bietet. Diese Untersuchung haben wir jetzt zum ersten Mal in Anspruch genommen. Man geht dazu nicht in eine Arztpraxis, sondern zu einem Optiker, in dessen Hinterzimmern die Augenärzte hier häufig arbeiten. Wir haben Glück, dass gleich zwei Optiker in unserer Nähe sind - ich habe das Gefühl, dass Kontaktlinsen und Laser-Operationen an den Augen hier beliebter sind als Brillen und dass es viel weniger Optiker gibt als in Deutschland.

Wir mussten jeder $10 zu der Untersuchung dazu zahlen und einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen bzgl. Vorgeschichte, anderen Krankheiten usw. Die Untersuchung hat superlange gedauert (ich schätze, pro Person etwa eine Dreiviertelstunde) und war sehr gründlich. Hier tun sie einem auch noch diese Tropfen ins Auge, die die Pupillen erweitern, und sie prüfen alles mögliche andere. Naja, lieber zu gründlich als zu oberflächlich, schätze ich. Mit einem kleinen Vokabelzettel ausgestattet (weitsichtig, kurzsichtig, grüner Star, grauer Star und andere Ausdrücke, die man eventuell bei einem Augenarzt hören könnte) war die Sprache auch kein großes Problem.

Meine Augen haben sich verschlechtert, so dass ich eine neue Brille brauche. Erst war ich skeptisch, ob sie einem hier nicht schneller etwas aufschwatzen wollen, wo sie doch so eng mit den Optikern verbandelt scheinen. Aber Michael wurde von einer Brille trotz leicht ungünstiger Ergebnisse abgeraten und als ich die Zahlen im Vergleich zu meiner derzeitigen Brille gesehen hatte, war ich auch überzeugt.

Mit den Brillen ist es hier ganz ähnlich wie in Deutschland: Sauteuer. Hätten wir diese Zusatzversicherung abgeschlossen, gäbe es eine kleine Zuzahlung, aber die schien uns so gering, dass sich das kaum lohnt und so müssen wir jetzt alles aus eigener Tasche zahlen. Zu meiner letzten Brille in Deutschland hat die Kasse aber auch nur einen Witzbetrag von <10 EUR pro Glas zugezahlt, wenn ich mich recht erinnere. Bei den Gestellen habe ich hier wie in Deutschland das Gefühl, dass es zwischen superbillig/ plöddelig und Designer-Gestell immer weniger gibt. Das durchschnittliche Designer-Gestell hat bei dem einen Optiker hier $300 gekostet, und merkwürdigerweise waren die fast alle exakt gleich teuer.

Ich muss mich erst mal besser informieren, wo ich hier ein gutes Gestell herbekommen kann. Im Moment hab ich keine große Lust, weil ich das alte Gestell noch gerne mag. Leider sind die Bügel nicht mehr sehr gut intakt, so dass wohl auf die Dauer kein Weg an einem neuen Gestell vorbei führen wird. Wenn’s so weit ist, gibt es auch ein Foto.

Glücklicherweise ist Michaels Job nicht nur mit einem Gehalt, sondern auch mit verschiedenen Benefits verbunden. Als Benefit zählt z. B., dass es eine Krankenversicherung gibt, die alle Angestellten dieser Firma aufnimmt, dass der Arbeitgeber eine Zuzahlung zu den monatlichen Kosten macht und dass auch Familienangehörige auf diese Weise versichert sind. Einmal im Jahr werden die Benefits fürs nächste Jahr vorgestellt und man darf/ muss aus verschiedenen Optionen wählen. Diese Zeit ist genau… jetzt.

Neben mir liegt also eine Broschüre, die sicher viel leichter zu verstehen wäre, wenn Englisch meine Muttersprache wäre und/ oder ich mich besser mit dem amerikanischen Gesundheits- und Versicherungssystem auskennen würde. Sicko gesehen zu haben zählt nicht. Natürlich haben wir auch schon Benefits gewählt, als wir hergekommen sind, aber es gibt einige Änderungen/ Teuerungen und deshalb muss man gründlich überlegen.

1. Krankenversicherung (Health Plan). Hier gibt es im Wesentlichen zwei Optionen. Bei der einen, die wir bisher haben, darf man nur zu Ärzten, Notaufnahmen usw. gehen, die im Netzwerk sind (außer man ist schon halbtot, dann darf man eine Ausnahme machen). Immer wenn man das macht, zahlt man einen festen Betrag zu, z. B. $15 pro Arztbesuch oder $75 in der Notaufnahme. Es gibt außerdem ein jährliches Maximum für die Zuzahlungen, wenn das überschritten ist, zahlt die Versicherung. Bei der anderen Option darf man auch zu Ärzten außerhalb des Netzwerks, was für Reisen und Notfälle sicher vorteilhaft ist. Dafür zahlt man aber 10% der Kosten bis zu einem jährlichen Maximum und hat einen Selbstbehalt pro Jahr. Dieser Plan ist monatlich außerdem ein bisschen teurer als der andere.

2. Medikamente (Prescription Drug Plan). Dieser Plan ist Teil der Krankenversicherung. Hier gibt es offensichtlich nicht viel zu wählen, dafür wird aber alles teurer. Die Medikamente sind in drei Gruppen eingeteilt (keine Ahnung, nach welchem Prinzip). Zu Medikamenten in der ersten Gruppe zahlt man $9 zu, zu solchen aus der zweiten Gruppe 30% des Preises bis $50 und zu solchen aus der dritten Gruppe 50% des Preises bis zu $100. Hier wird es spannend, herauszufinden, in welcher Gruppe die Sachen sind, die man regelmäßig braucht (Asthma!). Aber der Server der Krankenkasse ist gerade überlastet, so dass ich es noch nicht herausfinden kann.

3. Zahnversicherung (Dental Plan). Hier gibt es nur einen Plan und man kann nur wählen, ob man den möchte und dafür monatlich etwas vom Gehalt abziehen lassen will oder nicht. Das ist einfach, den wählen wir, denn Zahnärzte sind in der Krankenversicherung nicht enthalten.

4. Vision Plan (Augenarzt usw.). Hier schenkt Michaels Arbeitgeber uns einen augenärztlichen Checkup pro Jahr. Gegen einen zusätzlichen Betrag gibt es Zuzahlungen zu Brillen usw. Das haben wir bisher nicht, denn wenn man den monatlichen Betrag anspart, kann man sich bald selber die Brille kaufen. Ich hoffe, dass ich an dieser Stelle nicht etwas Wichtiges übersehe und dass die normale Krankenversicherung augenärztliche Notfälle auch zahlen würde.

5. Flexible Spending Account für Health Care. Es ist möglich, ein spezielles Konto einzurichten, auf das etwas aus dem noch nicht versteuerten Gehalt eingezahlt werden kann, um damit Ausgaben für die eigene Gesundheit zu bestreiten. Dieses Geld MUSS man aber innerhalb des Jahres auch ausgeben. Man bekommt eine eigene EC-Karte für das Konto und damit macht man dann die Zuzahlungen. Man kann damit auch frei verkäufliche Medikamente wie Allergietabletten, Aspirin usw. bezahlen. So spart man Steuern und senkt das zu versteuernde Einkommen u. U. auf einen niedrigeren Steuersatz. Man muss entscheiden, wie viel Geld man auf das Konto einzahlen möchte.

6. Life Insurance. Michaels Arbeitgeber zahlt eine Risikolebensversicherung, die drei Jahresgehälter auszahlen würde. Man muss entscheiden, ob einem das reicht oder ob man die Versicherungssumme erhöhen möchte. Man muss auch entscheiden, ob der Ehepartner auch versichert werden soll.

Uff, so viele Entscheidungen auf so wackeligem Wissen basierend! Während Sicko natürlich keine Entscheidungsgrundlage liefert hat mich der Film aber doch ängstlich gemacht bezüglich der Krankenversicherung. Es scheint ja, als könne man sich allerlei Probleme einhandeln, selbst wenn man (wie wir) versichert ist. Andererseits können wir uns glücklich schätzen, dass der Arbeitgeber so viele Benefits bereit stellt. Viele Arbeitgeber geben gar keine Benefits, dann kann man schauen, wie man klar kommt.

Das Ergebnis unseres Radontests ist da und mit einer Radon-Konzentration von 1,1 Picocurie liegt unsere Wohnung deutlich unter dem Grenzwert von 4. Man empfiehlt uns zwar, sicherheitshalber zu einer anderen Jahreszeit noch einmal zu testen - aber wir können offenbar in dieser Wohnung wohnen, ohne uns langsam zu verstrahlen. Ich bin wirklich sehr erleichtert!

Hier wieder etwas aus der Abteilung Gesundheitsrisiken. Nachdem wir unser Trinkwasser schon auf Schwermetalle haben testen lassen, testen wir nun die Luft in unserer Wohnung auf Radon. Aus meiner Lektüre für die Diss war mir Radon als Gesundheitsrisiko schon bekannt, bevor wir hergezogen sind. Und nach einer kleinen Recherche stellte sich heraus, dass Radon in Ohio tatsächlich ein Problem ist, auch in unserem County und in unserem Postleitzahlen-Gebiet. Offensichtlich sehen das die Behörden auch so, denn man kann ein Radon-Testset kostenlos bei der Feuerwehr bekommen, inklusive Laboranalyse. Heute habe ich den Test gestartet und nun baumelt eine kleine Pappschachtel mitten in unserem Wohnzimmer und wir können ein paar Tage lang nicht lüften, sondern nur rasch raus und rein laufen, um den Test nicht zu gefährden.

Drückt uns die Daumen, dass die Radonkonzentration in unserer Wohnung nicht zu hoch ist. Wir haben gar keinen guten Plan für den Ernstfall. Schon der Gedanke an einen neuen Umzug ist schwer erträglich. Es gibt offenbar auch Filteranlagen für den Keller, die das Radon irgendwie auffangen und die nicht allzu schrecklich teuer sind. Ich nehme an, wenn der Test schlecht ausfällt, werden wir darüber mal mit dem Hauseigentümer verhandeln. Mit etwas Glück fällt der Test gut aus und wir haben eine Sorge weniger.

Heute hatte ich meinen ersten Arzttermin. Es war gar nicht so einfach, einen zu bekommen. Ich kann nur zu Ärzten gehen, die meine Krankenkasse akzeptiert - das sind allerdings sehr viele. Die Datenbank, aus der man einen Arzt aussucht ist aber offenbar ziemlich fehlerhaft, denn erst beim vierten Anlauf haben Adresse, Telefonnummer und Arzt übereingestimmt.

Die Ärzte sind hier häufig zu ”Family Health Centers” zusammengeschlossen. In dem, wo ich heute war praktizieren drei allgemeine Ärzte (keine Fachärzte). Ich hatte einige Bedenken, aber alles in allem war es ein angenehmer Arztbesuch: Man hat mir vernünftig zugehört, alles gut erklärt, allerlei Hintergrundinfos abgefragt und mir ein Rezept gegeben, das ein halbes Jahr reicht. Da werde ich hier wesentlich seltener zum Arzt laufen müssen als in Deutschland.

Zuzahlen muss ich hier natürlich auch, und zwar $15 bei jedem Arztbesuch, Quartal hin oder her. Medikamente, Notarztbesuche usw. kosten zusätzlich. Man kann monatlich etwas Geld auf ein spezielles Konto zurücklegen und dann mit einer extra Kreditkarte medizinische Ausgaben steuerfrei zahlen. So spart man sich die Nachweise für die Steuererklärung, und man kann davon auch frei verkäufliche Mittelchen bezahlen, von denen es hier reichlich gibt.