Es ist wieder so weit: Die Green Card Lotterie ist angelaufen. Bis zum 30. November kann man sich noch bewerben. Wir haben unsere Bewerbungen bereits wieder eingereicht, selbstverständlich mit neuen hässlichen selbstgemachten Passfotos. Drückt die Daumen – ein Gewinn würde uns das Leben hier deutlich erleichtern, vor allem mir!

Letztens hatte ich ja schon angedeutet, dass es ganz schön schwierig sein kann, hier rechtliche Dinge zu regeln. Besonders dringend in dem Zusammenhang ist, dass ich immer noch keine vernünftige Auskunft dazu finden konnte, unter welchen Bedingungen ich auf dem H-4 Visum ehrenamtlich arbeiten darf. Um da weiter zu kommen, musste ich erst mal lernen, wie ich die rechtlichen Regelungen dazu überhaupt herausfinden kann. Dazu habe ich das „Legal Research“ Buch von Nolo ausgeliehen.

Das Buch ist der Materie entsprechend ziemlich trocken, scheint aber doch hilfreich. Auch wenn ich noch keine Recherche gemacht habe, habe ich wenigstens einige grundlegende Dinge über das Recht in den USA gelernt. Erfahrung im Forschen und Recherchieren könnte mir hier noch viel nützen! Denn sobald man eine konkrete Frage hat, z. B. „Darf man mit dem H-4 Visum 20h pro Woche unentgeltlich arbeiten?“ empfiehlt das Buch den Besuch einer sogenannten „Law Library“. Zum Beispiel beim County Courthouse.

Erkenntnis No. 1 lautet also: Es gibt überall in den USA öffentlich zugängliche Bibliotheken, die jedermann die Recherche solcher Fragestellungen ermöglichen. In Columbus ist das zum Beispiel die Columbus Law Library Downtown. Und so wie das Buch klingt ist es schwierig bis unmöglich, ohne den Besuch einer solchen Bibliothek rechtliche Fragen zu beantworten, weil es dort eben die Bücher, Datenbanken und Bibliothekare gibt, die man braucht.

Als nächstes ist es nützlich, zu wissen, ob die eigene Fragestellung a) Federal Law (gesamte USA) oder State Law (z. B. Ohio) betrifft, b) Straf- oder Zivilrecht und c) Substantive oder Procedural ist (d. h. ob man etwas über den Inhalt des Gesetzes oder die Prozedur der Durchsetzung des Gesetzes wissen möchte). Meine Frage scheint Federal Law (Immigration) und Substantive zu sein – ob Straf- oder Zivil, tja, da bin ich noch nicht so sicher. Ich schätze mal Strafrecht?

Nun gibt das Buch nützliche Tipps, um Hintergrundinfos zur Fragestellung zu finden bzw. die Fragestellung so zu formulieren, dass man passende Schlagwörter etc. erhält. Wenn man dann ungefähr weiß, womit man es zu tun hat, kann man im nächsten Schritt das Gesetz selbst anschauen. Auch im Common Law gibt es nämlich allerlei Gesetze, sowohl auf Federal als auch auf State oder sogar City Ebene. Diese Gesetze heißen oft Code, Statute, Regulation usw. und sind manchmal sogar im Internet zu finden. Title 8 des Code of Federal Regulations umfasst zum Beispiel die „Immigration Regulations“.

Ab hier wird’s dann kompliziert: Wenn man das passende Gesetz gefunden hat, soll man nämlich die Fälle suchen, die dieses Gesetz interpretieren. Und das ist letztlich der Schritt, den man nicht mal eben so zu Hause erledigen kann. Da gibt es nämlich dicke Bücher und Datenbanken, die für jeden Paragraphen auflisten, welche Fälle sich auf ihn beziehen. Dann kann man sich den Fall anschauen. Und wenn er relevant ist, muss man auch noch schauen, ob es Fälle gibt, die ihn ungültig machen oder sonstwie modifizieren. Dafür gibt es wieder andere dicke Bücher und Datenbanken. Im Idealfall findet man dann Fälle, die der eigenen Fragestellung sehr nah sind – in der Hoffnung, dass das Recht im eigenen Fall ähnlich ausgelegt werden würde. Und hier warnt das Buch: „Defining the „law“ in America involves predicting how the courts would rule if presented with the question. If the statues and case law are subject to conflicing interpretations, as many of them are, even the best legal research may amount to little more than a sophisticated form of fortune-telling.“ Ach ja, und all das bedeutet natürlich das Lesen von Juristen-Englisch.

Ich glaube, ich werde dieser Bibliothek irgendwann mal einen Besuch abstatten – wenn auch vielleicht erst Ende des Jahres, wenn ich mehr Zeit habe. Vielleicht finde ich ja raus, ob schon mal jemand verurteilt wurde, weil er auf H-4 ehrenamtlich gearbeitet hat…

Wir mussten unsere alte Green Card Bewerbung ja bei Michaels Jobwechsel zurückziehen. Nun sind wir mit der neuen Bewerbung hoffentlich sehr bald da, wo wir mit der alten auch schon waren: Der Arbeitgeber hat die Stelle ausgeschrieben und einen Nachweis erarbeitet, dass sich kein geeigneter Amerikaner für die Stelle findet. Das Ganze ist jetzt auf dem Weg zum Department of Labor, wo es geprüft wird. Wenn das abgeschlossen ist, kann die eigentliche Bewerbung beginnen.

Nun heißt es Daumen drücken, dass das Department of Labor die Bewerbung nicht nur anerkennt, sondern auch in der Kategorie lässt. Mit der alten Bewerbung waren wir in Kategorie EB3, in der man sich schon seit Monaten trotz abgeschlossener Labor Certification nicht um eine Green Card bewerben darf, weil die Kategorie voll ist. Die neue Stelle hat gute Chancen auf EB2 und diese Kategorie ist seit langem „current“, was wenig Verzögerungen verspricht.

Wie lange das alles dauern wird ist ungewiss. Ich hoffe aber auf ein neues Priority Date in diesem Jahr und einen guten Fortschritt der Bewerbung im nächsten.

Wie gut, dass ich an der Europawahl teilnehmen möchte, denn für den Antrag habe ich seit längerer Zeit mal wieder in meinen Reisepass geschaut und dabei festgestellt, dass er im Sommer abläuft. Davor möchte ich aber noch nach Deutschland – und natürlich auch wieder zurück! Hoffentlich geht das mal gut. Im Visa Waiver Programm reicht theoretisch ein Pass, der für die Dauer des Aufenthalts gültig ist… und mit Visum sollte das Visum reichen. Ich werde die Grenze noch mehr lieben als sonst, so viel steht fest – aber es ist jetzt auch zu spät, um noch rechtzeitig einen neuen Pass zu beschaffen. Das ist nämlich recht aufwändig.

Beim Generalkonsulat in meiner neuen Lieblingsstadt Chicago sitzt die für den Mittleren Westen zuständige Pass- und Visastelle, in deren Amtsbezirk Ohio fällt. Man muss den neuen Pass dort persönlich beantragen, weil es neuerdings einen Fingerabdruck-Chip auf dem Reisepass gibt. Zur Beantragung mitzubringen sind unter anderem:

  • Zwei biometrische Passfotos (vermutlich nach deutschem Standard?),
  • beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde (!),
  • beglaubigte Kopie der Heiratsurkunde,
  • Abmeldebestätigung des Ortes, wo man zuletzt gemeldet war, falls dieser als Wohnort im Pass eingetragen ist (puh, zum Glück nicht der Fall bei mir – Köln wollte uns keine Bestätigung ausstellen).

Ach ja, und geschlagene $108. Cash, weder Kreditkarten noch Schecks werden akzeptiert. Beglaubigen lassen kann man dort glücklicherweise auch, denn ich habe keine Ahnung, wie das sonst hier funktioniert. Man kann ohne Termin ins Konsulat, aber Montage und Freitage sind sehr voll – kein Wunder. Besonders schön aber, dass das Konsulat die deutschen Feiertage einhält, also Ostern z. B. Freitag und Montag geschlossen ist, dass die Amtssprache dort aber englisch ist! Bearbeitungsdauer für den Pass ist 8-10 Wochen, 2-4 Wochen im Eilverfahren gegen Aufpreis.

Gegen weiteren Aufpreis kann man sich den Pass auch per Post zustellen lassen, das spart dann eine zweite Chicago-Reise. Mir allerdings nicht – denn schließlich enthält der Pass mein Visum, das noch länger gültig ist. Da muss man sich gesondert drum kümmern. Hierzu konnte ich bisher nur die lakonische Auskunft finden, dass man dann halt den alten Pass wegen des aktuellen Visums und den neuen Pass als Pass mit sich herumtragen muss. Die Website des deutschen Konsulats bestätigt das, behauptet aber, man müsse dann eben doch persönlich abholen, weil sie einem den alten Pass bei der Beantragung unter diesen Umständen nicht abnehmen können. Stattdessen muss man eine beglaubigte Kopie machen und den Pass bei der Abholung des neuen Passes entwerten lassen, wobei darauf zu achten ist, dass das Visum nicht versehentlich mit entwertet wird, sonst muss man nämlich ein neues beantragen und das gilt es um jeden Preis zu vermeiden.

Ich sehe viel Bürokratie für dieses Jahr. Und hohe Kosten – zwei Reisen nach Chicago machen diesen Pass eindeutig zu meinem bisher teuersten. Mit etwas Glück fährt Michael kurz vor Ablauf des Passes auf eine Konferenz dort, und mit noch mehr Glück schaffen wir es vielleicht, das Abholdatum des Passes so hinzukriegen, dass es in diesen Zeitraum fällt. Das würde die Kosten ein bisschen reduzieren. Zur Beantragung werde ich entweder alleine fliegen müssen (morgens hin, abends zurück, falls das überhaupt geht) oder Michael muss mit (>5 Stunden Autofahrt pro Strecke) und wir machen eine kleine Wochenendreise – bei der dann aber ein Tag Urlaub fällig würde und das Risiko besteht, dass das Konsulat überfüllt ist.

Gute Tipps, Erfahrungen bzgl. Wartezeiten am Konsulat usw. werden gerne entgegen genommen! Interessant zu wissen wäre auch, ob ich mir nicht in Deutschland die Fingerabdrücke abnehmen lassen und den Rest des Antrags schriftlich vornehmen kann. Ebenfalls interessant wäre, ob man den alten Pass nicht bei der Beantragung des neuen entwerten lassen kann – dann hat man halt ein paar Wochen keinen Pass, sondern nur das Visum, oder übersehe ich da etwas?

Unser Greencard-Antrag ist immer noch in den Vorstufen. Die erste Vorstufe ist, dass Michaels Arbeitgeber nachweisen muss, dass kein geeingeter Amerikaner für die Stelle gefunden werden kann. Das bedeutet, die Stelle musste komplett neu ausgeschrieben werden. Dann muss auf zahlreichen Formularen und in Briefform nachgewiesen werden, warum man unbedingt Michael für die Stelle braucht. Dazu braucht man Dokumente wie die Stellenausschreibung, Nachweise von Michaels Qualifikationen und deren amerikanischen Äquivalenten, Nachweise von Michaels früherer Tätigkeit, Nachweise über das Visum usw. Dieser allererste Schritt ist jetzt von Seiten des Arbeitgebers und mit Hilfe einer Einwanderungsanwältin abgeschlossen. Der ganze Papierkram geht jetzt an das Department of Labor, wo er wahrscheinlich Monate verbringen wird. Wenn – falls! – von dort das okay kommt, können wir dann mit der eigentlichen Green-Card-Beantragung beginnen. Drückt uns die Daumen, dass das alles nicht ewig dauert – und dass das Department of Labor nicht irgendein Haar in der Suppe findet!