Zum Abschluss unserer Kentucky-Reise haben wir an diesem Ort Halt gemacht. Es handelt sich um die offizielle Filiale des Münchner Hofbräuhauses in Newport, Kentucky – quasi die Schäl Sick von Cincinnati, direkt über den Ohio. Schließlich muss man sich ja mal informieren, wie Deutschland da wieder präsentiert wird ;-) und besser als ein Stop bei McDonald’s & Co. ist so ein Essen ja wohl allemal.

Hofbräuhaus Newport

Tatsächlich gibt es dort Original Hofbräuhaus Bier, einen Biergarten und einige deutsche Gerichte. Von süßem Senf und Weißwurst habe ich zwar nichts gesehen, aber es gab eine nicht näher spezifiziert „Bier-Wurst“ auf der Karte, Laugenbrezeln, Bratwurst und jede Menge Fleischgerichte mit Sauerkraut. Der Braten war etwas trocken, der Knödel aber ganz gut. Insgesamt war das Essen jetzt nicht so toll, dass ich da extra hinfahren würde, aber auch nicht schlecht, eben so Standard.

Hofbräuhaus Newport

Da ich noch nie im Leben in München war, geschweige denn im Hofbräuhaus, kann ich nicht beurteilen, ob die Tische dort auch so beschmiert sind wie im Hofbräuhaus Newport. Ich bezweifle es aber, denn die Tische ähnelten durch das viele Graffiti eher einer Toilettentür als einem zumindest im Rheinland doch meist blank gescheuerten Wirtshaustisch. Vor dem Eingang und auf den Toiletten wurde man aggressiv mit bayerischer Volksmusik beschallt, aber im Saal war es schön ruhig. Zwar gab es eine kleine Bühne, auf der bereits Instrumente aufgebaut waren, aber wir konnten der zweifellos später am Abend folgenden Polka-Musik-Vorführung durch unseren relativ frühen Besuch noch entkommen.

Hofbräuhaus Newport

Abraham Lincoln ist in Kentucky geboren. Dass er bald danach den allergrößten Teil seines Lebens ganz woanders zugebracht hat hält die Leute in Kentucky nicht davon ab, an jeder Ecke an Lincolns Herkunft zu erinnern. Von allen möglichen Sehenswürdigkeiten rund um Lincoln haben wir die Abraham Lincoln Birthplace National Historic Site besichtigt, die vom Nationalpark-Service unterhalten wird. Im Wesentlichen handelt es sich hier um das Land, auf dem Lincoln geboren wurde und wo seine Familie noch eine Weile danach gelebt hat. Das muss man sich aber alles vorstellen und so verläuft ein Besuch höchstens nach dem Motto „Oh, aus dieser Quelle hat er getrunken“ oder „Ach, seine Füße haben diesen Boden berührt“.

Quelle bei Lincoln Birthplace

Im Zentrum der Historic Site steht ein Monument – das erste, das man Lincoln in den USA gebaut hat. In diesem Monument befindet sich eine Original-Blockhütte (sehr klein und nicht unähnlich den Nachbauten im Fort Harrod State Park, Fotografieren nur ohne Blitz, also lieber gar nicht). Das ist aber nicht etwa die Hütte, in der Lincoln tatsächlich geboren wurde oder gelebt hat – nein, es handelt sich um eine beliebige Hütte aus der Zeit um Lincolns Geburt. Und dafür das pompöse Monument!

Linconl Birthplace

Auf dem Gelände gibt es einige kurze Wanderwege, die jedoch wegen Schäden aus dem Eissturm Anfang des Jahres weitgehend gesperrt waren. Auf dem einzigen offenen Weg haben wir dafür diese Salamander gesehen:

Salamander1

Salamander 2

Mammoth Cave National Park war der eigentliche Anlass für unsere Reise nach Kentucky. Hier gibt es das größte Höhlensystem der Welt. Teile davon sind noch nicht erforscht und inzwischen müssen die Höhlenforscher etwa 10 Stunden lang in die Höhle kriechen um zu einem noch nicht erforschten Gebiet zu gelangen. Dort können sie sich dann vor dem langen Rückweg nur kurz aufhalten, so dass die weitere Erforschung der Höhle noch sehr lange dauern kann.

Hauptattraktion des Nationalparks ist – wie könnte es ander sein – das Höhlensystem selbst, durch das jede Menge Touren angeboten werden. Glücklicherweise hatten wir bereits Eintrittskarten im Internet gekauft, denn der Park war am langen Wochenende hoffnungslos überlaufen und alle Touren waren bereits vor Mittag ausverkauft. Wir hatten uns für die etwa 2-stündige „New Entrance Tour“ entschieden. Wie bei den meisten Touren wurden dazu ca. 100 Leute zugelassen, was schlimmer klingt als es war. (Es gibt auch anpruchsvolle, lange Touren, z. B. „Wild Caves“, bei denen man mit Lampe und Helm auf dem Kopf sechs Stunden herumrobben kann. Der Nationalpark-Service macht es möglich).

Die Höhlen sind komplett aus Kalkstein. Weite Teile unserer Tour führten durch felsig aussehende Höhlen, aber in manchen Höhlenteilen gab es auch Tropfstein-Formationen zu sehen. Die Tour war sehr informativ. An einer Stelle wurde auch mal das Licht ausgemacht (angekündigt natürlich), damit man sehen konnte, wie dunkel die Höhle eigentlich ist. Alles in allem sehr interessant – ich wette, man hätte auch noch schöne Touren in anderen Teilen des Höhlensystems machen können.

Mammoth Caves

Mammoth Caves

Der Nationalpark besteht aber nicht nur aus den Höhlen, sondern bietet oberirdisch etliche Meilen Wanderwege. Wir sind mit der Fähre über einen Fluss gefahren und haben im nördlichen Teil des Parks eine Mini-Wanderung gemacht (ca. 1.5 Stunden). Hier haben wir kaum jemanden gesehen und im Wald hat man nur die Vögel, den Wind und – leider – die extrem zahlreichen Insekten gehört. Ein Besuch in diesem Teil des Parks lohnt sich auf jeden Fall auch.

Mammoth Cave Hiking Trail

Auf dem Rückweg haben wir dann sogar einige wilde Truthähne gesehen:

Wild Turkeys in Mammoth Cave National Park

So schön der Park ist, so viel Zirkus ist um den Park herum. Auf dem Weg von der Autobahn zum Park reiht sich eine Touristen-“Attraktion“ an die nächste: Wild-West-Läden, Autoscooter, Sommer-Rodelbahn, Seilbahn, Dinosaurier-Museum mit lieblosen Pappmaché-Viechern davor und so weiter und so fort.

Touristenladen Nähe Mammoth Caves

In Kentucky kann man mal wieder das Leben wunderlicher Religionsgemeinschaften betrachten. Anders als die Amish in Ohio leben in Pleasant Hill, Kentucky, aber keine Shaker mehr. Ihr ganzes Dorf ist geschäftstüchtig zu einem Freilichtmuseum umfunktioniert, komplett mit Gift Shop, Hotel und Restaurant. Vor unserem Besuch dort wusste ich absolut gar nichts über die Shaker. Beim Besuch des Dorfes wurde schnell klar, dass sie – nur ca. 50 Jahre nach den Fort-Bewohnern – sehr große Häuser gebaut haben:

Haupthaus Shaker Village

Die separaten Eingänge sind für Männer und Frauen. Analog gibt es auch getrennte Treppen im Haus. Die Shaker haben laut Auskunft des Tour Guides alle im Zölibat und weitgehend nach Geschlechtern getrennt gelebt. Die Türen führen aber beide in den selben, baulich nicht weiter getrennten Flur… Das Haus ist deshalb so groß (es ist mindestens 3x so lang wie breit), weil die Shaker in riesigen „Familien“ gelebt haben, denen gut und gerne 50-80 Leute angehörten. In Pleasant Hill gab es einige solcher „Familien“. Nachwuchs gab es aber nur durch Rekrutierung neuer Shaker von außerhalb der bestehenden Gemeinde.

Auf der Führung durch das Haupthaus hat man uns erzählt, dass die Shaker durchaus an modernen Annehmlichkeiten interessiert waren. Sie hatten gut isolierte Gebäude, detaillierte Aufzeichnungen über Medizin, Ernährung usw., Wasserleitungen und einige der ersten Waschmaschinen in Nebengebäuden wie diesen:

Waschhaus Shaker Village

Die Möbel in den Häusern, die Küchengeräte und die selbstgemachten Schachteln usw. sahen auch alle sehr ordentlich aus. Sonntags kam das ganze Dorf in diesem Versammlungshaus zur Messe zusammen:

Shaker Versammlungshaus

Die Shaker müssen eine Art Vorläufer der Pfingstkirchen gewesen sein – auf jeden Fall kommt der Name wohl daher, dass sie sich in eine Art Trance gebetet und dann geschüttelt haben. Shaker Village war viel interessanter als wir vor dem Besuch erwartet hatten. Und auch wieder landschaftlich hübsch gelegen.

Shaker Village - Landschaft

Farm in Shaker Village

In Kentucky gibt es mehrere Orte, an denen man alte Forts bzw. Nachbauten alter Forts aus der Besiedelungs-Zeit besichtigen kann. Old Fort Harrod State Park in Harrodsburg schien uns am nächsten an unserem Weg.

Tor von Fort Harrod

Ungefähr an der Stelle des State Parks befand sich tatsächlich einmal Fort Harrod, und zwar in ähnlicher Größe, aber mit etwas größeren Blockhäusern. Auf dem nächsten Bild sieht man etwa das halbe Fort, es war also nicht allzu groß.

Old Fort Harrod State Park

Hier sieht man, dass es auch eine Quelle im Fort gab und einen Keller für Munition:

Old Fort Harrod State Park

In dem State Park waren allerlei Angestellte, die in den Kleidern aus der Siedlerzeit irgendwelchen Beschäftigungen nachgingen, z. B. Spinnen, Reisigbesen herstellen, Tischlern usw. Der Größe der Häuser nach zu urteilen hatten es die Siedler nicht gerade bequem.

Schmiede in Old Fort Harrod State Park

Natürlich sind in dem Fort auch immer mal wieder Leute gestorben, so dass es vor dem Fort einen Friedhof gibt…

Friedhof vor Fort Harrod

…in dem es wenig feinfühlig beschriftete Gräber wie dieses gibt:

Grab im Friedhof bei Old Fort Harrod State Park

Die Amerikaner waren teilweise ganz gerührt, vor allem von dem Friedhof, aber auch von dem Fort, dem Mut der Siedler, ihren handwerklichen Fertigkeiten, den selbstgebauten Häusern usw. Ich habe damit so meine Schwierigkeiten – schließlich lebten da ja schon die Indianer und die kommen in den offiziellen Geschichten hier m. E. viel zu kurz. Und sicher, ein Blockhaus bauen ist bestimmt nicht leicht – andererseits gab es zu Zeiten der Siedler schon ganz andere kulturelle und bauliche Leistungen auf der Welt zum Stolz drauf sein…

Kentucky ist unglaublich grün. In den vielen Stunden, die wir auf Autobahnen und Landstraßen in Kentucky verbracht haben, sahen wir immer entweder Hügel mit Mischwald oder leicht hügelige Felder mit grünlichem Getreide oder Koppeln mit Gras.

Wenn man sich für Bourbon interessiert, kann man vermutlich mehrere Tage lang Kentucky auf dem Bourbon Trail besichtigen (kostenlos, so lange man nichts im Shop kauft). So groß war unser Interesse dann aber doch nicht und deshalb haben wir uns auf den Besuch einer Brennerei beschränkt. Die Wahl fiel auf Maker’s Mark, deren Brennerei sehr weit ab vom Schuss liegt.

Wagen mit Maker's Mark Fässern

Dafür sieht es dort sehr hübsch aus – sowohl landschaftlich…

Landschaft bei Maker's Mark

… als auch von den Gebäuden der Brennerei her, die eine der ältesten in Kentucky zu sein scheint.

Maker's Mark Distillery

Zudem bietet Maker’s Mark eine Tour, bei der man tatsächlich den Ablauf in der Brennerei gezeigt bekommt und nicht nur eine Art Werbefilm. Hier zum Beispiel lagert das, was mal Bourbon werden soll, vor dem Destillieren in Fässern, in denen die Hefe nur so blubbert:

Vorstufe von Maker's Mark Bourbon

Und hier lagern die Fässer. Für Bourbon müssen sie immer neue Fässer nehmen – die alten verkaufen sie nach Schottland an Whisky-Brennereien.

Maker's Mark Fässer

Zum Abschluss durfte man natürlich auch probieren. Viel zu probieren gibt es da aber nicht, weil Maker’s Mark den Bourbon aus verschiedenen Fässern verschiedenen Alters so lange zusammen kippt bis immer der gleiche Geschmack herauskommt. Deshalb gibt es nur eine Sorte und davon gab es dann auch ein bisschen – mit einem zweiten Glas von dem Bourbon, bevor er in den Fässern gelagert hat. Brrr.

Gestern war Memorial Day, der erste offizielle Feiertag seit Neujahr. Von Freitag Abend bis gestern waren wir deshalb in Kentucky. Zwei Nächte haben wir dort in Louisville verbracht, einer relativ großen Stadt am Ohio River, den wir bis dahin noch gar nicht gesehen hatten. Von Columbus dorthin fährt man gute drei Stunden. Louisville ist am bekanntesten für das Kentucky Derby, das jedes Frühjahr dort stattfindet und dessen Jockeys dieses Denkmal Downtown gewidmet ist:

Denkmal für die Jockeys des Kentucky Derby in Louisville

Viel Zeit haben wir dort nicht verbracht, weil wir tagsüber meist umher gefahren sind, aber Louisville scheint eine relativ normale, eher unspektakuläre Stadt zu sein. Es sieht dort ein bisschen mehr nach Südstaaten aus als in Ohio, in den Kneipen darf teilweise geraucht werden und Alkohol ist in Kentucky teilweise erheblich preiswerter als in Ohio, was sicher an der Lobby der Bourbon-Produzenten liegt. Angeblich kommen nämlich ca. 80-90% des Bourbon aus Kentucky. Offenbar unternimmt man Anstrengungen, Downtown Louisville zu beleben, denn es gibt einige Kneipen und Restaurants, wenn auch manchmal etwas gekünstelt, dazu mehrere Museen – darunter eine Baseballschläger-Fabrik, vor der dieser überdimensionierte Schläger aufgestellt ist…

Baseballschläger vor Slugger-Museum

… sowie mehrere Nachbauten berühmter Schläger (hier Michael mit Babe Ruth).

Michael mit Babe Ruth Baseballschläger

Louisville hat relativ viel Kunst im öffentlichen Raum, zum Beispiel hier am Art Hotel.

Kronleuchter vor Art Hotel in Louisville

Wenn man in Louisville auf die andere Seite des Ohio fährt gelangt man nach Clarksville und Jeffersonville, Indiana – sozusagen die Schäl Sick von Louisville. Dort befindet sich der Falls of the Ohio State Park. In puncto Wasserfall lohnt sich dieser Park nicht, denn die Falls of the Ohio sind eher diverse Rinnsäle, die aus einem gigantischen Staudamm fließen. Man hat aber einen guten Blick auf den Fluss und auf Louisville.

Skyline von Louisville, Kentucky

Hauptattraktion des State Parks ist das Flussbett des Ohio, das hinter dem Staudamm teilweise recht trocken liegt und in dem es zahlreiche Fossilien gibt, wie vielleicht dieses hier:

Fossil im Falls of the Ohio State Park

Man darf im Flussbett herumlaufen, über die Fossilien, an beeindruckenden Mengen blanken Treibholzes vorbei bis zum Wasser. Wenn man sowieso in Louisville ist, lohnt es, da mal kurz rüberzufahren.

Ohio River am Falls of the Ohio State Park