Wie bereits geschrieben gibt es hier nicht so viele Möglichkeiten, mal ins Theater zu gehen. Im Endeffekt könnte das aber gerade dazu führen, dass hier wir mehr ins Theater gehen als in Köln. Wenn wir eine Ankündigung für eine interessante Aufführung sehen, wo die Tickets kein Vermögen kosten, denken wir sofort, dass so eine Gelegenheit nicht alle Tage ist und dass wir Karten kaufen sollten. Das Uni-Theater spielt in dieser Spielzeit zum Beispiel vier Stücke, meist in Blöcken von z. B. vier Abenden pro Woche über drei Wochen oder so. Diesmal gibt es ein Mal Shakespeare, Labyrinth of Desire, ein Musical und ein Mal Comedy. Nach Shakespeare in the Park und einem Besuch im Madlab-Theater haben wir also gestern Labyrinth of Desire im Uni-Theater gesehen. Schauspiel studiert man hier an der ganz normalen Universität, und der Studiengang hier verfügt entsprechend über ein eigenes Gebäude mit mindestens zwei technisch sehr gut ausgestatteten Bühnen. Die Schauspieler/innen waren sehr unterschiedlich gut, bei einigen würde ich vermuten, dass sie vielleicht noch nicht so lange Schauspiel studieren. Insgesamt hat es aber Spaß gemacht und wir haben wieder einen neuen Ort in der Stadt kennen gelernt.

Als drittes kulturelles Event sind wir am Sonntag mit Freunden im Columbus Museum of Art gewesen (Sonntags Eintritt frei). Eigentlich hatten wir vor, die Monet-Ausstellung anzuschauen, deren letzter Tag es war, doch diese kostete ordentlich Eintritt pro Person und war zudem total überlaufen - die Warteschlange war mindestens 45 Minuten. Da wir die Seerosenbilder teilweise schon in London oder sonstwo gesehen hatten, beschlossen wir, nur die normalen Ausstellungen anzusehen.

Dafür, dass Columbus so viele Einwohner hat ist das Museum relativ klein, aber sehr nett. In der oberen Etage gibt es Werke berühmter Künstler, meist aus der Moderne, sortiert nach Stilen (Impressionismus, Expressionismus usw.) und Herkunft (Europa, Amerika). In einem Raum gibt es wechselnde zeitgenössische Kunst, in einem weiteren aktuelle Kunst aus Columbus. Die Räume sind gut erläutert und im Grunde ist alles da, was ein Kunstmuseum braucht, nur eben in kleinen Mengen.

Die untere Etage ist für die Kinder bestimmt, es gibt vieles zum Mitmachen (Verkleiden, Zeichnen, Malen), alles sehr bunt und auf Augenhöhe der Kinder und mit Sicherheit total toll für diese. So was habe ich noch nie in einem Kunstmuseum gesehen, aber es sah sehr gut gemacht aus und ist bestimmt super geeignet, Kindern das Museum schmackhaft zu machen. Alles in allem ein sehr nettes Museum!

Grundsätzlich ist es schwierig bis unmöglich, hier in Columbus deutsche Bücher, Zeitungen, Zeitschriften oder Musik zu kaufen. Es gibt jedoch allerlei Wege, doch an das ein oder andere Produkt zu kommen, und heute habe ich einen neuen für Musik ausprobiert. Natürlich kann man sich CDs von deutschen Online-Shops in die USA liefern lassen, aber das kann ziemlich kostspielig sein. Bei amerikanischen Anbietern sucht man deutschsprachige Musik dagegen häufig vergeblich, besonders, wenn es sich um etwas exotischere Künstler handelt. Amazon hat in den USA aber jetzt einen Shop, in dem Man Musik als MP3 kaufen kann, und zwar ohne DRM, d. h. man kann sie von seinem Computer auf den MP3-Player laden, in verschiedenen Playern abspielen usw. Zudem sind die Preise mit ca. $8 pro Album sehr vernünftig. Die Auswahl ist ziemlich groß und umfasst auch ein paar deutsche Sachen. Heute habe ich diesen Shop mit dem neuen Jens-Friebe-Album getestet und ich bin zufrieden. Mit unserer Internetverbindung ging das Runterladen blitzschnell (wenn auch leider nur mit einem kleinen Programm von Amazon). Insgesamt scheint mir das eine unkomplizierte, preiswerte Möglichkeit zu sein, von hier aus an aktuelle deutsche Musik zu kommen, wenn auch nicht jedes Album dort erhältlich ist.

Das Radio läuft bei uns selten, hauptsächlich im Auto oder auch mal übers Internet. Es gibt hier jede Menge kommerzielle Musiksender mit Country, amerikanischem altem Rock, viel Werbung, nervigen Moderatoren und so weiter. Für Musik bietet sich in erster Linie CD 101 an, wo es auch aktuelle Indie-Musik gibt. Der Sender organisiert außerdem Konzerte in Columbus und schon allein deshalb unterstützenswert. Wenn man keine Musik, sondern anspruchsvolle Sendungen hören möchte, führt kein Weg am National Public Radio (NPR) vorbei, einem Konglomerat aus öffentlich-rechtlichen Sendern. Das ist dann eher wie Deutschlandfunk oder WDR 5. Weil es hier keine Rundfunkgebühren gibt, muss der Sender sein Geld zumindest teilweise selber eintreiben, was dann schon mal in einer Fund Raising Woche enden kann, in der statt der anspruchsvollen Sendungen viele viele Spendenaufrufe laufen. Letztens habe ich dann noch ein lokales Internet-Radio namens pat radio gefunden, das mir von der Musik her ganz gut gefällt und das war’s dann bisher.

Neben den amerikanischen Sendern können wir natürlich weiterhin, wenn auch zeitversetzt, die deutschen Sender im Internet hören: 1Live, KölnCampus, Deutschlandfunk, Funkhaus Europa, sie alle (und viele andere) haben Web-Streams und manchmal auch Podcasts zum Runterladen und Umgehen der Zeitverschiebung. Ohne das Internet muss das Leben im Ausland ganz anders gewesen sein!

Und wieder ein Wunder des Internet: Man kann arte-Sendungen online schauen! Super! Toll! Noch mehr deutsche Kultur direkt vor der Nase!

Denkt man. Denn: “Um dieses Video zu sehen, müssen Sie in Deutschland oder Frankreich wohnen. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis.”

Praktisch jeder, den wir hier kennen gelernt haben, hat ein Netflix-Abo. Manchmal auch mehrere pro Familie. Netflix verleiht Filme auf DVD - Man bezahlt eine monatliche Gebühr und kann dann so viele Filme hintereinander ausleihen, wie man mag. Begrenzt ist diese Menge von der Zeit, die die Post braucht, um die Filme zuzustellen und an Netflix zurück zu senden. Die Höhe der Gebühr bestimmt sich entsprechend danach, wie viele Filme man gleichzeitig ausleihen kann.

Jemand hat uns ein Probe-Abo gegeben und heute sind unsere ersten Filme in der Post gewesen. Mir gefällt besonders an Netflix, dass sie auch europäische Filme haben, Dokumentationen, Fernsehserien-Sets und überhaupt vergleichsweise viel jenseits des Mainstream. Einiges davon dürfte hier ansonsten schwer zu beschaffen sein. Außerdem ist positiv, dass man eine lange Schlange der Filme bilden kann, die man gerne sehen würde und dann wird die automatisch abgearbeitet, so dass man nicht jedes Mal lange überlegen muss. Etwas skeptisch bin ich aber, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis sich auf die Dauer rechnet: Nach dem kostenlosen Probe-Abo würde man $15 pro Monat zahlen (3 Filme gleichzeitig, 2 gleichzeitig sind nur wenig billiger). Ob sich das lohnt, hängt in erster Linie davon ab, wie viele Filme man sich anschaut. Wir testen das Ganze jedenfalls mal - selbst wenn man im Schnitt einen Film pro Woche sieht, könnte es sich lohnen, wenn man das Abo zusätzlich nutzt, um ein paar der vielen guten amerikanischen Fernsehserien werbefrei zu sehen.

In God’s own country gibt es sehr, sehr viele ganz unterschiedliche Kirchen. Die allermeisten sind irgendwelche evangelischen Splittergruppen und eigentlich allen begegnen wir mit einem gewissen Misstrauen, denn hier gibt es bekanntlich viel mehr Radikale an allen Ecken. Natürlich gibt es auch katholische Pfarren. Am nächsten zu uns gelegen sind zwei Kirchen, die von der italienischen Gemeinde geprägt sind. Dort kann es dann schon mal passieren, dass ein alter Missionar aus Italien auf italienisch predigt. Bisher wurde auch immer sehr aufdringlich um Geldspenden gebettelt, ja, die ganze Predigt kann davon handeln. Gut, hier gibt es keine Kirchensteuer und da leuchtet mir auch ein, dass es vernünftig ist, seiner Pfarre etwas Geld zu geben, aber wenn fast nur noch vom Geld gesprochen wird… Seine Spende soll man in einen Briefumschlag in Dollarschein-Größe stecken, der in der Kirche ausliegt, und dann soll man das Ganze mit seinem Namen und Adresse beschriften. Das mag vielleicht nützlich sein für die Steuererklärung, aber irgendwie gefällt mir dieses System nicht. Tatsächlich ermöglicht es den Kirchen, in der Predigt den Prozentsatz derjenigen, die in diesem Jahr noch nichts gespendet haben zu vermelden! Wegen der fehlenden Kirchensteuer ist man auch bei keiner Pfarre automatisch angemeldet. Wenn man mal eine gefunden hat, die einem gefällt, kann man sich dort registrieren lassen, wobei da meist konkrete Forderungen dran geknüpft sind, von der Anzahl der gewünschten Kirchenbesuche pro Woche/ Monat bis zur ungefähren Höhe der gewünschten Spenden oder dem Besuchen irgendwelcher Bibel- oder Sakramente-Vorbereitungskurse. Kurz, auch die katholische Kirche funktioniert hier anders und wir sind noch auf der Suche nach einer Pfarre. Jetzt wo die Wohnung fast fertig ist haben wir etwas mehr Zeit dafür, und demnächst werden wir die einzige andere katholische Pfarre in Laufweite ausprobieren. Hoffentlich passt das dann einigermaßen - so eine Pfarre sollte ja auch die Möglichkeit bieten, Leute in der Nachbarschaft kennen zu lernen und meist werden ja auch irgendwelche sozialen Dinge organisiert, wo man mitmachen könnte. Ich bin gespannt.

Heute geht unsere fernsehlose Zeit endlich zu Ende: Ein Fernseh-USB-Stick ist angekommen, der uns mit den paar Stationen versorgen wird, die man hier umsonst über digitale Antenne schauen kann. Das sind wo wir wohnen NBC, ABC, CBS, FOX und PBS sowie ein paar Abwandlungen davon (NBC Wetterkanal, PBS Ohio und PBS Kids). Die meisten hier schauen Fernsehen über irgendein teures Kabelpaket, aber das lassen wir erst mal. Viele der Serien, die man in Deutschland als prototypisch für amerikanisches Fernsehen kennt, laufen auch nur auf einem der teuren Kabelsender, vor allem auf HBO. Aber: Desperate Housewives und Lost laufen auf ABC! Und PBS ist das öffentliche Fernsehen und soll wohl ganz gut sein. Im Moment ist mir eh egal, ob die Sendungen gut sind, alles ist noch so neu, dass ich auch noch gerne Werbung gucke oder die Übertragungen aus dem Ohio Supreme Court oder irgendeine Talkshow. Ich bin mir sicher, diese Phase wird auch zu Ende gehen, aber im Moment bin ich sehr zufrieden mit dem, was wir haben!

Wie sich herausstellt, ist bei unserem Highspeed-Internet außerdem ein Online-TV-Service für Sport dabei, nämlich ESBN360. Da kann ich also doch noch ein paar Spiele der Frauen-Fußball-WM schauen. Und wer weiß, wofür es noch gut ist - von der Leichtathletik-WM hört man z.B. genau so wenig wie vom Fußball.

Dieses ganze Angebot sollte zusammen mit den Internet-Archiven von deutschen Sendungen wie Tagesthemen und Quarks & Co. eigentlich erst mal ziemlich weit reichen.

Wer hätte gedacht, dass das so schnell geht? Die Bars hier haben eine absolut bescheidene Hintergrundbeschallung, auch die vermeintlich hippen. Das Beste der 80er (!), 90er… ihr kennt den traurigen Rest. Wenn ich noch ein Mal Billy Joel oder gar Culture Club (charma chameleon…) zum Bier hören muss, passiert ein Unglück! Nie hätte ich gedacht, dass ich mal elektronische Musik vermissen würde! Selbst die Klamottenläden in Lübeck haben einen schickeren Soundtrack zum Einkaufen als die modernste Bar hier! Ganz langsam sickert zu mir durch, dass es mit deutschem Indie-Pop, Pop-Literatur, Kino usw. hier wohl sehr, sehr schwierig werden wird. Das SixPack, Stereo Wonderland, Gottes grüne Wiese, die Cafés wie das Feynsinn oder Bauturm-Café, Plattenläden wie parallel auf der Aachener - das Off-Broadway, ich vermisse Köln und besonders das belgische Viertel! Wer weiß Abhilfe in Form von legalen Downloadshops, gut sortieren Buchhandlungen, die einen nicht komplett ausnehmen, bevor sie nach Amerika liefern usw.? Wie machen die anderen das bloß?

Bisher waren wir zwei Mal im Kino. Wir haben den Simpsons Film im Arena Grand gesehen und Death at a funeral (empfehlenswert!) im Drexel Gateway. Ich hatte bisher immer angenommen, dass die deutschen Multiplexe sich jede Unsitte von den amerikanischen abgeschaut haben, aber das stimmt nicht: Es gab erstaunlich wenig Werbung (nur ein paar Film-Vorschauen und sehr wenig Lokalwerbung), schätzungsweise 10 Minuten insgesamt. Keine Werbung gegen Raubkopierer, und niemand hat Nachos mit falscher Käsesauce gemampft. Wir mussten nicht länger als eine Minute an der Kasse warten.

Die Kinosäle waren nicht besonders groß, eine richtig große Leinwand ist hier angeblich relativ selten - wenn ein Film sehr beliebt ist, läuft er eben in drei oder vier kleineren Sälen gleichzeitig statt in einem großen. Und es gibt keine Sitzplatzreservierung! Weil beide Filme schlecht besucht waren als wir sie gesehen haben, war das immer in Ordnung. Die Eintrittspreise sind allerdings ebenso astronomisch wie in Deutschland, und ein Kino mit Kinotag habe ich noch nicht gefunden. Stattdessen gibt es aber oft Mehrfachkarten, und Columbus hat auch ein paar Billig-Kinos.

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