Der Stadtrat hat am letzten Montag beschlossen, dass sich Columbus so nennen darf. Tatsächlich gibt es hier einige unabhängige Künstler/innen aus verschiedenen Bereichen, und ich finde es völlig in Ordnung, damit zu werben und zu versuchen, weitere Künstler/innen anzulocken. Außerdem ist es schön, wenn die Stadt dies fördern und unterstützen möchte und tatsächlich denke ich, dass jede Stadt auf diesem Gebiet mit einfachen Mitteln einiges bewegen kann, wenn sie nur will. Columbus ist zum Beispiel kein teures Pflaster, das muss ein Vorteil für dieses Vorhaben sein. Ich finde es auch okay, einen Namen zu wählen, der zumindest teilweise eher Programm ist als dass er den Ist-Zustand widerspiegelt. So lange damit eine Verpflichtung einhergeht, das ambitionierte Ziel zu erreichen, sehe ich nicht, was dagegen spricht.

Ich habe allerdings ein Problem mit dem “of the world”-Teil des Namens. Damit wird mir hier zu inflationär umgegangen (best sandwiches of the world usw. - ohne Witz, das kann man hier auf Schildern lesen). Dieser Teil des Titels klingt mir zu arrogant. Die Welt ist groß, und allein in Deutschland würden mir Städte einfallen, die in puncto Kunst (auch unabhängiger Kunst) viel mehr zu bieten haben als Columbus, man denke allein an Berlin. Ich bin beileibe kein Kenner der weltweiten Indie-Kunst-Szene (falls es so etwas überhaupt über die verschiedenen “Disziplinen” wie bildende Kunst, Musik, Theater usw. hinweg gibt). Aber ich bin sicher, es gibt in vielen Ländern Städte mit deutlich größeren Szenen - und selbst wenn Columbus sich sehr anstrengt, wird das vermutlich so bleiben. Außerdem finde ich den Zusatz “of the world” überflüssig. Um der Ernsthaftigkeit und dem Programmatischen des Titels Ausdruck, fände ich “of the U.S.” ambitioniert genug. Warum muss es immer gleich die ganze Welt sein? Drittens und damit verbunden bezweifle ich, dass man ernsthafte Vergleiche mit anderen Ländern überhaupt anstreben wird. Ein solches Vorhaben wäre sehr schwierig (auf der ganzen Welt zu prüfen, was welche Stadt für die unabhängigen Künste tut - und was wo überhaupt als Kunst gilt) und würde auch gar nichts zur Förderung der Kunst in Columbus beitragen.

Mein Fazit also: Ein spannendes, unterstützenswertes Programm mit einem Namen, der sorgfältiger gewählt sein könnte. “Indie Art Capital of the U.S.” wäre meines Erachtens bescheidener, näher an der Wahrheit und daher glaubhafter, aber trotzdem ambitioniert genug.