Yeah, die ZEIT hat dazu gelernt: Die Literaturbeilage von dieser Woche ist im PDF enthalten.

In Deutschland war die Zeit die einzige Zeitung, die ich regelmäßig gelesen habe, aber dafür fand ich sie auch (fast) immer richtig gut. Aus den Lokalzeitungen von Neuss und Köln würde ich niemals meine Informationen über Dinge, die außerhalb dieser Orte passieren beziehen. Und die paar Lokalnachrichten kann man ja auch online lesen. Am liebsten hätte ich das Abo für die Zeit mit nach Ohio genommen, aber bei einem Abopreis von knapp 600 EUR pro Jahr bin ich sofort davon abgekommen (der Preis gilt für die Variante mit der schnelleren Post - aber mal ehrlich, wer möchte schon die Nachrichten von vor bis zu 4 Wochen lesen, selbst wenn sie dann billiger sind). Als Alternative drängt sich ein Online-Abo direkt auf, denn das kostet nur 60 EUR im Jahr. Ich bin immer noch froh, dass ich dieses Abo abgeschlossen habe, aber inzwischen fallen die Nachteile stärker ins Gewicht. Zum Beispiel bekommt man die Zeitung als ein riesiges PDF, das trotz superschneller Internetverbindung 10 Minuten runterlädt. Das wäre nicht weiter schlimm, aber das PDF hat auch kein Inhaltsverzeichnis und je nach Monitor muss man viel herumscrollen, auch quer. Das hat zur Folge, dass ich mir immer sehr gründlich überlege, welche Artikel ich wirklich lesen möchte. Ich lese viel weniger und insbesondere weniger lange Artikel als in Deutschland. Und dann hat sich herausgestellt, dass die Sonderbeilagen gar nicht im Online-Abo enthalten sind, wo ich doch die Literaturbeilagen immer so gerne durchgeschaut habe. Ich werde weiter bei dem Abo bleiben, weil es trotz allem immer noch eine gute Möglichkeit bietet, über Deutschland und Europa auf dem Laufenden zu bleiben. Aber falls es der Zeit mal einfallen sollte, die PDFs durch so etwas wie den New York Times Reader zu ersetzen und dort auch die Sonderbeilagen einzuspeisen wäre ich die erste, die dafür gerne ein paar Euro mehr investieren würde.

In amerikanischen Buchhandlungen und Bibliotheken gibt es eine riesige Auswahl an mehr oder weniger fragwürdigen Selbsthilfebüchern zu allen erdenklichen Themen. Von “Was soll ich anziehen?” bis zu “Wie richte ich meine Wohnung ein?” oder “Wie spare ich für die Rente?” wollen einem echte oder selbsternannte Experten wirklich alles im Leben erklären. Viele dieser Bücher scheinen nur eine dünne Grundlage zu haben, aber einige erweisen sich als nützlich, zumindest für uns Amerika-Anfänger. Zum einen erfährt man einiges über amerikanische soziale Normen und zum anderen kann man Bücher zu den einfachsten Sachen lesen, die normalerweise jeder wissen sollte, der in einem Land aufgewachsen ist. In einem Buch habe ich jede Menge Informationen zu Klamottenläden gefunden, die ich im Internet nachgeschlagen habe und von denen sich einige schon als super herausgestellt haben (es gibt z. B. Ketten, die quasi immer Ausverkauf von Markensachen haben, die sich anderswo nicht so gut verkauft haben). Ich würde ja denken, dass Leute, die in Columbus aufwachsen, diese Läden schon selber gefunden haben - aber für uns sind solche Hinweise nützlich. Und gerade erklärt mir das Wall Street Journal Complete Personal Finance Guidebook in einfacher Sprache die verschiedenen amerikanischen Bankkonto-Möglichkeiten, Steuern und Versicherungen. Ich beziehe solche Bücher ausschließlich kostenlos aus der Stadtbücherei und dort greife ich großzügig zu - oft finde ich wirklich einen nützlichen Tipp oder wenigstens was zu Lachen. Und wenn sich ein Buch als Schrott erweist (was nicht selten vorkommt) kommt es eben wieder zurück in die Bib.

Eine sehr gute Einrichtung in den USA sind die im Vergleich mit Deutschland sensationell günstigen Zeitschriftenabos. Während einzelne Hefte im Laden ähnlich viel kosten wie in Deutschland, sind die Abonnements oft drastisch reduziert. So haben wir fast direkt nach unserer Ankunft für $30 im Jahr ein Abonnement für TIME Magazine abgeschlossen. Das ist noch nicht mal ein Dollar pro Heft. Kehrseite der Medaille ist, dass die Lieferung (wie fast alle Lieferungen hier) Wochen dauert. Muss Time jetzt jede Woche ein Heft extra für uns drucken? Wohl kaum! Egal, die sechs Wochen Wartezeit sind nun um und die erste Ausgabe ist angekommen. Endlich mal wieder etwas, womit man es sich auf dem Sofa bequem machen kann statt vor den Bildschirm zu hocken (wo ich weiterhin die ZEIT lese). Und es wird auch höchste Zeit, die amerikansichen Medien ein bisschen zu verfolgen. Nicht nur, dass andere Themen besprochen werden, nein, einfach ALLES ist erst mal interessant für mich - es gibt diese Woche zum Beispiel Werbung für die Armee und unglaubliche Mengen doppelseitige Medikamentenwerbung, darunter auch für viele verschreibungspflichtige Medikamente.

Bei einigen Dingen sollte man ja meinen, dass sie überall relativ gleich sind. Papier würde ich zu diesen Dingen zählen. Gut, das Format ist hier anders (Letter statt A4), aber das ist ja nicht weiter schlimm. Störender ist schon, dass Umweltpapier (zumindest bei Staples) extrem teuer ist, deutlich teurer als andere Papiersorten. Und wirklich nervig ist, dass das teure Umweltpapier sich offensichtlich nicht zweiseitig bedrucken lässt! Heute morgen habe ich schon sieben (!) Papierstaus beseitigen müssen. Das Papier ist einfach extrem dünn und lädt sich aus unerfindlichen Gründen elektrostatisch auf, so dass öfters mehrere Seiten zusammen durchgezogen werden. Das ist mir in Deutschland bei unserem Drucker eigentlich nie passiert, egal ob mit dickem, dünnem, Umwelt- oder sonstwas für Papier. Bei längeren Artikeln ergeben sich hier lustige Seitenreihenfolgen und Lücken. Und da denkt man, man beginnt die Woche ganz einfach und druckt schnell ein paar Artikel zum Lesen aus…

Columbus hat eine absolut wunderbare Stadtbibliothek:

  • Die Mitgliedschaft ist kostenlos.
  • Man kann kostenlos nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, DVDs,  Zeitschriften und vieles mehr ausleihen.
  • Die Hauptstelle hat eine riesige Auswahl.
  • Bücher können an jeder Zweigstelle zurückgegeben werden; eine davon ist in der Nähe von Michaels Arbeitsplatz.
  • Es gibt einen E-Mail-Service, der an fällige Bücher erinnert oder Lesetipps gibt.
  • Man kann Filme und Musik teilweise elektronisch ausleihen, d. h. sich einfach mit seinem Ausweis im Internet anmelden und dann Filme und Musik ganz legal direkt am Computer anschauen bzw. anhören.
  • Auf ähnliche Weise kann man übers Internet verschiedene Zeitungen und Zeitschriften nutzen, darunter die New York Times und viele andere.
  • Es gibt noch ganz viele andere Internet-Ressourcen für Stadtbibliotheks-Nutzer: von Nachschlagewerken wie der Encyclopedia Brittanica über Volltextausgaben verschiedener Romane bis zu einem elektronischen Sprachlabor.
  • Die Stadtbibliothek hat sogar Zugang zu einigen Fachzeitschriften, die nützlich für mich sein könnten (über Academic Source Premier).
  • Es gibt kostenlose Englischkurse für Immigranten (okay, für uns nicht interessant, aber es ist doch super, dass sie so was anbieten).

Da kann sich so manche deutsche Stadtbücherei ein Beispiel dran nehmen! Kehrseite der Medaille ist, dass die Bibliothek offenbar sehr beliebt ist und man deshalb viele Dinge vorbestellen muss, aber das geht auch ganz bequem übers Internet von zu Hause aus.

Ich möchte unbedingt einen Ausweis für die OSU Unibibliothek, um dort Bücher für die Diss ausleihen zu können und Zeitschritenartikel kopieren zu können, die die Jacobs University nicht online hat. Leider gibt die Unibibliothek nur Ausweise an Studierende und Mitarbeiter der Uni, nicht aber an normale Einwohner von Columbus. Dennoch gibt es ein paar Möglichkeiten, an eine sogenannte courtesy card, eine Art Ausweis mit eingeschränkten Funktionen, zu kommen. Die einzige, die mir davon realistisch erschien, war die Mitgliedschaft im Verein der Friends of the Library für $55 pro Jahr. Ich hatte die Anmeldung schon ausgefüllt, da hat Michael noch eine Lücke im System gefunden: Ich kann als Bewohner Ohios kostenlos Mitglied in der State Library of Ohio werden, die sogar bei uns um die Ecke ist. Diese Bibliothek ist widerum Mitglied im System OhioLINK, in dem auch die Unibibliothek Mitglied ist. Alle Bibliotheken des Systems können mit dem Ausweis von einer Bibliothek genutzt werden. Und noch besser: Man kann sogar Bücher von einer Bib in die andere bestellen. Da müsste ich noch nicht einmal mit dem Bus oder dem Rad zu Uni (beides noch nicht ausprobiert), sondern könnte bequem zu Fuß und vor allem schnell die Sachen abholen, die ich brauche. Also online die Karte bestellt, und zwei Tage später kommt der Ausweis auch schon mit der Post. Demnächst werd ich mir die Unibibliothek mal anschauen und testen, ob das mit dem State Library Ausweis auch wirklich funktioniert.

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