Anfangs hatte ich ja noch ein Online-Abo für die ZEIT. Da durfte ich jede Woche eine riesengroße PDF-Datei herunterladen (Downloadzeit ca. 10 Minuten trotz High-Speed-Internet), in der man längs und quer scrollen musste, um einzelne Artikel zu lesen. Sonderhefte wie die Literaturbeilagen zur Buchmesse fehlten im Abo, und schließlich habe ich dieses Abo ganz aufgegeben.

Anfangs zusätzlich, nun aber stattdessen habe ich angefangen, die New York Times zu lesen, von der ich jede Woche wieder begeistert bin. Gegen kostenlose Registrierung kann man alle Artikel jeder Ausgabe umsonst auf der Website lesen. Das habe ich unter der Woche gemacht und Sonntags dann die dicke Ausgabe im Laden gekauft. Jetzt bin ich auf den Times Reader umgestiegen. Der ist kostenpflichtig (ca. $3.50 pro Woche), aber ganz wunderbar. Daran können sich die deutschen Zeitungen mal ein Beispiel nehmen: Ein kleines Programm, das auf bis zu fünf Rechnern installiert werden kann. Das Programm lädt die aktuelle Zeitung herunter und hält sie fünf Tage lang offline bereit. Die Artikel sind perfekt für den Reader aufgearbeitet und beinhalten Bilder, kleine Vorschauen, Text in gut lesbaren Spalten und so weiter und so fort. Ob sich das alles finanziell für die New York Times lohnt, kann ich natürlich nicht beurteilen. Sehr leserfreundlich ist es aber.

Wann immer das Thema Finanzkrise aufkommt sagt irgendjemand, dass das ja auch alles schwer zu verstehen ist. Ist es ja auch. Gestern habe ich im NPR-Jahresrückblick eine Ausgabe der Sendung „This American Life“ vom September gehört, die eine erstklassige, gut verständliche Erklärung zu der Frage gibt, wie es zu der Krise überhaupt kommen konnte. Die Sendung gibt’s auch online (kostenlos zum online hören, ca. $1 für den Download). Hab ich schon mal erwähnt, dass das öffentliche Radio hier extrem gut ist?

Heute war ich bei einer Live-Radiosendung, nämlich bei Talk of the Nation, einer NPR-Sendung, die heute im Zuge des Wahlkampfs aus Columbus ausgestrahlt wurde. Themen waren die gestrige Debatte, die neue Warhol-Ausstellung im Wexner Center und die Rolle von race im Wahlkampf im Mittleren Westen. Der Moderator hatte zu jedem Thema ein oder mehrere Gäste da, denen das Publikum live im Saal, per Telefon oder per E-Mail Fragen stellen konnte. Es war ganz interessant, mal mitzuerleben, wie so eine Sendung gemacht wird. Man kann sich die Sendung auch im Internet anhören!

Das amerikanische Fernsehen bietet gute Serien, keine Frage. Da gibt es nichts zum Hinterhertrauern. Falls man mal Lust auf Reality-TV, Spielshows usw. hat (haben wir sehr selten), gibt es die hier fast alle in exakt gleichem Format, nur halt auf englisch.

Hin und wieder fehlt einem aber trotzdem mal was: Sei es, dass man mal ein paar vernünftige Nachrichten sehen möchte oder eine Reportage oder mal gucken, wie es in Köln zu Weiberfastnacht so aussieht. Hier kommt uns zugute, dass vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender immer mehr Sendungen online stellen. Die Tagesthemen versorgen uns deshalb auch hier mit Nachrichten (wenn auch die Sportberichterstattung aus rechtlichen Gründen fast immer rausgeschnitten wird). Hier gibt’s eine ganze Liste mit ARD-Sendungen, die mindestens teilweise übers Internet zu sehen sind. Der WDR hat ebenfalls eine lange Liste, z. B. kann man Quarks & Co. runterladen. Das ZDF hat eine ganz neue Mediathek mit großem Angebot.

Das alles ist natürlich nicht so, als hätte man hier das gleiche Fernsehprogramm wie in Deutschland. Aber es ermöglicht einem wenigstens, kostenlos (vom Internetzugang abgesehen, natürlich) über die wichtigsten Themen auf dem Laufenden zu bleiben.

Das Radio läuft bei uns selten, hauptsächlich im Auto oder auch mal übers Internet. Es gibt hier jede Menge kommerzielle Musiksender mit Country, amerikanischem altem Rock, viel Werbung, nervigen Moderatoren und so weiter. Für Musik bietet sich in erster Linie CD 101 an, wo es auch aktuelle Indie-Musik gibt. Der Sender organisiert außerdem Konzerte in Columbus und schon allein deshalb unterstützenswert. Wenn man keine Musik, sondern anspruchsvolle Sendungen hören möchte, führt kein Weg am National Public Radio (NPR) vorbei, einem Konglomerat aus öffentlich-rechtlichen Sendern. Das ist dann eher wie Deutschlandfunk oder WDR 5. Weil es hier keine Rundfunkgebühren gibt, muss der Sender sein Geld zumindest teilweise selber eintreiben, was dann schon mal in einer Fund Raising Woche enden kann, in der statt der anspruchsvollen Sendungen viele viele Spendenaufrufe laufen. Letztens habe ich dann noch ein lokales Internet-Radio namens pat radio gefunden, das mir von der Musik her ganz gut gefällt und das war’s dann bisher.

Neben den amerikanischen Sendern können wir natürlich weiterhin, wenn auch zeitversetzt, die deutschen Sender im Internet hören: 1Live, KölnCampus, Deutschlandfunk, Funkhaus Europa, sie alle (und viele andere) haben Web-Streams und manchmal auch Podcasts zum Runterladen und Umgehen der Zeitverschiebung. Ohne das Internet muss das Leben im Ausland ganz anders gewesen sein!