Columbus bekommt eine Straßenbahn! Mir ist schon klar, dass es noch lange dauern kann, bis die Pläne auch wirklich umgesetzt werden. Aber das wäre eine echte Verbesserung für die Stadt. Wo wir im Moment wohnen würden wir von der Linie sehr profitieren, denn man könnte damit nach Downtown und zur Uni fahren - sehr nützlich also. Und hoffentlich übersichtlicher als die Busse, die es zwar gibt, von denen man aber nie weiß, wann sie kommen und wohin sie fahren, weil die Haltestellen keinerlei Informationen bieten außer einem Schild “Haltestelle” und maximal noch der Busnummer.

= Driving under the influence, gemeint ist Alkohol am Steuer. Ich habe den Eindruck, dass das hier tatsächlich ein größeres Problem ist als in Deutschland, weil die Leute nicht weniger ausgehen/ trinken, aber der ÖPNV ungeeignet ist, spätabends nach Hause zu kommen und auch nicht immer ein Taxi zu bekommen ist. Die offizielle Grenze liegt bei 0,8 Promille, also nicht sehr niedrig. Entsprechend sind wir davon ausgegangen, dass ein bis zwei Bier im Laufe eines Abends kein größeres Problem darstellen. Bis ich heute diesen Artikel in der Lokalzeitung gesehen habe. Demnach darf die Polizei die Leute einfach nach Lust und Laune anhalten, wenn sie das Gefühl hat, dass man merkwürdig fährt. Und nicht nur anhalten, sondern auch vor Gericht bringen, wo sie von einer Jury für DUI verurteilt werden können (mit hohen Geldstrafen, zeitweisem Führerscheinentzug usw.), auch wenn der Blutalkohol nachweislich unter der zulässigen Grenze lag. Nur aufgrund eines Filmchens, das zeigt, dass man vielleicht merkwürdig abgebogen ist. Was ist das denn bitte für ein Rechtsverständnis? Wofür gibt es denn dann die Grenze? Mir erscheint das Ganze sehr willkürlich.

Bisher habe ich noch keine einzige Alkoholkontrolle gesehen, was mich schon gewundert hat, weil ich viele ziemlich alkoholisierte Menschen in ihren Autos habe wegfahren sehen. Es wäre ein Leichtes, durch Pustekontrolle einige davon rauszufischen. Aber so funktioniert es hier offenbar nicht. Es scheint, als ob die Polizei in Columbus stattdessen heute und morgen in einer seltenen Großaktion einfach Autos filmen will und dann die mit merkwürdigem Fahrverhalten vor Gericht bitten. Am besten bleibt man wohl zu Hause - ich bin sicher, dass ich aufgrund der Unkenntnis der Straßenführung schon häufig merkwürdige Spurwechsel gemacht habe.

Demnächst muss Michael beruflich nach Philadelphia. Immer daran interessiert, neue Städte kennen zu lernen möchte ich natürlich gerne mit. Die Hotelzimmer bieten sowieso immer Platz für zwei Personen - bei manchen Buchungssystemen braucht man nicht einmal angeben, ob man das Zimmer allein oder zu zweit nutzen möchte, weil es keinen Unterschied im Preis macht. Meine Anreise zahlen aber natürlich wir. Michaels Kollegen buchen in solchen Fällen ganz selbstverständlich einen Flug. Ich als optimistische bus- und bahn-verwöhnte Deutsche schaue mir erst mal die umweltfreundlicheren Alternativen an.

Mein erster Weg führt mich zu Google Maps, das mir verrät, dass zwischen Columbus und Philadelphia etwa 750 Kilometer Autobahn liegen. Geschätzte Fahrtdauer: 7 Stunden 40 Minuten. Kosten würden anfallen für Benzin, Autobahnmaut und Parkgebühren in Philadelphia. Bei ausreichend Urlaub und wenig Zeitdruck würde ich diese Variante vielleicht in Erwägung ziehen.

Mein zweiter Weg führt mich zur Bahngesellschaft Amtrak. Dummerweise hat Columbus keinen Bahnhof (!), so dass man erst mit dem Auto in eine Stadt mit Bahnhof reisen müsste (2-3 Stunden Fahrzeit). Nehmen wir an, man fährt drei Stunden bis Pittsburgh, das immerhin auf dem Weg nach Philadelphia liegt. Nun würde man noch eine über siebenstündige Zugfahrt vor sich haben, mehr als 2 Stunden länger als eine Autofahrt auf der gleichen Strecke! Die Züge fahren zudem nur sehr wenige Male am Tag. Die Kosten variieren und sind bei meinem willkürlichen Beispiel $250 für zwei Personen hin und zurück. Hinzu kämen Benzinkosten nach Pittsburgh und zurück sowie Parkgebühren am Bahnhof in Pittsburgh.

Columbus mag keinen Bahnhof haben, aber eine Greyhound-Station gibt es immerhin. Der Greyhound-Bus fährt mehrmals täglich nach Philadelphia, braucht aber sagenhafte elfeinhalb Stunden für die Strecke. Die Kosten liegen bei etwa $200 für zwei Personen hin und zurück.

Dies ist der Punkt, an dem ich sehr gut nachvollziehen kann, warum die Amerikaner so viele Strecken mit dem Flugzeug zurück legen. Ein Flug nach Philadelphia dauert nur ungefähr anderthalb Stunden. Selbst wenn man noch zweieinhalb Stunden für Wartezeiten am Flughafen hinzurechnet ist das mit Abstand die zeitsparendste Möglichkeit. Die Kosten für zwei Personen hin und zurück sind mit $260 sogar preiswerter als bei der Variante mit Zug und Auto zum Zug, und die $60 über dem Preis vom Bus sind angesichts der ewigen Reisezeit im Greyhound bestens angelegt. Fazit: Natürlich werden auch wir nach Philadelphia fliegen! Bis ich mir aber angewöhne, direkt einen Flug zu buchen ohne groß herumzusuchen, wird es sicher noch dauern.

Jetzt, wo ich mehr mit dem Auto fahre, kann ich euch ein paar Besonderheiten aus dem Straßenverkehr in Ohio berichten:

  • Die Ampeln hängen mitten über der Kreuzung direkt an der Stromleitung. Da muss man aufpassen, dass man nicht zur Ampel vorfährt, sondern vorher anhält, wo es sicher ist.
  • Immer wieder kommen einem Autos ohne Nummernschild entgegen. In Ohio muss man nur hinten ein Schild anbringen, vorne kann man es auch lassen.
  • Auf den Autobahnen ist es erlaubt, links und rechts zu überholen. Hinzu kommt, dass viele Fahrer einfach so vor sich hin fahren, ohne zu schauen, ob jemand vielleicht mal die Spur wechseln möchte. Das macht es schwierig, die Autobahn zu verlassen.
  • Es ist erlaubt, an einer roten Ampel rechts abzubiegen. Und das wird von den hinter einem stehenden Autofahrern offenbar auch dann erwartet, wenn sich die Ampel an einer schlecht einsehbaren sechspurigen Kreuzung befindet.
  • Die Beschilderung ist ganz schlecht. Nur auf dem Interstate sind Schilder mit Ortsangaben, in der Stadt habe ich schon sehr häufig die richtige Abbiegung verpasst.
  • Auf die Autobahn fährt man oft auf einer Spur, die dann mit der rechten Spur V-förmig zusammenläuft. Bis zu diesem Punkt muss man auf jeden Fall eine passende Lücke gefunden haben (schwierig, wenn niemand schaut, ob jemand rein möchte).
  • Während man selten einen Fahrradfahrer ohne Helm sieht, fahren fast alle Motorradfahrer ohne Helm. Und auch ohne Lederkleidung. Man sieht sie in Jeans und T-Shirt auf ihrer Harley sitzen, oft noch eine Beifahrerin im Kleidchen hinten drauf - ohne Helm! Ist hier nicht vorgeschrieben und scheint vielen wohl überflüssig.

Dafür ist die halbe Stadt auf Autofahrer ausgelegt: riesige Parkplätze, zahlreiche Parkhäuser, fast alle Läden auf der grünen Wiese, Drive-through nicht nur an Fastfood-Buden, sondern auch an Bibliotheken (Bücher abgeben), Briefkästen und Kaffeebuden.

Wieder etwas, das ich nicht verstehe: Wo waschen die Leute ihre Autos? Die meisten Autos sehen durchaus so aus, als ob sie ab und zu gewaschen würden und unseres hätte das jetzt auch mal dringend nötig. Die Tankstellen, an denen wir bisher waren, hatten jedenfalls keine Möglichkeit dafür. Eine Suche nach “car wash” in den gelben Seiten hat ein Häufchen Treffer alle in der Nähe voneinander gebracht, aber die waren alle in einem Gebiet mit Industriebaracken, wo kein Mensch zu sehen war und ich hab mich allein nicht getraut, auch nur auszusteigen. Waschen die Leute ihr Auto alle zu Hause mit der Hand? Und saugen sie es auch da? Muss ich unseres jetzt am Straßenrand waschen und den Staubsauger mit Verlängerungskabel auf die Straße stellen? Darf ich das überhaupt? Gibt es denn keine normale Waschanlage mit Staubsaugern? Wieso finde ich keine?

Meinen normalen deutschen Führerschein habe ja schon längst, aber der reicht hier auf die Dauer nicht. Zwar darf man eine ganze Weile noch damit fahren (ich glaube, sogar ein ganzes Jahr), aber erstens endet diese Zeit ja auch mal, zweitens kann man damit kein Fahrzeug registrieren und drittens ist der Führerschein hier ein Ausweis-Ersatz: Man weist damit nach, wo man wohnt und ob man alt genug ist, um Alkohol zu kaufen. Die Bibliotheken möchten z. B. gerne den Führerschein sehen, bevor sie einem einen Ausweis geben.

Auch hier hat sich das Internet als unglaublich hilfreich erwiesen. Ganz schnell findet man den Unofficial Online Guide to the OHIO DMV (Department of Motor Vehicles) und dort gibt es eine Zusammenfassung der Verkehrsregeln, das Digest of Ohio Motor Vehicle Laws. Die kann man sich als PDF herunterladen und sie bildet die Grundlage für die theoretische Führerscheinprüfung. Trotz seiner 84 Seiten ist das Ding schnell gelesen, und schließlich unterscheiden sich die meisten Verkehrsregeln auch nicht so stark von den deutschen - ein paar andere Schilder und Geschwindigkeitsbegrenzungen, ein paar lustige Sonderregeln (diverse Handzeichen zum Abbiegen, falls der Blinker kaputt ist), Regeln für Schulbusse usw., das war’s. Man kann dann einen Beispieltest im Internet machen.

Wenn man meint, dass man fit für die Prüfung ist, geht man zur lokalen Behörde (besser: man lässt sich fahren, denn dorthin kommt niemand ohne Auto - sehr praktisch für die Führerscheinstelle!). Die Mitarbeiter dort haben netterweise direkt gemeint, dass ich keine praktische Prüfung mehr machen muss, wenn ich schon einen deutschen Führerschein habe und damit sind mir ein Einparktest und ein Um-den-Block-Fahr-Test erspart geblieben. Die theoretische Prüfung konnte ich direkt am Computer machen, und Leute, die nicht lesen können oder wollen konnten sich die Fragen auch per Kopfhörer vorlesen lassen (haben auch einige gemacht). In Ohio bekommt man 40 Fragen, von denen man 30 richtig beantworten muss. Man kann auch Fragen ans Testende verschieben, wenn man sich nicht sicher ist. Das Ganze kostet außerdem erst Geld, wenn man genug Fragen richtig beantwortet hat, bis dahin kann man jeden Tag einen kostenlosen Versuch starten.

Ein Versuch hat mir jedenfalls gereicht, dann wurde noch schnell ein Foto für den Ausweis gemacht, und schon bin ich im Besitz eines schönen Ohio-Führerscheins für nur $24! Im Vergleich mit der deutschen Prozedur war das alles sehr angenehm, preiswert, schnell und unkompliziert. Das einzige, was mich wundert, ist dass jeder den Führerschein als Beweis ansieht, dass man an einer bestimmten Adresse wohnt. Die Führerscheinbehörde verlangt ihrerseits aber keine Beweise, sondern fragt einfach nach der Adresse…