Wenn man bereit ist, eine Weile zu fahren, kann man im Umland von Columbus noch einiges mehr unternehmen als in der Stadt:

  • Jeffersonville Outlets. Billiger Einkaufen, ca. 45 Minuten entfernt.
  • U-Pick-Farms. Obst und Gemüse auf dem Bauernhof selber pflücken, dazu teilweise weitere Angebote wie Streichelzoo, Heuwagenfahrt etc. Von mehreren Höfen im Umland angeboten.
  • The Wilds. Aufwändige Mischung aus Naturschutzprojekt und Safaripark. Jedenfalls laufen dort Nashörner und ähnliche Tiere frei in der Prärie herum. Ca. 1 Stunde 20 entfernt.
  • Amish Country. Natürlich kein eigenes Land, sondern einfach das Gebiet, in dem die Amish leben. Ca. 2 Stunden entfernt.
  • Dayton Aviation Heritage National Historical Park und National Museum of the United States Airforce. Schaffensstätte der Gebrüder Wright und Militärflugmuseum, beides in Dayton, etwa 1 Stunde 13 entfernt.
  • Hocking Hills. Vielleicht Ohios beliebtester State Park, schönes Gebiet zum Wandern, interessante Landschaft (nicht platt!). Etwa 1 Stunde entfernt.
  • Slate Run Living Historical Farm. Bauernhof, der zeigt, wie man früher auf dem Bauernhof gewirtschaftet hat. Etwa 30 Minuten entfernt.
  • Buckeye Lake State Park, Alum Creek State Park, Madison Lake State Park. Verschiedene Parks in 30-40 Minuten Entfernung, deren Hauptattraktion jeweils ein Badesee zu sein scheint.
  • Eriesee. Je nachdem, wo man dort hin möchte 2 Stunden 30 oder mehr entfernt.
  • Malabar Farm State Park. 1 Stunde 15.

Ich glaube, uns wird diesen Sommer nicht langweilig.

Ohio mag vielleicht nicht der Nabel der Welt sein, aber das lässt sich leicht kompensieren, indem man niedliche kleine Varianten mehr oder weniger berühmter Orte kreiert.

Teilweise finden sich ganze Länder in Ohio wieder: Holland, Malta, Palestine, Poland und sogar Russia leben als Ortschaften mit weniger als 5000 Einwohnern in Ohio auf. Lebanon hat es mit knapp 17000 Einwohnern sogar zum Status der Stadt gebracht.

Andere Orte sind nach Städten aus aller Welt benannt. Europa ist dabei besonders prominent vertreten. Allein aus Deutschland gibt es Berlin (sogar gleich zwei Mal in Ohio vertreten), Potsdam, Dresden, Hanover, Frankfort und Leipsic (die Schreibweise hat wohl unter der Entfernung etwas gelitten). Aus den Niederlanden sind Amsterdam, Antwerp und Dunkirk vertreten, aus der Schweiz Geneva-on-the-Lake, aus Frankreich Lyons, Marseilles, Montpelier, Strasburg und Versailles. Dublin liegt ganz in der Nähe von Columbus, und Großbritannien ist mit Dover, Cambridge, East Liverpool, London, Aberdeen, Camden, Greenwich, Manchester, Lancaster, Portsmouth, Reading und Sheffield besonders stark repräsentiert.

Auch der Mittelmeerraum darf nicht fehlen: Von Cadiz über Parma, Genoa, Milan und Verona, von Athens und Sparta über Madeira und Lisbon, von Alexandria und Cairo bis Jerusalem ist alles dabei. Der Osten ist mit Moscow und Warsaw weniger stark vertreten. Weiter von Europa entfernte Städte sind deutlich seltener (oder mir nur weniger aufgefallen), aber sie reichen von Lima über Sidney bis zu Ottawa und Toronto wirklich um die ganze Welt - und all das im ländlichen Ohio… Möchte man aber nach Köln, muss man bis Minnesota fahren :-)

Die Ikea-Dichte ist hier sehr viel geringer als man es in Deutschland gewohnt ist. Bis heute war das nächste Ikea von Columbus aus in Pittsburgh, Pennsylvania - gute drei Stunden Autofahrt entfernt, pro Strecke selbstverständlich. Das hat uns zwar nicht abgehalten, dort einen Möbel-Großeinkauf zu machen. Und auch die meisten unserer Bekannten haben schon Ausflüge dorthin unternommen. Aber das lohnt sich nur, wenn man viele Sachen braucht, die anderswo nicht so leicht zu bekommen sind.

Nun, ab heute hat Ohio ein eigenes Ikea, nämlich in West Chester bei Cincinnati. Das sollte die Fahrtzeit auf etwas mehr als anderthalb Stunden pro Strecke halbieren. Damit ist das Ikea in Reichweite für einen Sonntagsausflug gerückt. Alle Leute, die wir hier kennen, reden schon seit Wochen davon und schmieden Pläne, hinzufahren. Auch wir werden uns mit Sicherheit auf den Weg machen. In der Gegend von Cincinnati waren wir noch gar nicht, und neben der Stadt und dem Ikea gibt es dort noch einige vielversprechende Ziele!

Ohio ist als nächstes dran mit den Vorwahlen, nämlich am vierten März, gemeinsam mit Texas, Rhode Island und Vermont. Im Fernsehen kommen bereits häufig Werbespots für Hillary Clinton oder Barack Obama - die Republikaner scheinen die Vorwahl in Ohio nicht so wichtig zu finden. Ohio hat ein offenes Vorwahlsystem, d. h. wenn man möchte, kann man an den Vorwahlen der gegnerischen Partei anstatt der eigenen teilnehmen. Wenn man also z. B. Republikaner ist und davon ausgeht, dass Kandidat X der Demokraten die besseren Chancen auf die Präsidentschaft hätte, kann man hingehen und bei der demokratischen Vorwahl für Kandidat Y stimmen, um Kandidat X und damit die Chancen der Demokraten allgemein zu schwächen.

Wer etwas vom Wahlkampf sehen möchte, kann sich die Seite YouChoose auf YouTube anschauen. Dort stellen die Kandidaten beider Parteien regelmäßig neue Videos ein, in denen sie ihre Siege feiern, ihre Niederlagen rechtfertigen, ihre Meinung zu verschiedenen Themen kundtun, die Positionen der anderen kommentieren und sich von ihren Anhängern bejubeln lassen. Es ist teilweise ganz interessant, sich das mal anzusehen, zum Beispiel für Barack Obama oder Hillary Clinton (um mal die beiden rauszugreifen, bei denen die Vorwahlen noch am spannendsten sind).

Vor der Vorwahl wird es auch eine Fernsehdebatte zwischen Clinton und Obama geben, die in Cleveland aufgezeichnet wird. Beide haben trotzem ihr Wahlkampfcamp für Ohio in Columbus aufgeschlagen und das lässt hoffen, dass es vielleicht die ein oder andere öffentliche Veranstaltung geben wird, bei der wir einen Blick auf die Kandidaten werfen können.

Die kostenlose Veranstaltungszeitung Columbus Alive hat mich auf den Internet-Fernsehsender “Wild Ohio” aufmerksam gemacht. Wem gerade langweilig ist oder wer ernsthaft mehr über Fliegenfischen, fette Kastanien oder die Jagd auf Eichhörnchen (ich sehe jeden Tag mindestens 10) lernen möchte: Viel Spaß!

Weil Michael übers Wochenende arbeiten muss, hatte er gestern (Freitag) frei. Eigentlich wollten wir gerne in den Hocking Hills wandern gehen (das Laub sieht auch gerade so schön aus), aber dafür war das Wetter dann doch noch zu schlecht. Stattdessen sind wir zum Outlet in Jeffersonville gefahren, etwa eine dreiviertel Autostunde von uns entfernt auf halben Weg nach Cincinnati. Das Outlet ist nicht klein und viele Geschäfte hatten gerade irgendwelche Sales. Wir haben wieder viele neue Läden kennen gelernt und auch ein paar Sachen gekauft. Die Fahrt hat sich also gelohnt. Das Outlet ist aber nicht so toll, dass wir jetzt ständig hinfahren werden - fast alle Läden hatten auch ihre ganz normalen Kollektionen zum ganz normalen Preis und die nahmen teilweise großen Raum in den Läden ein, obwohl man sie viel einfacher direkt hier in Columbus bekommen könnte. Vermutlich lohnt sich eine Fahrt in erster Linie zu den Sales. Dann kann man zum Beispiel Sachen von Adidas, Ann Taylor, Banana Republic, Calvin Klein, The Gap, Old Navy und American Eagles kaufen (letztere sind moderner als ihre Namen vermuten lassen). Einen Bücherramsch von Borders gibt es auch. Bei dem aktuellen Wechselkurs würde sich das Outlet für Besucher aus Europa bestimmt noch mehr lohnen ;-)!

Die Temperaturen sind zwar sehr sommerlich (schwül und warm, gestern 28°C in unserer Wohnung!), aber dass der Herbst kommt, merkt man auf dem Markt und in den Läden. Halloween-Artikel, Kürbisse und Astern sind überall. Ein typisches Herbstvergnügen für Familien besteht offenbar darin, eine Farm zu besuchen und dort einen Kürbis zu kaufen, durch ein Maislabyrinth zu laufen und mit dem Heuwagen zu fahren. Jaja, wir passen nicht in die Zielgruppe, aber wir waren trotzdem neugierig, so eine Farm zu sehen und einen Kürbis wollte ich auch für Halloween. Deshalb sind wir gestern zur Circle S Farm gefahren, die nur knapp außerhalb von Columbus liegt. Hier ein paar Eindrücke:

Sonnenblumen-Labyrinth

Circle S Farm

Maisfeld

Kürbisse

Mit dem Alkohol ist es hier so eine Sache. Im Supermarkt bekommt man in der Regel Wein und Bier und merkwürdige Cocktail-Mixe. Wenn man etwas anderes möchte, muss man einen Liquor Store aufsuchen. Viele dieser Läden sehen genau so aus, wie man sich das vorstellt: In einem schlechten Viertel gelegen, heruntergekommen und ordentlich vergittert. Wir haben Glück und einen Liquor Store in der Nähe, der lange in erster Linie ein Weinladen war und entsprechend schick ist. Sonntags vormittags bekommt man übrigens gar keinen Alkohol, da wird dann einfach das Licht im Bierkühlschrank ausgeknipst - was man nicht (oder nur schlecht) sieht, kann auch nicht da sein!

Alle Leute die wir bisher kennen gelernt haben trinken Wein oder Bier, die Kneipen sind immer gut besucht und in feineren Restaurants ist es auch üblich Wein zu bestellen. Alkoholkonsum scheint genauso normal zu sein wie in Deutschland. Bloß nicht ganz, denn herumlaufen darf man mit seinen alkoholischen Einkäufen nicht (nicht ohne Tüte jedenfalls) und auf öffentlichen Veranstaltungen scheint grundsätzlich kein Alkohol ausgeschenkt zu werden. Jedenfalls hatten wir schon alkoholfrei: Die Kirmes, das Volunteer-Dinner, Shakespeare in the Park und einen Brettspiel-Treff.

Auch viele Kinos verkaufen kein Bier, und wo es doch welches gibt, sind wir beide (!) bereits nach unseren Ausweisen gefragt worden. Offenbar ist das Personal mancherorts gehalten, jeden zu kontrollieren. Dabei befolgt man oft die Richtlinie “wer keinen Führerschein aus Ohio hat, bekommt nichts”. Touristen scheinen hier nicht so häufig zu sein - ich glaube kaum, dass man an der Westküste mit so einer Regel viel verkaufen würde!

Jetzt, wo ich mehr mit dem Auto fahre, kann ich euch ein paar Besonderheiten aus dem Straßenverkehr in Ohio berichten:

  • Die Ampeln hängen mitten über der Kreuzung direkt an der Stromleitung. Da muss man aufpassen, dass man nicht zur Ampel vorfährt, sondern vorher anhält, wo es sicher ist.
  • Immer wieder kommen einem Autos ohne Nummernschild entgegen. In Ohio muss man nur hinten ein Schild anbringen, vorne kann man es auch lassen.
  • Auf den Autobahnen ist es erlaubt, links und rechts zu überholen. Hinzu kommt, dass viele Fahrer einfach so vor sich hin fahren, ohne zu schauen, ob jemand vielleicht mal die Spur wechseln möchte. Das macht es schwierig, die Autobahn zu verlassen.
  • Es ist erlaubt, an einer roten Ampel rechts abzubiegen. Und das wird von den hinter einem stehenden Autofahrern offenbar auch dann erwartet, wenn sich die Ampel an einer schlecht einsehbaren sechspurigen Kreuzung befindet.
  • Die Beschilderung ist ganz schlecht. Nur auf dem Interstate sind Schilder mit Ortsangaben, in der Stadt habe ich schon sehr häufig die richtige Abbiegung verpasst.
  • Auf die Autobahn fährt man oft auf einer Spur, die dann mit der rechten Spur V-förmig zusammenläuft. Bis zu diesem Punkt muss man auf jeden Fall eine passende Lücke gefunden haben (schwierig, wenn niemand schaut, ob jemand rein möchte).
  • Während man selten einen Fahrradfahrer ohne Helm sieht, fahren fast alle Motorradfahrer ohne Helm. Und auch ohne Lederkleidung. Man sieht sie in Jeans und T-Shirt auf ihrer Harley sitzen, oft noch eine Beifahrerin im Kleidchen hinten drauf - ohne Helm! Ist hier nicht vorgeschrieben und scheint vielen wohl überflüssig.

Dafür ist die halbe Stadt auf Autofahrer ausgelegt: riesige Parkplätze, zahlreiche Parkhäuser, fast alle Läden auf der grünen Wiese, Drive-through nicht nur an Fastfood-Buden, sondern auch an Bibliotheken (Bücher abgeben), Briefkästen und Kaffeebuden.

Am Labor Day sind wir in den einzigen Nationalpark Ohios gefahren, um dort ein paar Stunden zu wandern. Viele stellen sich unter einem amerikanischen Nationalpark vielleicht den Grand Canyon oder Yosemite vor; so spektakulär ist Ohio nicht. Dennoch ist Cuyahoga ein schöner Park, besonders zum Wandern. Wir sind einen winzigen, etwa dreistündigen Ausschnitt aus dem Buckeye Trail gegangen, einem Fernwanderweg, der in knapp 2000 (!) Kilometern rund um Ohio führt (aber komplett innerhalb der Grenzen des Staates liegt, teilweise sogar relativ weit weg davon). Hier ein paar Eindrücke:

Brücke am Buckeye Trail

Buckeye Trail in Cuyahoga National Park

Immer wieder gibt es im Park auch Gebäude wie diese alte Tankstelle, an der niemand mehr tanken kann:

Alte Tankstelle in Cuyahoga National Park

Mitten durch den Park fließt der Cuyahoga River:

Cuyahoga River

Insgesamt sind wir fast viereinhalb Stunden gewandert und haben den Park sehr schön gefunden. Wir kommen bestimmt noch mal wieder!

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