Endlich, endlich ist ein Ende des demokratischen Vorwahlkampfes abzusehen! Laut dem New York Times Delegate Calculator hat Obama zur Zeit 2,104.5 Delegiertenstimmen - heute haben sich noch mal viele Superdelegates für ihn entschieden! Zum Sieg fehlen ihm nur noch 14 Stimmen. In Montana und South Dakota sind heute (Dienstag) noch 48 Stimmen zu vergeben - das schafft er!

Was für eine Erleichterung. Sein Sieg war schon seit Wochen abzusehen, diverse Zeitungen und Zeitschriften wie z. B. TIME hatten Obama bereits als Nominee erklärt, aber Hillary Clinton hat den Anschein gemacht, als wolle sie noch ewig ihren aussichtslosen Chancen nachlaufen. Dabei hat sie in den letzten Wochen viele, viele Dinge gesagt, die sie mir richtig unsympathisch gemacht haben. Und viele Leute haben Angst, dass ein ewiger Wahlkampf in der Vorwahl den Demokraten in der general election im Herbst schaden würde - ich auch. Nun scheint das endlich ein Ende zu haben. Die Obama Supporter in Columbus treffen sich gleich im Little Palace, einer Kneipe Downtown. Das wird bestimmt eine große Party - wir sind schon auf dem Weg!

Wie der große Wahltag gestern ausgegangen ist, habt ihr bestimmt schon selber gelesen. Ich bin nicht sicher, was ich davon halten soll - nichts gegen Clinton, aber ich würde mich den bei der Tagesschau geäußerten Befürchtungen anschließen, dass die Republikaner insgesamt einen Vorteil aus den unklaren Verhältnissen bei den Demokraten ziehen könnten.

Hier in Columbus haben wir den Wahlkampf nur indirekt mitbekommen. Wir waren bei keinem Auftritt eines Kandidaten (teils waren diese schlecht angekündigt, teils zu unmöglichen Zeiten). Aber im Fernsehen kamen täglich Spots für Obama und Clinton, in jeder Lokalzeitung und im Radio gab es Interviews, man sieht Schilder in den Vorgärten “Vote for Obama” (oder eben Clinton), und auf dem letzten Gallery Hop haben die Anhänger beider Kandidaten versucht, richtig Werbung auf der Straße zu machen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht - die nächste Vorwahl kommt bestimmt!

Gestern war die Debatte zwischen Clinton und Obama in Ohio. Wir haben uns das Ganze im Fernsehen angeschaut, es wurde aus einem Hörsaal in Cleveland übertragen. Überwiegend fand ich die Debatte gar nicht so spannend. Die inhaltlichen Positionen sind teilweise sehr nah und es ist m. E. schwer, zu sagen, wer der geeignetere Kandidat wäre. Ich bin froh, dass ich an dieser Entscheidung nicht beteiligt sein werde! Wen es interessiert, der kann sich das ellenlange Transrkipt bei der New York Times durchlesen.

Ohio ist als nächstes dran mit den Vorwahlen, nämlich am vierten März, gemeinsam mit Texas, Rhode Island und Vermont. Im Fernsehen kommen bereits häufig Werbespots für Hillary Clinton oder Barack Obama - die Republikaner scheinen die Vorwahl in Ohio nicht so wichtig zu finden. Ohio hat ein offenes Vorwahlsystem, d. h. wenn man möchte, kann man an den Vorwahlen der gegnerischen Partei anstatt der eigenen teilnehmen. Wenn man also z. B. Republikaner ist und davon ausgeht, dass Kandidat X der Demokraten die besseren Chancen auf die Präsidentschaft hätte, kann man hingehen und bei der demokratischen Vorwahl für Kandidat Y stimmen, um Kandidat X und damit die Chancen der Demokraten allgemein zu schwächen.

Wer etwas vom Wahlkampf sehen möchte, kann sich die Seite YouChoose auf YouTube anschauen. Dort stellen die Kandidaten beider Parteien regelmäßig neue Videos ein, in denen sie ihre Siege feiern, ihre Niederlagen rechtfertigen, ihre Meinung zu verschiedenen Themen kundtun, die Positionen der anderen kommentieren und sich von ihren Anhängern bejubeln lassen. Es ist teilweise ganz interessant, sich das mal anzusehen, zum Beispiel für Barack Obama oder Hillary Clinton (um mal die beiden rauszugreifen, bei denen die Vorwahlen noch am spannendsten sind).

Vor der Vorwahl wird es auch eine Fernsehdebatte zwischen Clinton und Obama geben, die in Cleveland aufgezeichnet wird. Beide haben trotzem ihr Wahlkampfcamp für Ohio in Columbus aufgeschlagen und das lässt hoffen, dass es vielleicht die ein oder andere öffentliche Veranstaltung geben wird, bei der wir einen Blick auf die Kandidaten werfen können.

Unter dem Titel State of the Union hält der amerikansiche Präsident einmal pro Jahr eine Rede vor dem Congress. Die diesjährige Rede wurde gestern gehalten und wurde auf allen (!) Fernsehkanälen, die Michael und ich empfangen können, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, übertragen. Eine ganze Stunde lang, plus vor- und nachträgliche Berichterstattung. Diese Gleichschaltung sämtlicher Kanäle hat mich schon etwas gewundert.

Ich habe manchen Teilen der Rede nicht gut folgen können, wenn es z. B. um irgendwelche Maßnahmepakete ging, von denen ich noch nie gehört hatte. Trotzdem fand ich ein paar Sachen auffällig:

  • Obwohl es ja ein Wahljahr ist, wurden noch sehr viele Maßnahmen vorgeschlagen, darunter auch eher kontroverse. (Ob die dann auch alle umgesetzt werden, kann ich natürlich nicht beurteilen.)
  • Die Abgeordneten von Repräsentantenhaus und Senat haben ständig großzügig applaudiert und sind dazu auch öfter mal aufgestanden. Standing Ovations gab es dabei nicht nur von der eigenen Partei, sondern immer wieder vom gesamten Publikum inklusive der Democrats (meiner Meinung nach meist bei gut klingenden Allgemeinplätzen à la wir wollen mehr Weltfrieden/ Gerechtigkeit/ usw.). Das muss irgendeine Tradition bei diesen State-of-the-Union-Reden haben, denn manche sahen schon sehr verkniffen aus und sind trotzdem aufgestanden.
  • Einige Abgeordnete wollten nach der Rede ein Autogramm von Bush auf ihr Programmheft. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundestagsabgeordneten Angela Merkel nach einem Autogramm hinterherrennen.
  • Öfters wurde mit einem Veto gedroht, nach dem Motto: Wenn ihr mir diesen und jenen Vorschlag auf den Tisch legt, unterschreibe ich nicht. Ich fand, dass das immer sehr harsch klang - und ist es denn der Sinn einer Demokratie, dass der Präsident Maßnahmen ablehnt, die die Volksvertreter mehrheitlich befürworten? Trotzdem wurden auch solche Sätze durchaus bejubelt.
  • Es wurden viele Themen abgehandelt, von der Außen- über die Umweltpolitik bis zum Gesundheitssystem, darunter auch viele, die im Wahlkampf heiß diskutiert sind. Manche Themen wurden allerdings auch ausgespart, z. B. Guantánamo.

Insgesamt war es schon interessant, diese Rede mal zu sehen. Wen es interessiert, der kann sie auf der Website des Weißen Hauses auch selber nachlesen. Dort ist auch verzeichnet, wofür es Applaus gab.

Gestern war (Kommunal-)Wahltag in Columbus. Der Bürgermeister-Kandidat der Democrats, Coleman, ist mit knapp 70% der Stimmen eindeutig wieder gewählt worden. So weit, so gut.

Dann ist auch noch der Stadtrat (city council) gewählt worden. Der besteht im Gegensatz zu Deutschland offenbar nur aus sieben Leuten. Aus den Wahlergebnissen werde ich aber nicht schlau, weil der Dispatch mir vorenthält, zu welcher Partei die gewählten Kandidaten gehören! Ich schätze mal, wenn die Democrats hier eine so starke Anhängerschaft haben, werden die meisten vielleicht auch Democrats sein. Oder ob es oft unabhängige Kandidaten gibt? Keine Ahnung, wer mehr weiß, kläre mich bitte auf!

Wahlen finden hier im Paket statt, denn neben Mayor und City Council wurde auch noch das School Board gewählt und über einige Dinge direkt abgestimmt. Das alles war mir vor den Wahlen ganz unbekannt. Es ist ein komisches Gefühl, so wenig über die Hintergründe des Wahltags zu wissen. Und die Auswirkungen der Kommunalwahlen betreffen uns ja auch. Zu unserer Verteidigung kann ich sagen, dass das Fernsehen nur einen lahmen Ticker gezeigt hat, keine richtige Berichterstattung (oder wir haben sie nicht gefunden).

Wie es scheint, besteht das School Board aus ein paar Leuten, die je nach State und Ort unterschiedliche Befugnisse haben können. Das Columbus Board of Education befasst sich u. a. offenbar damit, welches Essen es an den Schulen geben soll - ob es aber noch viel mehr zu sagen hat, ist nicht ganz leicht herauszufinden. Geschweige denn, was die Kandidaten voneinander unterscheidet.

Weiterhin wurde über Issue 14 abgestimmt. 78% haben mit “yes” gestimmt, aber wofür? Offenbar geht es um eine stärkere finanzielle Unterstützung bedürftiger Senioren. Alles, was mehr Sozialleistungen verspricht, ist aus meiner (zugegeben noch etwas naiven) Sicht erst mal gut.

Das waren die Ergebnisse, die Columbus direkt betreffen. In Columbus eingeschlossen sind aber kleine Städte wie Bexley oder Upper Arlington, die eigene School Boards und Bürgermeister haben und außerdem noch über verschiedene andere Dinge abgestimmt haben - irgendwas mit Steuern, Bibliotheken und Alkoholausschanks-Zeiten? Ich durchschaue das einfach alles noch nicht. Bei der nächsten Wahl bin ich hoffentlich besser informiert!