Gestern hat, relativ überraschend, dann doch endlich das Psychologie-Kolloquium an der Ohio State University angefangen. Es kam sogar ein Redner, von dem ich schon etwas gelesen hatte, allerdings war das Thema, über das er gesprochen hat, ein ganz anderes als meins (war auch so angekündigt). Es war jedenfalls schön, mal wieder an einer Uni zu sein. Und überhaupt: Menschen! Viele Menschen! Junge Menschen! Und sie gehen zu Fuß! Oder fahren mit dem Fahrrad! Vielleicht werde ich öfter mal den Campus besuchen, da ist wenigstens ein bisschen Leben. Das Kolloquium war ziemlich überfüllt, es mussten sogar Leute auf dem Boden sitzen. Das Publikum war sehr gemischt, vom Professor bis zum Erstsemester. Einige sahen aus, als ob sie auf High School Beauty Queen üben würden, haben die ganze Zeit gelangweilt Kaugummi gekaut und sind nach dem letzten Wort des Vortragenden vor der Diskussion schnell verschwunden. Was nächste Woche passiert, ist mir noch unklar - ob es keine Veranstaltung gibt oder nur eine interne. In zwei Wochen gehe ich aber wieder hin, dann findet der nächste Gastvortrag statt.

Columbus hat eine sehr große Universität mit einem ebenfalls großen Psychologie-Department. Die Kurse dort sind selbstverständlich den eingeschriebenen (und zahlenden) Studierenden vorbehalten. Es sollte allerdings auch ein Kolloquium geben, das der Öffentlichkeit zugänglich ist. Nachdem das Fall Quarter letzte Woche angefangen hat und der Kolloquiums-Kalender immer noch leer ist habe ich bei der Uni angerufen, um mich danach zu erkundigen. Ja, es gibt ein Kolloquium und ja, es ist zumindest meistens öffentlich. Aber: Vor November wird es wahrscheinlich keine Gastvorträge geben. Schade, denn ich hatte gehofft, bei dieser Gelegenheit bald mal ein paar Psychologie-Grad-Students kennen zu lernen. Wenigstens weiß ich jetzt, dass die Website bei passendem Anlass durchaus aktualisiert wird und ich mich auf die Ankündigungen dort verlassen kann.

Ich möchte gerne Mitglied in der American Psychological Association (APA) werden. Hierfür muss ich nachweisen, dass mein Diplom äquivalent mit dem amerikanischen Master ist. Das macht die APA nicht selbst (obwohl ich sicher bin, dass sie schon häufig Mitgliedschaftsanfragen von deutschen Diplom-PsychologInnen hatten), sondern sie verweist mich an World Education Services (WES).

WES benötigt neben $100 von mir:

  • Kopie des Diploms
  • Kopien des Diplom- und des Vordiplom-Zeugnisses
  • “Academic transcripts issued by the institutions attended for all post-secondary programs of study”

Das alles muss außerdem auf englisch übersetzt sein. Die Zeugniskopien sind kein Problem, allerdings muss ich sie offenbar von der Uni oder einem professionellen Übersetzer ins Englische übertragen lassen. Das kostet natürlich wieder extra und dauert auch.

Völlig ratlos bin ich allerdings wegen des academic transcripts. Da steht extra bei, dass das Studienbuch nicht genügt bzw. kein transcript darstellt und dass die Uni das transcript ausstellen und direkt an WES schicken muss. Falls jemand eine Idee hat, welche Stelle der Uni für so etwas zuständig ist und ob die überhaupt wissen, wie so ein transcript auszusehen hat, hinterlasst bitte einen Kommentar!

Langsam überlege ich schon, ob die APA Mitgliedschaft diese Kosten und Mühen überhaupt wert ist - andererseits kann es gut sein, dass die ganze Prozedur sowieso auf mich zukommen würde, wenn ich hier arbeiten wollte - wobei ich dann ja den PhD hätte und alles noch mal mit diesem Abschluss machen müsste… Für Tipps für eine kluge Entscheidung wäre ich dankbar!

Ich möchte unbedingt einen Ausweis für die OSU Unibibliothek, um dort Bücher für die Diss ausleihen zu können und Zeitschritenartikel kopieren zu können, die die Jacobs University nicht online hat. Leider gibt die Unibibliothek nur Ausweise an Studierende und Mitarbeiter der Uni, nicht aber an normale Einwohner von Columbus. Dennoch gibt es ein paar Möglichkeiten, an eine sogenannte courtesy card, eine Art Ausweis mit eingeschränkten Funktionen, zu kommen. Die einzige, die mir davon realistisch erschien, war die Mitgliedschaft im Verein der Friends of the Library für $55 pro Jahr. Ich hatte die Anmeldung schon ausgefüllt, da hat Michael noch eine Lücke im System gefunden: Ich kann als Bewohner Ohios kostenlos Mitglied in der State Library of Ohio werden, die sogar bei uns um die Ecke ist. Diese Bibliothek ist widerum Mitglied im System OhioLINK, in dem auch die Unibibliothek Mitglied ist. Alle Bibliotheken des Systems können mit dem Ausweis von einer Bibliothek genutzt werden. Und noch besser: Man kann sogar Bücher von einer Bib in die andere bestellen. Da müsste ich noch nicht einmal mit dem Bus oder dem Rad zu Uni (beides noch nicht ausprobiert), sondern könnte bequem zu Fuß und vor allem schnell die Sachen abholen, die ich brauche. Also online die Karte bestellt, und zwei Tage später kommt der Ausweis auch schon mit der Post. Demnächst werd ich mir die Unibibliothek mal anschauen und testen, ob das mit dem State Library Ausweis auch wirklich funktioniert.